Hallo zusammen,
der Kriegshafen, bzw. die Seefestung liegt ja heute auf montenegrinischem Gebiet.
Obwohl die Montenegriner damals etwas flapsig gesagt, nur vom Lovcen runtergucken mussten, um die Österreicher auszuspionieren frage ich mich auch, welche Bevölkerungsgruppen damals vor 1918 dort gelebt haben, und wie es mit deren Loyalität zum Kaiser in Wien bestellt war. Gibt es da Quellen? Auf den historischen Karten wurden Kroaten und Serben ja zusammen in einen Topf geworfen.
Grüße
Felix
Hallo,
es gibt einen dicken fetten Atlas zur Volkszählung von 1910 im Maßstab 1:100000. Dort sind alle Orte (bei dem Maßstab auch nicht verwunderlich) mit den jeweiligen Bevölkerungsverhältnissen aufgeführt - also wer gehört welcher Ethnie an.
MfG
Ulli
PS: Sollte zumindest eine größere Universitätsbibliothek haben
Ich habe einen guten Freund, dessen Frau ist gebürtige Kroatin (aber schon seit Kindertagen als "Gastarbeiterkind" in Deutschland). Ihre
Familie kommt zwar nicht von der Küste, aber inzwischen kennt sie sich dort gut aus (haben ein Segelboot in Zadar). Sie erklärte mir den
Unterschied Kroaten - Serben ganz einfach, nämlich an der Religion festmachend: Kroaten = katholisch, Serben = orthodox. Früher - und
die Frage von Felix bezieht sich ja auf die Zeit vor 1918 - seien religiös gemischte Ehen sehr selten gewesen. Was die Loyalität zum Kaiser
in Wien beträfe meint sie, dass die Kroaten eigentlich sehr kaisertreu gewesen seien - Vorbehalte hätten eher bestanden gegenüber den
Ungarn und den Italienern, denn diese waren unter den "Bessergestellten" und hätten meist das Sagen gehabt, obwohl sie doch unter
den Kroaten in der Minderheit waren.
Das ist ihre - sicher subjektive - Aussage. Wie die Zusammensetzung Kroaten - Serben - Italiener - in den Ortschaften rund um die Bucht von
Kotor/Cattaro sich darstellt (bzw. bis 1918 darstellte) weiss sie allerdings nicht. Mindestens bis Dubrovnik seien aber heutzutage alles
Kroaten, Serben seien nur "Zugezogene".
RePe
Hercegnovi / Castelnuovo bis Kotor / Cattaro Ostern 1990, noch vor dem Krieg (also noch Yugoslawien):
- gut katholisch allerwege (= Kroaten), bekommt man in der Osterwoche ja mit; Palmsonntag, Glocken schweigen vom Freitag bis Ostersonntag, etc.-
14 Jahre später: gleiches Bild (obwohl Sommer 2004); Prozessionen zum 15. 8. (Mariae Himmelfahrt) rund um die Bucht.
"Lingua franca" 1990 bei älteren Ansprechpartnern (>55) durchwegs Italienisch,
2004 nur noch sehr bedingt I, eher Englisch oder oft Gastabaytari-Deutsch.
Soweit von "heute",
:MG:
In lückenhafter Kurzform:
Die heutige Bucht von Kotor, früher Cattaro gehörte zu Süddalmatien. Die Bewohner der "Bocche di Cattaro" nannte man "Bocchesen".
Bevölkerung (bzw Machthaber) chronologisch: Illyrer, Römer, Byzantiner, Slawen (Serben), die Bucht und das Montenegrinische Küstengebiet war umkämpfte Grenze zwischen Türken und Venezianer.
Die Grenze zum damaligen (18. u. 19. Jhdt) Fürstentum und später Königreich Montenegro verlief u.a. am Hang des Lovcen. Das ehemals venezianische Dalmatien kam nach dem Wiener Kongress zur Österr., ab 1867 Österr. ung. Monarchie. Um den Machtwechsel zu akzeptieren versprach man den Bocchesen die Beibehaltung althergebrachte Rechte u.a. die Befreiung vom Militärdienst.
Als etwa Mitte des 19. Jhdt die Grund- u. Gebäudesteuer eingeführt wurde und die Bocchesen zum Militärdienst einrücken sollten, kam es im Bereich der Bucht von Catttaro zu bewaffneten Aufständen gegen die Monarchie. Bekannt sind die "Insurgentenaufstände" von 1869 und 1882. Aufgrund der Armut des Volkes fanden sehr oft die Überfälle nach der Verproviantierung der Forts und Stützpunkte statt. Die Monarchie antwortete schliesslich mit der Entsendung einer starken Militärbesatzung unter FZM Jovanovic und mit dem Bau von Festungsanlagen sowie "Devensionskasernen" (Verteidigungsfähige Gendarmeriekasernen). Ein Teil der Bocchesen fügte sich, ein Teil begab sich unter die Obhut des Fürsten Nikola von Montenegro.
Der wirtschaftliche Aufschwung in der Bucht von Catttaro, tat ein übriges um die Lage zu beruhigen.
Es entstand dadurch in der Bucht ein bescheidener allgemeiner "Wohlstand" (Nicht zu verwechseln mit jenem der Kapitäne der venezianischen Ära)
Den Bau der Festungsanlagen im Bereich der Bucht kann man grob in etwa folgende Abschnitte einteilen:
Bis ca 1790 venezianisch zum Schutz der Bucht gegen die Türken (z.B. Spagniol in Castelnuovo, San Giovanni in Cattaro, San Groce in Perast, Passsperre Trinita etc ).
Ca 1850 erste Österr. Bauphase: Mamula, Arsa, Fort Punta Ostro, Schutz der Einfart der Bucht,
1869 - 1882 verschiedene Blockhäuser und Festungsanlagen gegen die Überfälle und die Insurgentenaufstände der Bocchesen (Sanik, Vranovo Brdo bis Gorazda etc)
1900 und bis zum 1. WK Verteidigung der Bucht zur See und gegen Montenegro (Batterien Kobila, Cabala, Fort Vermac, Radisevic, Traste, etc. sowie Modernisierung alter Anlagen. Die Militäranlagen in Crkvice (Werk Dvrsnik) schlossen nahtlos an den bosnischen Festungsgürtel im Bereich Trebinje.
Es gibt sehr viel Historsches und Kulturelles zum Ansehen.
Literatur:
u.a.
Schmalix, Führer durch die Bocche di Cattaro,
Zsupanek, k.u.k. Befestigungen, Militärbauten und Anlagen im Raum Cattaro
Rolf, Festungsbauten der Monarchie
Übrigens, Kroaten und Serben wurden nie in einen Topf geworfen.
@Alle: Danke, jetzt bin ich im Bilde...