Bei dem am 16. November 1960 in Komsomolsk auf Kiel gelegten Boot kam es schon zuvor zu zwei schweren technischen Defekten. Im August 1963 kam es zur Ansammlung von Kühlwasser im Reaktorabteil, das bis auf Hüfthöhe anstieg, bevor die Mannschaft den Defekt mit Bordmitteln beheben konnte. Im September 1963 verlor die Mannschaft während einer Unterwasserfahrt mit 14 Knoten plötzlich die Kontrolle über die Ruderanlage. Das Boot begann schnell über den Bug tiefer zu sinken und konnte nur mit Mühe abgefangen werden. Ursache war ein Defekt am Rudergestänge, der beim Bau des Bootes übersehen worden war.
Im Jahr 1970 kam es an Bord zu Unstimmigkeiten über die genaue Position von K-122 und ein vom Kommandanten befohlener Tauchgang auf 200 Meter Tiefe endete bei 196 Metern, als K-122 mit dem Bugsonar ein Korallenriff rammte.
Am 20. August 1980 brach während einer Tauchfahrt ein Feuer in Abteilung VII aus. Das automatische Feuerlöschsystem wurde ausgelöst, aber neun Männer wurden durch das Freon-Löschmittel vergiftet. Mit Ausnahme des Bugtorpedoraums war der gesamte Druckkörper mit Rauch und giftigen Gasen gefüllt, so dass sich die Mannschaft nach dem Auftauchen an Deck begeben musste. Das Boot feuerte Leuchtkugeln als Notsignal. Durch das Feuer im Boot ließen sich die oberen Zugangsluken zu den Abteilungen im Heck nicht mehr öffnen. Die Seeleute, die in den hinteren Abteilungen gefangen waren, konnten erst befreit werden, nachdem ein Maat, der sich bei der Aktion eine tödliche Rauchvergiftung zuzog, eines der Torpedorohre öffnete und so einen Druckausgleich herstellte.
Der in der Nähe stehende britische Shell-Tanker Gari (46.000 dwt) kam als erstes Schiff heran und bot dem Boot, das stark qualmte, Hilfe an.
Ein Boot der Gari konnte nur eine kleine Gruppe der Besatung von K-122 an Bord der Gari bringen um einen Funkspruch in Russisch abzusetzen.
Jede weitere Hilfe, außer etwas Frischwasser und Morphium wurde abgelehnt.
Es gibt aber auch Berichte die besagen das die Gari letztlich die Informationen über die Notlage von K-122 über die britische Botschaft an die sowjetische Marine weiter leitete, die dann Rettungsschiffe entsandte.
Auf K-122 wurde auf dem Vordeck ein behelfsmäßiges Sonnensegel aufgespannt unterdem die bei dem Brandt Verletzten und die bis dahin 9 Toten untergebracht wurden.
K-122 hatte offensichtlich jegliche Energieversorgung verloren.
Als das sowjetische Handelsmarine-Schulschiff Meridian eintraf wurde K-122 nach Vladivostok geschleppt.
Insgesamt kamen 14 Seeleute der K-122 um. Das Boot wurde nicht mehr repariert aber erst 1995 abgewrackt.
Ist bekannt wie viele Stunden nach dem Auftauchen von K-122 die Meridian am Unglücksort eintraf ?
Echo-1- Klasse
http://wp11082610.server-he.de/www/echo-i-klasse.html
Shell Tanker Gari
http://www.helderline.nl/tanker/503/gari+%282%29/
Meridian, von ihr konnte ich kein Foto finden,
eventuell ein Schiff dieser Klasse http://en.wikipedia.org/wiki/Vishnya-class_intelligence_ship
Dann wäre es allerdings kein Schulschiff gewesen sondern ein Aufklärungsschiff.
:MG:
Manfred
Moin,
nachdem heute Mittag mein PC sein Leben aushauchte, so dachte ich, kam letztlich ein Ergebnis zu Tage, das doch günstiger war. Nach allem Probieren wechselte ich den Bildschirm und sieh da, alles wieder im Lot. Der alte Bildschirm geht nun den Weg allen Schrotts.
So, bin ich nun seit einer halben Stunde wieder arbeitsfähig und fand diesen Thread von Manfred. Da kann ich nicht wiederstehen und mache mich an die Arbeit.
1. Die K-122 ist ein atomares Torpedo-U-Boot Projekt 659-T
2. Es wurde zunächst als PLARK (atomnaja podwodnaja lodka s
krylatymi raketami = Atom-Unterseeboot mit aerodynamischen
Flugkörpern (NATO Klassifizierung SSGN) am 16.11.1960 in Bau
gegeben und ging am 30.09.1962 in Dienst der Seekriegsflotte
3. Die Ergebnisse mit dem Raketenkomplex P-5D mit der Flugelrakete P-7
brachten aber nicht die gewünschten Ergebnisse. Daraufhin wurden
alle inzwischen fertiggestellten Boote als reine Torpedoträger
rückgebaut.
4. K-122 war dazu das Typboot und wurde von 02.1964 bis
12.1968 in Bolschoj Kamen bei der SRZ N° 892 ZVEZDA umgebaut.
Das kurz zum Projektyp 659-T mit K-122
Nun zu den Havarien des Bootes und da hat das Boot nicht nur gekleckert, sondern eine wenig vergleichbare Anzahl auf der Habenseite!
Da muss ich jetzt mal Manfred loben, der eine gute Vorgeschichte der tatsächlichen Havarien abgeliefert hat. Damit kann man etwas anfangen, vor allem so einige Hingergrundinformationen bringen.
Zu den Havarien:
08.1963
- Beim Üben von Elementen zur Erlangung der Gefechtsbereitschaft von
U-Boot und Besatzung kam es zu einem Defekt im Kühlwassersystem
der Reaktorabteilung, nicht ...abteil lieber Manfred! Das Wasser
stieg schnell an. Es hatte eine Temperatur von 60°C.
09.1963
- K-122 war beim Üben von Elementen der Übungsaufgabe 2 mit der
331. Besatzung unter Fregattenkapitän Rjabow an Bord. Bei Nachtfahrt
trat die von Manfred beschriebene Havarie ein. Erst nach Behebung der
Schäden konnte K-122 bei der Pazifik Flotte am 3.12.1964 in Dienst
gestellt werden.
06.1968
- Während der Standerprobung an der Werftpier Schaden an der
Hauptantriebsanlage durch defekten Dampfgenerator.
04./05.1970
- K-122 befand sich auf einen 38-Tage-Einsatz während des Manövers
OZEAN in der Philippinen See unter dem Kommandanten KzS Kopjow
mit dem Vorgestzten der Fahrt an Bord, dem Stellvertreter des
Divisionschefs der 26. Division KzS Sutschkow.
Jetzt kam es so wie beschrieben, bei 196 Meter Tiefe kam es zur
Grundberührung. Rumms!!! Dazu stellte die Untersuchungskommission
fest:
Während des autonomen Marsches zum Manöver OZEAN im Mai
1970 kam es durch Kommandantenfehler zur schweren Havarie auf
K-122. Im Ergebnis der von Admiral N.N. Amelko geleiteten
Untersuchungskommission wurde der Kommandant Fregattenkapitän
W.F. Kopjow abgelöst. Er war das Bauenopfer für KzS L.F.
Sutschkow, dem Vorgesetzten der Fahrt, der ebenfalls versagt hatte.
Kapitän zur See Sutschkow war nach einem späteren Bericht von A. F.
Kopjow bis 1973 Stellvertreter des Divisionschefs der 26. Division
und wurde dann nach der Havarie auf K-56 endgültig seines
Postens enthoben.
20.08.1980
- Am 20.08.1980 kam es bei einer autonomen Übungsfahrt zur
genannten schweren Havarie von K-122. Nach 9 Stunden traf
das Schulschiff MERIDIAN der Wladiwostoker Seefahrtsschule, also
ein "Zivilschiff" am U-Boot ein und übernahm einen großen Teil der
Besatzung. Nach drei Tagen traf das Mutterschiff BORODINO
(schwimmende Basis) mit einer Reservebesatzung und
Werftspezialisten ein. K-122 wurde in die Basis zurückgeschleppt.
- Wie reagierte die Flottenführung??
Kapitän zur See Sawaruchin, Chef des Stabes der 26. Division der
Pazifik Flotte und Vorgestzter der Fahrt, der Kommandant von K-122
Kapitän zur See Sisow und sein Gehilfe Kapitänleutnant Sawenkow,
der Kommandeur GA V Fregattenkapitän Schlykow und der Gehilfe des
Flagmechanikers für Überlebenstraining Korvettenkapitän Rybkin
wurden wegen der schweren Havarie von K-122 ihrer Dienstposten
enthoben.
Und damit das Ende!
hillus
Hallo Olaf, hast Du noch ein gutes Foto von dem Kahn? Mein Foto ist in der Qualität nicht so gut!
Danke Jochen
moin, Jochen,
zwei Fragen:
Zitat von: hillus am 27 Juni 2013, 21:49:47
.. der Kommandant von K-122 Kapitän zur See Sisow und sein Gehilfe Kapitänleutnant Sawenkow, der Kommandeur GA V Fregattenkapitän Schlykow ...
1. Wenn der Gehilfe des Kommandanten (in der Funktion des I.O.) "nur" Kapitänleutnant ist, ist er dann dennoch Vorgesetzter des GA-Kommandeurs im Range eines FKpt ?
Zitat von: hillus am 27 Juni 2013, 21:49:47
.. der Gehilfe des Flagmechanikers für Überlebenstraining Korvettenkapitän Rybkin
und 2. Das hört sich (in deutscher Sprache) nicht nach einem Stabsoffiziersdienstposten an. Was ist der "Flagmechaniker" wirklich ?
Gruß, Urs
@Urs
zu 2. Könnte mMn so was wie ein A4T oder Schiffstecchniker im Stabsoffiziersdienstgrad sein
Axel
Mein lieber Urs,
mit den Dienstposten auf den russischen Schiffen hast Du es aber. Eigentlich ist das alles schon geschrieben, aber für Dich mache ich es gern noch einmal.
Also:
1. Starschij pomotschnik war der Obergehilfe des Kommandanten, vergleichbar mit dem 1. Wachoffizier oder IO!
2. Pomotschnik ist eine Stufe tiefer und damit nur der Gehilfe des Kommandanten, vergleichbar mit dem 2. Wachoffizier oder IIO oder eben nur Wachoffizier! Diese Offiziere waren immer Kaleu's bis Korvette!
3. Der Kommandeur des GA V ist der Kommandeur des Maschinen-Gefechtsabschnittes, ist immer der LI=leitender ingenieur. Im Russischen wird er auch verkürzt als Flagmech, also als Hauptmechaniker genannt.
4. Der Gehilfe des Flagmech ist kein Stabsoffiziersposten. Die lassen sich besser absägen! :MLL: :MLL: :MLL:
Eine gute Nacht wünscht
Jochen
P.S. Das kam schon einmal von Olpe:
Hallo,
an dieser Stelle vielleicht einige Gedanken meinerseits, die ggf. als Basis der Erklärungen der Kommandostruktur und der entsprechenden Dienststellungen an Bord von zaristischen/sowjetischen/russischen Schiffen dienen können. Um Übersetzungsschnitzern und Transliterierungsfehlern vorzubeugen, habe ich die Hierarchie in beiden Sprachen dargestellt:
Kommandant
Hauptgehilfe des Kommandanten (1. Stellvertreter des Kommandanten, ältester Offizier)
Wachvorgesetzter (Vorgesetzter der Wachdienste, ab Leutnant aufwärts)
Wachoffizier (Gehilfe des Wachvorgesetzten)
Schiffswache
niedrigere Dienstgrade
Командир корабля
Старший помощник командира корабля (первый заместитель командира , старший офицер)
Вахтенный начальник (офицер, возглавлявший вахтенную службу, в чине лейтенанта и старше)
Вахтенный офицер (помощник вахтенного начальника)
Судовой караул
Нижные чины
Die Unterstellungsverhältnisse können sich etwas ändern beim Liegen des Schiffes vor Anker oder an einer Festmacherboje sowie in Fahrt.
Der hier öfters genannte 1. Wachoffiziers als Synonym für den Hauptgehilfe des Kommandanten im Hinblick auf eine Bezeichnungsanpassung an die verschiedenen deutschen Marinen ist durchaus sinnreich und gut, sollte aber mit der temporären Funktion des Wachoffiziers nicht verwechselt werden.
:MG:
Zitat von: hillus am 27 Juni 2013, 21:49:47
Hallo Olaf, hast Du noch ein gutes Foto von dem Kahn?
Hallo Jochen,
ich schau mal in meinem Archiv ... aber erst Morgen ... :-)
Grüsse
Olaf
lieber Jochen,
Zitat von: hillus am 27 Juni 2013, 23:34:35
mit den Dienstposten auf den russischen Schiffen hast Du es aber. Eigentlich ist das alles schon geschrieben,
offensichtlich nicht so ganz ... der Begriff des "Obergehilfen" (im Vergleich zum "Gehilfen") taucht in Deinem Beitrag zum ersten Mal auf.
Die Frage war ja nur: Wenn der I.O ((Ober)gehilfe) einen niedrigeren Dienstgrad als der Kommandeur GA V (L.I. / "Flagmech") hat, ist er dann dennoch Vorgesetzter (in der BM: ja)?
Dank an Euch beide, Dich und Olpe, für Eure Geduld mit meinen hartnäckigen Nachfragen :MG:
(Ich beantworte ähnliche Fragen betr. "Zobel" ja auch)
Gruß, Urs
Moin Jochen..... :TU:)
Neun Stunden in denen eventuell das eine oder andere Leben auf der Gari noch hätte gerettet werden können......
Aber wie man an der Kursk gesehen hat, hat sich daran (Hilfsangebote anzunehmen) kaum etwas geändert.
Ob dies heute anders wäre?
Ich muss immer wieder die Einsatzbereitschaft der sowjetischen/russischen U-Bootbesatzungen bewundern, die nicht selten ihr Leben Opfern um schlimmeres zu verhindern.
:MG:
Manfred
Ersetz "Obergehilfe" durch "ältester Gehilfe" des Kommandanten, dann hast Du es. Und zweitens, Dienststellung geht vor Dienst- grad. Wenn der älteste Gehilfe Kapitänleutnant ist und der LI Fregattenkapitän, hat der LI Pech. Der KL ist dann Vorgesetzter. bei uns gab es einen Spruch, der sich auf die LI`s bezog:" Ärgere nie einen seemännischen Offiziersschüler, er könnte mal Dein Kommandant werden".
Danke Holger,
machmal fällt einem nicht die gefällige Formulierung ein.
Aber um Deine Antwort zu untermauern, wurde ja Vizeadmiral Fedotenkow zum Stellvertreter des Chefs des Marinehauptstabes ernannt. Im Moment ist er in der Nord Flotte bei einer U-Boots-Rettungsübung präsent.
Der Befehlshaber der Nord Flotte ist aber Admiral, nämlich Admiral Koroljow. Da die Dienststellung von Fedodenkow höher ist, muss halt Koroljow "Männchen" machen.
Ich meine, das war aber schon immer so, auch in der deutschen Marine. Irre ich mich da jetzt?? Ist ja menschlich!
hillus
Die Borodino war wohl ein Uboot-Begleitschiff der Ugra-Klasse
Ein Schiff dieser Klasse http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c4/Ugra-class.jpg
Und die Meridian gehörte der Zenit-Klasse an, sie war ein Frachter vom Typ DDR Kowel
http://www.shipspotting.com/gallery/photo.php?lid=1387864
:MG:
Manfred
moin, Jochen,
Zitat von: hillus am 28 Juni 2013, 19:37:11
Da die Dienststellung von Fedodenkow höher ist, muss halt Koroljow "Männchen" machen.
Ich meine, das war aber schon immer so, auch in der deutschen Marine. Irre ich mich da jetzt??
Ich glaube, nein; das sehe ich genau so.
Holger, Danke top :MG:
Gruß, Urs
Zitat von: olpe am 27 Juni 2013, 23:44:56
:MG:
Zitat von: hillus am 27 Juni 2013, 21:49:47
Hallo Olaf, hast Du noch ein gutes Foto von dem Kahn?
ich schau mal in meinem Archiv ... aber erst Morgen ... :-)
Hallo,
leider habe ich von K-122 nur qualitativ mäßige Bilder in der Sammlung (und Link im Net):
- K-122 in See (http://avtonomka.org/images/stories/image1068.png)
- K-122 längsseits (http://avtonomka.org/images/stories/image066.png)
Unten noch beispielhaft einige Bilder von anderen Booten des Projektes 659T ...
(Q: Slg. OLPE ... auf dem ersten Bild liegt mittig im Päckchen vermtl. ein 627er ... NOVEMBER-Klasse)
Grüsse
OLPE
Moin Olaf,
auf Dich kann man sich eben immer wieder verlassen. danke für die Fotos. Ich meine auch, der mittenmang ist ein NOVEMBER (Projekt 627-A).
Interessant ist bei der NOVEMBER-Klasse als der ersten Atom-U-Boot-Klasse in der damaligen Sowjetunion, dass sie eine relativ starke Reaktorstrahlung auch im Boot selbst hatte. Ich hatte mir mal die Mühe gemacht und das Sterbealter der Besatzungen, soweit zur Verfügung, ermittelt. Erschreckend! Über 50% starben zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, nur ein kleiner Teil wurde über 70 jahre alt. Um so mehr staune ich, das der ehemalige Kommandant von K-21, der spätere Oberbefehlshaber der sowjetischen und russischen Seekriegsflotte, Flottenadmiral Wladimir Nikolajewitsch Tschernawin am 22. April 2013 bereits 85 Jahre alt wurde. Wohl eine Bärennatur. Er war von April 1959 bis August 1959 Kommandant der 181. Besatzung Projekt 627, die später die Stammbesatzung von K-21 wurde. Von August 1959 bis August 1962 war er schließlich Kommandant von K-21. Das Boot war das 1. Atom-U-Boot der damaligen Sowjetunion, das vom 24.03. bis 14.05.1962 eine autonome Fahrt in die Arktis durchführte. Danach ging er auf Grund seiner hohen Fähigkeiten in den Stabsdienst bis hin zum Oberbefehlshber zweier Flotten!
Entschuldigung, war nicht ganz zum Thema K-122, aber es bot sich mir auf Grund des Fotos von Olaf vordergründig an.
hillus
moin,
Zitat von: hillus am 29 Juni 2013, 11:11:11
.. dass sie eine relativ starke Reaktorstrahlung auch im Boot selbst hatte.
In der NATO lief der böse Witz um
"How do you recognize a Soviet submariner ? He glows in the dark."
"Wie erkennt man einen sowjetischen UBootfahrer ? Er leuchtet im Dunklen."
Gruß, Urs
Hallo Urs,
na Du wieder, eine schöne Anekdote.! :MG:
Gruß
Jochen
Hat jemand genaue technische Daten nach dem Umbau 1965 bis 1969 von Projekt 659 auf Projekt 659T?
Pavlov gibt für das Projekt 659 auf Seite 45 3731/ 4920 tonnen Wasserverdrängung und als Abmessungen 111,2 x 9,2 x 7,6 m. Bei ihm wird als Unfalldatum übrigens der 21.08.1983 genannt.
Walujew hat für 659 auf Seite 23 3650 tonnen und 112,2 x 9,2 x 6,2 m.
auf Seite 40 sind es dann aber 3700 tonnen und 111,2 x 9,2 x 6,9 m.
auf Seite 97 für 659T 5500 tonnen (vmtl Unterwasser) bei 112 x 9,8 x 8 m.
Im Anhang nennt er den 21.08.1980 als Unfalltag bei 9 Opfern.
Grüße
Ritchie
Zitat von: hillus am 29 Juni 2013, 11:11:11
Moin Olaf,
auf Dich kann man sich eben immer wieder verlassen. danke für die Fotos. Ich meine auch, der mittenmang ist ein NOVEMBER (Projekt 627-A).
Interessant ist bei der NOVEMBER-Klasse als der ersten Atom-U-Boot-Klasse in der damaligen Sowjetunion, dass sie eine relativ starke Reaktorstrahlung auch im Boot selbst hatte. Ich hatte mir mal die Mühe gemacht und das Sterbealter der Besatzungen, soweit zur Verfügung, ermittelt. Erschreckend! Über 50% starben zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr, nur ein kleiner Teil wurde über 70 jahre alt. Um so mehr staune ich, das der ehemalige Kommandant von K-21, der spätere Oberbefehlshaber der sowjetischen und russischen Seekriegsflotte, Flottenadmiral Wladimir Nikolajewitsch Tschernawin am 22. April 2013 bereits 85 Jahre alt wurde. Wohl eine Bärennatur. Er war von April 1959 bis August 1959 Kommandant der 181. Besatzung Projekt 627, die später die Stammbesatzung von K-21 wurde. Von August 1959 bis August 1962 war er schließlich Kommandant von K-21. Das Boot war das 1. Atom-U-Boot der damaligen Sowjetunion, das vom 24.03. bis 14.05.1962 eine autonome Fahrt in die Arktis durchführte. Danach ging er auf Grund seiner hohen Fähigkeiten in den Stabsdienst bis hin zum Oberbefehlshber zweier Flotten!
Entschuldigung, war nicht ganz zum Thema K-122, aber es bot sich mir auf Grund des Fotos von Olaf vordergründig an.
hillus
Nach wie vor wird auf Atom U-Booten der russischen Flotte pro Besatzungsmitglied und Tag ein Glas Rotwein ausgegeben. Als Grund wird angegeben, das damit ein gewisser Schutz vor der Strahlung aufgebaut werden soll. Ich bin kein Arzt und kann das nicht einschätzen, bin aber mit diesem Brauch einverstanden. Und es scheint, zumindest bei Tschernawin, zu wirken.
Zitat von: der erste am 29 Juni 2013, 14:53:52
Nach wie vor wird auf Atom U-Booten der russischen Flotte pro Besatzungsmitglied und Tag ein Glas Rotwein ausgegeben. Als Grund wird angegeben, das damit ein gewisser Schutz vor der Strahlung aufgebaut werden soll.
Gute Idee top ,eine gewisse Strahlung ist doch überall vorhanden, werde das mal beantragen....... :O/Y
:MG:
Manfred
Zitat von: Ritchie am 29 Juni 2013, 13:50:56
Hat jemand genaue technische Daten nach dem Umbau 1965 bis 1969 von Projekt 659 auf Projekt 659T?
Hallo,
zum 300. Jahrestag der Russischen Marine wurden von verschieden Institutionen quasi offizielle Projektdaten von Schiffen und U-Booten veröffentlicht. Im Band IV, Teil I einer Enzyklopädie (basierend auf Angaben des Konstruktionsbüros RUBIN) über Atom-U-Boote ist bezogen auf das Projekt 659/659T folgendes vermerkt (Projektdaten):
- L/B/T: 111,2m/9,2m/7,1m; Breite über Stabilisatoren: 12,8m
- Überwasserverdrängung: 3730m³
Für die Nachfolgeprojekte 675, 675K, 675MK, 675MU und 675MKV:
- L/B/T: 115,4m/9,3m/6,7m; Breite über Stabilisatoren: 12,8m
- Überwasserverdrängung: 4450m³
Die Reserveschwimmfähigkeit der sowjetischen U-Bootkonstruktionen liegt bei ca. 30-35% (Grenzen sicher fließend), so dass sich die entsprechende Unterwasserverdrängung bei ca. 5000m³ (Pr. 659) bzw. ca. 6000m³ (Pr. 675) einpegelt.
Grüsse
OLPE
Zitat von: hillus am 29 Juni 2013, 11:11:11
auf Dich kann man sich eben immer wieder verlassen. danke für die Fotos.
:MG:
Zitat von: hillus am 29 Juni 2013, 11:11:11
Interessant ist bei der NOVEMBER-Klasse als der ersten Atom-U-Boot-Klasse in der damaligen Sowjetunion, dass sie eine relativ starke Reaktorstrahlung auch im Boot selbst hatte.
Hallo,
ein Grund mag darin gelegen haben, dass die Öffnungen an der Oberseite der Reaktorgefäße (die NOVEMBER-Klasse besaß ja 2 Reaktoren) für die Durchführung der Bremsstäbe in der Form ähnlich von Stopfbuchsen ausgeführt waren. Die Bremsstäbe wurden durch diese Buchsen via Seilzug nach oben oder unten bewegt. Der Austritt von Radioaktivität konnte nie richtig unterbunden werden ...
Die U.S.-Marine besaß zu jener Zeit eine andere Lösung: die Bremsstäbe bewegten sich vertikal in einer Art Röhre, die fest mit dem Reaktorgefäß verschweißt und oben geschlossen waren ... An der Röhre liefen starke Elektromagnete, die die Bremsstäbe mit nach oben oder unten nahmen ... Austritt von Radioaktivität an dieser Stelle ging wohl gegen Null ...
Grüsse
OLPE
Hallo Olpe,
danke für deine Auskünfte. Also scheint Pavlov die Kubikmeter einfach so als tonnen übernommen zu haben. Mit welchem spezifischen Gewicht wird denn in Rußland gerechnet?
In der von dir genannten Enzyklopädie fehlen die zugehörigen Unterwasserverdrängungen?
Grüße
Ritchie
Zitat von: Ritchie am 30 Juni 2013, 09:42:15
danke für deine Auskünfte.
:MG:
Zitat von: Ritchie am 30 Juni 2013, 09:42:15
Mit welchem spezifischen Gewicht wird denn in Rußland gerechnet?
Hallo,
nun, ein mittlerer Wert des spezifischen Gewichts (bzw. der Dichte) von Seewasser, wie er in Russland möglicherweise Verwendung findet, ist mir leider nicht bekannt. Diese hängt letztlich als Funktion von Salinität, Druck und Temperatur vom Seegebiet ab. Für eher theoretische Überlegungen ist der Wert 1000 kg/m³ sicher sinnreich, destilliertes Wasser besitzt m.E. 997,04 kg/m³ (bei 25°C) und salzreicheres Seewasser liegt mit 3,5% Salinität bei durchschnittlich 1023 kg/m³.
Zitat von: Ritchie am 30 Juni 2013, 09:42:15
In der von dir genannten Enzyklopädie fehlen die zugehörigen Unterwasserverdrängungen?
... ja, leider ist dort nur die Überwasserverdrängung als Projektwert angegeben. Ich habe in einem weiter Buch geblättert, ein Werk eher aus dem Marinebereich (also die 'Nutzerdaten'): "Die Seekriegsflotte der UdSSR 1945-1991" von Kuzin und Nikol'skiy, St. Petersburg 1996. Hier sind folgende Daten vermerkt:
Projekt 659:
- L/B/T: 111,2m/9,2m/6,8m
- Überwasserverdrängung: 3731m³
- Unterwasserverdrängung: 4920m³
Projekt 675:
- L/B/T: 115,4m/9,3m/7,8m
- Überwasserverdrängung: 4500m³
- Unterwasserverdrängung: 5760m³
Grüsse
OLPE
Danke Olpe,
das hilft weiter. Vermutlich hat Pavlov dann in seinem gesamten Werk Kubikmeterangaben verwendet, muss ich mir nochmal anschauen. Ob das auch für Überwasserschiffe gültig ist?
Bei dem Umbau auf 659T wurden ja die Raketen entfernt, eventuell hat sich das Schiffsgewicht dadurch reduziert (in Überwasserlage).
In Deutschland wurde immer mit 1015 kg/m³ (Ostsee) gerechnet, im Mittelmeer gibt es einzelne Gebiete mit bis 1033 kg/m³ (südlich Kreta).
Vielen Dank und liebe Grüße
Ritchie
Hallo,
Zitat von: Ritchie am 01 Juli 2013, 12:41:07
Ob das auch für Überwasserschiffe gültig ist?
Die Betrachtung des Bootsvolumens in m³ ist im Zusammenspiel folgender Einzelvolumina zu sehen:
- druckfeste Verdrängung unter der Schwimmwasserlinie [m³]
- druckfeste Verdrängung über der Schwimmwasserlinie [m³]
- Tauchzelleninhalt unter der Schwimmwasserlinie [m³]
- Tauchzelleninhalt über der Schwimmwasserlinie [m³]
Das jeweils resultierende Gesamtvolumen in ÜW-Lage und UW-Lage sowie der Dynamik des Überganges beim Tauchen und Auftauchen ist dann mit der jeweiligen Seewasserdichte zu betrachten, so dass das Bootsgewicht ersichtlich ist. Diese Herangehensweise braucht man bei einem Überwasserschiff in dieser Form nicht ...
Siehe auch Gabler: "Unterseebootsbau", S. 22 Bild Verdrängungsverhältnisse beim Unterseeboot
Zitat von: Ritchie am 01 Juli 2013, 12:41:07
Bei dem Umbau auf 659T wurden ja die Raketen entfernt, eventuell hat sich das Schiffsgewicht dadurch reduziert (in Überwasserlage).
In gewissem Umfange ist das durchaus denkbar ... zumal ein mit FK bestückter Doppelcontainer ca. 100t wiegt (bei ECHO-I-Klasse - Projekt 659 - sind 3 Paare an Bord, also ca. 300t). Ich kann mir aber gut vorstellen, ohne hierfür allerdings Belege zu haben, dass die pragmatischen russischen Schiffbauingenieure das nun fehlende Gewicht durch Ausgleichgewichte ersetzt haben, um die vorherige Stabilität nicht zu gefährden.
Grundlage meiner Gedanken ist die Verfahrensweise auf dem konventionell angetriebenen (Vorgänger)Projekt 651 (NATO: SSG der JULIETT-Klasse). Hier existieren achtern zwei Tanks und zwei Zellen vorne, die nach dem Abschuss der FK mit Wasser gefüllt wurden, um somit das Gewicht der nun fehlenden FK zu ersetzen. So etwas ähnliches kann ich mir in noch größerem Umfange bezogen auf ein Ersatzgewicht für die gesamten Container für 659 -> 659T auch vorstellen ... Die Container waren auf beiden Projekten weitgehend identisch ...
Unten zwei Bilder zur Vertiefung (Q: Slg OLPE und OLPE) von U-461 in Peenemünde
- die achteren FK-Container, aufgerichtet. Pfeil: Lage des Stb.-Augleichstanks
- Blick unter den achteren Stb.-Container. Pfeil: der Stb.-Augleichstank
Grüsse
OLPE
Hier noch zwei Fotos zum Boot.
Verletzte das Boot am 23. August 1980 die japanischen Hoheitsgewässer?
http://files.balancer.ru/cache/forums/attaches/2022/09/800x600/14-11046921-lwf0102.jpg
http://files.balancer.ru/cache/forums/attaches/2023/08/800x600/06-11678533-pr.659.png
https://de.wikipedia.org/wiki/Projekt_659
Wiking :MG:
Hallo,
Zitat von: Wiking am 21 Dezember 2023, 11:28:12Hier noch zwei Fotos zum Boot.
http://files.balancer.ru/cache/forums/attaches/2022/09/800x600/14-11046921-lwf0102.jpg
http://files.balancer.ru/cache/forums/attaches/2023/08/800x600/06-11678533-pr.659.png
... vielen Dank für die interessanten Bilder ... :MG: ...
Zitat von: Wiking am 21 Dezember 2023, 11:28:12Verletzte das Boot am 23. August 1980 die japanischen Hoheitsgewässer?
Inwieweit der (englische) Text des ersten Bildes – und damit die Frage - den damaligen Gegebenheiten entsprach, bleibt wohl offen. K-122 ist im Juli 1980 aus dem Marinestützpunkt Pavlovsk --/>/> klick Google Maps (https://www.google.de/maps/@42.8684121,132.5190105,2231m/data=!3m1!1e3?entry=ttu) und --/>/> klick Bild (um 2000) (https://2014.f.a0z.ru/12/07-3668967-26th.jpg) der sowjetischen Pazifikflotte mit Südkurs ausgelaufen. Es hat in Unterwasserfahrt das Japanische Meer durchfahren und ebenso die Durchfahrt der Tsushimastrasse (Koreastrasse). Bei ca. 140m Wassertiefe war ein Auftauchen anscheinend nicht notwendig. Der befohlene Kurs ging in Richtung der Philippinensee bei Okinawa, um U.S.-Flottenaktivitäten zu beobachten und Marinekräfte zu begleiten.
Nach dem Unfall an Bord (Brand, 14 Tote) und den Ereignissen danach ist es in Überwasserlage im Schlepp von MB-21 und in Begleitung weiterer Einheiten wieder in Richtung sowjetische Hoheitsgewässer verschleppt worden. Es ist daher sehr fraglich, ob der Kommandeur des Schleppzuges es zugelassen hätte, japanische Hoheitsgewässer zu tangieren, einen diplomatischen Protest und damit Ärger nach seiner Rückkehr in die Heimatbasis zu riskieren, zumal die Grenze der Territorialgewässer damals noch 3 sm betrug. Es war m.E. Platz genug, um den Schleppzug samt Begleitschiffen durch die Meerengen zu manövrieren.
Der Kommentar im Bild: ,,A Soviet Echo-I nuclear sub violated Japan's territorial sea on 23rd of August, 1980" zielte wohl mehr darauf, der anderen Feldpostnummer medial eins auszuwischen ...
Unten noch einige Impressionen vom Boot nach dem Brandunfall.
(Q Bilder: yaplakal.com; forums.airbase.ru; Slg. OLPE)
Soweit.
Grüsse
OLPE
Hallo Olpe,
bedanke mich für Deine Antwort und den Fotos.... :TU:)
Ich denke auch das die Hoheitsgewässer Japans nicht verletzt wurden.
http://files.balancer.ru/cache/forums/attaches/2022/09/800x600/14-11046921-lwf0102.jpg
Auf dem Foto ist wohl ein Japanisches Küstenwachschiff zu sehen und dahinter die Japanische Küste.
Zumindest auf dem Foto dürfte das russische Boot außerhalb der Drei-Meilen-Zone zu sehen sein.
Wiking :MG:
Hallo,
Zitat von: Wiking am 02 Januar 2024, 09:08:45bedanke mich für Deine Antwort und den Fotos.... :TU:)
... :MG: ...
Zitat von: Wiking am 02 Januar 2024, 09:08:45Auf dem Foto ist wohl ein Japanisches Küstenwachschiff zu sehen und dahinter die Japanische Küste.
... ja, das denke ich auch ... ein Schiff der japanischen Coast Guard. Zu dieser Zeit gab es eine ganze Reihe von Schiffen ähnlicher Größe, ähnlichem Aussehen und ähnlicher Anordnung der Aufbaute/Masten - wie ein Blick in den Janes's 1979-80 zeigt. Die Einheit auf dem Foto würde ich als Glattdecker mit vorn und achtern ausgebildetem Schanzkleid ansprechen, Schornstein eher mittig, größerer Aufbau unter dem hinteren Mast, Ankertasche mit Anker deutlich erkennbar, die Pennant-Number ist recht weit oben, Mast auf Peildeck ist vermutlich als Gittermast ausgeführt: ich tippe mal auf die NOJIMA-Klasse (2 Einheiten:
"NOJIMA" [PL 11] und
"OJIKA" [PL 12]).
Unten ein Ausriss des Bildes mit dem japanischen Patroler, kontrastiert und bild"verbessert" (so man beim Originalbild das überhaupt machen kann ... :|)
Soweit.
Grüsse
OLPE