Forum Marinearchiv

Flotten der Welt => Die Deutsche Kriegsmarine => Deutsche Kriegsmarine - Schiffe => Thema gestartet von: Andreas Hoffmann am 15 Juli 2013, 11:58:53

Titel: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Andreas Hoffmann am 15 Juli 2013, 11:58:53
Hallo,

ich bin neu auf diesem Forum und habe mich erst vor einigen Wochen registrieren lassen.
Vom Wissensgebiet komme ich mehr von den U-Booten, nutze aber mal die gebotene Chance, hier einige Fragen oder Bemerkungen zum Schnellboot-Komplex loszuwerden.
Der Übersicht halber hänge ich meine Postings mal nicht an den (schon sehr umfangreichen) S-Boot-Thread von neulich an, sondern stelle sie als neues Thema ein. Ferner bitte ich um Nachsicht, wenn ich etwas aufgreifen sollte, was ggf. schon mal im Forum behandelt wurde (ist naturgemäß nicht möglich, etwaige Beiträge dazu in der Kürze der Zeit ausfindig zu machen...

Ich fange mal so an (weiteres folgt pö-a-pö):

1) Serienmäßige Einführung der Kalottenbrücke auf Neubaubooten (Kugelkalotte)

Sowohl Gröner, Fock und Frank behaupten, dass die Kalottenbrücke (allerdings noch in Leichtmetallausführung) ab Boot S 68 verbaut wurde. Frank ergänzt diese Angabe dahin, dass bei Schlichting das erste Kalottenboot S 118 gewesen war.
Ich würde das ja gerne glauben, denke aber eher, es ist Unsinn. Die Versuchsausführung der Brücke in Kalottenform ist auf S 67 verbürgt, aber ich habe bislang keinerlei gesicherten Anhalt oder Beleg für die o.g. Literaturangaben finden können.
Ebenso auseinander gehen die Daten für die bauwerftseitige Einführung der Panzerkalottenbrücke. Hier wird  i m m e r  wieder als erstes (Neubau-)Boot S 100 genannt, andere Quellen nennen S 134. Ich halte eher S 135 (Lürssen) bzw. S 126 (Schlichting) für realistisch, aber auch hier fehlen mir belastbare Quellen. Zumindest eines der Sommer 1943 an Spanien abgegebenen Boote hatte die Kalottenbrücke bereits (Photo bei Hümmelchen).
Wer kann mir hier nähere Hinweise geben?

2) Indienststellungen

Bis heute unklar sind mir die völlig aus der Reihe fallenden späten Ablieferungs- bzw. Indienststellungsdaten der Lürssen-Boote S 65 (16.6.42), 66 (21.6.42), 67 (19.3.42) und 68 (1.7.42), die so in allen Übersichten und Baudatenlisten unkommentiert angegeben sind. Ausgehend von den durchgängigen Stapellaufterminen und den offenkundig vorher abgelieferten Folgebooten S 69-78 finde ich hier einfach keine schlüssige Erklärung, oder habe ich ein Brett vor dem Kopf? (Motorenengpass??, Beschädigung/Ausfall nach Stapellauf??)
Auch hier wäre ich für nähere Hinweise sehr dankbar.

Wie gesagt, weitere Postings folgen in unregelmäßiger Reihenfolge. Letzte Einzelanmerkung an diesem Platze noch zum 21-seitigen S-Boot-Thread:
Bei den Photos des in Norwegen aufgelaufenen Bootes mit takt. Zeichen "Doppelwinkel" dürfte es sich um S 90 handeln (1. S-Schulflottille). Es war ja schon darauf hingewiesen worden, dass die Bildquellenangabe "S 203" Unsinn sei. S 90 hatte m.W. auf dem Marsch Egersund-Stavanger Havarie (Februar 1945), als Verlustdatum wird der 17.2.1945 genannt.

Soviel derweil,

Andreas
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: alo41 am 15 Juli 2013, 22:49:30
Andreas,

I will answer the first qustion.

The first Schlichting boat built with Kalotte was S 127. All the boats that went to Spain was without Kalotte. There are photos of all of them showing this. The photo in Hümmelchen probebly shows spanish officers inspecting a Kriegsmarine boat. (A = S-Achim?)

The second Lürssen boat with Kalotte (first was S 100) was then S 135 as you say. There is 1 S-SchulFtl photos showing this.

I have read some where that the Motorenengpass caused the delay.

S 90 makes sence. It is a typ S 38b boat.

/Alo
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: s142 am 15 Juli 2013, 22:54:56
Ahoi

Ich denke  mit alo 41 ... da hast du den richtigen Ansprechpartner gefunden. ;-)
Mehr geht da wohl nicht ......

MfG
Chris
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Andreas Hoffmann am 16 Juli 2013, 16:02:22
Hallo Alo,

besten Dank für die Informationen, darüber habe ich mich sehr gefreut.

Nachfrage meinerseits aufgrund des allgemeinen thematischen Zusammenhangs:
Ist das von Ihnen erwähnte Buch ""Bunker der deutschen Schnell- und Räumbootbasen an der Kanalküste im Zweiten Weltkrieg" von Michael Foedrowitz empfehlenswert? Ich befürchte, dass es mehr die rein bautechnischen Aspekte der Bunkeranlagen behandelt als marine- bzw. schnellboothistorische Fakten beinhaltet. Dieses Buch scheint übrigens hier in Deutschland z.Zt. überhaupt nicht erhältlich zu sein.

Weiters: einige Kommandantennachfragen (nicht explizit an Alo)

Wer war Indienststellungs- bzw. Erstkommandant von S 16? (Fimmen?)
Wer war Indienststellungs- bzw. Erstkommandant von S 118? (Stohwasser??)
Wer war Indienststellungs- bzw. Erstkommandant von S 205? (Karcher???)
Wer war letzter Kommandant von S 204? (Zeichen "Lang" seitlich an Kalotte)

Was ist aus ObLtzS Max Günther (Crew 37 a, zuletzt Kdt. S 88) geworden? Lt. "Crewlisten" HMA Todestag 15.4.1945 als 1.WO Z 24, aber das kann in verschiedener Hinsicht nicht stimmen. Günther wird in der Rangliste Stand 1.9.1944 nicht mehr genannt.

Was ist aus ObLtzS H. (Helmuth?) Moritzen (zuletzt Kdt. S 67 Juli 1943) geworden? In Rangliste Stand 1.9.1944 ebenfalls keine Erwähnung mehr, es sei denn, er war Reserveoffizier. Hinweis auf Kriegsgerichtsverfahren bei F.d. Schnell. liegt vor.

Freundliche Grüße,
Andreas 
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Trimmer am 16 Juli 2013, 17:52:30
Hallo Freunde - bei youtube gibt es einen Dokumentarfilm in 4 Teilen über die Schnellboote. Interessante Bilder auch von der Entwicklung dabei. Falls noch nicht bekannt

Teil 1     www.youtube.com/watch?v=_dArwbt-GMQ
Teil 2                      - " -                   v=dPoo2JJFwJk
Teil 3                     -  " -                   v=gD8-mwAXAOg   
Teil 4                     - "  -                   v=EmKI1-26JKE

Gruß - Achim - Trimmer
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: alo41 am 17 Juli 2013, 09:05:59
Andreas,

Foedrowitz's book is not very technical. It is more a genaral history about the bunkers and what hapen to them during the war. It is also very photo based. There are also very good references. I and some others can recomend it. http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,17792.msg198213.html#msg198213

Example page: http://www.ipernity.com/doc/264262/23846125

It can be found in Holland. Link: http://www.zvab.com/displayBookDetails.do?itemId=224098186&ref=bf



The comanders is Urs's thing. He has made a very good list about them.

/Alo
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: alo41 am 17 Juli 2013, 14:33:10
Zitat von: Andreas Hoffmann am 16 Juli 2013, 16:02:22

Was ist aus ObLtzS Max Günther (Crew 37 a, zuletzt Kdt. S 88) geworden? Lt. "Crewlisten" HMA Todestag 15.4.1945 als 1.WO Z 24, aber das kann in verschiedener Hinsicht nicht stimmen. Günther wird in der Rangliste Stand 1.9.1944 nicht mehr genannt.

Hi Andreas,

I found him on Gräbersuche. Born 27/10-1917 Hamburg. Died as KpLt 15/4 1945 Vensac (Gironde)
That area was bombed by the USAAF 14-16/4. It was then retaken by French forces 15-20/4.
Now resting in Berneuil Block 7 Reihe 19 Grab 731

/Alo
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Andreas Hoffmann am 18 Juli 2013, 11:09:57
Hallo Alo,

herzlichen Dank für die interessanten Tipps und Links zum Foedrowitz-Buch und den Hinweis bezüglich KptLt Max Günther. Das ist wirklich sehr freundlich und hilfsbereit!

Etwas merkwürdig bleibt die Sache von Max Günther ja dennoch, da er wie gesagt in der Rangliste Stand 9/1944 keine Erwähnung mehr findet (es sind aber auch vermisste oder bekanntermaßen in Gefangenschaft geratene Leute noch geführt). Es kann eigentlich nur sein, dass er 1944 z.V. (zur Verfügung) gestellt wurde, und somit in der damaligen Liste des aktiven Truppenoffiziers-Korps keine Erwähnung mehr fand.


Allgemeine Nachfrage meinerseits noch zu den letzten Einsätzen der 8. S-Flottille:
Ist es zutreffend, dass die Flottille bereits Ende Februar 1945 aus dem Westraum zur Mot.-Überholung bzw. Neuausrüstung zurückgezogen wurde? Irgendwann zu diesem Zeitpunkt verliert sich nämlich die Spur dieser Flottille bei den damals noch gefahrenen Einsätzen. Lt. Hümmelchen soll die 8. S-Flottille dann Ende März 1945 in den Norwegenraum verlegt worden sein, aber leider finden sich hierüber m.W. auch keinerlei Anhalte mehr im KTB 1.SKL (zumindest in Teil A). Könnte sie zur Ablösung der 1. S-Schulflottille bestimmt gewesen sein? (a-pro-pos: Kapitulation 8. S-Flottille nicht in Egersund, sondern in Stavanger. Lt. Lagemeldung am 7.5.1945 dort mit 4 Booten eingelaufen).

Beste Grüße,
Andreas
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: alo41 am 18 Juli 2013, 15:03:34
Andreas,

I do not have any good answer to what the 8 S-Ftl was doing in 1945. I have a problem with the loss of S 193 on 21/22 Feb in front of the Thames. I think that S 193 was locked inside the Ijmudin bunker unrill the war ended.

There was a "Klein Chronik der 8. Schnellbootflottille" on the S-boot.net site. It said that S 701 and S 197 went to Den Helder from Amsterdam in April 1945. They did not have any suport from the 8 S-Flottille there.

I assume that the rest of the Flottille was in Norway at that time.

/Alo
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Urs Heßling am 18 Juli 2013, 23:25:02
moin, Andreas,

Zitat von: Andreas Hoffmann am 16 Juli 2013, 16:02:22
Wer war Indienststellungs- bzw. Erstkommandant von S 118? (Stohwasser??)
Wer war Indienststellungs- bzw. Erstkommandant von S 205? (Karcher???)
Wer war letzter Kommandant von S 204? (Zeichen "Lang" seitlich an Kalotte)
S 118: Oberfähnrich zur See Fanger
S 205: Kapitänleutnant Seeger
S 204: m.W. Lt.z.S d.R. Hinrichs

Zitat von: Andreas Hoffmann am 16 Juli 2013, 16:02:22
Wer war Indienststellungs- bzw. Erstkommandant von S 16? (Fimmen?)

Was ist aus ObLtzS Max Günther (Crew 37 a, zuletzt Kdt. S 88) geworden?

Was ist aus ObLtzS H. (Helmuth?) Moritzen (zuletzt Kdt. S 67 Juli 1943) geworden?
S 16 wurde im April 1937 in Dienst gestellt. Kurt Fimmen (1936 noch Fähnrich z.S. auf Torpedoboot "Möwe") kommt aufgrund des Dienstalters da eher nicht in Frage.

Letzter Kdt S 88 (beim Verlust gefallen) war StOStrm Räbiger seit 8/43. Günther hatte das Boot zwischen 15.6.43 und 1.7.43 verlassen, es war danach kurzfristig von OLtzS Karcher geführt worden, dessen Boot S 87 zum Kalotteneinbau in Kiel in der Werft lag.

Moritzen war im Juli 1943 und in dem fraglichen Gefecht (Verlust S 77) Kdt des Boots S 68

Gruß, Urs
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Andreas Hoffmann am 24 Juli 2013, 11:37:27
Hallo Urs,

danke für die Hinweise zu den Kommandanten. Bei S 118 und S 205 hätte ich natürlich auch selbst in den HMA-"Crewlisten" nachgucken können. Da S 205 am 28.8.44 i.D. und H.-J. Seeger offenbar erst ab Oktober Kommandant, nehme ich an, dass das Boot von Fremdbesatzung bzw. Schulpersonal der SLD abgenommen und eingefahren wurde. So etwas ist ja wohl entsprechend der jeweiligen Gegebenheiten öfters vorgekommen, so dass es bei den S-Booten nicht in jedem Falle einen "klassischen" Indienststellungskommandanten samt Stammbesatzung gab.
Bei S 204 ist auf den bekannten Übergabephotos Felixstowe 13.5.45 seitlich an der Kalotte die Kennung "Lang" zu sehen. Da nicht zum Namen Hinrichs passend, vermute ich einen anderen Zweitkommandanten. Hinweis auf einer S-Bootwebseite, dass es sich um Georg Langheld handele, ist natürlich kompletter Unsinn.
S 16 nicht April, sondern 22.12.37 in Dienst. Fimmen wurde 1.4.37 Lt.z.S, ab April 1937 "Ausb.-Kommandos" in S-Flottillen. Bei Lohmann/Hildebrand wird er ab September 1937 als Kdt. 1. S-Flottille vermerkt, daher meine "Konstruktion" zu dessen vermeintlichem Kdo. S 16. Aber Du dürftest recht haben, es war höchstwahrscheinlich jemand anders.

Vorläufig letzte Frage in diesem Thread meinerseits:
Wer weiss näheres zum genauen Verbleib/Schicksal von S 22, S 109 und S 170 bei Kriegsende? Das sind für mich irgendwie noch "blinde Flecken" in der S-Bootstatistik 1939-45.

S 22 allgemeine Angabe "Verlust April 1945 in der Ostsee", bei S 109 verliert sich die Spur nach dem 15.1.45 (Stettin, Propellerwechsel) und für S 170 gibt's praktisch nichts belastbares.
In der Wrackliste 1 bei W. Müller/R. Kramer ("Gesunken und Verschollen - Schiffsschicksale Ostsee") sind unter lfd. Nr. 500 und 546 zwei S-Boote enthalten, ersteres (+) 29.4.45 Greifswald-Hafen, später gehoben und abgebrochen, letzteres (4.?).5.45 (+) Rügen, Bug-Hafen auf Pos. 54°31' N/13°09' O, später ebenfalls gehoben und abgebrochen. Sofern nicht Verwechslung mit R-Booten vorliegt, könnte es sich hier m.E. um S 22 (Nr. 500) bzw. S 109 oder S 710 (Nr. 546) handeln.
Bezüglich S 170 fand ich nur folgendes in der Lagemeldung MOK Ost für den 6.5.45 08:00 Uhr: 3.5.45 auf Verlegung Travemünde-Sonderburg Wohnboot 4, Kümo "Amstel 12" durch Jabo- und Bombenangriff Höhe Kiel gesunken, "S 226", "S 170" (Neubaurumpf) und 2 Transportschuten vermißt.

Kann jemand Licht in dieses Dunkel bringen?

Beste Grüße,
Andreas

Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: alo41 am 24 Juli 2013, 19:09:32
Andreas,

I have not managed to get as far as you with the boats in 1945  as you. I have always wanted to understand the split made between the USA, UK and Sovj. In Stalin's oceangoing fleet, Rohwer/Monakow it is said that there was 89 captured Schnellboote on 6 Dec. 1945. This was then adjusted to a final list with 87 boats with 31 Sovj., 28 UK, 28 USA (they had probebly sunk three hulks and found one more).

I can get a match for USA and UK with the S-Boat.net site http://www.foerderverein-museums-schnellboot.de/sboote-kriegsmarine-verbleib.htm  if I exclude the S 7 to S 16 boats that were not classified as Schnellboote at this date (and S 307 that I think was just a hulk).

The Sovj. is then short of three boats if I take away S 11 and S 16 (the list only shows boats taken into service). There must have been three more boats captured, probebly in the East? These three boats must then have been scraped by the Sovj.

That would then match Hümmelchen that writes that 84 boats were captured in the west excluding S 7-S 16. The two boats S 112 and S 116 were not part of the split. We then get the same result if we assume that 87 boats were split. That  five boats were captured in the east including S 109 and S 170.

/Alo
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Urs Heßling am 24 Juli 2013, 21:28:01
Zitat von: Andreas Hoffmann am 24 Juli 2013, 11:37:27
Da S 205 am 28.8.44 i.D. und H.-J. Seeger offenbar erst ab Oktober Kommandant,
nach meinen Unterlagen war Seeger Indienststellungskommandant.

Zitat von: Andreas Hoffmann am 24 Juli 2013, 11:37:27
für S 170 gibt's praktisch nichts belastbares.
i.D. 11.2.44
OStrm Pape 11.2.44 – 17.2.44 (Pape übernimmt dann S 173)
17.2.44 an SLD übergeben; 3/44 – 7/44 2. Schulflottille
OStrm Odermann 12/44 – 2/45 (11. SFltl)
Fazit: "Neubaurumpf" eher unwahrscheinlich, Boot wurde gefahren, wenn auch vermutl. nicht im Einsatz

Gruß, Urs
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Andreas Hoffmann am 05 September 2013, 14:03:33
Hallo Alo,

ich glaube, ich habe die Ursache für die in meinem ersten Posting v. 15.07.13 gestellte Frage bezüglich der aus dem Rahmen fallenden, erheblich verspäteten Ablieferung der Lürssen-Boote S 65-68 herausgefunden. Wie du bereits vermutet hattest, dürfte es ein Problem rund um den Motorenengpass gewesen sein.
1941 mussten aus der laufenden Produktion der DB501-Schnellbootdiesel insg. 12 Motoren (2 x 6) als Antriebsanlage für die beiden bei der Deschimag AG Weser auf Kiel gelegten Typ IX D1-U-Boote U 180 und U 195 abgezweigt werden. Diese Boote liefen am 15.12.41 bzw. 08.04.42 von Stapel. Die Bereitstellung dieser 12 Motoren bedingte den "Ausfall" von 4 S-Booten.

Wenn man die bei Mike Whitley "Einsatz im Küsternvorfeld" genannten Produktionsdaten der DB501-Diesel für das Jahr 1941 mit den Zahlen der für die im gleichen Zeitraum zulaufenden S-Boote benötigten Diesel abgleicht, wird klar, dass "unterm Strich" Motoren fehlten.
Warum es ausgerechnet die Boote S 65-68 traf, weiß ich nicht, aber das hatte vermutlich etwas mit den Lieferplänen für die Diesel und dem jeweiligen Einbauzeitpunkt bei den im Bau befindlichen U-Booten zu tun.

Frdl. Grüße,
Andreas
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: alo41 am 06 September 2013, 09:02:42
Andreas,

This sounds very likely. :-) They did probebly set the S 65-68 aside when the motors were lacking. The new motor were then installed in other boats, still in the workshop when they arrived.

It is intresting that the experimental S 67 (plastik kalotte, radar, Zwilling MG 34 etc) is one og these delayed boats. I wonder if these new things were added while she was waiting for her motors?

/Alo
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Urs Heßling am 28 September 2013, 17:13:23
moin,

Zitat von: Andreas Hoffmann am 15 Juli 2013, 11:58:53
1) Serienmäßige Einführung der Kalottenbrücke auf Neubaubooten (Kugelkalotte)
Sowohl Gröner, Fock und Frank behaupten, dass die Kalottenbrücke (allerdings noch in Leichtmetallausführung) ab Boot S 68 verbaut wurde. Frank ergänzt diese Angabe dahin, dass bei Schlichting das erste Kalottenboot S 118 gewesen war.
Der nachträgliche Kalotteneinbau auf indienstgestellten Einsatzbooten ist im KTB der 5. S-Flottille wie folgt dokumentiert
S 112 ab 1.2.43 bis 14.3. in Deutschland zum Einbau "Panzer" und "Fu.M.G." (sic!)-Antenne
S 77 ab 16.5.43 bei Maureb Cherbourg, zuvor schon dort ab 16.3.43
S 84 ab 16.5.43 bei Maureb Cherbourg
S 68 ab 1.7.43 bei Maureb Cherbourg (zuvor schon dort ab 16.3.43 zur Beseitigung von Havarieschäden)
S 85 ab 1.7.43 bei Maureb Cherbourg
S 65 ab 1.8.43 ohne Ort
S 81 ab 1.8.43 bei Maureb Cherbourg
S 112 ab 1.8.43 bei Maureb Cherbourg (zweiter Umbau) von "Panzer" zu "Panzerkalotte"
S 116 ab 1.8.43 bei Maureb Cherbourg

Der Begriff "Kalotte" wird erstmals ab 16.5.43 im KTB gebraucht für S 77 und S 84),
Der Begriff "Panzerkalottensteuerhaus" wird erstmals ab 1.7.43 im KTB gebraucht für S 68, S 84 und S 85),
Der Begriff "Panzerkalottensteuerstand" wird erstmals ab 1.8.43 im KTB gebraucht für S 65, S 81, S 85)

Die erwähnten Boote werden nach Einbau im Normalfall (außer S 112) an andere Flottillen abgegeben, Personal der 5. S-Flottille übernimmt neue Boote mit Nummern ab S 136 (mit Kalotte).

Gruß, Urs
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: alo41 am 28 September 2013, 23:10:13
Hi Urs,

A great list. :-D This information have been missing for a long time.
My Gröner (1983) writes "Ab S 68 Kalottenbrücken aus Leichtmetall" I think it should be read as that the boats after the experimental S 67 (plastic Kalotte) were built with the normal aluminium typ S 38 bridge and were then converted to Panzerkalotten starting in May 1943.
S 100 were the first boat built with Panzerkalotte on 5 May 1943. It makes sense that S 77 and S 84 were then converted after that on 16 May 1943.
S 112 only got armour plates added to the bridge on 14 March 1943.

I think that the Kalotte, Panzerkalottesteuer... etc were all the same.

/Alo
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Urs Heßling am 28 September 2013, 23:18:40
moin, Alo,

Zitat von: alo41 am 28 September 2013, 23:10:13
A great list. :-D This information have been missing for a long time.
Leider ist nur das KTB der 5. S-Fltl in dieser Hinsicht so ausführlich.

Ich hatte bei meinem letzten Besuch in Freiburg nicht genug Zeit, die KTB "Maschine" der 2., 4., 6. und 8. Flottille mit Blick auf diese Information durchzukämmen.

Next time ...  :wink: :-D

Gruß, Urs
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Urs Heßling am 28 September 2013, 23:33:37
Zitat von: Urs Heßling am 28 September 2013, 17:13:23
moin,

Zitat von: Andreas Hoffmann am 15 Juli 2013, 11:58:53
1) Serienmäßige Einführung der Kalottenbrücke auf Neubaubooten (Kugelkalotte)
Sowohl Gröner, Fock und Frank behaupten, dass die Kalottenbrücke (allerdings noch in Leichtmetallausführung) ab Boot S 68 verbaut wurde. Frank ergänzt diese Angabe dahin, dass bei Schlichting das erste Kalottenboot S 118 gewesen war.
Der nachträgliche Kalotteneinbau auf indienstgestellten Einsatzbooten ist im KTB der 5. S-Flottille wie folgt dokumentiert
S 112 ab 1.2.43 bis 14.3. in Deutschland zum Einbau "Panzer" und "Fu.M.G." (sic!)-Antenne
S 77 ab 16.5.43 bis 13.7.43 bei Maureb Cherbourg, zuvor schon dort ab 16.3.43
S 84 ab 16.5.43 bis 10.7.43 bei Maureb Cherbourg
S 68 ab 1.7.43 bis 14.7. bei Maureb Cherbourg (zuvor schon dort ab 16.3.43 zur Beseitigung von Havarieschäden)
S 85 ab 1.7.43 bei Maureb Cherbourg
S 65 ab 1.8.43 ohne Ort
S 81 ab 1.8.43 bei Maureb Cherbourg
S 112 ab 1.8.43 bei Maureb Cherbourg (zweiter Umbau) von "Panzer" zu "Panzerkalotte"
S 116 ab 1.8.43 bei Maureb Cherbourg

Der Begriff "Kalotte" wird erstmals ab 16.5.43 im KTB gebraucht für S 77 und S 84),
Der Begriff "Panzerkalottensteuerhaus" wird erstmals ab 1.7.43 im KTB gebraucht für S 68, S 84 und S 85),
Der Begriff "Panzerkalottensteuerstand" wird erstmals ab 1.8.43 im KTB gebraucht für S 65, S 81, S 85)

Die erwähnten Boote werden nach Einbau im Normalfall (außer S 84 und S 112) an andere Flottillen abgegeben, Personal der 5. S-Flottille übernimmt neue Boote mit Nummern ab S 136 (mit Kalotte).

Gruß, Urs
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: TW am 06 September 2016, 14:58:03
Zitat von: Andreas Hoffmann am 15 Juli 2013, 11:58:53
... Frank ergänzt diese Angabe dahin, dass bei Schlichting das erste Kalottenboot S 118 gewesen war. Ich würde das ja gerne glauben, denke aber eher, es ist Unsinn. (...)
Ebenso auseinander gehen die Daten für die bauwerftseitige Einführung der Panzerkalottenbrücke. Hier wird  i m m e r  wieder als erstes (Neubau-)Boot S 100 genannt, andere Quellen nennen S 134. Ich halte eher S 135 (Lürssen) bzw. S 126 (Schlichting) für realistisch, aber auch hier fehlen mir belastbare Quellen. Zumindest eines der Sommer 1943 an Spanien abgegebenen Boote hatte die Kalottenbrücke bereits (Photo bei Hümmelchen).
Wer kann mir hier nähere Hinweise geben?

Ich versuche gerade eine Liste mit allen S-Booten zu erstellen, die nachträglich bzw. seriell eine Kalottenbrücke bekamen.

Im Bildbestand der BfZ (Sammlung Rehwald) findet sich unter S118 ein Bild vom Boot ohne Kalottenbrücke. S118 wurde am 30.7.1942 abgeliefert und 6 Wochen später in Dienst gestellt. Zu dem Zeitpunkt wurden noch keine Boote originär mit Kalottenbrücke gebaut. An der Behauptung, dass S100 (am 5.5.1943 in Dienst gestellt) das erste Lürssen-Boot mit serieller Kalottenbrücke war, habe ich keine Zweifel, zumal die ganze Baureihe nach S 100 benannt ist. Jedoch das erste serielle Kalottenboot von Schlichting war sicher nicht S118. Auch S119 und S120 sind von 1942. Ich glaube, vor S100 (i.D. 5.5.43) gab es kein einziges serielles Kalottenboot. Wenn das stimmt, fallen auch S121, S122, S123 unter den Tisch

Auch dass Spanien (S124, S125, S126) ein Kalottenboot bekam, halte ich für ausgeschlossen. Daher kommen m.E. erst die Schlichting-Boote S127 ff als (serielle) Kalottenboote in Frage. S127 wurde dänisch T56 (mit Kalotte ?). S128 lief laut Rehwald wieder ohne Kalotte vom Stapel (bei Rehwald leider viele falsche Identifizierungen). Von S129 gibt es ein Bild von hinten, auf dem ich nicht erkennen kann, ob es eine Kalottenbrücke hatte. Die Boote S130, S131, S132, S133 waren klar Kalottenboote. Das spanische LT26 (ex S134) hatte keine Kalottenbrücke (Bild von LT26 mit Nummer vorhanden).

So viel von meinen Recherchen zum Thema.
Viele Grüße, Thomas

Edit:
T52 ex S107   ohne Kalotte (Bildnachweise in der BfZ)
T56 ex S127   mit Kalotte
P562 ex S68   mit Kalotte
P566 ex S117 mit Kalotte
P568 ex S64   mit Kalotte
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: SchlPr11 am 06 September 2016, 15:15:00
Hallo Thomas,
dänisch T 56 fuhr 1949 mit Kalottenbrücke.
Foto vom Boot somit und mit Nummer in:
FLADENS SKIBE OG FARTOEJER 1945-1995 von Gunnar Olsen und Svenn Storgaard, Seite 57
REINHARD
Titel: Re: Schnellboote 1939-1945; mehrere Detailfragen
Beitrag von: Urs Heßling am 06 September 2016, 15:59:15
moin, Thomas,

etwas Klärung : http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,24761.msg279864.html#msg279864

Zum nachträglichen Einbau der Kalotte auf Booten des Typs S 38 werde ich mehr sagen können, wenn ich die in Freiburg fotografierten KTB der 1. und 2. SFltl ausgewertet habe.

Gruß, Urs