Heyho,
in der Zentrale von U995 ist mir schon mehrmals eine Art "Behälter" aufgefallen, dessen Funktion mir völlig unklar ist. Leider habe ich keine Fotos davon, da meine Batterien bereits im Dieselraum schlapp gemacht haben :cry:
Der "Behälter" ist ziemlich massig mit breitem Durchmesser und befindet sich mitten in der Zentrale, zwischen Tiefensteuerstand und Lenz/Trimmecke, direkt neben der Leiter zum Turmluk. Daran befestigt ist eine Druckölflasche (vermutlich zum Ausfahren des Sehrohrs). Mir sind auch einige Sichtfenster aufgefallen, durch die sich allerdings kaum etwas anderes als Schwärze erkennen läßt.
Weiß jemand, welche Funktion dieser "Behälter" erfüllt?
Ist das Ding hier zu sehen?
--/>/> http://www.u-995.com/zentrale.html
Jawohl!
http://www.u-995.com/images/galerie/zentrale/zentrale01.jpg
Hier ist der "Behälter" rechts im Bild zu sehen, wie er die Steuerbordseite der Zentrale von den Flurplatten bis zur Druckkörperdecke bis auf einen schmalen Durchgang ausfüllt. Daran angebracht sind jede Menge Rohrleitungen und Ventile.
Damit ist meine Hilfsmöglichkeit leider erschöpft. :/DK:
Hallo,
Du meinst den zylindrischen "Behälter"?
Das ist meiner Meinung nach der Schacht des Angriffssehrohrs.
Genau diesen massigen Zylinder meine ich.
Ich kann mir schlecht vorstellen, dass dieser Zylinder zur Sehrohranlage gehört. Er erscheint er mir dafür viel zu klobig. Und in der Filmröhre in München fehlt der "Behälter" ebenfalls*.
Wenn ich einfach mal ins Blaue hinein raten müßte, würde ich höchstens auf einen Bestandteil der Schnorchelanlage tippen ... oder auf einen Nachkriegseinbau, der nicht beseitigt worden ist**.
- -
* Bitte verzeiht, wenn ich den Film "Das Boot" zur Untermauerung meiner Vermutung heranziehe. Ich meine mich aber an eine Aussage aus demn Making-of (?) zu erinnern, dass der Innenraum des Filmbootes "authentisch" nachgebaut wurde. Demnach müßte man das Filmboot bei Einrichtungsfragen eigentlich als Vergleich heranziehen können.
** Wenn ich mich nicht täusche, so wurde U995 nicht vollständig sondern "nur" weitgehend auf den Originalzustand zurückgebaut.
Zitat von: JotDora am 06 August 2013, 11:09:57
Hallo,
Du meinst den zylindrischen "Behälter"?
Das ist meiner Meinung nach der Schacht des Angriffssehrohrs.
Dies sehe ich auch so, denn das Luftzielsehrohr wurde aus der Zentrale bedient, während das Angriffssehrohr vom Turm aus benutzt wurde. Im eingefahrenen Zustand "verschwand" das A.-Sehrohr in diesem abgebildeten Sehrohrschacht.
Es hat weder mit dem Schnorchel noch mit nachträglichen Einbau zu tun!
Könnte es sein, dass der Behälter nachträglich von den Norwegern eingebaut wurde :?
Grüße Ronny
Zitat von: RonnyM am 06 August 2013, 12:17:15
Könnte es sein, dass der Behälter nachträglich von den Norwegern eingebaut wurde :?
Grüße Ronny
Ich denke eher nein.
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:SRH009-p58.jpg
da sieht man im Querschnitt von Sektion B den Sehrohrschacht. Dieser war also schon immer drin.
@Soni2: Im Filmmodell hätte dieser Schacht nur gestört, deshalb wurde er bestimmt nicht eingbaut.
Hmmm, das mit dem Sehrohrschacht klingt logisch, auch von der Position her (das Sehrohr im Turm lag doch hinter dem Zentralesehrohr, oder verwechsel ich die beiden jetzt) ... andererseits ist dieser Schacht aber tatsächlich ziemlich dick. Wäre ein Sehrohrschacht nicht wesentlich dünner? Ich kann mich nicht erinnern, dass auf den 206ern die Schächte für die Ausfahrgeräte derartige Dimensionen hatten ... :? Und müßte dann nicht ein Schacht mit ähnlichen Dimensionen auch im Turm untergebracht sein?
Zitat von: Soni2 am 06 August 2013, 12:39:53
Und müßte dann nicht ein Schacht mit ähnlichen Dimensionen auch im Turm untergebracht sein?
Warum? Dieser Sehrohrschacht ist ja für das Angriffssehrohr, das vom Turm aus bedient wurde,
Warum so groß? Weil ja die gesamte Hebetechnik und das Bedienteil am dort drinnen Platz finden mußte. So denke ich es mir zumindest!
Zitat von: suhren564 am 06 August 2013, 13:31:24
Zitat von: Soni2 am 06 August 2013, 12:39:53
Und müßte dann nicht ein Schacht mit ähnlichen Dimensionen auch im Turm untergebracht sein?
Warum? Dieser Sehrohrschacht ist ja für das Angriffssehrohr, das vom Turm aus bedient wurde.
Was ich eigentlich meinte (aber nicht geschrieben habe) war ein entsprechend dimensionierter Schacht für das Zentralesehrohr (welches ja durch den Turm geführt werden muss und ebenfalls entsprechende Hebetechnik benötigt).
Die Aussagen hier im Forum betreffend eines Schachtes für Ausfahrgeräte klingen durchaus logisch und nachvollziehbar. Ohne irgendjemandes Kompetenz in solchen Fragen in Zweifel ziehen zu wollen, stimmen mich aber die "ausufernden" Dimensionen ziemlich skeptisch. Dieser Schacht beansprucht schließlich fast die gesamte verfügbare Breite der Zentrale. Der Zugang zur Schalttafel an Steuerbord (zwischen Anblaseverteiler und Lenz/Trimmecke) ist fast ganz verbaut. Um an diese Schalttafel heran zu kommen, muss man schon den Bauch einziehen. Auf Backbordseite bleibt ebenfalls nur soviel Platz, dass ein Mann da gerade vorbeigehen kann.
Kann es nicht doch sein, dass dieser Schacht von den Norwegern nachträglich abgeändert worden ist? Ohne die Details zu kennen (!) werden die Norweger das Boot doch sicher stark umgebaut haben. Ich denke da besonders an einen Schnorchel als echtes Ausfahrgerät (und nicht als simplen Mast auf dem Oberdeck). Vielleicht nahm der angesprochene Schacht dann sowohl Turmsehrohr als auch Schnorchel etc. auf?
Hallo Thomas,
Deine Frage ist nicht ganz unberechtigt. Warum musste der Schacht mit solch einem Durchmesser dimensioniert werden? Platz an Bord und besonders in der Zentrale war ja durchaus Mangelware. Der Schacht wäre sicherlich mit einem geringeren Durchmesser konstruiert worden wenn es möglich gewesen wäre. Auf ein paar schnell ergoogelten Schnitten durch die Zentrale scheint der Schacht auch einen geringeren Durchmesser zu haben.
An nachträgliche Änderungen durch die Norweger glaube in in diesem Fall nicht.
Das Lufzielsehrohr war das vordere und von der Zentrale aus zu bedienen. Das Angriffssehrohr, um dessen Schacht es hier höchstwahrscheinlich geht, wurde wie Du schon schriebst vom Turm aus bedient. Der Schacht reichte übrigens imho nach unten bis (fast?) an den Druckkörper heran.
Hast Du nicht passende Lektüre zur Hand (falls nein wäre das jetzt eine passende Gelegenheit das zu ändern :-)) ? Mit ein klein wenig Nachschlagen sollte das Thema doch erschöpfend zu beantworten sein.
Zitat von: JotDora am 06 August 2013, 14:05:40
Hast Du nicht passende Lektüre zur Hand (falls nein wäre das jetzt eine passende Gelegenheit das zu ändern? Mit ein klein wenig Nachschlagen sollte das Thema doch erschöpfend zu beantworten sein.
Ein wenig Lektüre zum Nachschlagen habe ich schon (u.a Vom Original zum Modell: Typ VIIC, Geschichte d. dt. Ubootbaus), aber ich fürchte, dass meine Frage in diesem Fall doch ein wenig arg speziell ist. Dazu kommt, dass auf den Plänen manches Detail kaum erkennbar ist. Die großen Planrollen habe ich mir aus Kostengründen nicht zugelegt. Auf meinen vorliegenden Plänen sehen die Sehrohrschächte jedenfalls deutlich dünner aus. :-(
Hallo zusammen!
Um das Ganze mit noch ein paar Zahlen zu würzen: im Eisenplan des Typ VII C wird der Durchmesser des Sehrohrschachtes im Bereich der Zentrale mit 980 mm angegeben. (Vgl z.B. Anlage Tafel III bei Rössler: "Geschichte des deutschen Ubootbaus, Bd.1"!)
In E. Wenzels Buch "U 995 - Das U-Boot vor dem Marinerehrenmal in Laboe" sind Fotos von U 995 als Kaura in norwegischen Diensten zu finden, die im Oberdeck die Ausnehmung für den Klappschnorchel und am Turm die Gabellagerung weiter erkennen lassen. Deutet für mich nicht auf einen tiefgreifenden Umbau hin.
Gäb's eine Umfrage, würde ich mein Kreuzchen bei Sehrohrschacht setzen. :-D
Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
Nachklapp: Wenn ich mir in den Beilagen des schon genannten Rössler-Buches und dort inbesondere bei Tafel V einige Beschreibungen (Sentral, Sjef, gulv usw.) anschaue, sieht mir das sehr nach Bokmål aus. Der Plan könnte also auf Grundlage von Unterlagen, die nach Übernahme der drei VII C-Boote durch Norwegen erstellt wurden, entstanden sein. Aber auch auf diesem Plan ist ein Klappschnorchel zu erkennen.
Zitat von: Schorsch am 06 August 2013, 14:31:36
Um das Ganze mit noch ein paar Zahlen zu würzen: im Eisenplan des Typ VII C wird der Durchmesser des Sehrohrschachtes im Bereich der Zentrale mit 980 mm angegeben. (Vgl z.B. Anlage Tafel III bei Rössler: "Geschichte des deutschen Ubootbaus, Bd.1"!)
Also der Schacht, den ich meine, ist definitiv breiter als 98 cm.
Hallo Soni,
nehmen wir untenstehendes Bild: es zeigt das fragliche Bauteil und links daneben eine der drei Druckölflaschen, die für den Antrieb des Sehrohres gebraucht wurden. Laut M.Dv. 382,456 ,,Vorläufige Maschinen- u. E-Kunde für U Boote Bauart VII C" vom 01.07.1941, Heft 6 ,,Tauchanlage", Abschnitt C ,,Luft-, Drucköl-, Sauerstofflaschen, Druckminderer, Sicherheitsventile" auf Seite 55 beträgt der Durchmesser einer solchen Druckölflasche 338 mm. Über eine simple Dreisatzrechnung kannst Du jetzt auch den Durchmesser des fraglichen Bauteils abschätzen. Ich komme dabei auf knapp 1 m.
Da Du auch die VOZM-Ausgabe für den Uboottyp VII C besitzt, kannst Du auch die Bildunterschrift auf Seite 51 oben noch kontrollieren.
Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
Zitat von: Schorsch am 06 August 2013, 15:28:29... beträgt der Durchmesser einer solchen Druckölflasche 338 mm. Über eine simple Dreisatzrechnung kannst Du jetzt auch den Durchmesser des fraglichen Bauteils abschätzen. Ich komme dabei auf knapp 1 m.
Hmmmmm,
ich glaube tatsächlich, dass ich da ganz schön auf dem Holzweg war. Wenn man das Bild nimmt, paßt die Druckölflasche Pi x Daumen betrachtet tatsächlich etwa 3 x in diesen Schacht hinein. Scheint so, dass ich mich vor Ort tatsächlich kräftig verschätzt habe. Jedenfalls machte dieser Schacht auf mich einen deutlich größeren Eindruck, als ich direkt davor stand ... vielleicht lags ja daran, dass er in vollgedrängten Zentrale doch recht viel Platz beansprucht. :embarassed:
Danke an alle Schreiber für die zahlreichen Antworten!
Hallo,
spät, aber ich hoffe, nicht zu spät ... :-) Ich denke, dass ich ein wenig zur Aufklärung dieses Schachtes beitragen kann. Nach meinem Dafürhalten handelt es sich dabei um eine druckfeste Röhre zur Aufnahme des Turmsehrohes. Grund ist, dass bei einer Leckage des Turmes sich der Wassereinbruch nicht auf das Bootsinnere auswirkt, da eines oder mehrere Ausfahrgeräte im Turminneren in wasserdichten Schächte einfahren. Alle anderen Ausfahrgeräte verlaufen neben dem druckfesten Turminneren und benötigen keinen Schacht.
Hintergrund meiner Überlegungen sind zwei ähnliche, aber noch größere und volumiösere Schächte auf dem russischen U-Boot U-461 in Peenemünde. Unten drei Bilder des druckfesten Einfahrschachtes des optischen Astronavigationsgerätes LIRA-P in Abteilung IV, 2. Decksebene (Kreiselkompaßraum). Dieses Astronavigationsgerät fährt vom druckfesten Turminneren über die 1. Decksebene bis in die 2. Decksebene ein (die darunterliegende 3. Decksebene - Pumpenraum/Bilge - wird nicht berührt). Über zwei Mannluks mit Knaggendrehverschluss kann man in das Innere des Schachtes gelangen ... Ein ähnliches Luk habe ich auf Bildern (und bei Besuchen) auf U-995 gesehen ...
Ein weiteres Bild (Nr. 4) zeigt einen weiteren Schacht im Turminneren von U-461, es handelt sich um den Einfahrschacht - auch druckdicht - für das Kommandantenperiskop.
Unten die Bilder (Q: OLPE)
Grüsse
OLPE
Auch dir noch einmal vielen Dank. Dann ist das Rätsel um diesen "Behälter" ja geklärt :lol:
U 570 / HMS Graph - deutlich zu sehen, war also offenbar bei allen Typ VII vorhanden.
(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bd/A_009887.jpg)
Ahoi,
nur mal so aus Spaß an der Freude könnte ich in Laboe mal nachfragen, wofür es denn nun genau ist, damit das Raten ein Ende hat.
Und noch kurz zu U96 im Film. Es wurde definitiv genau nachgebaut. Ihr müsst bedenken, dass U96 ein früherer Typ VII C ist, als U995 (Baujahr 1944).
Liebe Grüße
Zauberhain
Hallo Zauberhain,
Zitat von: Zauberhain am 23 März 2014, 16:53:40
(...)
nur mal so aus Spaß an der Freude könnte ich in Laboe mal nachfragen, wofür es denn nun genau ist, damit das Raten ein Ende hat.
Und noch kurz zu U96 im Film. Es wurde definitiv genau nachgebaut. Ihr müsst bedenken, dass U96 ein früherer Typ VII C ist, als U995 (Baujahr 1944).
(...)
...der Besuch in Laboe ist zwar ein nettes Angebot, imho aber unnötig, da es kein Raten bezüglich des Sehrohrschachtes gibt.
Und was die historische Korrektheit der Filmkulissen in "Das Boot" anbelangt, so sind hier doch einige Abweichungen zu den orignalen Booten zu finden (z.B. der Einbauort des Salinometers: in der Kulisse am Sehrohrschacht, beim Original an der Backbordseite der Zentrale; das leidliche Problem der gefärbten Tiefenmesserskale, ganz zu schweigen von dessen Messbereich; das Film-Boot mit Netzsäge am Bug und einer 2 cm Flak 38 auf der Brücke statt eines 2 cm M.G. C/30, vier-Walzen-Enigma im Film, usw...).
Im Anhang zur Illustration noch ein Bild der Zentrale von U 94, das zum gleichen Baulos wie U 96 gehörte, mit dessen Sehrohrschacht im Hintergrund.
Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
An der "Das Boot" Zentrale ist so ziemlich alles falsch. Ich baue seit 5 Wochen die Zentrale relativ detailliert in 3D nach (für einen iOS subsim), nach ein paar Wochen habe ich mir die Bilder aus den Bavaria-Studios angesehen und mich schwer gewundert - da ist mein 3D-Nachbau tatsächlich wesentlich näher am Original.
Im Vergleich zu deren groben Schnitzern kann man die Zentrale im frühen Typ VIIC zu U995 dann ja schon fast als identisch bezeichnen.
Aber dass die behaupten es wäre ein exakter Nachbau ist ja nicht verwunderlich, schliesslich kennen die sich dort mit der Materie nicht wirklich aus - die machen Filme und betreiben einen Filmpark.
Der Sehrohrschacht fehlt wahrscheinlich einfach nur weil man nur so vernünftige Einstellungen mit der Kamera hinbekommen kann.