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Flotten der Welt => Die Deutsche Kriegsmarine => Deutsche Kriegsmarine - Allgemein => Thema gestartet von: Peter K. am 02 November 2013, 11:11:00

Titel: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: Peter K. am 02 November 2013, 11:11:00
Laut Gröner, Band 6, Seite 206 war der Prototyp des nicht eingeführten PiLb 38 eine Entwicklung der Bauerwerft in Hamburg im Auftrag der Pioniere. Dies muß etwa 1937 erfolgt sein, weil das erste Boot des Nachfolgetyps - das PiLb 39 - ab 1938 bei der Rolandwerft im Bau war.

STAMMER schreibt nun zu dieser Werft:

Zitat1940 gründete Wilhelm BAUER die Maschinenfabrik und Werft für Spezialmaschinen und Spezialschiffe am Schmidtkanal, einem Stichkanal vom Reiherstieg in Wilhelmsburg. Neubauten wurden auf den Helgen im Schmidtkanal gefertigt, Reparaturen wurden am Schiffsliegeplatz draußen am Reiherstieg, Schluisgrovehafen, durchgeführt.

Als einziger Neubau wird 1940 die Motorschute F.V.E.17 von 211 BRT geliestet.

BOIE schreibt über die Werft folgendes:

ZitatWilhelm Bauer gründete diese Werft 1940 in Wilhelmsburg, Kriegsbedingt konnten nur größere Umbauten und Reparaturen ausgeführt werden. Als Neubauten sind nur eine Motorschute (FvE17 von 211 BRT) 1940 und ... fertiggestellt worden.

In der folgenden Auflistung findet man aber neben dem Spülerprahm P 129 (723 t), der 1940 für die Kriegsmarine gebaut wurde, auch noch ein Pionier-Landungsboot Pil B 38 (25 ts) für das Heer, das allerdings auf Helling abgewrackt worden sein soll.

Nun frage ich mich, wie kann dieser Prototyp etwa 1937 entstanden sein, wenn die Werft erst ab 1940 existierte?
Ideen?
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: Deichgraf am 13 November 2013, 10:41:27
Hallo Peter,
eine Bauerwerft hat es in Hamburg, wenn man der Liste der Hamburger Werften trauen kann, nie gegeben.
Und der angegebene Ort paßt eigentlich auch nicht. Dort war zu diesem Zeitpunkt die Ölraffinerie von Johan Haltermann. Ich hänge Dir mal zwei Kartenausschnitte ran, auf dem Du zum einen die Lage, und zum anderen die Belegung der Gegend bei Kriegsende ersehen kannst.
Da mich als Hamburger dieses Thema interessiert, habe ich mal etwas recherchiert. Einziger Hinweis auf eine Wilhelm Bauer Maschinenfabrik war dieser:
http://www.gegenwind.info/stadtrundfahrt/zwangsarbeit.html
Dort heißt es : Teile für Kriegsmarine, 25 Beschäftigte. Nur leider in Laboe - nicht in Hamburg.

Grüße

Jürgen
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: bettika61 am 13 November 2013, 14:39:40
Zitat von: Deichgraf am 13 November 2013, 10:41:27
Hallo Peter,
eine Bauerwerft hat es in Hamburg, wenn man der Liste der Hamburger Werften trauen kann, nie gegeben.
Grüße
Jürgen
Hallo Jürgen,
1952 befand sich die Bauerwerft in der Schmidtsbreite 17 https://www.google.de/search?tbm=bks&hl=de&q=bauerwerft+wilhelmsburg
Das ist östlich des von Dir gezeigten Schmidt-Kanals
Ein weiteres "Lebenszeichen" im HA :
ein 1950 gebauter 300t Schwimmkran  :-D

Die BOIE Liste  (http://www.dsm.museum/Schiffsliste/Liste.php?Field0=3&CompareOption0=2&Value0=W.Bauer&And1=1&Field1=&CompareOption1=0&Value1=&And2=1&Field2=&CompareOption2=0&Value2=&And3=1&Field3=&CompareOption3=0&Value3=&And4=1&Field4=&CompareOption4=0&Value4=&And5=1&Field5=&CompareOption5=0&Value5=&Order0=&Order1=&Order2=&OptionsAutorBoie=0&suche_submitted=1&suche_request_timestamp=LDnwZ74sV0C0EA%253D%253D&suche_homepage=)beim DSM
Grüsse
Beate
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: joern am 13 November 2013, 15:41:47
Hallo,
ein weiteren Hinweis zur Bauerwerft gibt eine Annonce in der Zeitschrift
"Hansa" Jan.1940 Seite 105.
Grüße Joern
http://digiview.gbv.de/viewer/image/72223831277/109/ (http://digiview.gbv.de/viewer/image/72223831277/109/)
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: bettika61 am 13 November 2013, 16:08:53
Hallo,
ein Luftbild (http://books.google.de/books?id=PLJOb0sFMsMC&lpg=PA20&ots=au9bnZzPAM&dq=wilhelmsburg%20schmidtkanal%20werft&hl=de&pg=PA21#v=onepage&q&f=false) zwischen 1921-1932 von dem Gelände
Grüsse
Beate
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: Langensiepen am 13 November 2013, 16:42:18
Da mich als Hamburger dieses Thema interessiert na dann, nix wie hin zum Helms Museum- Stadtgeschichte ( in der alten Harburger Feuerwache) Dort sind reichlich Karten, Fotos usw  von Wilhelmsburg. Außerdem gibt es so was wie einen historischen Arbeitskreis in Wilhelmsburg.
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: klaushh am 13 November 2013, 18:22:32
Moin, moin!

Die "Bauerwerft" hat es in Hamburg sehr wohl gegeben, allerdings war das wohl nur der Name als Telegrammadresse und der Sprachgebrauch.
In den Adressbüchern von 1940 bis 1957 (in den Büchern vor 1940 und nach 1957 befindet sich kein entsprechende Eintrag mehr) ist unter Schmidts Breite (die frühere Straße Schmidtstraße wurde 1940 umbenannt und heißt bis zum heutigen Tag Schmidts Breite) verzeichnet:

Bauer, Wilhelm
Maschinen-Fabrik und Werft f. Speziel-Maschinen und Schiffe
Wilhsb. Schmidtstr. (bzw. Schmidts Breite) 17
38 83 13 u. 38 86 64


Auf der 2. Planskizze im zweiten Beitrag lag/liegt die Nummer 17 ungefähr dort, wo die Ziffer "9" steht.

Bis 1963 ist Wilh. Bauer, Schiffbauer als wohnhaft in Finkenwerder nachweisbar (allerdings nicht 100-%ig sicher, ob es sich dabei um den "Werft-Bauer" handelt).

Gruß
klaushh
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: Peter K. am 13 November 2013, 19:12:56
Erst einmal freut es mich, dass in dieser Angelegenheit doch noch so zahlreiches Feedback zu vermerken ist!
Herzlichen Dank dafür!

Ergänzend zu den bereits gebrachten Angaben im Eröffnungsthread schreibt STAMMER in "Hamburgs Werften 1635-1993":
Zitat1952 erscheint die Firma nicht mehr im Register
und
ZitatAusrüstung 1950:
2 Helgen bis 100 x 25 m für Neubauten bis 2.500 tdw
2 Helgen bis 100 x 25 m für Reparaturen bis 4.000 tdw
alle Anlagen tidenunabhängig

Auch BOIE schreibt, dass die Werft 1952 wieder geschlossen wurde.

JÜRGENs zweite Planskizze stammt aus dieser Quelle (http://www.fischer-tropsch.org/Tom%20Reels/Linked/B1870/B1870-1059-1117%20Item%2011C.pdf) und zeigt - wie KLAUSHH schreibt - die Position der Werft etwa dort, wo die Ziffer "9" steht. Das ist auch schön auf dem Foto in BEATE´s Link zu erkennen. Diese Aufnahme soll aber aus den Jahren 1921 bis 1932 (!) stammen und welche Werft ist das nun wieder?

Im "Deutschen Schiffahrts- und Hafen-Jahrbuch 1939" ist die Bauerwerft jedenfalls noch nicht gelistet und erst in der nächsten mir vorliegenden Ausgabe von 1952 findet man den Eintrag:
ZitatMaschinenfabrik und Werft für Spezial-Maschinen und -schiffe W. Bauer
Hamburg - Wilhelmsburg, Schmidtsbreite 17, Tel.: 388313 und 388664, Tel.-Adr.: Bauerwerft Hamburg

Somit bleibt JOERNs Hinweis auf die HANSA-Ausgabe von Jänner 1940 die früheste Erwähnung der Werft.

Im "Handbuch der Werften 1950" wurde ich noch wie folgt fündig:
ZitatMaschinenfabrik und Werft für Spezial-Maschinen und -schiffe W. Bauer
Hamburg - Wilhelmsburg, Schmidtsbreite 17, Telefon: 388313 und 388664, Telegramm-Adresse: Bauerwerft Hamburg
Inhaber: Wilhelm Bauer, Prokurist: E. Eggers, Leiter des Stadtkontors: Dr. Bartholdi, Betriebsleiter Zweigwerk Winsen / Luhe: Ing. Busch
Stadtkontor: Hamburg 36, Dammstorstr. 14, Telefon: 355339, Zweigfabrik Winsen / Luhe, Telefon: Winsen / Luhe 740
1 Helgen 90 x 25 m, 2 Helgen 120 x 20 m, 1 Helgen 100 x 25 m
Neubau von Fahrzeugen bis zu 2500 t, Reparaturen bis zu 4000 t
Maschinenreparaturen aller Art, Bau von Dieselmotoren, E-Maschinen, Dampfmaschinen, Schiffs-Hilfsmaschinen un Aggregaten für Diesel- und E-Maschinen, Bau von Getreidehebern

Der gleichlautende Eintrag ist auch in der Ausgabe 1952 zu lesen, aber in der Ausgabe 1954 steht nur noch:
ZitatMaschinenfabrik und Werft für Spezial-Maschinen und -schiffe W. Bauer
Hamburg - Wilhelmsburg, Schmidtsbreite 17, Telefon: 388313 und 388664, Telegramm-Adresse: Bauerwerft Hamburg
Inhaber: Wilhelm Bauer, Prokurist: E. Eggers, Betriebsleiter Zweigwerk Winsen / Luhe,
Stadtkontor: Hamburg 36, Dammstorstr. 14, Telefon: 355339
4 Helgen 90 x 25 m für Neubau und Reparatur

In der Ausgabe 1956 ist die Werft nicht mehr zu finden.

Ich sehe es daher im Moment als wahrscheinlich an, dass die Bauerwerft über 1952 hinaus bestand und STAMMER und BOIE mit ihren Angaben diesbezüglich falsch liegen. Tun sie es auch mit ihren Angaben zur Werftgründung im Jahr 1940?
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: bettika61 am 13 November 2013, 19:49:43
Hallo Peter,
was micht wundert ist, das die allierte Aufklärung von "Unidentified Oilstorage Plant" schreibt,
eine Werft sollte von einem Tanklager zu unterschieden sein.  :MV:
Was mich weiter irrritiert ist der Hinweis und Skizze hier (http://books.google.de/books?id=vhlz_NBvuPsC&pg=PA344&lpg=PA344&dq=Wilhelmsburg+schmidtkanal+werft&source=bl&ots=l0YEpfhM6a&sig=5Ea6a-HZyJ8gajo04WAy3h0mJkI&hl=de&sa=X&ei=U8WDUu-tCIzEtAbftYDwDg&ved=0CDYQ6AEwAQ#v=onepage&q=Wilhelmsburg%20schmidtkanal%20werft&f=false)
Deutsche Benzol Vertrieb GmBH 1932 auf dem Gelände der ehem. Elbe Schiffswerft an der Straße Schmidtsbreite
Dann müssen wir vielleicht 1940 woanders suchen  :?

Zum Ende der Bauerwerft nach einer  Zeitzeugenaussage (http://books.google.de/books?id=Yggc3XfPL5MC&pg=PA55&lpg=PA55&dq=wilhelmsburg+Bauer+werft&source=bl&ots=UkkSlLO2iW&sig=t8BE-Ycg3GezEDFWFK3X5YxThdA&hl=de&sa=X&ei=P8qDUp2XIYiTtAbhsID4Cw&ved=0CE4Q6AEwBQ#v=onepage&q=wilhelmsburg%20Bauer%20werft&f=false)  1953 oder früher
Grüsse
Beate
Titel: Re: Bauerwerft, Hamburg
Beitrag von: Peter K. am 13 November 2013, 23:21:59
Danke, BEATE!

Nach dem Zeitzeugenbericht dürfte die Bauerwerft doch wieder nur bis etwa 1952 - wie auch STAMMER und BOIE schreiben - bestanden haben.  :/DK:

Zitat... auf dem Gelände der ehem. Elbe Schiffswerft an der Straße Schmidtsbreite
ZitatDiese Aufnahme soll aber aus den Jahren 1921 bis 1932 (!) stammen und welche Werft ist das nun wieder?

Hier dürfte es sich um die "Hamburger Elbe Schiffswerft AG" handeln, die auch auf deinem Fotolink zu sehen ist. Dazu schreibt STAMMER:
Zitat1918 als Nachfolgerin der seit 1845 bestehenden "Werft, Eisenkonstruktions- und Brückenbauanstalt F. H. Schmidt" am Reiherstieg in Wilhelmsburg, Schmidtstrasse Nr. 15, gegründet. Es war vorgesehen, auf den noch freien Grundstücken der Firma eine Schiffswerft zu errichten, um Dampfer bis zu 5000 tdw zu bauen. ...
1923 ... wurde ein Abbruchbetrieb vorbereitet, ... Die Werft verfügte über 3 Helgen mit 110 m Länge und 5000 ts Tragfähigkeit und ein Längsslip für kleine Fahrzeuge. Ein Querslip sollte angelegt werden, wahrscheinlich für Reparaturen und Abbruch ...
1924 wurde der Schiffbau eingestellt und das Inventar am 26.01.1926 versteigert. ... Aber erst am 12.07.1937 erlosch die Firma.
Ausrüstung 1925:
1 Querslip bis 30 m / 90 t
1 Längsslip bis 65 m / 800 t
3 Helgen bis 110 m / 5000 t
alle Anlagen tidenunabhängig

Inhaltlich ergänzend schreibt BOIE:
Zitat1939 übernahm W. Bauer das Gelände.