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Medien => Kino / Video / TV => Thema gestartet von: Pervitin am 09 März 2015, 15:03:49

Titel: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Pervitin am 09 März 2015, 15:03:49
Guten Tag,

ich bin französische Journalistin und arbeite zur Zeit an einem Dokumentarfilm über den Drogenkonsum im Dritten Reich. Der Film wird im September 2015 auf dem französischen Sender RMC Découvertes ausgestrahlt. Ich interessiere mich insbesondere für den Alltag der Soldaten und deren Konsum von Pervitin. Für meine Recherche bin ich auf der Suche nach:

- Zeitzeugen (Veteranen, Kinder oder Freunde von Zeitzeugen, Krankenschwestern, Sammlern, etc.)
- Dokumenten und Objekten (Fotos, Postkarten, alte Pervitin-Verpackungen, Pervitin-Etiketten, oder Pervitin-Werbungen, etc.)

Sagt Ihnen der Gebrauch von Pervitin oder von anderen Mitteln etwas? Ich bin mobil und es besteht die Möglichkeit Aussagen vor Ort zu erfassen. Bei Interesse schreiben Sie mir bitte eine Email an : isabellefoucrier@gmail.com

Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe,
Isabelle Foucrier
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: bettika61 am 09 März 2015, 16:41:13
Hallo Isabelle,
bekannt ist der Einsatz von Pervitin bei den "Seehundfahrern" einem Klein-U-boot,
http://uk-muenchen.de/pdfBerichte/seehundBahlmann.pdf
Ob noch Zeitzeugen leben, kannst Du vielleicht bei  bei UK-München erfahren

Erprobt wurde die Wirkung u.a. im KZ-Sachsenhausen durch
Marineoberstabsarzt Prof. Dr. Orzechowski , nachzulesen hier (http://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dissertation_derivate_00001805/d1805.pdf;jsessionid=28FA262CD2B28F26472CCFB6B70B05DA)

Grüsse
Beate

Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 09 März 2015, 17:01:31
"Der Sanitätsdienst in der deutschen Flotte im Zweiten Weltkrieg", Hartmut Nöldeke and Volker Hartmann, Verlag E.S. Mittler & Sohn GmbH, 2003, pp. 19-20.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Tostan am 09 März 2015, 17:05:31
Eine kleine Bitte: Setzen Sie im Film aber bitte nicht Pervitin mit dem heutigen Crystal Meth gleich. Die Dosierung war wesentlich geringer als bei dem Zeug, was es heutzutage beim Dealer gibt!

Leider gibt es hier im Grenzgebiet zu Tschechien schon viele Crystal-Wracks, und eine Standard-Ausrede der Süchtigen ist: "Ist doch nicht so schlimm, das haben ja schon die Soldaten im Weltkrieg benutzt und sind nicht alle süchtig geworden"...

Ich weiss vom Pervitin-Einsatz bei Fallschirmjägern, allerdings ist der Zeitzeuge schon vor ca. 15 Jahren gestorben und hat es auch nur ganz nebenbei erwähnt, als ich ihn danach gefragt habe nachdem ich "Die Stunde der toten Augen"(Harry Thürk) gelesen hatte. Seine Erinnerungen hat er leider nicht niedergeschrieben.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: bodrog am 09 März 2015, 17:59:47
Hier:

https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showFullRecord&currentResultId=%22Medizin%22+and+%22unterm%22+and+%22Hakenkreuz%22%26any&currentPosition=4

und hier:

https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showFullRecord&currentResultId=betRef%3D106082655%26any&currentPosition=9

steht etwas mehr dazu drin - vor allem auch von ärztlicher Seite...
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 09 März 2015, 18:45:25
1.   The Guardian November 19, 2002  Nazis tested cocaine on camp inmate,  Jeevan Vasagar in Berlin 
2.   http://www.spiegel.de/international/the-nazi-death-machine-hitler-s-drugged-soldiers-a-354606.html 
3.   Siehe auch Kriegstagebuch  Prinz Eugen,  Bericht von  Marineoberarzt Witte.  Leider habe ich das deutsche Original nicht mehr und meine Übersetzung ist ohne Garantie  https://drive.google.com/file/d/0B9QzbT15PL_FVm5nc01zN1hmcm8/view?usp=sharing
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: kalli am 09 März 2015, 19:05:50
Hier die deutsche Spiegelausgabe dazu:

http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelspecial/d-39863547.html
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: bettika61 am 09 März 2015, 19:56:35
Hallo,
bei Nöldeke /Hartmann https://books.google.de/books?id=jjUhAQAAIAAJ&q=n%C3%B6ldeke+hartmann+ubootwaffe&dq=n%C3%B6ldeke+hartmann+ubootwaffe&hl=de&sa=X&ei=eev9VLaBHYvYPcSZgEg&ved=0CCgQ6AEwAA
befinden sich Aufzeichnungen aus der Erinnerung von Mitgliedern der Kleinkampfverbände im Einsatz von Pervitin

Grüsse
Beate
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: AWoelfer am 09 März 2015, 20:20:49
In dem Buch : "Geschichte der Deutschen Marinepharmazie 1871 - 1945" von Frederik F. Vongehr mit der ISBN : 978-3-8047-3317-6 steht auf Seite 415 folgendes:

"Die ab 1942 gültige Kriegssanitätsausrüstung, aufgeführt in der M.Dv. Nr.216/1 (S.d.Ks.), für derart große Schiffe unterschied sich nicht wesentlich von der bereits
in der M.Dv. Nr. 271/2 formulierten Aufstellung, jedoch sollten pro Besatzungsmitglied fünf Tabletten Pervitin an Bord genommen werden.470
Es ist davon auszugehen, dass "Tirpitz" aufgrund ihrer Reichweite bei Indienststellung jedoch bereits mit dem Atlantiksoll ausgestattet war.471"

So nun meine Frage hat jemand die besagten Marine Dienstvorschriften oder weiß wo man sie bekommen kann?
Sie würden mich interessieren.


Grüße
Andreas
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 09 März 2015, 22:23:40
Etwas über Drogen im Biber: 
https://drive.google.com/file/d/0B9QzbT15PL_FeGNaa2Z4QzhucWc/view?usp=sharing

Auch die US benutzte "Pep Pills" im 2. WK ... 
http://healthvermont.gov/adap/meth/brief_history.aspx 
http://www.nydailynews.com/news/world/ww-ii-german-soldiers-civilians-dropped-amphetamines-give-boost-battle-allies-article-1.1362017 

Google  images    Temmler Werke Pervitin 


PS:  Schokakola   :-D    :  Mein Varter Stabsarzt Rudofsky  brachte immer eine Ladung Schokakola für uns wenn er auf Urlaub kam:  https://drive.google.com/file/d/0B9QzbT15PL_FNjZHaU1UWTJyYnc/view?usp=sharing
Gepäckaufstellung bei der Flucht aus Odessa und/oder gottlob, bei amerikanischer Gefangennahme in Muenchen, in seiner eigenen Handschrift. 
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Tostan am 10 März 2015, 10:07:30
Zitat von: Ulrich Rudofsky am 09 März 2015, 22:23:40
Schokakola

Ist das gesichert, dass Schokakola Pervitin enthielt? Wenn ja, wann und wie lange? Ich habe dazu keine zitierfähige Quelle.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 10 März 2015, 11:15:41
Ich glaube da war kein Pervitin in Schokakola, aber ich weiss nicht ob es "spezial" Ausgaben gab. Wir Kinder hatten von dieser Schokolade keine Schlaflosigkeit.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Thorsten Wahl am 10 März 2015, 12:12:32
Schokakola war Koffein Schokolade

----------------------------------
Pervitin
anfangs war das Aufputschmittel frei verkäuflich und wurde landauf landabab entsprechend verwendet.

Irgendwann wurden bestimmte Wirkungen beobachtet, da gibt es so eine Langzeitstudie von einen Oberstabsarzt oder so vom Gesundheitministerium und formell war das Zeugs danach nur noch auf Rezept erhältlich soweit erinnerlich passierte das irgendwann 1941 mit einer Änderung im Reichsopiumgesetz.

bei der NVA war  Amphetamin auch vorgesehen  in de E päckchen.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 10 März 2015, 12:39:55
Auch die US  benutzte verschiedene  "Pep Pills" im 2. WK ......vielleicht heute noch   
http://healthvermont.gov/adap/meth/brief_history.aspx 
http://www.nydailynews.com/news/world/ww-ii-german-soldiers-civilians-dropped-amphetamines-give-boost-battle-allies-article-1.1362017 
Google  images    Temmler Werke Pervitin

NB: 100 gm Schokakola = nur 2 Tassen Kaffee (200 mg) oder ca. 2 Dosen Red Bull.  Viel Zucker und ein paar Sachen von den Cocaoa-Bohnen sind natürlich auch in minmalen Ouantitäten drinnen:  Theobromin und andere Methyxanthine.   Also wenn das stimmt, war es normale Schokolade. 
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Tostan am 10 März 2015, 14:32:25
Zitat von: Ulrich Rudofsky am 10 März 2015, 11:15:41
Ich glaube da war kein Pervitin in Schokakola, aber ich weiss nicht ob es "spezial" Ausgaben gab. Wir Kinder hatten von dieser Schokolade keine Schlaflosigkeit.

Ja, und auch heute ist keins drin. Aber es gibt im Netz Gerüchte, dass vor allem in der Anfangszeit des Krieges(Polen, Frankreich) der "Wehrmachts-Schokakola" Pervitin beigemischt wurde. Dafür gibt es aber keine belastbare Quelle, und ich würde das auch als unglaubwürdig bewerten. Wozu eine "Spezial-Schokakola wenn zu der Zeit Pervitin schon als Tablette sehr großzügig verteilt wurde.

Evtl. kommt das durch "Panzerschokolade", was beim Heer ja ein Spitzname für (normales) Pervitin gewesen sein soll, während Schokakakola bei der Luftwaffe als "Fliegerschokolade" bezeichnet wurde(Und Pervitin als "Göringpille") - auch dafür aber keine wirklich belastbaren Quellen.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: kalli am 10 März 2015, 18:09:07
ZitatUm die Angst zu betäuben, griffen im Verlauf des Krieges immer mehr Flieger zum Alkohol und »soffen wie die Blöden«.394  Oberfeldwebel Nitsch, Beobachter im Kampfgeschwader 100, gab im September 1943 zu, dass sie auch das Aufputschmittel Pervitin nahmen: »Vor jedem Einsatz ist bei uns eine tolle Sauferei losgegangen. Wir mussten uns doch Mut machen. [...] Also ich kann noch so besoffen sein, fliegen kann ich immer. Höchstens, dass ich müde geworden bin. Aber dann habe ich einfach so eine Tablette geschluckt und dann war man so frisch und vergnügt, als ob man Sekt gesoffen hatte. Eigentlich mussten die Dinger ja vom Doktor verschrieben werden, aber wir hatten immer welche bei uns.«395

Zitat aus Sönke Neitzel, Harald Welzer ,,Soldaten", S. 213, Anmerkungen S. 456 , ISBN 978-3-10-089434-2
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: bodrog am 10 März 2015, 19:42:50
... da hat sich doch 1941 auch ein Kommodore beschwert, das seine Flieger jetzt schon versuchen würden ohne Flugzeug abzuheben...

:biggre:
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 10 März 2015, 21:58:04
Dieses Thema ist interessant, da es sich wirklich nicht nur auf die bösen Deutschen im 2. WK bezieht, sondern von der aktuellen Gegenwart in der NATO etc. bis in die Steinzeiten, die Egypter, Römer, Griechen, Hunnen usw...... handelt. 

In Gefahr kann ein Adrenalinschub nur auf eine bestimmte Grenze von selbst oder von einem brüllenden Feldwebel oder Leutnant ein bißchen erhöht werden.  Dann kommen die "Drogen" ran (hier politisch korrekt: "performance enhancing drugs")....

z.B. 24-48 Stunden geistig schweren Dienst ohne Schlaf zu leisten, kann man normaler Weise kaum aushalten, vorallem wenn es nach einer kleinen Pause von 4-7 Stunden schon wieder los geht.  Also, Drogen aller Art sind noch bis heute im Gebrauch.  Aber ein freiwilliges und dienstlich Drogen erzwungenes Wachsein  bedeutet lange nicht, daß man ein physiologisch-psychiatrisch normaler, zuverlässiger und vernünftiger Mensch bleibt. 

http://www.nbcnews.com/id/3071789/ns/us_news-only/t/go-pills-war-drugs/
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Kaschube_29 am 10 März 2015, 22:56:02
Moin Moin,

im vergangenen Jahr gab es im ARD eine Dokumentation "Die Wunderpille der Wehrmacht", die auch für den Grimme-Preis nominiert ist, wie hier nachzulesen ist:
http://www.kommando.streitkraeftebasis.de/portal/a/kdoskb/!ut/p/c4/HYvBDoIwEET_aLc1Gqw3CRdvxpgoXsxSGlyBliylXvx4izOTd3kZfGCup8QdRQ6eBrxjbfnQfGDum2ffBpidJLYOSOyLE2yU3sGb_EKCt_XdOrDBu7gyOh85sxOKQWAKEofVLCLZALdYK12Vaqv-0XlfczWlORfFvjqVF5zG8fgDrEh9Gg!!/

Hier der Hinweis von der ARD:
http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/rb/geschichte-im-ersten-die-wunderpille-der-wehrmacht-100.html
...und auf YouTube.com nachzusehen: https://www.youtube.com/watch?v=plZwAW1khzI

Bis dann,

Kaschube_29 (Axel)
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Matrose71 am 10 März 2015, 23:49:58
Zitat von: Tostan am 10 März 2015, 14:32:25
Zitat von: Ulrich Rudofsky am 10 März 2015, 11:15:41
Ich glaube da war kein Pervitin in Schokakola, aber ich weiss nicht ob es "spezial" Ausgaben gab. Wir Kinder hatten von dieser Schokolade keine Schlaflosigkeit.

Ja, und auch heute ist keins drin. Aber es gibt im Netz Gerüchte, dass vor allem in der Anfangszeit des Krieges(Polen, Frankreich) der "Wehrmachts-Schokakola" Pervitin beigemischt wurde. Dafür gibt es aber keine belastbare Quelle, und ich würde das auch als unglaubwürdig bewerten. Wozu eine "Spezial-Schokakola wenn zu der Zeit Pervitin schon als Tablette sehr großzügig verteilt wurde.

Evtl. kommt das durch "Panzerschokolade", was beim Heer ja ein Spitzname für (normales) Pervitin gewesen sein soll, während Schokakakola bei der Luftwaffe als "Fliegerschokolade" bezeichnet wurde(Und Pervitin als "Göringpille") - auch dafür aber keine wirklich belastbaren Quellen.

Ich hatte zumindestens als belastbare Quelle einen meiner Großväter bis 2009.
Der hatte noch diese Schokolade in Dosenform, soweit ich mich erinnere Weiß/Rot.
Teilnehmer am Polenfeldzug, Frankreichfeldzug und Russlandfeldzug bis Dezember 1941. Erst 22. ID, danach 20 ID mot.
Er sagte mir, dass diese Schokolade auf alle Fälle aufputschende Wirkung hatte, von Pervertin war nie die Rede und er war leider schon verstorben, als mir der Begriff Pervertin richtig bekannt wurde durch die öffentliche Diskussion, auch im Zuge von Crystal Meth.
Er erklärte mir das als Kind und Jugendlicher eher mit einer Art von sehr starkem Koffein, aber immer ausweichend und das Thema eher meidend. Da er auch sehr viel mit dem medizinischen Dienst zu tun hatte, glaube ich schon, dass in der Schokolade Pervertin sein könnte, die aufputschende Wirkung hat er nie bestritten und an die Dose durfte ich nie.

Allerdings ist das jetzt meine persönliche Interpretation, da ich mir Koffein eher weniger vorstellen kann als Pervertin, nach dem heutigen Wissen.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: AND1 am 25 August 2015, 21:45:54
Transport Ostasien
Elsa Essberger 1942  190 t Hanf
Cortelasso 1942        285 t Canabis
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: bettika61 am 25 August 2015, 22:01:40
Hallo,
aus den Erinnerungen von Gert Schubert http://historisches-marinearchiv.de/sonstiges/berichte/schubert.php
auf T 21
ZitatEin ,,Drogenerlebnis"
...
Während unseres Zusammenseins kam der Kommandant des Bootes in die Messe. Er wirkte ziemlich fahrig und fragte meinen Bruder allen Ernstes, wie er an Pervitin herankommen könne.
Er brauche es sofort (Pervitin war ein Aufputschmittel, das in der Wehrmacht legal für besondere
Belastungssituationen bereit gehalten wurde). Als mein Bruder ihm nicht helfen konnte oder
wollte, schlug der Kommandant vor, an einem der Rettungsflöße den Seenotrettungsbeutel zu
öffnen und das zu dessen Ausstattung gehörende Pervitin ,,vorübergehend auszuleihen". Mein
Bruder sollte das zur Kenntnis nehmen, damit alles seinen ordentlichen Gang hätte. Er lehnte das
selbstverständlich ab. Wir waren wieder allein. Ich war ehrlich erschrocken, daß ein Kommandant
dem ranghöchsten seiner Seeoffiziere in Gegenwart eines kleinen ihm fremden Kadetten so
etwas vorzuschlagen wagte. Der Mann muß ganz schön süchtig gewesen sein! War das unser
,,großartiges" Offizierskorps?

Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: kalli am 03 September 2015, 08:05:25
von Axel schon einmal erwähnt "Die Wunderpille der Wehrmacht" ist heute um 20:15 Uhr bei Phönix zu sehen:

http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/983752
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 04 September 2015, 18:22:55
Ausser "Pep-Pills" (Aufputschmittel),  gab und gibt das US Militär manchmal auch Selbstmord-Pillen aus  - - "L-Pills".  Man kann die ja auch u.U. dem Feind eingeben.  :wink:   https://en.wikipedia.org/wiki/Suicide_pill

Solche lethale Pillen gab es natürlich auch im Dritten Reich... z.B. Rommel, Göring usw......
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: Karlchen am 05 September 2015, 08:42:26
http://www.scho-ka-kola.de/

Schokakola gibts immer noch ist aber wie Ulrich Rudofsky schon sagte total harmlos.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: kalli am 09 Juli 2020, 12:32:50
gerade bestellt:

"Der totale Rausch: Drogen im Dritten Reich"

bei Amazon (https://www.amazon.de/totale-Rausch-Drogen-Dritten-Reich/dp/3462047337)
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: t-geronimo am 09 Juli 2020, 15:42:09
"...Ohler hat bislang gesperrte Materialien ausgewertet..."

Wenn Du es durch hast, schreib mal, wer da was warum gesperrt hat, falls Ohler darauf eingeht.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: kalli am 10 Juli 2020, 16:45:57
Ich komme drauf zurück, Thorsten.
Vorerst 2 Fotos, die ein wenig zum Thema gehören. Bei der Wrackbergung fand man auch dies und jenes. Ich hab es im Flugzeugmuseum-Sola (Flyhistorisk Museum Sola) fotografiert.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: bettika61 am 10 Juli 2020, 19:39:53
Zitat von: bettika61 am 09 März 2015, 16:41:13
....
Erprobt wurde die Wirkung u.a. im KZ-Sachsenhausen durch
Marineoberstabsarzt Prof. Dr. Orzechowski , nachzulesen hier (http://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dissertation_derivate_00001805/d1805.pdf;jsessionid=28FA262CD2B28F26472CCFB6B70B05DA)
Hallo,
Informationen über diese Menschenversuche an KZ-Häftlinge, die Ärzte der  Kriegsmarine in Sachsenhausen durchgeführt hat,
in
"Astrid Ley: "Arzneimittelversuch zur Hebung der Leistungsfähigkeit und Wachhaltung". Humanexperimente der Marine auf der Schuhprüfstrecke des KZ Sachsenhausen  " http://www.offenes-archiv.de/de/medium-ansicht?id=7251
zitiert (https://books.google.de/books?id=4kx3DwAAQBAJ&lpg=PA330&ots=QRjJzYkFAF&dq=Astrid%20Ley%3A%20%22Arzneimittelversuch%20zur%20Hebung%20der%20Leistungsf%C3%A4higkeit%20und%20Wachhaltung%22.%20Humanexperimente%20der%20Marine%20auf%20der%20Schuhpr%C3%BCfstrecke%20des%20KZ%20Sachsenhausen&hl=de&pg=PA331#v=onepage&q=Astrid%20Ley:%20%22Arzneimittelver)
Verantwortlich Richert Dr., Hans-JoachimMar.St.Arzt.d.R. vom KdK
Als Quelle verwendet  Ärztliches Kriegstagebuch der Kleinkampfverbände RM 103/10
(Die Quelle liegt mir leider nicht vor, wenn jemand das KTB hat, wäre ich sehr interessiert)

Das KTB  wird als Quelle auch in
"Der Sanitätsdienst in der deutschen U-Boot-Waffe und bei den Kleinkampfverbänden : Geschichte der deutschen U-Boot-Medizin / Hartmut Nöldeke ; Volker Hartmann" verwendet, von den Menschenversuchen im KZ ist dort nichts zu lesen.
Zufall oder Absicht  :MZ:
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: kalli am 12 Juli 2020, 16:57:20
Zitat von: t-geronimo am 09 Juli 2020, 15:42:09
"...Ohler hat bislang gesperrte Materialien ausgewertet..."

Wenn Du es durch hast, schreib mal, wer da was warum gesperrt hat, falls Ohler darauf eingeht.

So eindeutig gibt es im Buch darauf keine Antwort. Ohler schreibt dazu in der Bibliografie Seite 344: Zitat ,,Die wichtigsten Quellen dieses Buches bilden unveröffentlichte Dokumente. Speziell für diese Recherche entsperrte Archivalien, bislang unveröffentlichte Materialien und zahllose Reports und Akten aus bundesdeutschen und US-amerikanischen Staatsarchiven wurden ergänzt durch Gespräche mit Zeitzeugen und Militärhistorikern. In diesem Zusammenhang sei auch darauf hingewiesen, dass in Londoner Archiven infolge von Sperrfristen Archivalien zu bestimmten Aspekten des Dritten Reiches noch immer nicht einsehbar sind. Und in Moskau gibt es für Wissenschaftler nach wie vor nur streng begrenzten Zugang in die Geheimarchive der früheren Sowjetunion."
Allerdings erstreckt sich die Bibliografie auf 10 Seiten. Sehr umfangreich ist auch der Anmerkungsapparat. Das Nachwort stammt von Hans Mommsen und hebt besonders die Schilderung der Beziehung zwischen Hitler und Leibarzt Morell, die einen großen Teil des Buches ausmacht, hervor.
Anschaulich und z.T. mit Zahlen belegt, wird die massenhafte Drogenverwendung in allen Teilen der Wehrmacht und der SS beschrieben.
Beispielhaft seien hier nur genannt:
-Verstrickung Heye mit SS, Arzneimittelversuch KZ Sachsenhausen, Anwendung Kleinkampfverbände
-Ausgabe von Pervitin beim Kanaldurchbruch am Beispiel ,,Prinz Eugen"
Das Buch ist ,,flott" geschrieben. Auch das Kapitel Volksdroge Methamphetamin (1933-1938) war für mich eine Überraschung. Ist schon erstaunlich, wieviel in dieser Zeit der ,,Normalbürger" so geschluckt hat.
Titel: Re: Doku: Drogenkonsum im Dritten Reich
Beitrag von: t-geronimo am 12 Juli 2020, 16:59:07
Vielen Dank, klingt insgesamt sehr lohnend!  :TU:)