http://www.phoenix.de/hitlers_meereskaempfer/58670.htm
Gestern abend kam er wieder --- der Beitrag über Hitlers Meereskämpfer, der schon desöfteren im Fernsehen lief.
Ich habe mir noch nicht den ganzen Beitrag angeschaut, aber einige Sachen haben mich schon gewundert.
1. Laut dieser DOKU ist 1942 ein relativ unbedeutender Offizier der Kriegsmarine durch ein neues Tauchgerät, welches kaum Blasen verursacht hat, auf die Idee mit den Kampfschwimmern gekommen. Trotzdem wollten die Admiräle der Kriegsmarine vorerst nocht nichts davon wissen. Erst als 1943 die Tirpitz durch Minen schwer beschädigt wurde, erinnerte man sich der Idee und suchte nach geeigneten Leuten. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß den Deutschen der Einsatz der italienischen Torpedoreiter unbekannt geblieben ist und sie sich erst 1943 an diese Idee heranwagten
2. Die Einheit der Kampfschwimmer wurde aus Leuten gebildet, die zuvor in einer "Showtruppe" der Kriegsmarine eingesetzt waren. Diese Truppe sollte durch Vorführung ihrer Schwimmkünste Interesse für die Marine wecken und Rekruten anwerben. Ich finde, diese Aussage passt nicht zur damaligen Zeit. Damals wurde die jungen Männer für den Kriegsdienst eingezogen und nicht mit Versprechungen angeworben.
Zitatsie sich erst 1943 an diese Idee heranwagten
hmm...bei dem XXI-U-Boot in Bremerhaven sind im vorderen Torpedoraum Kampfschwimmeranzüge ausgestellt gewesen (wenn ich mich recht erinner)...allerdings ist das Boot jünger als ´43...
Zitatund nicht mit Versprechungen angeworben
Bei der Doku "Die SS" hatte ein Ex-SS-Mann gesagt, dass er zur SS sei, um nach seiner Dienstzeit als Beamter arbeiten zu können...zumindest soll nach seiner Aussage die SS damit geworben haben...
@Mario,
damals waren geschlossene Atemsysteme üblich (oder Leo belehre mich eines besseren), die prinzipiell wenig Blasen verursachen. Das war nichts neues. Die deutsche Kriegsmarine hat sich aber wirklich erst 1943 auf Betreiben von Admiral Heye als Chef der "K"-Verbände mit dem Thema Kampfschwimmer eingehend beschäftigt. Die Einsätze der italienischen "Gamma's" waren der deutschen Admiralität sicher nicht unbekannt, Interesse bestand aber bis 1943 scheinbar an einer solchen Truppe nicht.
Ausgebildet wurden die ersten deutschen Kontingente bei den italienischen Kampfschwimmern in Valdagno unter Leitung des italienischen Trainers Eugenio Wolk. Dabei wurde Wert auf absolute Geheimhaltung gelegt. "Gamma's" war es unter Androhung des Hochverrates verboten, etwas über ihre Tätigkeit außerhalb des Ausbildungszentrums zu erzählen. Selbst ihren wirklichen Dienstgrad durften sie oft nicht tragen. Offiziere trugen außerhalb z.T. nur Unteroffiziersuniformen etc. Das man für eine solche Einheit mit "Zirkusnummern" wirbt, halte ich für blanken Unsinn.
ZitatDas man für eine solche Einheit mit "Zirkusnummern" wirbt, halte ich für blanken Unsinn.
Die "Zirkustruppe" sollte ja auch nur Interesse an der Marine im Allgemeinen wecken, nicht für die geheimen Spezialkräfte. Ich werde mir mal heute abend den Rest ansehen.
Übrigens erzählt mein Großvater immer wieder davon, wie die ehemaligen Lehrlinge des Arado-Werkes im Frühjahr 1944 eingezogen wurden und vor die Wahl gestellt wurden, entweder SS oder zur Luftwaffe.
Alle Mann haben sich für die Luftwaffe entschieden.
Das sagt doch schon eine Menge, oder ? ? ? Zur SS wollte keiner, die wußten damals schon, was das für eine Truppe war.
@Mario,
ob sie es damals schon wußten?
Sicher war, die Waffen-SS galt als Parteitruppe und als Eliteeinheit mit deutlich höheren Verlustraten als bei den anderen Wehrmachtsteilen (U-Bootfahrer mal ausgenommen). Tja, und wie das halt im Leben so ist, die einen stehen drauf, die anderen nicht.
Zitat... ein relativ unbedeutender Offizier ...
Tatsächlich ist die Rolle des Österreichers Alfred von Wurzian bei der Entwicklung der deutschen Kampfschwimmer relativ unbekannt, obwohl dieser Name wiederum mit dem Meeresforscher Hans Hass eng verknüpft ist.
Beide lernten sich im Herbst 1937 an der Universität Wien kennen und wahrscheinlich begleitete von Wurzian den später viel bekannteren Hass bereits auf seiner ersten Unterwasserexpedition, die ihn 1938 nach Jugoslawien führte. Erstmals wurden hier Schwimmflossen - von der Wiener Firma Semperit gefertigt - verwendet und mit einer selbst gebauten Kamera unter Wasser fotografiert. Auch mit einem offenen Tauchhelm mit Luftpumpe nach dem Vorbild des Amerikaners Willian Beebe wurde schon experimentiert, aber die mit großer Geräuschentwicklung über den Helmrand austretenden Luftblasen und der Luftschlauch waren doch recht hinderlich!
Dieser offene Tauchhelm wurde auch während der nächsten Expedition von Hass und von Wurzian in der Karibik vor Curacao und Bonaire ab Juli 1939 verwendet. Hier entstand auch das Filmmaterial für den Kurzfilm "Pirsch unter Wasser". Durch den Kriegsausbruch mußte dann die Heimreise nach Wien über die USA, China und Russland erfolgen, sodaß die beiden erst im September 1940 ankamen. 1941 wurden von den beiden einige Szenen für den oben genannten Film in der Adria nachgedreht.
Im März 1942 rückte von Wurzian als Unteroffizier bei der 3. Batterie der leichten Artillerie-Ersatzabteilung (mot.) 102 in Olmütz ein, während Hass eine Expedition in die Ägäis vorbereitete, an der auch von Wurzian wieder teilnehmen sollte. Ursprünglich wollte Hass ja in tropische Gewässer, was aber durch den Krieg vorerst verhindert worden war. Bei dieser Expedition wollte Hass unbedingt ein autonomes Tauchgerät verwenden, wofür ihm ein Sauerstoff-Kreislaufgerät der auf diesem Gebiet führenden deutschen Firma Dräger namens "Gegenlunge" geeignet erschien. Dieses Gerät war eine Weiterentwicklung des "Tauchretters", wie er auf den späteren deutschen Ubooten Verwendung fand, und kam bereits 1928 auf den Markt. Allerdings erlaubte es aufgrund seiner Konstruktion nur ein Aufrechtgehen auf dem Meeresgrund, kein Schwimmen unter Wasser. Hass war daher erstmals im Frühjahr 1941 bei der Firma Dräger in Lübeck und änderte dort mit deren technischen Direktor, Oberingenieur Hermann Stelzner, die "Gegenlunge" für seinen Verwendungszweck um.
Mit diesem neuen, luftbalsenlosen Gerät entwickelte von Wurzian seine Kampfschwimmeridee - diese sollten mit eben jenem Gerät und Schwimmflossen ausgerüstet, nachts von Ubooten in die Nähe feindlicher Häfen gebracht werden und mit Sprengkörpers an Schiffe heranschwimmen und -tauchen, die Ladungen günstig plazieren und unbemerkt wieder verschwinden.
Hass konnte inzwischen die Kriegsmarine und den Reichsforschungsrat für seine meeresbiologischen Arbeiten interessieren und erhielt entsprechende Unterstützung für seine Ägäis-Expedition. Am 11.07.1942 - kurz vor der Abfahrt aus Piräus - war eine 10-minütige Vorstellung des neuen Gerätes vor dem Kommandierenden Admiral Ägäis, Vizeadmiral Erich Förste, und dessen Chef des Stabes, Korvettenkapitän Rothe-Roth, vorgesehen. Da Hass aber etwa 45 Minuten unter Wasser blieb, reisten die beiden Herren vorzeitig und ziemlich entrüstet ab. Immerhin wurde aber ein entsprechender Bericht für die vorgesetzte Dienststelle, in diesem Fall das Marinegruppenkommando Süd, abgefasst, dessen Chef des Stabes, Kapitän zur See Hellmuth Heye, diesen Bericht aufmerksam studierte. Ziemlich gleichzeitig erhielt dieser auch positive Nachrichten über den Einsatz der italienischen "Decima Flottigla Mas" während der Belagerung von Sewastopol.
Nach der Ägäis-Expedition, bei der das Material für den Film "Menschen unter Haien" entstand, war von Wurzian ab November 1942 wieder bei seiner Einheit in Olmütz, konnte aber seinen Regimentskommandeur von seiner Idee überzeugen und eine dreimonatige Freistellung erwirken, um sie auch in berlin vorbringen zu können. Die zuständige Amtsgruppe "Forschung, Erfindungs- und Patentwesen (FEP) im Marinewaffenhauptamt des Oberkommandos der Kriegsmarine OKM/Mar Rüst lehnte aber im Dezember 1942 rundweg ab, ebenso wie kurz darauf der Chef des Amtes "Waffeninspektion" im SS-Führungshauptamt. Erst Ende Jänner 1943 hatte von Wurzian einen ersten Erfolg, als er bei Oberst Erwin Lahousen-Vivremont vom OKW-Amt Ausland/Abwehr Abt. II vorsprach ...
Wie die Geschichte weitergeht, möge man nachlesen in:
Michael Jung,
Sabotage unter Wasser - Die deutschen Kampfschwimmer im Zweiten Weltkreig
ISBN 3-8132-0818-4
In diesem Zusammenhang wäre außerdem zu empfehlen:
Helmut Blocksdorf,
Das Kommando der Kleinkampfverbände der Kriegsmarine
ISBN 3-613-02330-X
ZitatDie Einsätze der italienischen "Gamma's" waren der deutschen Admiralität sicher nicht unbekannt.
Der deutschen Abwehr war ab Sommer 1942 bekannt, daß die Italiener Unterwasser-Sabotageeinheiten einsetzten, insbesondere die "Gamma-Schwimmer" in Gibraltar. Nähere Informationen über Ausrüstung und Taktik waren aber nicht bekannt. Mehr Details erfuhr die Abwehr erst anläßlich eines Besuches von Borghese und Masciulli im April 1943 in Berlin.
Zitat... italienischen Trainers Eugenio Wolk ...
Eugen Wolk war eigentlich Rußlanddeutscher und wurde in Cernigov/Ukraine geboren. 1917 emigrierte die Familie Wolk zurück nach Dresden, dann aber weiter über Konstantinopel nach Rom. Wolk absolvierte die italienische Marineakademie, dessen Direktor Angelo Belloni ein führender Tauchexperte war und früh Überlegungen zu einer italienischen Kampfschwimmertruppe anstellte, die Wolk schließlich in die Praxis umsetzte und weiterentwickelte!
Zitat"Zirkustruppe"
Nun, diese gab es tatsächlich!!! :-D Anfang Jänner 1944 kamen etwa 20 erstklassige Sportschwimmer der Marine unter Oberfähnrich Fritz Kind im italienischen Valdagno zur Ausbildung als "Meereskämpfer" an. Darunter waren Herbert Klein - nach dem Krieg mehrfacher Weltrekordler und Olympiasieger - , Heinz Bretschneider und Albert Lindner als bekannte Kraulschwimmer, Karl-Heinz Kayser und Werner Bullin als ebenso bekannte Brustschwimmer, Rudi Ohrdorf als Weldrekordhalter, außerdem Gerd Schmid, Manfred Laskowski, Heinz Lehmann, Walter Ernst und Erwin Sietas - fast durchwegs auch Teilnehmer der Olympiade von 1936 in Berlin!
Einige von ihnen wurden vorher als "Wettkampfgruppe Schwimmen" zur Truppenbetreuung und zum Anwerben neuer Freiwilliger eingesetzt und alle hofften so, den Krieg ohne Fronteinsatz zu überstehen. Dementsprechend gering war anfangs ihr Wille, gefährliche Kampfeinsätze durchzuführen! Durch die gute, sportliche Ausbildung änderten dann später einige ihre Meinung dazu!
Nu, das ist jetzt aber ungewollt lange geworden ... :wink:
@Peter,
ist ja witzig. Da haben die wirklich eine "Zirkusnummer" daraus gemacht. Wieder was gelernt.
Wie immer interessant zu sehen, daß man prima in der Achse zusammen gearbeitet hat und alles zweimal erfunden hat. Allerdings waren hier die Italiener deutlich schneller.
Jep, tatsächlich verwendeten die deutschen Kampfschwimmer fast durchwegs italienische Ausrüstung, beginnend von den Schwimmflossen von Pirelli!!!
Nur das deutsche Tauchgerät von Dräger wird als geringfügig besser bewertet!
@Peter
vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht, das mit der Showtruppe ist mir auch gänzlich neu.
Mich interessiert besonders die Ausrüstung, speziell das Tauchgerät, da sind mir einige Zusammenhänge wie Tauchtiefen und verwendete Atemgase nicht ganz klar.
So wird teilweise von Tauchtiefen von 30 Metern und mehr geschrieben, was bei Verwendung von reinem Sauerstoff einem O2 Partialdruck von 4 Bar entsprechen würde, wobei reiner Sauerstoff ab einem Partialdruck von 1,6 Bar toxisch wirkt.
Oder haben die damals schon Pressluft als Verdünnungsgas verwendet ?
Oder war die Giftigkei des Sauerstofs bei hohem Partialdruck damals noch nicht bekannt und resultieren daraus vieleicht die zahlreichen tödlichen Unfälle bei der Ausbildung und den Einsätzen?
Wenn Du da Material darüber hast, oder mir Quellen nennen könntest, wäre ich Dir sehr dankbar !
viele Grüße
leo
Jetzt habe ich mir den Bericht nochmal komplett angesehen und dabei fielen mir doch einige Unstimmigkeiten auf.
Während die ehemalige "Wettkampfgruppe Schwimmen" in Norditalien zur Ausbildung weilte, wurde nördlich der Alpen in einer SS-Junkerschule eine gleichartige Gruppe von der SS aufgestellt. Als die SS von der Kampfschwimmerausbildung innerhalb der Marine erfuhr, wollte sie diese unter ihr Kommando bringen, was aber vom Führer des Kleinkampfmittelverbandes, Konteradmiral Heye abgelehnt wurde.
Trotzdem wurde im Film von einem SS-Schwimmer berichtet, der in Norditalien von Partisanen erschossen worden war. Daraufhin rückten Wehrmachtstruppen und auch Angehörige dieser Marineschwimmer in das Dorf ein und erschossen 17 männliche Einwohner.
Wenn die Truppe in Norditalien unter der Regie der Marine verblieb, wie kamen dann SS-Leute hinzu ? ? ?
@Mario,
soweit ich mich noch erinnern kann (habe den Jung Leo geschenkt), wurden die Kampfschwimmer Ende 1944/Anfang 1945 alle der SS unterstellt. Da konnte auch ein Konteradmiral Heye nichts mehr ändern.
Wenn dem so ist, dann würfelt die Dokumentation so einiges durcheinander.
Aber das ist man ja gewöhnt. :-( :|
@Mario,
wie gesagt, 100% sicher bin ich mir nicht. Ist schon eine Weile her, seit ich den Jung gelesen habe. Aber Peter wird uns da sicher genaueres sagen können.
@ LEO
Nun, als (Hochsee-)Segler bin ich natürlich irrsinnig gerne am Wasser, allerdings nur bei "Skippertemperaturen" (Luft mindestens 30°, Wasser unbedingt über 25°) im Wasser und äußerst ungern unter Wasser! :-D
Insofern hab´ ich vom Tauchen absolut keine Ahnung, aber das nachfolgende hab´ ich ´mal für dich "ausgegraben":
Das Sauerstoff-Kreislaufgerät der Firma Dräger war klein, leicht und handlich. Am Gürtel war eine 0,6-Liter-Sauerstoffflasche befestigt, die unter einem Druck von 200 bar stand. Nach Werksangaben konnte man sich damit bei nicht zu schwerer Unterwasserarbeit in 10 bis 15 m Tiefe bis zu einer Stunde aufhalten. Die maximale Tauchtiefe soll laut Herstellerangaben 20 m betragen haben (dazu siehe aber unten !!!).
An der Flasche befand sich ein automatisches Dosierventil und durch einen dünnen Schlauch floß eine konstante Menge reinen Sauerstoffs in den Atemsack. Aus diesem Sack atmete der Taucher durch einen Faltenschlauch mit Mundstück ein und durch einen zweiten wurde die Atemluft in den Sack zurückgeleitet. Dabei strömte sie durch die Atemkalkpatrone.
Die Verbesserungen an dem Gerät, die von Hans Hass veranlasst wurden, umfassten eine Taucherbrille, die Nase und Augen schützte, und eine Nasenklammer zum Druckausgleich beim Tiefertauchen.
Damals wurden folgende Probleme erkannt:
Die Gefahr eines Sauerstoffmangels bestand dann, wenn der Atemsack und die Lunge des Tauchers vor dem Tauchen nicht leergeatmet wurden. Befand sich darin nämliche atmosphärische Luft und damit etwa 78 % Stickstoff, der durch die Atemkalkpatrone ja nicht absorbiert wurde (sondern nur das Kohlendioxyd), atmete der Taucher bald nur noch Stickstoff ein.
Das Atemkalk durfte nicht naß werden, denn dadurch entstand ätzende Natronlauge. Dennoch passierte genau dies, wenn das Mundstück abgenommen und das entsprechende Absperrventil nicht geschlossen wurde!
Außerdem durfte Sauerstoff nicht mit Fett in Berührung kommen - dann bestand nämlich Feuer- und Explosionsgefahr!
Nicht oder nicht ausreichend wurde damals erkannt - wie du richtig vermutet hast -, daß Sauerstoff schon bei 1,6 bar Druck, also etwas 6 m Wassertiefe, giftig wird. Hass selbst hatte zwei, allerdings glimpflich verlaufene Unfälle dieser Art!
Aufgrund der Tatsache, daß das Gerät praktisch geräuschlos - nur das leise Klicken der Ventile in den beiden Atemschläuchen war zu hören - arbeitete, prädestinierte es damals für die Verwendung durch die Kampfschwimmer. Theoretisch hätte übrigens auch die Möglichkeit bestanden, das Gerät mit einem Sauerstoff-Helium-Gemisch zu betreiben. Dafür war aber die damalige Heliumherstellung in Deutschland aus Luft viel zu teuer und zu aufwendig.
Für 100 Tauchstunden wurden übrigens 80 kg Atemkalk benötigt!
Nun, ich hoffe, du kannst damit ´was anfangen! :wink:
QUELLE:
Michael Jung,
Sabotage unter Wasser - Die deutschen Kampfschwimmer im Zweiten Weltkreig
ISBN 3-8132-0818-4
@ MARIO & SPEE
Als im Dezember 1943/Jänner 1944 mit der Aufstellung der "Meeresjäger-Abteilung Brandenburg" unter Hauptmann Neitzert in Valdagno die deutsche Kampfschimmerausbildung begann, gehörte der Verband dem OKW-Amt Ausland/Abwehr Abt. II an. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, daß in Kürze entweder die Kriegsmarine oder die SS die Kommandogewalt über diese Truppe erhalten würde.
Die anfänglich ca. 60 Mann kamen auch aus den verschiedensten Verbänden:
Neben den etwa 20 Eliteschwimmern der Marine befanden sich ca. 24 Agenten der Abwehr, die hochmotiviert und bereits für Schiffssabotakeaktionen ausgebildet waren, einige Fallschirm- und Gebirgsjäger und Angehörige des Sondereinsatzverbandes z.b.V. "Oranienburg" der SS, eigentlich eine Bewährungskompanie des SS-Jagdverbandes Mitte, mit entsprechend niedriger Moral und auch einige Angehörige des SS-Reichssicherheitshauptamtes vor Ort. Später kamen vorallem Ubootfahrer hinzu.
Im März 1944 übernahm Hauptmann Hummel, alias Hellmers, das Kommando über den Verband.
Auf Befehl des OKW vom 15.04.1944 wurden alle zur Küstenverteidigung eingesetzten Verbände und Sonderkampfmittel der Kriegsmarine unterstellt und bereits am 20.04.1944 der Kleinkampfverband der Kriegsmarine (KdK) unter Konteradmiral Hellmuth Heye aufgestellt. Die "Meeresjäger-Abteilung Brandenburg", ab 21.06.1944 "KdK-Lehrkommando 700" genannt, bildete zusammen mit Teilen der "Küstenjäger-Abteilung Brandenburg" die Keimzelle des neuen Verbandes.
Am 11.06.1944 wurde der SS-Bewährungssoldat Maat Hermann Georges im kleinen Ort Contrada Borga in der Nähe von Valdagno von Partisanen erschossen, als er zusammen mit 3 Kameraden unbewaffnet auf einem Spaziergang war. Unter Führung von Leutnant Stey von der ebenfalls in Valdagno stationierten Luftnachrichtenbetriebsabteilung z.b.V.11 ermordeten Angehörige des ehemaligen Sondereinsatzverbandes z.b.V. "Oranienburg" als Vergeltung alle 17 männlichen Einwohner von Contrada Borga.
Ab dem Frühjahr 1944 erfolgte auch auf der SS-Junkerschule in Bad Tölz, ebenso wie in Valdagno, die Grundausbildung von Kampfschwimmern. Ab 01.07.1944 führte dieser Verband die Bezeichnung "Lehrgangslager 702".
Am 21.06.1944 übernahm Marinestabsarzt Dr. Armin Wedel das Kommando über das Lehrkommando 700 mit dem Meerausbildungslager Venedig und den Vorschulen Valdagno und Bad Tölz. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Kommando eine Stärke von nur 80 Mann, im August 1944 waren es dann 280.
Ende September 1944 wurde auf Befehl des KdK die gemeinsame Kampfschwimmerausbildung von Kriegsmarine und SS aufgrund disziplinarischer Schwierigkeiten mit Angehörigen der SS beendet. In Bad Tölz und später im Dianabad in Wien wurden dann nur noch SS-Kampfschwimmer ausgebildet.
@Peter K
vielen Dank für die Infos, jetzt wird mir Einiges klar, die zahlreichen Unfälle bei Ausbildung und Einsätzen könnnten nicht Zuletzt auf der Unkenntnis beruhen, das Sauerstoff bei größeren Tiefen giftig wird.
Der Sauerstoff wirkt auf das zentrale Nervensystem und eine Vergiftung äußert sich ähnlich wie ein Epileptischer Anfall, welcher unter Wasser natürlich absolut lebensbedohlich ist !
Da hieß es bei der Unfallursache aus Unkenntnis oft nur lapidar "Probleme mit der Maske" .
Das Buch von Michael Jung, hab ich übrigens von Kamerad Spee geschenkt bekommen, werde es gleich als nächstes lesen.
Gern geschehen!
Übrigens sind fast alle von mir gebrachten Infos aus Jung - lesenswerte Sache! :-D
@Leo,
gerade gefunden:
"But pure oxygen would have caused considerable problems for the men, and therefore the gas coming from the cylinders was a mix. The flow of air was channeled through a valve that reduced the pressure and then to the mouthpiece, and the exhaled air was recycled trough a lime soda container."
Könnte sowas wie Nitrox sein.
Quelle: The Black Prince and the Sea Devils - Greene/Massignani (endlich angekommen :-) ).
PS: Post ist unterwegs, hab's nicht vergessen!
@Thomas,
aha, die haben gemixt die Jungs :-D
Aber auf welche Einheiten, bezieht sich diese Angabe ?
ZitatPS: Post ist unterwegs, hab's nicht vergessen!
Kein Problem, besser spät als nie :-D
@Leo,
auf die Italiener, "Gamma's" wie SLC-Fahrer. Beide wurden in einer Einheit ausgebildet. Aber nur ca. 50 Mann konnten während des Krieges die Ausbildung abschließen. Als Beispiel für die Härte der Ausbildung, die "Grundläufer" brauchten für 500m ca. 1 Stunde!! Denke mal an das Bild im Lau mit der Ladung auf dem Rücken.
Der Begriff "Gamma" kommt übrigens von "guastatori" = Sturmpionier. Die eigentliche Bezeichnung war "nuotatori d' assalto" = Sturm-/Angriffsschwimmer.
@Thomas,
sehr interessant, würde mich mal interessieren, ob die auch schon für die jeweils geplanten Tiefen die entsprechende Mischung hergestellt haben.
Eine Quelle, wo die technische Seite beleuchtet wird, würde mich schon brennend interessieren.
ZitatAls Beispiel für die Härte der Ausbildung, die "Grundläufer" brauchten für 500m ca. 1 Stunde!! Denke mal an das Bild im Lau mit der Ladung auf dem Rücken.
ja und wenn man selber taucht, kann man sich noch eher vorstellen, was die Jungs damals geleistet haben, gell Thomas. :-D
Servus Leo,
oh ja. Wenn die "Gamma's" als Übung 2 Seemeilen zu einem auf Reede liegenden Schiff gelaufen sind, sind das grob 7 Stunden Marsch. Danach kannst du dich wegschmeissen :-D .
Über Mischungen etc. hoffe ich hier Aufklärung zu finden:
I mezzi d'assalto della X Flottiglia MAS. 1940-1945 von Bagnasco, Spertini
Im Borghese (Sea Devils) steht leider nichts technisches, dafür jede Menge anderer Informationen. Wird aber eine Zeit dauern, bis ich Greene/Massignani und Borghese durch habe. Bis dahin hoffe ich Bagnasco/Spertini zu haben.
Wir werden schon noch herausbekommen, was die Italiener da gemixt haben.
Hallo
Zitat von: Taucher am 31 August 2006, 09:16:48
was die Jungs damals geleistet haben
und das ganze mit technisch - sagen wir mal...labilen - Geräten.
ne kurze Zwischenfrage:
Die haben damals mit Gasgemischen experimentiert?
Ich dachte immer das wurde erst in den Sechzigern erfunden und dann u.a. von Jaque Cousteau (schreibt man denn so?... egal :-)) weiterentwickelt?
Servus Teddy,
ja, mit technisch labilem Gerät, da man keine Möglichkeit hatte, die Ausrüstung lang und breit zu testen. Dazu war die Sache zu geheim. Außerdem hat das geschlossene System eigene Gefahren. Die Atemkalk-Patrone zum filtern (CO2 - Absorbierung) muß sauber sein und hält nur eine begrenzte Zeit. Danach wird sie wirkungslos und der Taucher vergiftet sich unbewußt selbst. Sie muß also ständig kontrolliert werden. Erschwerend bei längeren Tauchgängen ist, daß man unter Wasser die Patrone wechseln muß. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, das der Atemkalk nicht naß wird, da ansonsten ätzende Dämpfe entstehen.
Cousteau benutzte keine geschlossenen Systeme, sondern offene (der übliche Blubberer :-D ). Nur 2mal hat er geschlossene Syteme getestet, was zu CO2 - Vergiftungen führte. Danach hat er nie wieder geschlossene Systeme verwendet.
Möglicherweise war das die Neuerung im Bereich der offenen Systeme, die Cousteau entwickelte. Oder er erfand das Rad "zivil" noch einmal, weil ihm die entsprechenden "militärischen" Kenntnisse fehlten. Damals gab's den "Kalten Krieg" und solche Informationen waren streng geheim.
Laut Greene/Massignani haben die Italiener im Zweiten Weltkrieg schon gemixt. Was aber genau, daß steht noch als Frage offen.
PS: Ich hoffe mein Dive-Instructor ist mit meinen Ausführungen zufrieden.
@Thomas
ZitatPS: Ich hoffe mein Dive-Instructor ist mit meinen Ausführungen zufrieden
jou, könnte es nicht besser sagen :-D
Kann mich erinnern, das Cousteau einmal nach einem Tauchgang mit geschlossenem Kreislaufgerät, bewusstlos an der Oberfläche von seinen Männern rausgefischt wurde, , hat er dann wohl nicht mehr so oft verwendet 8-)
Über Mischungen etc. hoffe ich hier Aufklärung zu finden:
ZitatI mezzi d'assalto della X Flottiglia MAS. 1940-1945 von Bagnasco, Spertini
Das wäre supi !
Servus Leo,
manchmal liegt die Lösung so nah...
Habe mich gestern mit einem Bekannten unterhalten. Franco drückt mir dann lächelnd rein, daß er sich damit auskennt und nennt das Zauberwort....
Hallo,
am 1.April 2014 feiern die Kampfschwimmer der Deutschen Marine ihr 50 jähriges Bestehen. :birthday:
Der Geschichte der Kampfschwimmer http://www.kampfschwimmer.de/?cat=7 :MG: ist zu entnehmen , das die ersten Lehrgänge 1959 im Schwimmbad der "Marinekaserne Sylt" stattfanden .
Dabei handelt es sich um das Schwimmbad des Seefliegerhorstes List (http://img.beeat24.de/ak_img_n/30172a.jpg) in dem schon die Kampfschwimmer des Lehrkommandos 600 der Kleinkampfverbände trainierten.
ZitatAb Herbst 1944 war im Lister Horst unter dem Kommmando von Marinestabsarzt Dr. Wandel und Korvettenkapitan Lütke das Ausbildungszentrum fur Kampfschwimmer untergebracht, die die Aufgabe hatten, Schiffe, Brücken und Schleusen mit Sprengladungen zu zerstóren. Die zu den Marine-Kleinkampfverbanden gehörende Lister Einheit führte die Bezeichnung Lehrkommando 600 und den Tarnnamen »Weißkoppel« und übte sowohl in der offenen See als auch im Schwimmbad des Lister Horstes, wo an einer am Beckenrand angebrachten Schiffswand das fachgerechte Anbringen einer Haftladung trainiert wurde. ["Festung Sylt" Harald Voigt]
Die Schwimmhalle (http://www.tsv-westerland.de/sparten.php?sparte=Schwimmen) existiert auch heute noch nach Aufgabe der Marineversorgungsschule .
In der heutigen Ausbildungstätte in Eckernförde erinnert ein Gedenkstein an die dortige Vorgeschichte der Kleinkampfverbände.
Grüsse
Beate
servus, Peter,
Zu einem "uralten" Deiner Beiträge
Zitat von: Peter K. am 24 August 2006, 01:14:47
Die "Meeresjäger-Abteilung Brandenburg", ab 21.06.1944 "KdK-Lehrkommando 700" genannt, bildete zusammen mit Teilen der "Küstenjäger-Abteilung Brandenburg" die Keimzelle des neuen Verbandes.
Soeben im KTB der 24. SFltl / 1. Schnellbootsdivision gefunden:
18./19.10.44 Einsatz (S 626, S 629, und MS 75 (zugeteilt)) von Pola aus zur Ausbringung von ,,Linsen" vor Ancona, eingeschifft als Einsatzleiter Lt. Wurzian Lehrkdo 700Gruß, Urs
Wer weisst etwas von Kampfschwimmer Heinz Bretschneiders Nachkriegsleben?
Wann ist er verstorben?
Die Frage hast Du schon mal gestellt http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26199.msg296545.html#msg296545
Zitat von: bettika61 am 06 November 2016, 15:12:57
Die Frage hast Du schon mal gestellt http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,26199.msg296545.html#msg296545
Mein Gott! Ich bitte tausendmal um Endschuldigung!