Hallo,
bei einer turnusmäßigen Zusammenkunft der MK Stralsund hörten wir heute Vormittag einen interessanten Vortrag des bekannten Marinehistorikers und Schriftstellers Wolfgang Müller. Sein Thema: der Verlust von 3 Minenlegern der deutschen Kriegsmarine am 09.07.1941 nahe der schwedischen Ostseeinsel Öland. Im Forum wurde dieses Thema bereits im thread http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,18606.msg206638.html#msg206638 (http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,18606.msg206638.html#msg206638) im Zusammenhang mit der ,,Wartburg"-Minensperre angerissen.
Hier kurz der Hergang der Ereignisse und der historische Background aus dem Vortrag:
Kurz vor dem Angriff auf die Sowjetunion bereiteten sich die deutschen Seestreitkräfte im Bereich der Ostsee auf mögliche Kampfhandlungen vor. Eine der Maßnahmen war das Legen von Minensperren. In der zentralen Ostsee wurden hierzu drei Sperren gelegt: ,,Wartburg-1", ,,Wartburg-2" und ,,Wartburg-3" östlich von Öland bis in den Raum Memel. klick (http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/41-06.htm)
Zwischenzeitlich hat Schweden – auf Bitten des Deutschen Reiches – eine weitere Minensperre östlich Öland auf Höhe des Ortes Ostby gelegt. Diese Minensperre ist in den Nautischen Mitteilungen genannt und per Funk kommuniziert worden. Die deutsche Seite hat diese aber nicht aufgenommen bzw. diese Information an die Verbandsführer im Raum Ostsee nicht weitergleitet. Die Breite der schwedischen Territiorialgewässer betrug entgegen den internationalen Gepflogenheiten 4 sm anstelle der üblichen 3 sm. Diese ,,Extrabreite" hat Deutschland aber nicht anerkannt.
Nach dem Verminen von Seegebieten beim Finnischen Meerbusen lief ein Verband größerer Minenschiffe (,,TANNENBERG", ,,PREUSSEN", ,,HANSESTADT DANZIG") und Räumboote retour in die südwestliche Ostsee Richtung Swinemünde, um die Minenvorräte aufzufüllen.Die Räumboote fuhren dabei als U-Bootsicherung. Um die Sperre ,,Wartburg-3" westlich zu umfahren, näherte man sich dem ,üblichen' Fahrweg dicht an den schwedischen Hoheitsgewässern bei Öland. Einer möglichen U-bootbedrohung wurde durch den Verbandsführer dadurch begegnet, dass sich der Verband in Dwarslinie bewegte. In diesem Zustand fuhren die Schiffe in die schwedische Minensperre hinein. Ein Anruf des schwedischen Bewachers ,,SANDÖN" ( ARHOLMA-Klasse (http://www.schiffbilder.de/1200/minenraeumboot-bremoen-arholma-klasse-marinemuseum-33033.jpg)), ein Minensucher, wurde nicht beachtet oder nicht verstanden.
Alle drei oben bereits genannten großen Schiffe erhielten Minentreffer und sanken. Insgesamt 20 Mann der Besatzungen kamen dabei ums Leben (,,TANNENBERG": 10, ,,PREUSSEN": 4, ,,HANSESTADT DANZIG": 6). Drei der Toten sind in Kalmar bestattet worden (Bild "Grabstein_Kalmar"), später wurden sie umgebettet auf den Friedhof von Trelleborg. Dort liegen die sterblichen Überreste noch heute.
Nach dem Untergang der Schiffe wurde noch 1941 beim Ort Ostby ein Gedenkstein errichtet (Bild ,,Gedenkstein 1941"). Text des Gedenksteins:
Till Minnet AV
Stupade Tyska Sjömän
19 9/7 41
Svenska Krigsmän Reste
VÅRDENBei der Kranzniederlegung waren von schwedischer Seite Kronprinz Gustav-IV Adolf nebst Gattin Sibylla anwesend, im Weiteren deutsche Vertreter.
Einige Fragen blieben ungeklärt
- Wie breit war die schwedische Sperre wirklich? Umfaßte sie die gesamte Breite der Territorialgewässer, also nach schwedischem Gusto 4 sm?
- Wer war von deutscher Seite bei der Kranzniederlegung dabei, wer legte den Kranz nieder? (Bild ,,Gedenkstein 1941")
- Welches Schiff ist in der Mitte hinten brennend zu sehen? (Bild ,,Tannenberg – vorn")
Soweit erst einmal (Bilder Q: Slg. W. Müller mit freundlicher Zustimmung)
Grüsse
OLPE
Zur dritten Frage:
Laut --/>/> WLB (http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/4107-bilder/tannenberg/tannenberg.htm) ist es Hansestadt Danzig.
Hallo olpe,
das Kalmar Läns Museum hat sich hier (http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,23094.msg260001.html#msg260001)
anlässlich der Ausstellung (http://www.kalmarlansmuseum.se/besok-oss/utstallningar/pagaende-utstallningar/ett-lan-i-beredskap/) 2015 damit beschäftigt.
Wurde darüber im Vortrag was erwähnt? ansonsten lohnt es sich dort anzufragen.
Grüsse
Beate
Chronik des Seekrieges
9.7.1941
Ostsee
ZitatDie Minenschiffe Tannenberg (FKpt. von Schönermark), Preußen (KKpt. Barthel) und Hansestadt Danzig (KKpt. Schroeder) sinken auf dem Rückmarsch von Finnland nach Swinemünde östlich der Südspitze von Öland auf einer schwedischen Minensperre, die am 28. Juni auf dt. Wunsch als westl. Ergänzung der Sperren »Wartburg I–III« (siehe 19.-21.6.) ausgelegt wurde. Der dt. Verbandschef ignorierte sogar die Warnungen, die ihm der schwedische Minensucher Sandön, der neben der Sperre stationiert war, signalisierte.
Hatten diese vermutlich vermeidbaren Verluste personelle Konsequenzen?
Hi
Gedenkstein 1941
It is the german Konsul in Malmö, Hermann Kirchhoff on the photo.
Link: https://digitaltmuseum.se/021017097126/tyske-konsuln-i-malmo-lagger-ner-en-krans-vid-minnesstenen-over-de-sjoman
There are a few other photos in the "digital museum" showing the sailors etc
https://digitaltmuseum.se/021017097124/ceremoni-vid-minnesstenen-for-de-tyska-sjoman-som-omkom-i-minkatastrofen
https://digitaltmuseum.se/021016567061/prins-gustaf-adolf-och-sibylla-vid-olands-grasgard-avtackning-av-minnesstenen
https://digitaltmuseum.se/021016479410/sarade-tyska-soldater-under-andra-varldskriget-i-kalmar
/Alo
Wie wurde die Verminung dem Bündnispartner Sowjetunion erklärt? Die Ostsee war ein deutsch/sowjetischer Teich, Gefährdung durch die Royal Navy bestand nicht.
Gruß, Richard
Hi Richard,
The mine field was Swedish and it was not secret. It was marked with bouys and decleared in media . It is well described (Swedish version) by John in the link in the first post.
A drawing: http://www.kringla.nu/kringla/objekt?referens=raa/fmi/18000000068619
This reference also says that the eskader commander was trailed and shot. True?
/Alo
Zitat von: Richard Aigner am 19 Januar 2019, 13:30:05
Wie wurde die Verminung dem Bündnispartner Sowjetunion erklärt? Die Ostsee war ein deutsch/sowjetischer Teich, Gefährdung durch die Royal Navy bestand nicht.
Das Minenfeld wurde nach Beginn des deutschen Angriffs auf die UdSSR gelegt - d.h. war gegen diese gerichtet.
Hier noch ein Text dazu:
09. Juli 1941 - 76 Jahre Versenkungen bei Össby (http://www.modellmarine.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4928:09-juli-1942-75-jahre-versenkungen-bei-oessby&catid=364:jahrestag)
ZitatThis reference also says that the eskader commander was trailed and shot. True?
No, according to the war diary of the "Hansestadt Danzig" the mine ships were under the command of Freg.Kapt. Schönemark ("Tannenberg"), and he continued his service and didn't die until December 1945.
https://historisches-marinearchiv.de/projekte/crewlisten/ww2/eingabe.php?active_cl2=result
Jens
Yes,
In Maxim's Link it says that the Minereferent at OKM was blamed and that he got 1 year in jail and pennal duty for the rest of the was.
Wolfgang Muller (Kriegsschauplatz Ostsee) writes that it was the Marinereferent at OKW that got the 1 year in jail on 31 August. He also says that Viktor Prinz zu Wiede was present as the german representative at the stone.
Sie können alle mir im deutsch antworten.
/Alo