moin,
Zitat von: FranziskaJahn am 09 August 2019, 15:41:04
Seekriegstagebücher etc. übrigens schon alles durchgeschaut.
1. Hast Du auch die beim BA/MA in Freiburg vorhandenen Akten durchgesehen ?
Nach Ergebnis einer invenio-Suche gibt es für "Wenneker" einen Treffer im Nachlaß der Marine-Oberstabsrichters Helmut Sieber (N 623)
2. Ich nehme an (ohne einen Beleg dafür zu haben), daß die Skl. sich bei manchen Anordnungen aus dem Bereich der Sicherheits-Behörden wie RSHA "fügen" mußte.
Gruß, Urs
Die Organisation der Blockadebrecher oblag dem Marinesonderdienst beim OKW, Amt Ausland.
Hallo,
beim Aufräumen meines Regals habe ich einen kopierten Zeitungsausschnitt der Tageszeitung ,,KIELER NACHRICHTEN" vom 08. Februar 1966 zum Themenkomplex ,,Admiral Wenneker" gefunden, der evtl. noch von Interesse sein dürfte. Da dieser Bericht wegen der schlechten Wiedergabequalität nicht scanbar ist, gebe ich diesen nachstehend im Wortlaut wieder.
Damals Todesurteile für ,,jeden kleinen Dreck" verhängtProzess gegen Admiral Wenneker und Kapitän von Allwörden
Hamburg (Eigenbericht): Ein dunkles Kapitel der Seekriegsgeschichte ist gestern vor dem Hamburger Schwurgericht aufgeblättert worden.Unter Mordanklage hat sich der 75jährige Admiral a. D. Paul Werner Wenneker, ein geborener Kieler, zu verantworten.Ihm wird zur Last gelegt, im Jahre 1943 als Marineattache an der deutschen Botschaft in Tokio den Befehl erteilt zu haben, kriminelle Landsleute, die mit Blockadebrechern in die Heimat transportiert werden sollten, im Falle der Selbstversenkung mit dem Schiff untergehen zu lassen. Wennekers harte Order war zwei Männern zum Verhängnis geworden.
Der grauhaarige, kränklich wirkende Angeklagte, der ständig von einem Arzt beobachtet wird, berichtete, sein damaligen Wirken sei weit über die militärpolitische Funktion eines Marineattaches hinausgegangen. Er habe die gesamte Versorgung der Heimat mit Rohstoffen aus dem fernen Osten organisiert. ,,Ich war sozusagen Herr in Ostasien – eine einmalige Aufgabe!"
Zur Sache selbst erklärte Wenneker, hinter dem ihm vorgeworfenen Tötungen hätten praktisch die Japaner gestanden, Ihm sein keine andere Wahl geblieben, als den umstrittenen Befehl an die Blockadebrecher zu unterschreiben, sonst wäre das Vertrauensverhältnis zum verbündeten Japan nachhaltig gestört worden.
Wenneker fügte hinzu, die Notwendigkeit seines Befehls habe sich aus der damaligen militärischen Situation ergeben. In Übereinstimmung mit den Japanern sollte um jeden Preis verhindert werden, kriminelle Häftlinge in Feindesland fallen zu lassen, weil diese wahrscheinlich nur zu willig gewesen wären, landesverrätische Auskünfte zu erteilen.
Ein derartiges Risiko habe vor allem bei dem von den Japanern verhafteten Journalisten Hofmeier bestanden, dem seien Kontakte zum weltweiten Ring des Sowjetspions Sorge zum Verhängnis geworden seien. Wie bereits von uns berichtet, war Hofmeier auf dem Blockadebrecher ,,Burgenland" eingeschifft und vor der Selbstversenkung des Schiffes erschossen worden. Bei dem zweiten Opfer von Wennekers Befehl handelte es sich um den Matrosen Alfred Poweleit, der mit von dem mitangeklagten 64jährigen Kapitän von Allwörden geführten ,,Rio Grande" unterging.
Zusammenfassend erklärte Wenneker, er sei von der Rechtmäßigkeit seines Befehls überzeugt gewesen. Trotzdem habe er darauf gebaut, dass die Kapitäne der Blockadebrechern seine Weisung nicht befolgen würden. Zu diesem Zweck habe er bei der Verabschiedung der Schiffe in vertraulichen Gesprächen mit den Kommandanten seinen Befahl stets abgeschwächt.
Kapitän von Allwörden, dem Mordbeihilfe vorgeworfen wird, kann sich nicht an eine persönliche Verabschiedung durch Wenneker erinnern.
Er bekundete, den Befehl, den wegen des Verdachts der Hehlerei einsitzen Poweleit im Falle der Gefahr zu opfern, in einem verschlossenen Umschlag erhalten zu haben. Zusätzliche Weisungen seien nicht an ihn ergangen. Nach den Worten des Angeklagten wurde die ,,Rio Grande" am 4. Januar 1944 von feindlichen Luft- und Seestreitkräften gestellt. Allwörden gab den Befehl zur Selbstversenkung, ohne Poweleit aus seinem Haftverlies befreien zu lassen. Aus der Erörterung von Poweleits grauenvollem Ende ergaben sich bezeichnende Dialoge.
Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Erhardt, zu Allwörden: ,,Haben Sie sich keine Gedanken gemacht, dass es ein grausiges Geschehen ist, jemand mit dem Schiff untergeben zu lassen?"
Allwörden: ,,Es war bitter. Ich hatte während der Reise bedenken. Aber für mich war der Befehl des Admirals maßgebend."
Auf die Frage, ob es im Falle nicht besser gewesen wäre, den Häftling zu erschießen, anstatt ihn ,,absaufen zu lassen wie eine Ratte", meinte von Allwörden, jemand mit dem Schiff ertrinken zu lassen, sei ,,humaner" als eine Erschießung, die er selbst nie fertiggebracht haben würde.
Vorher hatte der Gerichtsvorsitzen mit Blick auf den Angeklagten Wenneker konstantiert: ,,Dass Poweleit sich eines todeswürdigen Verbrechens schuldig gemacht hast, in dem er in einer japanischen Bvar gestohlene Uhren an Geishas verkaufte, kann man wohl nicht sagen".
Darauf Wenneker: ,,Damals wurden für jeden kleinen Dreck das Todesurteil verhängt".
Soweit der Bericht in den ,,Kieler Nachrichten". Ob noch weitere Berichte erfolgt sind, ist mir z. Z. nicht bekannt. Falls Interesse besteht, kann ich die Ausgaben um den 08. Februar 1966 – der Zeitpunkt dieses Berichtes – in der Landesbibliothek in Kiel ,,durchforsten".
Viele Grüße – aus Kronshagen
bei der Marinestadt Kiel
Hans-Hermann H. alias longwood
So ging der Prozeß für den Admiral lt. WIKIPEDIA aus:
Das Gericht wertete den Tatbestand jedoch als Totschlag und stellte das Verfahren wegen Verjährung ein.
Gruß,
deichkind