6. MEA auf Hörnum
Hallo zusammen,
vorhin fand ich in den "Geheimen Tagesbefehlen für das Jahr
1944" für ie 6.MEA in Hörnum.. (Boote Hoe 1 bis 11)
Die Kommandierungen zeigen un dass die 6. MEA in Hörnum nichts
mit der üblich gegebenen Erklärung Vorpostenflottille, auch im DDK so,
zu tun hat.
Aber was war eine MEA für eine Einheit ? Eine Marineeinatzabteilung ?
Warum an dieser entlegenen Stelle eingesetzt wo es anderswo sicher bessere
Einsatzhäfen gegeben hat und erst Mitte 1944 gegründet.
Ich hänge einmal das Blatt an und wünsche ein schönes Wochenende.
Gruß
Theo
Hallo Theo,
Ich kann zwar keine Beweise liefern, habe aber den Verdacht, dass die MEA 6 Hörnum zur Verminung der Küste mit KMA südwärts Sylt eingesetzt werden sollte. Westlich und nordwärts Sylt besorgte diese Aufgabe das Sonderkommando 5.
Hitler befürchtete Mitte 1944 eine Landung der Alliierten auf Jütland oder in Nordfriesland.
Zeitlich würde das jedenfalls passen.
Liebe Grüße, Thomas
Zur Verminung sind die besagten Fischkutter ja ungeeignet.
Vielleicht sollten die Fahrzeuge bei Ebbe im Watt trocken fallen und von den Besatzungen irgendwelche mitgeführten Rommelspargel oder Explosivkörper im Watt versteckt aufgestellt werden.
Eigentlich wären Siebelfaehren für solche Aufgaben besser geeignet. :/DK:
Zitat von: TD am 03 Juli 2020, 18:41:53
6. MEA auf Hörnum
Aber was war eine MEA für eine Einheit ? Eine Marineeinatzabteilung ?
Lieber Theo,
MEA steht für Marine
ersatzabteilung
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Gliederungen/Marineersatz-Abteilungen/Gliederung.htm
ZitatDie Marineersatz-Abteilungen wurden zum größten Teil am 1. Januar 1944 aufgestellt. In ihnen wurde der der von der Kriegsmarine frei werdende Ersatz an Marinesoldaten gesammelt und anschließend auf andere Truppenteile verteilt.
Hallo Theo,
Bist Du in diesem Zusammenhang schon einmal auf HOE 1 bis 3 gestoßen ?
Mich wurde vor allem das Indienststellungsdatum der drei interessieren.
HOE 10 (STRALSUND) könnte Fischkutter BÜS 36 sein (DDK 8, 283)
HOE 11 (BERTHA) eventuell Fischkutter BÜS 35 (?)
Beide waren vorher (1942) bei der AST Dänemark,
STRALSUND blieb nach dem Krieg in Hörnum.
Gruß, Thomas
Zitat von: TW am 03 Juli 2020, 20:36:37
Zur Verminung sind die besagten Fischkutter ja ungeeignet.
Vielleicht sollten die Fahrzeuge bei Ebbe im Watt trocken fallen und von den Besatzungen irgendwelche mitgeführten Rommelspargel oder Explosivkörper im Watt versteckt aufgestellt werden.
Hallo Thomas,
mit Deiner Vermutung könntest Du richtig liegen.
aus "Die Festung Sylt" von Harald Voigt
ZitatFreie, nach Ansicht des Pionierstabes für die Landungen
feindlicher Lastensegler geeignete Flachen - nördlich von
Blidsel, der Anwachs nordöstlich von Kampen, die Wattwiesen zwischen Keitum und Morsum und das Gebiet der Morsumer Odde sowie die Wattwiesen südlich von Puan Klent -wurden durch Luftlandesperren gesichert
Enthalten ist eine Karte des "von Heerespionieren ausgearbeitete Verteidigungskonzept für Sylt", Stand November 1944, darin sind mehrere Standorte von Einheiten der
5.MEA an der Ostküste und nur einer für die 6.MEA (beim Seeflugplatz Hörnum)enthalten. Die Standorte der 5.u.6.MEA enthalten jeweils in der Nähe den Hinweis "Luftlandesperre".
Was bleibt ist die Frage der Verwendung der zugewiesenen Boote.
Die Kutter ersparen den Kommandos, die die Sperren aufstellen müssen, einen langen An- und Abmarsch durchs Watt. Aber irgendwie muss das Sperr-Material ja auch vor Ort gebracht werden, und dafür sind Fischkutter ungeeignet, da zu lütt.
Natürlich gingen der Kriegsmarine allmählich die Schiffe aus. Man griff nach Allem, was man noch kriegen konnte. Trotzdem sind die Kutter für den Transport und das Aussetzen schwerer Eisenlasten oder das Absetzen von Seeminen untauglich.
Es sei denn, man hätte einfach nur Tellerminen im Watt verbuddelt. Tellerminen kann man natürlich auch mit Fischkuttern transportieren. Für das relativ unbewegte Wattenmeer zwischen Sylt und dem Festland sind sie ja vielleicht sogar als Sperren geeignet. Im seewärtig offenen Watt würde der Tidestrom sie sicherlich wegreissen.
Aber sind Tellerminen überhaupt wasserfest?
Nein, nicht sicher.
Ich habe gerade erst in Stephen E. Ambrose, "D-Day", gelesen, dass in der Normandie tausende Tellerminen aus dem Landkrieg an die Rommel-Spargel und andere Hindernisse gebunden worden sind und die Versager-Quote recht hoch gewesen sein soll.
Etliche haben allerdings trotzdem funktioniert und auch einen Blutzoll gefordert.
Hallo,
Voigt schreibt , das nach den Unterlagen der Festunspioniere insgesamt 11800 Minen unterschiedlicher Konstruktion verlegt wurden und verweist auf die Quelle "Zahlenangaben nach KTB KüBef DB, monatliche Lageberichte.Es wurden Teller,-Spring- und Schützenminen planmässig oder im Streueinsatz verlegt."
Hat das KTB jemand, vielleicht enthält es noch weitere hier brauchbare Informationen.?
Zitat von: t-geronimo am 08 Juli 2020, 17:55:12
Nein, nicht sicher.
... dass in der Normandie tausende Tellerminen aus dem Landkrieg an die Rommel-Spargel und andere Hindernisse gebunden worden sind ....
Foto (https://images.app.goo.gl/ACmjSC3sNH5HwPa67)
Hallo Thomas,
zu Deinem Hinweis auf die Kutter "HOe 1" bis "HOe 3": Nach Gröner Band 8, S. 276, handelte es sich um die Kriegsfischkutter KFK 517, 518 und 519 (A 31.7.44). Diese bildeten zusammen mit "HOe 4" bis "HOe 11" (letzteres hier: M/bt "Berte") die Hafenschutzgruppe Hoek van Holland (a.a.O S. 512).
Viele Grüße
Violoncello
Hallo Violoncello,
Danke für Deinen Hinweis, aber Hafenschutz Hoek van Holland passt in diesen Zusammenhang nicht. Wir suchen die Fahrzeuge des 6. MEA Hörnum (HOE).
Aber auf die Gleichheit der Kennungen bin ich bisher noch gar nicht aufmerksam geworden. :MV:
Viele Grüße, Thomas
Hallo, Thomas,
ja, die Problematik ist mir bewusst. Aber es handelte sich nicht nur um die gleichen Kennungen (wenn man die Schreibweise "HOe" und "Hoe" außer acht lässt): Gröner ordnet den Kennungen auch die gleichen Boote zu. Lediglich bei "HOe 11" wird aus der "Bertha" das Motorboot "Berte". Im Gröner finden sich zudem die drei in Theos Dokument fehlenden Kennungen "HOe 1" bis "HOe 3". Vielleicht bietet der Danner Hinweise über die Aufklärung der Geschichte der KFK 517 bis 519!
Viele Grüße
Violoncello
ZitatVielleicht bietet der Danner Hinweise über die Aufklärung der Geschichte der KFK 517 bis 519!
aus Danner "Kriegsfischkutter" (2001) S.186
ZitatKFK 517 7.44 MOK Nord HSFl Hoek vam Holland HOE 1; 9.44 SchFl; nach KrEnde GM/SA-Westd.-Schulboot 6.MEA;..
KFK 518 7.44 MOK Nord HSFl Hoek vam Holland HOE 2; 9.44 SchFl; nach KrEnde GM/SA-Westd.-W'haven;
10.45 Schulboot 6.MEA;...
KFK 519 7.44 MOK Nord HSFl Hoek vam Holland HOE 3; 9.44 SchFl; nach KrEnde GM/SA-Westd.;
10.45 Schulboot 6.MEA;...
Stellt sich mir die Frage ,warum erst "nach Kriegsende" Schulboot 6.MEA, existierte die 6.MEA dann noch?
Hallo Beate,
die 6. MEA lässt sich nach Lohmann/Hildebrand (Kennziffer 92 S. 9) nur bis zum Ende des Krieges nachweisen. Ihr Kommandeur, Fregattenkapitän Dr. Franz Flesche, ist bereits im Juli 1945 (aus der Kriegsgefangenschaft ?) entlassen worden (Lohmann/Hildebrand Kennziffer 291, S. 76). Die 6. MEA dürfte daher nach Kriegesende nicht mehr bestanden haben.
Sieht man von der zu hinterfragenden Reihenfolge der Zeit- und Zugehörigkeitsangaben im Danner ab, scheint die Annahme nahe zu liegen, dass KFK 517 bis 519 der 6. MEA zur Schulung neuer Besatzungen zugeteilt worden wären.
Viele Grüße
Viloncello
Ich möchte noch einwenden, dass ich die Zuweisung der Kennung "HOe" zur Hafenschutzgruppe Hoek van Holland für einen DDK-Fehler halte. Es gab bereits eine Hafenschutzflottille Hoek van Holland. Sie hatte die Kennung "HH" und entspricht damit der Benennungslogik (H= Holland, H = Hoek) der Kriegsmarine.
Ich habe mich mit den Flottillen der MarineErsatzAbteilungen bislang nicht befasst, kann also keinen Vergleich ziehen, stelle aber die These auf, dass HOE für Hörnum steht. --Danke für den Hinweis auf Hildebrand -92- Seite 9!
Die Fahrzeuge HOE4 bis HOE9 stammen übrigens alle aus Dänemark und von der 38. M-Flottille, die laut Hildebrand/Lohmann Ende 1944 von Holland nach Nyköbing verlegt hatte und Sicherungsdienst im Kattegat verrichtete. Auch HOE 10 und 11 (Stralsund, Büsum 36, und Berta, Büsum 35) waren zuvor (ab Febr. 1942) bei der MAST Dänemark.
Eine Berte (mit e) ist in DDK nicht enthalten, aber die Berta (ohne h). Laut Gröner Bd.8, S.283 kam sie am 17.4.1944 zur 2. M.L.A. nach Glückstadt (Elbe).
Das L scheint mir wieder ein Druckfehler zu sein: M.L.A. sind mit nicht bekannt.
M.L.A. steht für Marine-Lehr-Abteilung.
Viele Grüße, Thomas
Hallo Thoams,
wenn ich eine kleine Korrektur anbringen darf: Meine Ausgabe des Gröner Band 8 von 1993 weist sowohl eine "Berte" als auch "Berta(s)" aus (s. S. 420, beide als NL-Motorboote ausgewiesen), S. 282f., S. 573).
Bei den Marinelehrabteilungen ("M.L.A.") handelte es sich in der Regel um die ehemaligen Marineunteroffizierslehrabteilungen. 1940 lag die 2. M.L.A. in Glückstandt (Lohmann/Hildebrand Kennziffer 92, S. 8).
Viele Grüße
Violoncello
Ich hatte "Berte" nur im DDK-Gesamt-Register gesucht. Dort fehlt sie.
Nun ist über die "Berte" weiter nichts bekannt, außer HOE 11.
Wäre es denkbar, dass die Zuordnung "Niederlande" einfach nur von "HOe"
(fälschlich Hoek van Holland) hergeleitet wurde?
In Theos Dokument (Eröffnungs-Posting) steht:
HOE 10 STRALSUND,
HOE 11 BERTHA (hier mit h und a)
Die von mir favorisierte "Berta" (BÜS 35) war laut DDK bei der 2. MLA, und diese ging im Oktober 1944 in die 18. MEA (Leer) auf. Das spricht natürlich gegen meine These.
Gruß, Thomas
Hallo Thomas,
m.E. sprechen die Daten eher für als gegen Deine These:
Die 2. M.L.A. wurde nach Lohmann/Hildebrand (Kennziffer 92, S. 8) bereits im September 1944 bon Glückstadt nach Leer verlegt. Erst im Oktober erfolgte die Umbenennung. Zeitgleich mit der Verlegung der 2. M.L.A. ist die "Bert(h)a" am 1. September 1944 als "Hoe 11" der 6. Oder etwas grob anders ausgedrückt: Die Einheit ging, aber der Kutter blieb!
Die Frage der Kennung bleibt: Du hast auf die Systematik der Benennung der Hafenschutzflottillen verwiesen. Demnach würde "HOE" für Hörnum ausscheiden. Es bliebe dann nur die Bennennung mit (zivilen) Fischereikennzeichen. Kutter aus Hörnum führen die Kennung heute "HÖR". Und dies nach meiner Vermutung erst, seit Hörnum nach dem Krieg durch Trennung von Rantum (Fischereikennzeichen "RAN") zu einer eigenständigen Gemeinde wurde. Vielleicht kann hier jemand mit tieferer Kenntnis der Materie weiterhelfen.
Viele Grüße
Violoncello
Es gab ja immer wieder eigenartige Ausnahmen bei der Kriegsmarine:
Hafenschutzboote Bayonne trugen die Kennung By (anstatt FBy),
Hafenschutzboote Cherbourg hatten H.S.B.-Kennungen
Küstenschutzflottille Südfrankreich hatte L-Kennungen
Hafenschutz Ostende hatte FO (F für Flandern ?)
Flussräumflottille Amsterdam hatte FRA.
Hallo Thomas,
im alten Gröner stand noch :
FZ französischer Hafen ( unbekannt)
Waren aber Boote des Fernzündverbandes im Schwarzen Meer mit Booten aus Timmendorfer Strand, Grömnitz und Niendorf.
Kamen noch 2 Griechen und ein Russe dazu.
Hatte damals ja immer ein Auge für solche Sachen.
Gruß
Theo
Hallo zusammen,
da das Thema "6. MEA auf Hörnum" geschlossen wurde, möchte ich mit diesem "Teil II" die Diskussion noch fortführen. Es sind zwei Funksprüche des Kutters "HOE 1" (= KFK 517) überliefert, die die Annahme bestätigen, dass die Kennung "HOE" entgegen den Ausführungen im Gröner nicht (nur) für Boote der Hafenschutzgruppe Hoek van Holland vergeben wurde, sondern in der Tat für Hörnum bestimmt war.
Am 18.12.1944 meldete "HOE 1" dem Kommandanten im Abschnitt Sylt im Wortlaut der "Ultra"-Entschlüsselung: "Request measure `B´ with immediate effect until countermanded." Am 19.12.1944 funkte "HOE 1" an die 5. Verteidigungsdivision: "Anchored off Vortrapptief (= Priel zwischen Südspitze von Sylt und der Nordspite von Amrum) at 0100 on account of fog."
(TNA DEFE 3/492, S. 907, 999)
Hat jemand eine Erklärung für "Maßnahme `B´"?
Viele Grüße
Violoncello
Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, warum das Thema geschlossen war. Muss wohl ein Fehlklick gewesen sein. :/DK:
Nun ist alles beisammen und natürlich geöffnet. :O/Y
Hallo Thorsten,
danke! Das erleichtert die Prüfung der Zusammenhänge...
Viele Grüße
Violoncello