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Seekrieg allgemein => Zweiter Weltkrieg => Thema gestartet von: Bernd Bauer am 04 Januar 2021, 17:22:56

Titel: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Bernd Bauer am 04 Januar 2021, 17:22:56
Hallo zusammen,

ich suche nach weiteren Informationen zur Flucht der Vorfahren meiner Frau aus Ostpreußen. Es handelt sich um Charlotte Rosenwald geb. Kröhnert und ihre Töchter Hertha und Ellen sowie den durch Kinderlähmung behinderten Sohn Emil, ferner die Adoptivtochter Gerda geb. Norgeleit.
Sie sollen am 11. oder12. 4. 1945 in Neuhäuser die Nautik mit Ziel Hela bestiegen haben und von dort aus mit der Lappland nach Kopenhagen gelangt sein.
Gibt es Informationen zu den Schiffen, genauere Reisedaten, Passagierlisten oder Informationen zur Unterbringung?
Zur Fahrt der Lappland und ihrer Ankunft in Koppenhagen erhielt ich von Olaf Berg Nielsen schon sehr gute Informationen.
Charlottes Schwester Maria Wohlgemuth sowie ihre 6 Kinder Ursula, Werner, Horst, Hannelore, Gisela und Rosemarie sowie der am 5.2. auf der Flucht geborene Oskar gelangten Mitte März 1945 in Gotenhafen auf einen "uralten, großen Frachter" evtl. RO 200 genannt. Mit ihnen muss auch Marias Schwiegermutter  Mathilde Wohlgemuth geb. Langer  gewesen sein.  Nach 3 Tagen soll er so leck gewesen sein, dass er unterzugehen drohte. Die größeren Familien wurden auf kleine Marinebeiboote umgeschifft und gelangten mit ihnen nach 2 Std. nach Uckermünde. Von den 2000 Personen an Bord sollen alle anderen ertrunken sein. Auch hier die gleichen Fragen wie oben und gibt Informationen über die auf dem Schiff Verbliebenen?
Viele, liebe Grüße
Bernd
Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Sven L. am 04 Januar 2021, 21:24:05
Hallo,

hast du evtl. Angaben darüber aus welchem Landkreis/Ort die Vorfahren stammten?
Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: t-geronimo am 04 Januar 2021, 22:52:23
ZitatSie sollen am 11. oder12. 4. 1945 in Neuhäuser die Nautik mit Ziel Hela bestiegen haben

Heinz Schön schreibt, dass die Nautik am 10.04.1945 in Pillau eintraf. Ein Auslaufdatum nennt er leider nicht. Am 13.04. lief sie aber schon weiter von Hela nach Stralsund.
Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Bernd Bauer am 05 Januar 2021, 16:16:07
Hallo,
zur Frage von Sven L.:
Charlotte und ihre Kinder sind am 11.10.1944 von Ackmenischken (Kreis Elchniederung) aus geflüchtet Sie gelangten über Königsberg auf dem Landweg nach Pillau.
Maria und die ihren flüchteten von Preußenhof (Kreis Tilsit- Ragnit) am 17.10. 1944. Ihre Flucht führte Über Henrikau und Zinten nach Heiligenbeil und dann übers Frische Haff auf die Nehrung.
Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Bernd Bauer am 05 Januar 2021, 16:44:14
Vielen Dank Thorsten
Für mich stellt sich jetzt die Frage: Warum wechselten sie in Hela auf die Lapland, wen doch die Nautik nach Stralsund weiterfuhr?
War die Nautik das Schulschiff oder Schulboot welches auf der Seite wlb-stuttgard.de findet?
Gruß, Bernd
Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: TW am 05 Januar 2021, 19:12:34
Es war Ende März bereits absehbar, dass die Rote Armee bis nach Stralsund vordringen würde.
Wenn man dann kein Gefährt für die weitere Flucht zur Verfügung hatte, wie sollte es dann weitergehen? Kopenhagen erschien damals als ein "sicheres" Fluchtziel.
Gruß, Thomas
Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Bernd Bauer am 05 Januar 2021, 23:15:13
Auch Dir Thomas vielen Dank für den Hinweis.
Ich hatte etwas falsche Vorstellungen durch die Fluchtbeschreibung von Charlottes Schwester Maria, die nach ihrer Rettung in Uckermünde ankam und von dort sofort mit der Bahn weiter konnte nach Wittmund. Dies war jedoch ca. 25 Tage früher um Mitte März.
Viele Grüsse
Bernd
Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Kriegsmarine1941_45 am 06 Januar 2021, 03:21:44
Zitat von: TW am 05 Januar 2021, 19:12:34
.....Kopenhagen erschien damals als ein "sicheres" Fluchtziel.

Hello. I follow this forum using Google Translate.

I'm writing in English and not through Google Translate "English-to-German".

If Google Translate is accurate "Kopenhagen erschien damals als ein 'sicheres' Fluchtziel" means "Copenhagen appeared to be a 'safe' escape destination at the time."

My father was in the Kriegsmarine from 1941-45 and he participated in Operation Hannibal. I just viewed video from 2005 where he recounted that desperate, unimaginable time.

For part of Operation Hannibal, he served on the Lazarette ship, Monte Rosa. Here is what he says (spoken in English, not his first language):


"So we were driving to the German ports like Konigsberg, Pilau [?], Danzig, Gottenhafen...including all people...that did not want to live under Russian occupation. So we were transporting them, okay, from the boats to Denmark, Copenhagen, which was still under German occupation and German ports closer to Holland was [sic] still okay.

"It was the biggest miserable thing that I ever have seen. I don't think anyone can describe it. Not even Hollywood could make a movie like that. I tell you we don't even know who we took on board. People were looking like we had the Russians on board. And the German soldiers were run down, okay, and you don't recognize them, and they were poor, they were hungry, they have nothing, frozen, it was bad, you know.

A lot of people we had to let on the [inaudible], we could no take. And the other boats not either. So we had to go back and get them, okay. And there was only so much [sic] trips we could do. By that time [inaudible]."



So it would seem Copenhagen, was indeed "ein 'sicheres' Fluchtziel".

Also, regarding records and passenger lists, my father had this to say about the urgency and chaos:

"It was the biggest miserable thing that I ever have seen. I don't think anyone can describe it. Not even Hollywood could make a movie like that. I tell you we don't even know who we took on board. People were looking like we had the Russians on board. And the German soldiers were run down, okay, and you don't recognize them, and they were poor, they were hungry, they have nothing, frozen, it was bad, you know.

A lot of people we had to let on the [inaudible], we could no [sic] take. And the other boats not either. So we had to go back and get them, okay. And there was only so much [sic] trips we could do. By that time [inaudible]..."



Hope this helps.

Titel: Re: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Olaf Berg Nielsen am 06 Januar 2021, 17:17:58
Dear Kriegsmarine

Hospital ship "Monte Rosa" left Gotenhafen on the 19 of mars 1945 for Copenhagen. She was taken in tow to Copenhagen where she arrived on the 22 of mars 1945.

A German report say that there was 2.700 wounded soldiers an 2.500 Refugees with. There are 2 danish reports:

One says: 3.000 wounded soldiers and 2.000 Refugees

and another: 3.500 wounded soldiers and 1.500 Refugees

Greetings from Denmark
Olaf
Titel: Aw: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: Kowalski am 15 April 2026, 14:55:25
Pictures of Monte Rosa in Copenhagen. First two are from where it docked on March 22, I think.

https://samlinger.natmus.dk/fhm/asset/194527
https://samlinger.natmus.dk/fhm/asset/214809

and then from where it was repaired later:
https://samlinger.natmus.dk/fhm/asset/214818

(https://samlinger.natmus.dk/fhm/asset/194527.jpg)

More ships from the same area in Copenhagen, in May 1945, can be seen here:

Edit: The harbor scenes in the above video seem to be from Kiel, not from Copenhagen. Only the above *pictures* are from Copenhagen.
Titel: Aw: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: SchlPr11 am 15 April 2026, 16:32:24
Hallo,
alle Hafenszenen im Film in Kiel aufgenommen mit interessanten Details der damligen Zeit.
Neben MONTE ROSA liegt die WESTPREUSSEN in Kopenhagen nach Kriegsende und In SchwarzWeiß übern Zaun die BERLIN, also vor dem 31.01.1945 ihrer Versenkung vor Swinemünde.
Aber auch die Stadt Kopenhagen mit ihrem lebenshungrigen Publikum im Film schon sehr sehenswert!
REINHARD
Titel: Aw: Flucht aus Ostpreußen
Beitrag von: MarkusL am 16 April 2026, 20:31:30
Hallo,
ja, im Bild auch die letzten beiden in Deutschland schwimmenden DEMAG-Schwimmkräne der 350t Serie sowie der Schwimmdock-Oldie ex Kaiserliche Werft, dann Danziger Werft, später sogar noch Howaldt, da schon gut 67 Dienstjahre.
Gruß
Markus