Hallo,
ich bin in diesem Forum neu. Ich hoffe also, dass das, was ich hier frage, irgendein Fachmann von Ihnen beantworten kann.
Ich versuche derzeit, den Weg meines Vaters in der Wehrmacht am Kriegsende nachzuvollziehen. Er gehörte zum 6./ A.R. 161 innerhalb der 61. I.D.
Sicher ist, dass es ihm und einem Kameraden im Raum Balga/Heiligenbeil am 25.März 1945, als sich 61. I.D. quasi auflöste, gelang, sich mit einer umgebauten Verpflegungsbombe aus dem Kurlandkessel auf die Frische Nehrung zu retten. Die beiden Soldaten wurden nachts dann von einem Schiff, einer Prahm (oder was auch immer) gerettet und nach Pillau gebracht. Auf dem Weg in Richtung Westen wurde er noch auf der Frischen Nehrung von einem Granatsplitter am Oberschenkel verwundet. Mit Hilfe anderer Soldaten oder auf einem Sanitätsfahrzeug gelang es ihm auf jeden Fall, die Nehrung zu verlassen. Das hatte er mir erzählt und auch berichtet, dass er dann mit der Ubena nach Dänemark gebracht wurde und dort bei der Kapitulation in Kriegsgefangenschaft geriet. Ende August 1945 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte zu seinem Bruder in Schwerte zurück. Er selbst stammte aus Schlesien, musste aber bei seiner Entlassung eine Adresse in einer der westlichen Besatzungszonen angeben.
Recherchiert habe ich, dass die Ubena im Rahmen der Flüchtlingstransporte aus dem deutschen Ost am 25.03.1945 als letztes deutsches Schiff von Danzig-Neufahrwasser ablegte. Also genau an dem Tag, als mein Vater von Heiligenbeil nach Pillau "in See stach". Auf dieser Ubena-Fahrt konnte mein Vater also nicht an Bord gewesen sein. Meine Frage ist, welche Fahrten die Ubena nach dem 25.03.1945 unternommen hat. Dazu finde ich nichts. Der erste belastbare Hinweis auf dieses Schiff ist, dass die Ubena am Kriegsende in Travemünde vor Anker lag und von von der Royal Navy als Kriegsbeute in Besitz genommen wurde. Wer weiß etwas über diese fragliche Zeit?
Dank im Voraus!
Gruß Bernd Thomale
In dem Buch "Ubena Rettung über See" von Kurt Gerdau schreibt der Autor ohne Quellenangabe, dass die Ubena noch am 28.03.45 vor Hela Verwundete vom Lazarettschiff Posen übernommen hat und am 01.04.45 in Kopenhagen eingelaufen ist.
Am 07.04.45 hat die Ubema Überlebende des Lazarettschiffes übernommen; ebenfalls ohne Quellenangabe. Am 08.04.45 kommen die Besatzung des gesunkenen Trossschiffes Franken und Überlebende vom brennenden Dampfer Moltkefels an Bord.
Am 10.04.45 läuft die Ubena in Kopenhagen ein.
hallo Bernd,
so ein Zufall !
Heute Mittag las ich just einen Artikel zum Thema.
>Sicher ist, dass es ihm und einem Kameraden im Raum Balga/Heiligenbeil am 25.März 1945, als sich 61. I.D. quasi auflöste, gelang, sich mit einer umgebauten Verpflegungsbombe aus dem Kurlandkessel auf die Frische Nehrung zu retten. Die beiden Soldaten wurden nachts dann von einem Schiff, einer Prahm (oder was auch immer) gerettet und nach Pillau gebracht.<
Köhlers Flottenkalender 1989, Die letzte Runde von Ernst Hoffmann ( *er fuhr auf dem AF 31 ), S.163-170.
Zum 25.3 schreibt er ua. :
"Am 25.3. werden unsere Boote (*AF 29 und 31) im Haff besonders stark angegriffen und vom Land her mit Artillerie beschossen">
< "Viele Landser versuchen mit kleinen Booten, nach Pillau zu gelangen."
"Zwei Tage später haben sie (die Russen) aber die gesamte Haffküste auf der Rosenberger Seite im Besitz.
Nur Balga und auf dem Kahlholzer Horn wehren sich noch Reste unserer Herrestruppen. In der Nacht wollen wir gemeinsam mit anderen Booten Balga räumen > < Ein Pioniersturmboot meldet Balga schon vom Feind besetzt".
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(AF ist ein Artillerie Prahm - umgewandelt aus einem vormals MFP )
* von mir eingefügt
Gruß
Christian
Hallo Bernd,
"Ubena" war in Kopenhagener Freihafen am 30/31,03.1945 mit 1700 verwundete Soldaten und 105 Flüchtlinge und wieder am 10.04.1945 mit 1800 verwundete Soldaten und 3.500 Flüchtlinge.
Gruß aus Dänemark
Olaf
Hallo zusammen,
erst einmal recht herzlichen Dank für die wirklich schnellen Antworten. Ich bin ausgesprochen froh, dass ich jetzt über ein weiteres Mosaiksteinchen bezüglich der letzten Tage meines Vaters in der Wehrmacht verfüge.
Ich denke, dass mein Vater allein schon vom Zeitablauf her nicht auf der ersten der beiden genannten Fahrten an Bord sein konnte. Denn die Oberschenkelverletzung hat er sich ja erst einige Tage nach dem Erreichen von Pillau am 25./26. März, aber noch auf der Frischen Nehrung, zugezogen. Es kann sich ganz offensichtlich nur um die Fahrt gehandelt haben, die am 10.04.1945 im Freihafen Kopenhagen endete. Weiß jemand von euch, wo die Ubena bei dieser Fahrt ablegte? Das zu wissen wäre vielleicht "das Sahnehäubchen"!
Dankbarer Gruß aus Schwerte
Bernd
Laut Heinz Schön lief Ubena am 08.04.1945 von Hela aus Richtung Kopenhagen, an Bord 1.700 Flüchtlinge und 2.160 Verwundete.
Hallo Bernd und Torsten,
wenn es zu Zahlen von verwundete Soldaten und Flüchtlinge bei diese Zeit kommt, sind oft große Varianten. Wann die Schiffen in Kopenhagen kamen ist doch richtig.
Laut Heinz Schön lief "Ubena" am 01.04.1945 von Hela aus Richtung Kopenhagen, aber ist im Nacht 30/31.03 in Kopenhagen angekommen. In Kopenhagener Freihafen waren die einsigste Dänen Ärzte und Totengräber. Die letzte haben jeden Tag die viele Leichen die Schiffe mithatten abgeholt haben. Jeder der näher als 200 Meter des Pfortes kamen wurde sofort erschossen. Die dänische Listen wurde von Hafenarbeiter und einige Polizeivolk, die Glück hatten nicht mit die meisten von das dänische Polizei, der in deutsche KZ waren. Deswegen hat man versucht mit Fernrohr von Abstand aufzufinden, wie viele mit waren. Zuerst nach 5. Mai wurde die Flüchtlinge gezahlt und registriert.
Gruß Olaf
Hallo zusammen,
ich möchte noch einmal das Thema UBENA aufgreifen. Gestern fand ich in den Unterlagen meines Vaters einen Zeitungsausschnitt vom Oktober 1983 mit dem Tiitel REEDEREI SUCHT "KINDER" DER UBENA. Am oberen Rand dieses Ausschnitts hat mein Vater handschriftlich vermerkt: "Am 28. April 1945 (26. oder 27.) mit der Ubena aus Ostpreussen gekommen". Zielhafen dürfte auch auf dieser Fahrt Kopenhagen gewesen sein. Weil die deutschen Truppen in Dänemark bereits am 4. Mai 1945 die Waffen niederlegten (4 Tage vor der offiztiellen Kapitulation am 8. Mai), dürfe diese Fahrt die letzte oder zumindest vorletzte Evakuierungsfahrt der Ubena gewesen sein.
Das wollte ich euch nicht vorenthalten - noch einmal herzlichen Dank in die Runde!
Gruß Bernd Thomale
P.S. hätte den Zeitungsausschnitt gern angehängt - leider ist die Datei für den Versand zu groß!
Hallo Bernd,
Diesen Zeitungsausschnitt vom Oktober 1983 mit dem Titel REEDEREI SUCHT "KINDER" DER UBENA, hat das mit die 20 Kinder die um Bord des "Ubena" geboren sind zu tun? In das Buch von Ernst Fredmann: "Sie kamen übers Meer" steht in das Kapitel: "Ein Kapitän": "Als Standesbeamter hat der Kapitän (Lankau) jedesmal den Geburtsschein zu unterzeichnen, auf dem der Zahlmeister als zusätzlichen Vornamen "Ubena" eingefügt hat.
Gruß Olaf
Hallo Olaf, ja richtig! Irgendwann in den 80er Jahren sollte wieder ein Schiff gebaut werden mit dem Namen Ubena. Und die Reederei suchte in dem Artikel nach Kindern mit dem Zweitnamen Ubena (wahrscheinlich für die Feierlichkeiten des Stapellaufs). Gemäß diesem Zeitungsartikel schätzt Artur Lankau die Zahl der auf der Ubena geborenen Kinder auf etwa 20. Der Schiffsarzt dagegen siedelt die Zahl der Kinder bei etwa 40 an. Im Übrigen wurden wohl nicht nur Mädchen auf den Zweitnamen Ubena getauft, sondern auch Jungen. Würde dir gern den Artikel senden - hast du eine Email-Adresse?
Herzliche Grüße
Bernd
Moin moin,
zu den fraglichen Zeiträumen aus dem Notizbuch des Kapitäns Frederiksen im Bundearchiv Bayreuth:
Zitat26.03.1945 22.00 Uhr ab Kopenhagen
28.03.1945 08.30 Uhr Hela vor Anker, übernehmen 2570 Verwundete, 500 Flüchtlinge (Zahlen schlecht lesbar, Anm),
17.00 Uhr Fliegerangriff
17.45 Uhr ab Hela
29.03.1945 15.20 Uhr bei Arkona vor Anker
22.00 Uhr Anker auf
30.03.1945 00.05 Uhr Ankern bei Stevns
21.25 Uhr Anker auf
31.03.1945 08.41 Uhr vor Anker
14.34 Uhr fest in Kopenhagen
05.04.1945 18.30 Uhr ab Kopenhagen
07.04.1945 05.45 Uhr an Hela
11.15 Uhr Verholen wegen Artilleriebeschuß
20.45 Uhr Verholen zum Kriegshafen
21.15 Uhr vor Anker
08.04.1945 05.00 Uhr Verholen, übernehmen 2120 Verwundete, 1715 Flüchtlinge,
10.00 - 14.00 Uhr Fliegerangriff
20.00 Uhr ab Hela
09.04.1945 22.37 Uhr ankern vor Kopenhagen
10.04.1945 fest in Kopenhagen
Grüße
René