Hallo, hier ein Überblick zu :
Kaehler, Uwe, Die Rolle des amerikanischen Botschafters in Tokyo, Joseph C. Grew während der diplomatischen Vorgeschichte des Kriegsausbruchs im Pazifik 1939-1941, Frankfurt-Bern-Las Vegas.
Kaehlers Buch stammt aus dem Jahr 1977 und umfasst 169 Seiten. Alle bis dahin veröffentlichen wesentlichen Darstellungen zur amerikanischen Außenpolitik gegenüber Japan sowie das Nationalarchiv in Washington wurden ausgewertet.
Die Arbeit stellt alle wichtigen Phasen der Entwicklung in den us-japanischen Beziehungen der Jahre 1939-1941 dar. Herausgearbeitet wird, dass Grew eigenständige Ansätze zur Behandlung der politischen Krise entwickelte, die sich in Gegensatz zu den historischen Grundsätzen und Konzeptionen des US-Außenpolitik im allgemeinen und zur der Global-Konzeption von Roosevelt brachte. Grews Standpunkte werden auch mit Bezug auf seine politische Karriere und außenpolitischen Erfahrungen und Ansichten dargelegt. Diese Darlegung stellt ihn als Pragmatiker dar, der zwar die Interdependenz der Vorgänge im Pazifik und in Europa nicht übersah (z.B. im Sommer 1940), jedoch andere Schlüsse als in Washington daraus zog. Sein Konzept war, durch Krisenmanagement mit Japan den Westmächten die Zeit zu verschaffen, um den Konflikt in Europa entscheiden zu können, ohne gleichzeitig in Asien in einen Krieg verwickelt zu werden. Hier kann z.B. auf die Entwicklung hingewiesen werden, die im Gegensatz zwischen GB und USA zur zeitweisen Schließung der Burmastraße führte. Nach dem Sieg über die Achsenmächte – das war Grews Überzeugung, der informelle und gute Kontakte in japanische Kreise hatte – würde Japan keine andere Wahl haben, als seine Hegemonialbestrebungen in Asien aufzugeben und zu einer Einigung mit den USA zu kommen. Er war der Überzeugung, dass sich Japan dann selbst aus zwischenzeitlich gewonnenen Positionen wieder zurückziehen würde.
Damit drang er in der außenpolitischen Konzeption der US-Regierung nicht durch. Diese schätzte zwar seine detailsicheren Darstellungen der japanischen Politik und seine treffsicheren Prognosen über das Verhalten, wollte jedoch nicht in dieser dargestellten Konsequenz zwischen den Mächten D und JP in 1940 unterscheiden. Es galt das Konzept der ,,unteilbaren Bedrohung". Die USA fürchteten dabei auch den möglichen Zusammenbruch GBs (durch Verlust der Fernost-Positionen) und den Zusammenbruch Chinas für den Fall einer temporären Verständigung zwischen JP und den USA. Dem flexiblen Ansatz von Grew standen auch historische Grundsätze und Prinzipien der US-Politik gegenüber (dies wird z.B. am Konflikt USA-Spanien erläutert, im übrigen an dem traditionellen und unverrückbaren Kontext von Handel und Außenpolitik der USA, verbunden mit einem von Kaehler wertfrei dargestellten Sendungsbewusstsein der USA – dargestellt an der Unterscheidung von Imperativen und Forderungen der US-Außenpolitik analog Hoffmanns Arbeiten). Der Politik Grews lag dagegen ein (fast europäisch zu nennender) spekulativer und krisenbezogener Ansatz zugrunde, getragen von seinen sicheren Lageeinschätzungen. Kaehler weist nach eigener Einschätzung nach, dass die USA gegenüber JP letztlich keine fest umrissene Vorstellung ihrer eigenen Politik hatte, von wesentlichen Schritten JPs immer wieder überrascht worden ist und sich erst danach Reaktionen überlegte.
Grews Rolle in der Endphase vor dem 7.12.1941 war dagegen immer weiter zurückgedrängt und von Frustrationen geprägt. Kaehler schließt damit, dass Grews Ansätze letztlich keinen Erfolg haben konnten. Sein logischer und pragmatischer Ansatz eines ,,vorübergehenden Nachgebens zum Zwecke der Deeskalation" gegenüber Japan, den er mit äußerster Hartnäckigkeit verfolgte und immer wieder gegenüber Washington wiederholte, gerät damit fast in das Gegenteil, zu einer Art Idealismus.
Man muss Schlüsse von Kaehler nicht teilen, um trotzdem seine detailreichen und tageweisen Darstellungen der wesentlichen Entwicklungen spannend zu finden. Als Höhepunkte würde ich
- die Darstellung der Gespräche mit Matsuoka werten, der in diplomatisch wohl ungehöriger Offenheit die Aufteilung in Interessensphären im Abgang von den US-Prinzipien vorschlug, weil er dieses als historisch unausweichliche Entwicklung des laufenden europäischen Krieges ansah (wenn auch in anderer Konstellation JP-D-USA, als durch den Ausgang des Krieges tatsächlich erfolgte)
- die ,,Pferdemaulrede" Grews vom 19.9.1939 in Ansehung der Möglichkeit, dass sich Japan auf Ölsuche in Südost-Asien begibt.
Ein Fazit: bedauerlich ist, dass die Arbeit nicht einen mehrfachen Umfang hat.
Grüße
Thomas
Thomas, ich habe, Dein Einverständnis stillschweigend vorausgesetzt, mal ein eigenes Thema daraus gemacht.
Solche ausführlichen Vorstellungen finde ich immer zu wertvoll, als das sie in einem ellenlangen Thema untergehen. ;-)
Danke für diese Buchempfehlung, da mich der Pazifikkrieg sehr interessiert, wandert dieses Buch sofort auf meine Einkaufsliste. :-)
Hallo,
ich füge noch ein Inhaltverzeichnis nach, das ist allerdings sehr lang, weil er die einzelnen Hauptkapitel teilweise 15-fach unterteilt hat.
Grüße
Thomas