Hallo zusammen,
Gröner Band 8 weist für Mob-FD 1 zwei unterschiedliche Kennungen während der Verwendung in der Hafenschutzflottille Narvik aus. Nach der Auflistung der Fahrzeuge der Flottille (S. 517) handelte es sich um die Kennung "NN 11" ("NN 10" im Falle von Mob-FD 2).
Nach dem "Lebenslauf" (S. 164) führte Mob-FD 1 dagegen zumindest am 6.6.1943 die Kennung "NN 12" (Mob-FD 2 am 8.6.1943 "NN 11").
Kann dies jemand aufklären?
Viele Grüße
Violoncello
Nach meinen Unterlagen sieht es so aus:
MOB. F. D. 1 1940 - 1945
...., ab 47: U S M D
1940 Norderwerft Köser & Meyer, Hamburg (738)
510 BRT, 160 NRT
53,35 x 8,40 x 4,03 m (zdL x aS x Tfg), 4,90 m
M= ...., III Abd., 750 PS, 350 x 550 x 900 mm, 650 mm
K= ...., 16, 205, 13 kn
55 Mann
1938/39 Baunummer bereits belegt mit Fischdampfer für
Hochseefischerei Hamburg Andersen & Co. KG,
Hamburg (Ge)
09.1939 Auftrag zurückgezogen
25./30.09.1939 Bauauftrag erteilt von Kriegsmarine
03.03.1940 Kiellegung
27.06.1940 Stapellauf
10.10.1940 Probefahrt
27.10.1940 Indienststellung
1940 MOB. F. D. 1 = SATURN
Kriegsmarine: (Ge)
SCHIFF 13 bei 2. Vorpostenflottille
18.02.1941 B. S. W.
14.02.1942 Admiral Norwegen
01.06.1943 NN 12
15.05.1944 V 6302 (irrtümlich erteilt)
26.07.1944 V 6308
22.10.1944 schwer beschädigt Syltefjord durch sowjetische
FliBos
behelfsmäßig repariert
27.11.1944 11.00 Uhr, erneut schwer beschädigt nahe
Hamnesleira durch Artillerie Flugzeuge brit.
Träger IMPLACABLE, aufgesetzt
21.12.1944 abgeschleppt
Reparatur in Bergen
1945 GMSA
19.02.1946 abgeliefert an USSR
1946 RUMB
sowjetische Marine (SR)
11.04.1946 Indienststellung
30.11.1946 abgegeben an Trawlerflotte
01.1947 SALYUT = RT 110
USSR, Murmansk (SR)
Vermessung: 550 BRT, 252 NRT
57,80 x 8,40 x 4,24 m
195. SALYUT = M 110
USSR, Murmansk (SR)
26.08.1965 Außerdienststellung
abgebrochen
Gruß Hans
Hallo Hans,
herzlichen Dank für den ausführliche Chronologie mit der Bestätigung "NN 12".
Viele Grüße
Violoncello
Hallo zusammen,
am 18.3.1940 bat das Marinekommandoamt in der Seekriegsleitung um "Herrichtung von Fischdampfern für (die) S-Gruppe". Dabei sollten die "Mob-FD 1 bis 3" "nicht artgleich, sondern in Aufbauten englischem, norwegischem und isländischem Dampfertyp angepasst werden".
(BArch RM 7/1216 1/Skl IIa - 13 Rüstungsforderungen "Seestreitkräfte" Band 2 1.10.1937-27.12.1940)
Meine Fragen hierzu:
1. Lässt sich z.B. aus den Skizzen im Gröner Bd. 8/1, S. 165 oben links ableiten, welchem Typ "Mob-FD 1 bis 3" entsprachen?
2. Kann mir jemand die Archivalie benennen, in der die grundsätzlichen Überlegungen der Kriegsmarine zum Einsatz von Sonderschiffen der S-Gruppe enthalten sind?
Viele Grüße
Violoncello
Hallo zusammen,
ich möchte doch noch einmal meine
Frage 1 den Rätsel geschulten Schiffsverstehern und
Frage 2 den Archivkundigen
zur Prüfung anempfehlen...
Viele Grüße
Violoncello
Hallo Violoncello
Ich weiß leider nicht einmal, wer oder was die "S-Gruppe" ist.
Aber der Satz "nicht artgleich, sondern in Aufbauten englischem, norwegischem und isländischem Dampfertyp angepasst" hört sich so an, als wenn hier U-Boot-Fallen geplant sind.
Gruß, Thomas
Hallo Thomas,
danke für die Einordnung. Ja, die Fischdampfer der S-Gruppe waren zweifellos auch als U-Boot-Fallen konzipiert. Hinsichtlich des Einsatzes dürfte man ursprünglich zudem an eine Verwendung als Handelsstörer (!) im küstennahen Bereich gedacht zu haben.
Viele Grüße
Violoncello
Zitat von: Violoncello am 27 August 2023, 11:19:55Verwendung als Handelsstörer (!) im küstennahen Bereich gedacht.
Wieso küstennah? Welche Schiffe sind besser geeignet, Stürme und hohe See abzureiten, als Fischdampfer.
Große Fischdampfer sieht man ja viel eher in entfernten Gefilden als vor der eigenen Küste.
Gruß, Thomas
Zitatwelchem Typ "Mob-FD 1 bis 3" entsprachen?
So eine Analyse kann Dir m.E. nur Hansjürgen Heise (HJH) liefern. Der kennt sich da richtig gut mit aus.
Hallo Thomas,
deine Argumentation überzeugt mich sehr. Mir ist aber tatsächlich nur der Einsatz von "Schiff 13" im Februar 1941 als Handelsstörer vor der nordspanischen Küste bekannt. Daher meine zurückhaltende Äußerung - und die Suche nach den grundsätzlichen Überlegungen in der Kriegsmarine für den Einsatz der Schiffe der "S-Gruppe".
Viele Grüße
Violoncello
Hallo zusammen,
wenn ich die Liste der "Sonderschiffe" (https://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/km/schiff-x.htm) mir anschaue, dann wird für SATURN, MARS und JUPITER der Einsatzzweck "Ubootfalle" geführt.
Für den Zweck der Handelsstörer oder Minenschiffe waren m.M.n. eher größere Dampfer / Motorschiffe geplant.
Genauere Akten habe ich aktuell nicht zur Hand.
:MG:
Darius
Hallo Darius,
danke für den Hinweis! Die Auflistung enthält in der Sache, nicht über den zeitlichen Verlauf, nur die halbe Wahrheit an. "Schiff 13" wurde vom 2.-22.2.1941 durch das Marinegruppenkommando West wenn auch erfolglos zu einem "Vorstoß zum Handelskrieg im Seegebiet Finisterre" eingesetzt. Zu diesem Einsatz ist im BArch eine eigene Akte überliefert (BArch RM 35II/270 (Operationen Sonderfahrzeuge -Schiff 13- Band 1)). Die in der der Akte enthaltenen, bis zum 30.3.ein 1941 gehenden Dokumente lassen darauf schließen, dass ein zweiter Einsatz vorgesehen war, zu dem es nicht mehr gekommen ist. Für Schiff 24 und Schiff 31 habe ich etwas Vergleichbares nicht gefunden.
Viele Grüße
Violoncello
Moin,
im Zusammenhang mit Schiff 13 Fischdampfer Saturn (Mobilmachungs-Fischdampfer 1), bzw. Schiff 24 Fischdampfer Mars (Mobilmachungs-Fischdampfer 2) und Schiff 31 Fischdampfer Jupiter (Mobilmachungs-Fischdampfer 3) hatte ich mich erinnert, dass diese offenbar neben 8,8- und 2-cm Geschützen für den Einsatz als "Handelsstörkreuzer" / U-Bootfalle auch mit 2 einzelnen Torpedorohren im Bug ausgerüstet wurden.
Zu Schiff 13 soll es auf Rolle 2944 in PG 70845-848 KTB Jan 1941 bis Apr 1943 geben (liegt mir nicht vor), zu Schiff 24 hab ich noch nichts gefunden und zu Schiff 31 gibt es auf Rolle 3132-33 in PG 70918-70922 KTB für den Zeitraum Apr 1941 bis Mar 1943.
Darin u.a. auch eine Bestätigung für die Torpedowaffe (s.u.).
Gruß Ulf
Nachtrag: und hier noch das man versuchte dem Aussehen britischer Fischdampfer nahe zu kommen ...
Hallo Ulf,
prima - vielen Dank für Deine Ergänzungen.
:MG:
Darius
Hallo Ulf,
herzlichen Dank für die aufschlussreichen Hinweise zu Schiff 31! Auch hier also zumindest 1941 ein Einsatz als "Handelsstörer".
Viele Grüße
Violoncello
Moin Violoncello,
Offenbar ja, und im August 1942 gab es Planungen zu einem weiteren Sondereinsatz zusammen mit Schiff 24, der wurde aber schon nach überraschend kurzer Zeit abgesagt.
Hab noch ein paar Funde aus einigen KTB des Zeitraums 1941/1942 (s.u.), bereits 1941 hautsächlich Einsatz als U-Jäger und Geleitdienst, es wird erwähnt, dass 1941 (noch als Sonderschiff) zeitweise ein Flammwerfer als letzte Verteidigung gegen Enterkommandos an Bord war, für die beiden Bugrohre zusammen 8 Torpedos an Bord waren (auch 1942) und mindestens 15 Wabos mitgeführt werden konnten.
Viele Grüße Ulf
Hallo Ulf,
herzlichen Dank für den investierten Zeitaufwand und die Abrundung der Informationen!
Viele Grüße
Violoncello
Moin,
keine Ursache.
Bislang waren mir zu diesen 3 Mob-FD (müssten baugleich, zumindest sollen die Baunummern fortlaufend 738-740 gewesen sein) noch keine Bilder bekannt.
Hier soll eines von Schiff 24 sein (verlinkt da aus Privatbesitz):
https://www.historischerverein-stmk.at/wp-content/uploads/Z_Jg_102_Egger_Hitlers-Piraterie.pdf
Anmerkung: die Überschrift ist etwas reißerisch und manche Passage im Text sollte vielleicht von einem Lektor mal Korrektur gelesen werden ... . Angesichts der Tatsache, dass hier der Enkel eines damaligen Besatzungsmitglieds* den Beitrag erstellt oder eingestellt hat zumindest von Interesse.
Es wird u.a. ein KBT erwähnt, dass sich im Nachlass seines Großvaters befunden hat, ob wirklich ein KTB oder eigene Aufzeichnungen ist für mich nicht zu erkennen, zumindest scheint es sich beim Oral-History-Archiv Graz um eine Sammlung von Zeitzeugenberichten zu handeln.
* Stefan Egger (1920–2003) wurde in Bad Mitterndorf geboren. Er soll der einzige Österreicher
an Bord von Schiff 24 gewesen sein in den Crewlisten HMA hab ich ihn (noch) nicht gefunden ... .
Gruß Ulf
Zum Thema S-Schiffe als Eigenbezeichnung - mich erinnert dass an die S-Gruppen der Vorpostenflottille der Nordsee im WK I. Es waren ebenso Fischdampfer mit u.a. T-Bewaffnung. Deren Aufgabe war Kabelschneiden, U-Boot-Falle sowie (angesichts der Bewaffnung) auch verstärkter Schutz für eigene , idR aus FD bestehenden Vorpostenkräften vor einem auftauchenden stärkeren Feind. Das S stand in dem Fall für "Sonder" Beim Gefecht am 17.111917 in der Nordsee ist damals "Kehdingen" verloren gegangen. Deren Aussehen entsprach einem normalen Hilfsminensucher. Das Kehdingen zur S-Gruppe gehörte ist zwar nicht unbekannt, wurde aber im Rahmen des zweiten Gefechts bei Helgoloand mW nie thematisiert... Mich würde nicht wundern, wenn man bei den Mob-FD 1 bis 3 genau sowas wie die S-Gruppen im Hinterkopf hatte...
Die Geschichte der Sondergruppen im WK I ist übrigens nicht aufgearbeitet
MfG
Es ist richtig, die Sonderfischdampfer oder Sonderfahrzeuge waren ähnlich der Sondergruppen des WW I wie der Name sagt, für Sonderaufgaben vorgesehen. U-Fallen, Kabelschneiden, in begrenztem Bereich Handelskrieg, Wetterbeobachtung. An der französischen Küste wurde SCHIFF 24 hauptsächlich für Handelskrieg und Wetterbeobachtung eingesetzt. Andere Sonderfahrzeuge waren auch vor Nordnorwegen im Handelskrieg eingesetzt, um den Verkehr von und nach Petsamo zu untersuchen. Siehe hierzu auch die entsprechenden Monate bis zum Kriegsausbruch mit der Sowjet-Union in den KTB der Skl.
Das Aussehen der Mob. F. D. 1 bis 3 wurde tatsächlich vom ursprünglichen Mob. F. D.-Entwurf (Vorbau war FD UHLENHORST) im Aussehen abgewandelt (anderer Steven, andere Aufbauten usw.) und aus Tarnungsgründen dem etwas "konventionelleren" Aussehen britischer Bauten angepaßt. Die übrigen sechs 1939 in Fahrt gesetzten Sonderfischdampfer waren Dampfer der Baujahre Anfang 1930, u. a. ALTELAND, auf dem der spätere Schnellbootfahrer und RK-Träger Klaus Feldt Kommandant war, oder SCHLESWIG und JULIUS PICKENPACK, die beide bei einem Waffentransport nach Trondheim von den Briten abgefangen wurden. Die sechs 1939 in Fahrt gesetzten Sonderfischdampfer hatten alle auch noch ein ich nenne es mal "konventionelles" Aussehen. Ich habe hier den Begriff Sonderfischdampfer verwandt, da auch noch Frachtdampfer 1939 zu U-Fallen hergerichtet wurden, die ebenso wie auch die Hilfskreuzer zur Gruppe der Sonderschiffe gehörten.
Gruß Hans
moin,
Zitat von: HJH am 30 August 2023, 10:47:04u. a. ALTELAND, auf dem der spätere Schnellbootfahrer und RK-Träger Klaus Feldt Kommandant war,
siehe Feldt (https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/s_boote/lebenslauf_kommandant.php?where_value=47)
Gruß, Urs
Hallo zusammen,
vielen Dank für die ergänzenden Informationen!
Hans, danke für den Hinweis auf die Anpassung dann wohl durchgängig an die Aufbauten britischer Fischdampfer. Die Bitte des Marinekommandoamtes, die Aufbauten von Mob-FD 1 bis 3 unterschiedlich, nämlich auch an norwegische und isländische Fischdampfer anzugleichen, scheint demnach nicht weiterverfolgt worden zu sein? Oder sind die Unterschiede mit Blick auf die Tarnung vernachlässigbar?
Ulf, der Artikel von Stefan Egger ist ein toller Fund! Es ist für mich der erste, der sich auf Erinnerungen eines Besatzungsmitglieds abstützt. "Schiff 24" ist nach dem Einsatz von "Schiff 13" als Handelsstörer im Februar 1941 immer gemeinsam mit diesem als U-Boot-Falle und z.B. bei der Vorbereitung der Aufnahme von "Bismarck" in der Biscaya eingesetzt und danach mit eingeschobenen langen Werftaufenthalten nach Norwegen verlegt worden.
Viele Grüße
Violoncello
Violoncello
Noch zur Ergänzung: Die norwegischen und isländischen Dampfer waren im überwiegenden Teil Produkte britischer Herkunft.
Die Geschichte der Sondergruppen im WK I ist übrigens nicht aufgearbeitet ....Und daran wird sich , mangels Interesse, auch nichts mehr ändern.
PS: Ulrich, nett mal wieder was von dir gehört zu haben. 8-)
Hallo Hans,
Zu #22: Danke für die Einordnung und Erklärung!
Viele Grüße
Violoncello
Zitatu. a. ALTELAND, auf dem der spätere Schnellbootfahrer und RK-Träger Klaus Feldt Kommandant war,
Picture of Feldt on Alteland early in the morning at Bergen 09.04.1940.
regartds
PS