Ich darf einen neuen Fachartikel im HMA verkünden:
Bernd Langensiepen/Dirk Nottelmann: Die Versenkung der FALABA am 28. März 1915 oder – gute Seemannschaft kann Leben retten!
Die Autoren schildern die Umstände rund um die Versenkung des kombinierten Fracht- und Passagierdampfers und die daraus folgende Propagandaschlacht.
--/>/> Zum Artikel (https://www.historisches-marinearchiv.de/sonstiges/artikel/kaim_versenkung_falaba.php)
Sehr schön. Vielen Dank an die Autoren und die Technik.
:MG:
Darius
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Falls Interesse besteht, könnten Dirk und ich weitere Artikel betr. 14-18 liefern. Schön wäre auch, wenn von anderer Seite etwas über diesen Zeitraum (siehe Thomas seine Minensucher)zu gesteuert werden würde.
Von meiner Seite aus immer gerne! :O/Y
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Danke für den merkwürdigen Artikel. Einige Fragen hätte ich dazu. Im Artikel steht folgendes:
Zitat(...) Chiswell ist auch besonders interessant hinsichtlich seiner Aussagen über die während der Vorgänge verstreichenden Zeiten: Er gab die Zeit zwischen der ersten Sichtung des U-Bootes und dem Anruf zum Verlassen des Schiffes per Megaphon durch Forstner mit 20 Minuten sowie – noch wichtiger – die Zeit zwischen diesem Anruf und dem Torpedotreffer mit ,,ungefähr einer halben Stunde" an. (...)
Im Juli 1915 veröffentlichtem
Proceedings before the Right Honourable Lord Mersey, Wreck Commissioner of the United Kingdom ... on a formal investigation ordered by the Board of Trade into the loss of the Steamship "Falaba" (https://archive.org/details/proceedingsbefor00grea/page/n40/mode/1up?view=theater) (kurz: Proceedings) bei der Anhörung des Mr. Chiswell auf Seiten 29-30 ist hingegen das hier zu lesen:
Zitat1101. When did you first see the submarine that sank her? — About three miles astern.
[...]
1105. Did she hail the " Falaba " through a megaphone ? — I heard something either through a megaphone or someone putting his hand to his mouth giving orders.
1106. When it got close ? — About 300 yards away.
1107. You could not hear what was said ? — I could not distinguish what was said.
1108. From the time you first saw the submarine until the time you heard this shouting through the megaphone, how long a time elapsed ? — Somewhere about a quarter of an hour or 20 minutes.
1109. From the time you heard the shouting through the megaphone till the time the "Falaba" was struck by the torpedo, how long elapsed ? — Half-an-hour, about.
1110. The Commissioner: Do I understand from that that there was an interval of about three-quarters of an hour from the time you first saw the submarine to the time when the torpedo struck the "Falaba"? — Half-an hour from the time I saw the submarine to the time she was torpedoed.
Hier also hat Herr Chiswell seine Aussage geändert bzw. korrigiert, und sagt letztendlich, dass es 10 Minuten zwischen den Anruf und des Torpedotreffers verzogen (20+10=30 Minuten, oder 15+10=25 Minuten nachdem er das U-Boot erblickt hat). Gibt es eine andere Quelle, wo er doch auf seine hier zuerst erwähnten 20+30 Minuten-Version beharrt?
Gruß
Andreas
Augenzeuge sind immer kritisch zu hinterfragen und wir haben ja auch andere Aussagen in ihrem zeitlichen Ablauf untersucht. Auch in diesen Fällen wird die deutsche Zeitngabe als die zutreffende errechent. Es ging uns darum, die von den heutigen, auch deutschen Historikern fast durchweg übernommene britische Sicht dieses und auf anderer Fälle ( z.B. Fryatt) kritisch zu hinterfragen. Wir haben alle recht umfangreichen Aussagen beider Seiten und auch das Bildmaterial bewertet und sind zu der im Artikel beschriebenen Überzeugung gekommen, dass die im Uboots KTB dargestellter Variante die zutreffende ist.
Mit den britischen Angaben mag vieles nicht stimmen, aber die Frage bezog sich darauf, ob Mr. Chiswell anderswo diese 20+30 Minuten-Version erwähnt hatte. Meiner Meinung nach kann diese Information im ,,Proceedings" nicht als Beleg betrachtet werden wegen des darauf kommende schnelle Korrektur.
Man kann vieles vermuten, z. B. dass Mr. Chiswell unter Druck stand, und entgegen seiner echten persönlichen Erinnerungen auf die Nachfrage hin sagte, was der Herr Commissioner hören wollte. Kann auch sein, dass es vornherein den Zeugen irgendwie mitgeteilt wurde, nicht mehr als 10 Minuten für erlaubte Evakuation in ihren Aussagen anzugeben. Aber dass sind alles nur Vermutungen. Im Artikel sollte es erwähnt werden, dass es eine Korrektur in der Aussage gab, und warum die bezweifelt wird.
Was soll ich dazu sagen? Vielleicht einmal sich den Generalplan des Dampfers vornehmen und anhand der Wege in den anderen Aussagen, den Beobachtungen der Drifter, der Fahrstrecke des Ubootes usw usw mal den Zeitbedarf errechnen. Da kommen ähnliche Zeiten zustande. Weiterhin sollten Sie die Zeitungs-Propaganda und auch die Persönlichkeit Forstners mitberücksichtigen. Forstner war zwar ein schlimmer Antisemit, aber kein ,,maritimer Totschläger". Über den etwas korpulenten, recht munteren Herrn ist viel bekannt, nur nicht ein von den Briten angedichtetes ,,brutales, unmenschliches Verhalten."
Vielleicht kommen Sie bei der Durchsicht in britisches und deutsches Archiv zu einer anderen Auffassung. Wir jedenfalls haben sorgfältig gewerkelt, denn wir waren nicht der ,,Marinekalender" . Vielleicht haben Sie ja eine Erklärung warum ich diesen Fall und auch die Person Forstner nicht in den mir vorliegenden ,,War-Crime" Listen finde.
Schluss meiner Kommentierung. 8-)
Ausser der Reihe aber zum Thma passend:
So also sah der ,,War-Crimer" aus. Das der Kaiser ihn als ,,Vorzeige-Offizier" für untauglich hielt ist nachvollziehbar. Auch auf diesem Foto spielt er wieder einmal den Kasper
Diese Passage schwächt für mich die Glaubhaftigkeit des Artikels. Sagen dazu sollen Sie nicht, aber die Aussage des Mr. Chiswell schriftlich authentisch zurückgeben und dann mögliche Zweifel erheben sollten Sie schon. Also einige Zeilen sollten noch dort stehen.
Ob es stimmt oder nicht, fast alle Überlebenden geben den Zeitraum zwischen den Anruf zur Evakuierung und des Torpedotreffers zwischen 10 und 15 Minuten an. So auch Mr. Chiswell. Anders:
Der Fotograph und Behandlung des Fotomaterials vor Gericht
Im Artikel unter einem der Bilder steht folgendes:
Zitat,,Die Vorgänge wurden durch einen namentlich nicht genannten Passagier auf einer Reihe Fotos festgehalten, welche anschließend sogar das etwa einstündige Bad im Seewasser überstanden, (...)"
Wenn es tatsächlich nur um einen Passagier handelt der Fotos angefertigt hat, dann wurde er doch – zumindest im ,,Proceedings" – namentlich genannt: C. C. R. Lacon, Leutnant der britischen Armee. Laut IWM hieß er Charles Cyril Ronald Lacon, und diente er im Warwickshire Regiment, zwischenzeitlich dann im Nigeria Regiment, bevor er zurück zum Warwickshire Regiment kam und bis zum Rang eines ,,Captain" brachte. Nach der Kopfleisten wurde er von Mr. Ronald McDonald vertreten auf allen vier Verhandlungstagen, da er mit dem nächsten Schiff nach Westafrika reiste. (Im Internet ist noch zu finden, dass er Kanadier war, damals 29 Jahre alt. Geboren: 17. Juli 1886, Verstorben: 16. Juli 1964.
Schon am ersten Behandlungstag meldet sich Mr. MacDonald zum Wort – und wird vom ,,Commissioner" ziemlich grob behandelt. Auf Seite 4 steht:
ZitatMr. Ronald McDonald : May I be allowed to appear for Lieutenant Charles Lacon, who was a passenger on board at the time?
The Commissioner : Why does he want to be separately represented?
Mr. McDonald : Because he has some complaint.
The Commissioner : Then he can come and make his complaint in the witness box. We cannot allow every passenger to be separately represented.
Mr. McDonald : He is now on active service in the "Cameroons" and he wishes his interests protected as far as possible.
The Commissioner : When you hear his interests attacked you can tell me what questions you want to put and I will consider them.
Seite 12:
ZitatMr. McDonald : I have here, my Lord, a reproduction of a photograph which shows at least a couple of soldiers in khaki.
The Commissioner: I do not think it is of much importance. In fact, I do not think it is of any importance at present, but I did not know there were any military men on board.
Mr. McDonald : I have also a reproduction of a photograph of the submarine taken from the "Falaba" itself.
The Commissioner : Show it to the Solicitor-General.
Mr. McDonald : I believe it has already been shown him.
The Solicitor-General : No, I have not seen it.
The Commissioner : Is it a photograph from a paper ?
Mr. McDonald : It is a reproduction of a photograph taken by my client of the submarine.
The Commissioner : Are you able to prove it?
Mr. McDonald : Of course, my client is in the Cameroons at the present moment.
The Commissioner : Then that means that you are not able to prove it.
Mr. McDonald : No.
The Commissioner : Then I think you had better leave it alone.
Mr. McDonald : If your Lordship pleases.
Bei Mr. Chiswell wurde schon die Authentizität eines Fotos schon anerkannt, wie auf der Seite 32 stand:
Zitat1270. The Solicitor-General : Will you look at that paper (handing the same to the Witness). Is that a picture
of the boat you were in? —That is exactly a picture of it.
1271. Does that accurately describe the way that boat went into the water according to your recollection? – That is it.
1272. Are you shown in that boat ? —Yes.
1273. Are the other passengers you mentioned shown too? —Yes.
The Solicitor-General: I should like your Lordship to see that. It purports to be a photograph taken at the time of an accident to one of these boats in the course of launching and I understand the witness identifies it as the boat he was in (the same was handed to the Commissioner).
Witness : Yes, that is so, and I can point out myself there with the clothes I had on.
1274. Can you point out in that picture yourself in the boat? —Yes.
1275. The Commissioner : Where are you ? —The second from the end with an overcoat and trilby hat on.
1276. As far as I can see there are four people in this boat? —Yes.
1277. And which of the four is you? —The second from the t-o-p.
1278. As I understand this boat was suspended from the t-o-p here? —Yes.
1279. But there is nothing to show it in the photograph? —No, it was hanging up to the davits.
1280. But there is nothing to show it in the photographs? —No.
Schon am Ende des Verfahrens kommt die Erläuterung wieder:
Zitat2918. The Commissioner : I suppose these photographs we have seen should be taken as real photographs of what happened? — The photograph of No. 2 boat, I should think, was real.
2919. I mean they were not manufactured for cinematograph purposes? — No.
Mr. Stephens : This witness can, I think, identify some of them.
The Commissioner : We have seen a picture of No. 2 boat hanging up.
Mr. Stephens : That is the boat hanging from the forward fall.
The Commissioner : Yes, with four people in it.
Witness : Yes, that is right.
Nun ist es merkwürdig, dass obwohl bis Mai 1915 diese Bilder in sämtlichen britischen und amerikanischen (usw.) Zeitungen erschienen, das Gericht trotzdem sie nicht vorher für sich selbst eingesammelt und nach ihrer Echtheit geprüft hatte.
Auch Mr. MacDonald versäumte es zu erwähnen, das sein Klient die berühmt gewordenen Fotos angefertigt hat. Und das hat er auch dann nicht gemacht, wenn bei Mr. Chiswell's Fall eines des Fotos schon als echt betrachtet wurde, obwohl er anscheinlich jeden der Tagsatzungen beiwohnte. Scheint auch so, dass man (zumindest der Commissioner) nicht mal mit den Abbildungen der ,,hässlichen Hunnen" beschäftigen wollte :D
(TOP mit kleinen Buchstaben zeigt das hier: top – deswegen habe ich sie bei 1277 und 1278 mit Strichen geschrieben: ,,t-o-p".)
Angebiche ,,laughing and jeering"
Außer den im Artikel erwähnten Personen (Mr. Ryder und Ryder Jr. im Boot Nr. 2) sagten noch vor Gericht weitere zwei Augenzeugen aus, dass deutsche Seeleute ,,an Bord" des U-Bootes sich über die im Wasser treibenden lustig gemacht hätten.
Der erste – noch vor den Ryders – war der Passagier J. C. Watt. Auf Seite 17:
Zitat687. Mr. Dan. Stephens : If your Lordship pleases. (To the Witness.) Now, just tell me this ; did you see the submarine at about the time, or after, the torpedo was fired ? — Yes, I had a very careful look at her before I left the " Falaba."
688. Did you see anybody on her? — Yes.
680. Was she still with her body out of the water ? — Yes.
690. What were they doing — did you notice them do anything unusual ? — The crew of the submarine ?
691. Yes. — Yes, they were stamping and laughing and so on.
602. You saw that, did you?—Oh, yes.
603. The Commissioner : About how many of them were there on the t-o-p of the submarine?—-About four or five, my Lord.
Ob sogar die Beine der im Turm stehenden Leute zu sehen waren ist sowieso bestreitbar in sich selbst.
Auf Seite 73 sagt der Chef James Marchbank:
ZitatI saw another boat, and from what I could make out she was submerged and the ribs of her were sticking up, and passengers swimming about crying for help. One man I noticed particularly, in khaki, his face was all blood, and I recognised another man, Ford, and the head man, a coloured man, one of the crew, swimming towards No. 2. I shouted to the man in No. 2, to this passenger, to slack away and pick these people up. Then I heard some laughing and jeering and I turned round and the submarine was lying about 40 yards off our port quarter. I shook my fist at them and called them some names and I turned round again and No. 2 boat was pretty well submerged then and the people from No. 1 were swimming to No. 2.
Diese beiden Erzählungen unterscheiden sich von der des Ryder's, dass zu diesen Zeitpunkte der Torpedo noch nicht abgeschossen war und die Augenzeugen trieben nicht im Wasser, sondern waren auf dem Deck.
Einige einfache Fragen/Anmerkungen noch:
- Im Artikel heisst der britische Kapitän Davis, im ,,Proceedings" wird stets Davies geschrieben, auch der Familienname Ryder ist im HMA-Artikel Ryde. Welche sind richtig?
- Es wurde auch vom Gericht festgestellt, dass es unter den Passagieren 40 Soldaten gab. Diese Offiziere waren auf dem Weg nach Westafrika, um die Kamerun-Kampagne vorzubereiten. Ist es zu wissen wie viele von denen gab es unter den Toten?
- Die kleine Tabelle im Artikel gibt den Zeitpunkt des Abfeuerns des Torpedos in 12:55 an, obwohl es um 12:53 stattfand, und auch im Text so erwähnt wird.
Im Voraus Danke für die Antwort!
Zitat von: Mark Alt am 12 November 2024, 00:57:38- Es wurde auch vom Gericht festgestellt, dass es unter den Passagieren 40 Soldaten gab. Diese Offiziere waren auf dem Weg nach Westafrika, um die Kamerun-Kampagne vorzubereiten. Ist es zu wissen wie viele von denen gab es unter den Toten?
Nur als kleiner Hinweis:
Wenn dies so war, hat das Schiff damals wie heute ohnehin seinen Schutzstatus als unbewaffnetes Handelsschiff verloren, da gegnerische Handelsschiffe dann militärische Ziele werden und jederzeit ohne vorherige Warnung angegriffen und versenkt werden können, wenn sie u.a.
• einen wirksamen Beitrag zu Kriegshandlungen leisten, indem sie z. B. Kriegsmaterial befördern
oder Truppen transportieren bzw. versorgen.
Der Transport von 40 Soldaten/Offizieren dürfte dieses Kriterium unstrittig erfüllen.
Worüber reden wir dann hier noch überhaupt?
Beste Grüße
Axel Niestlé
Hallo Axel,
der Artikel im HMA ist sehr interessant und
empfehlenswert , und in der Einleitung erläutert ganz gut worum es ging:
ZitatDie propagandistische Vermarktung der Versenkung der FALABA war, nach den ,,belgischen Massakern", der zweite offensichtliche Versuch der Briten, die USA in den Krieg zu ziehen, wurde dann allerdings rasch überschattet von den Ereignissen um die LUSITANIA nur wenige Wochen später.
Für mich persönlich geht es darum, welche Quellen zu diesem Fall vorliegen und wie sie zu bewerten sind.
Gruß
Andreas
Seite 72 im ,,Proceedings", Befragung von Walter Baxter
(chief officer):
ZitatThe Commissioner : You changed the time between 8 and
10 o'clock ?
Mr. Baxter : Yes.
The Commissioner : And how much change would you make?
Mr. Baxter : Something like 35 minutes. It was after breakfast that the clock was altered. The third officer altered the clock himself.
The Commissioner : Were all the ship's clocks changed at that time.
Mr. Baxter : Yes, except in the engine room, and we
generally ring that about midday.
Das Schiff wurde ungefähr auf Koordinaten 51° 30' N und 06° 36' W. versenkt. Morgen früh wurde die genaue Ortszeit festgestellt, also etwas östlicher als hier angegeben. Wenn 360° 24 Stunden ausmachen, dann sollte 6° nicht nur etwa 24-26 Minuten ausmachen statt 35? Entsprachen diese 35 Minuten angegeben von Mr. Baxter der damaligen Zeitangaben auf diesem Längengrad der Angaben anderen Schiffe, die aus westenglischen Häfen ausliefen und die gleiche oder ähnliche Strecke in den ersten Tagen zurücklegen brauchten?
Seite 64, Befragung von Hugh Brown
(fourth engineer):
Zitat2696. You have given evidence about the order coming down for more steam. Was it about that time that the clock was put back to noon ?—The first order that we got was " Full speed ahead " on the telegraph. We usually get full speed ahead on the telegraph at 12 o'clock to correct our clock, and when we get full speed ahead we take that to mean 12 o'clock, and we shifted the clock about four minutes.
Wenn ich es richtig verstehe Mr. Brown sagt hier aus, dass der Befehl zum Geschwindigkeitssteigerung pünktlich um 11:56 GMT kam. Die Leute dachten es gelte für die Uhreinstellung wie immer um die Mittagszeit. Eigentlich sollte die Uhr zurückgestellt werden (nach Baxter um 35 Minuten). Bedeutet hier ,,shift" den Minutenzeiger nach vorne drehen, oder kann es auch Zurückversetzen bedeuten und dann 12:04 GMT war es?
Seite 48, Befragung von J. D. Bathgate (Passagier):
Zitat1916. " Many men from the swamped boats were struggling in the water when the torpedo hit the ship and doubtless the explosion killed a number of them. Dr. Grant (Nigeria) I think probably lost his life in this way, as I saw him in the water in this vicinity. There were still some 20 or 30 people (perhaps more) on the steamer when she was hit and as all the boats had gone we could only take to the water. I was one of a party of about a dozen who made their way to the forward deck and we, one by one, got overboard. Hermon-Hodge, A. C. Francis, and myself (all Nigerian officials) were among the last half- dozen to leave. I jumped off about five minutes after the explosion and my watch stopped at 12.57 p.m. All three of us were rescued eventually by small boats after being about an hour in the water. Henderson of the Nigeria Marine Department was still on the forward deck when I left and I am afraid stayed too long, as his name is on the lost list. The ship was now fast settling down and she sank four or five minutes after I got into the water. One of the ' Falaba's " boats, manned by the third engineer and three sailors, picked up Francis and myself about two o'clock. We were put on to the steam drifter ' George Baker,' which had just come up, and we landed at Milford Haven about midnight. The bulk of the survivors were put on the trawler ' Eileen Lanna ' and afterwards transferred to the destroyer ' Liffey,' which took them into Milford Haven. I feel that something should be said about the ship's boats. They did not appear to have been equal to the strain put upon them as one collapsed shortly after being launched and two others seemed to swamp rather easily. Only one of them - returned to pick up people out of the water after delivering her first load" to the trawler, and it would appear that either the boats were not fit to return or the crews were too exhausted to work them." That is your idea of the explanation ?—Yes, my point, my Lord, is that the boats were insufficiently manned, that if they had been properly manned they could have come back and rescued the passengers.
Am Anfang seiner Aussage erzählt Mr. Bathgate Dinge über den Torpedotreffer und Umstände aus, die hinsichtlich des Fotos vom U-Boote nicht zu rechfertigen sind, und am Ende übt er scharfe Kritik gegen Rettungsboote und Personal aus. Inzwischen teilt er aber die merkwürdige Information mit, das er Ungefähr 5 Minuten nach der Explosion (bei von Forstner: 12:53 GMT!) ins Wasser sprang und sein Armbanduhr pünktlich um 12:57 stehen blieb. Ich weiss nicht, wie lange damals die Armbanduhre unter Wasser funktionieren konnten oder wie aufprallfest sie waren, aber wenn der Herr die nicht nach einer der Uhre in den Salons neueingestellt hat, und seine Uhr ausgerechnet nicht wasserfest war, dann liefert er einen ganz starken Beleg für die deutsche Version der Geschehnisse. Ob er seine Armbanduhr entsprechend der neuen Zeit eingestellt hatte, wurde nicht nachgefragt...
Im FMA-Artikel steht:
ZitatNr. 2 – Den Ablauf bei Boot No. 2 schilderte unter anderem der Chef-Steward John Ellans. Vom I. Offizier beauftragt, ließ er einen seiner Stewards die Passagiere auffordern, sich umgehend warm angezogen an Deck zu begeben. Er selbst versicherte sich davon, dass sich niemand mehr in den Kammern befand. Damit rettete er wohl einigen Personen das Leben, so beispielsweise einer der Passagierinnen, welche von den Vorgängen noch nichts mitbekommen hatte. Beim Boot Nr. 2 herrschte während des Aussetzens weder Panik noch Unruhe; man stimmte sogar das Lied ,,It`s a long way to Tipperary" an. Nach Ellans war das Wegfieren so lange problemlos verlaufen, bis auch hier ein abgeteiltes Besatzungsmitglied – in diesem Fall der Bord-Schlachter – das Fall losgelassen hätte. Der zufällig in der Nähe befindliche Kapitän gab ihm daraufhin die Order, seine Part vorsichtig ebenfalls ausrauschen zu lassen, um das Boot halbwegs kontrolliert ins Wasser zu bekommen.
Seitens des Zeugen W.C. Chiswell, dessen Anhörung sich recht lang hinzog, da auch er sich kritisch über die Schiffsführung und die Reederei äußerte, besitzen wir hingegen eine recht dramatische Schilderung der weiteren Vorgänge um die Boote No. 2 und No. 8. Chiswell ist auch besonders interessant hinsichtlich seiner Aussagen über die während der Vorgänge verstreichenden Zeiten: Er gab die Zeit zwischen der ersten Sichtung des U-Bootes und dem Anruf zum Verlassen des Schiffes per Megaphon durch Forstner mit 20 Minuten sowie – noch wichtiger – die Zeit zwischen diesem Anruf und dem Torpedotreffer mit ,,ungefähr einer halben Stunde" an. Als Chiswell mit drei weiteren Passagieren (Mr. D.J. Ryder, D. Ryder jr. und Mr. Primrose) Boot Nr. 2 erreichte, befand es sich ebenfalls bis auf Höhe des Bootsdecks weggefiert. Kaum aber, dass die vier Passagiere eingestiegen waren ließ jemand das achtere Fall ausrauschen. Die entstehende Belastung riss demnach einen Augbolzen für den Block des vorderen Falls aus dem Kiel des Bootes, wodurch dieses jetzt mit dem Vorschiff zuerst ins Wasser fiel und vollschlug. Nicht genug damit, löste es sich nur wenig später regelrecht in seine Bestandteile auf: ,,the gunwales came away from the sides and the bottom dropped out". Um das Wrack wenigstens halbwegs als Schwimmhilfe benutzen zu können, umwickelte Chiswell die Trümmer mit einem Tau aus der Ausrüstung. Die Überreste von Nr. 2 trieben schließlich um den Steven herum auf die Stb-Seite und befanden sich – zumindest nach der Aussage von Mr. Primrose – bei dem Torpedotreffer etwa 45 m querab der FALABA sowie 18 m vom U-Boot entfernt.[6] Die folgenden 3,5 Std., bis zur Rettung durch den Drifter ORIENT II, verbrachten die ,,Insassen" von Nr. 2 auf den längs des Dollbords angebrachten Lufttanks. Trotz dieses Zustands nahm man währenddessen noch weitere zehn Personen des Bootes Nr. 8 auf. Für zwei von ihnen kam jedoch jede Hilfe zu spät; als der Drifter das Boot erreichte, lebten von den 12 Schiffbrüchigen nur noch 10.
Über Herr Chiswells Aussage war hier schon hier die Rede.
1. Der Chef-Steward hiess John Ellams.
2. Im Proceedings steht bezüglich des Tipperary-Liedes:
Zitat500. How did you know your boat ?—From the previous voyage boat list. I have been in that boat six or
seven voyages.
501. Were you in her last voyage ?—Yes.
502. When you got on deck, was there any panic? - No, they were singing.
503. The Commissioner : What were they singing ? — " It's a long way to Tipperary."
Die Frage und die Antwort bezieht hier nicht direkt auf die Passagiere beim Boot Nr. 2, sondern auf die Leute auf dem Deck in allgemeinen. Gesungen wurde eher bei anderen Booten, oder bei einem einzigen Boot, wo es eine grössere Menge von Leute gab. Die vier von Nr. 2 kümmerten einfach um sich, und stiegen in das Boot ein. So scheint es mir einfach nach den Aussagen.
3.
"Seitens des Zeugen W.C. Chiswell, dessen Anhörung sich recht lang hinzog, da auch er sich kritisch über die Schiffsführung und die Reederei äußerte, besitzen wir hingegen eine recht dramatische Schilderung der weiteren Vorgänge um die Boote No. 2 und No. 8."Wie es im Artikel durchwegs erwähnt wird und hier auch so vorkommen sollte: Nr. 7. (Nr. 8 war die Gig, die ohne Komplikationen davonkam. Außerdem konnte Nr. 2 in der Nähe zu Nr. 7 sein? Letztere kam viel später ins Wasser.)
4.
"Trotz dieses Zustands nahm man währenddessen noch weitere zehn Personen des Bootes Nr. 8 auf." Nun hat es so Herr Chiswell ausgesagt, aber nicht alle Geretteten sollen von Nr. 7 kommen – wenn es eigentlich Geretteten aus diesem Boot gab. Im Prozess wurden insgesamt 37 Überlebenden befragt, von denen verliessen das Schiff mittels
- Nr. 1 Boot 5 Personen,
- Nr. 2 Boot 4 Personen,
- Nr. 3 Boot 4 Personen,
- Nr. 4 Boot 7 Personen,
- Nr. 5 Boot 1 Personen,
- Nr. 6 Boot 3 Personen,
- Nr. 7 Boot 5 Personen,
- Nr. 8 Boot 0 Person. (FMA-Artikel Nr. 7)
- Springen vom Bord 8 Personen.
Boot Nr. 2 rettete unter anderen den Steward John Doherty und den Funker Edwin Lough Taylor. Beide stiegen zuerst ins Boot Nr. 1 ein (nicht Nr. 7! oder Nr. 8), das aber kaputtging.
Interessanterweise erfährt man im Prozess nichts weiteres über den Insassen des zuletzt verunglückten Bootes (Nr. 7/8), das Steuerbord hinten gerade runter sollte, aber durch den Torpedotreffer ins Wasser fiel. Einige Augenzeugen deuten darauf hin, das es durch die Explosion mehrere Leute starben, weil danach Leichen neben dem Schiff treibend schwammen wo es ins Wasser fiel. Es wurde aber nicht festgestellt, ob es Überlebende vom Boot Nr. 7 gab oder nicht. Wurde nicht mal nachgefragt. (Oder habe ich nur nach nochmaligem Durchlesen nicht eine diesbezügliche Information gefunden.)
Andreas