Am 14.07.1941 rammt U 435 das Feuerschiff (Light Vessel) KIEL
Quelle: KTB Sperrkommandant Kiel, NARA T1022-2598, Scan 661
Zu Feuerschiff KIEL (ex RESERVE OSTSEE *1902) Gröner, DDK Band 5, S.237
Viele Grüße, Thomas
Hallo Thomas,
ich gehe mal davon aus das das Feuerschiff Kiel vor der Kieler Förde lag. Kann es sein das in dem KTB Sperrkommandant Kiel ein Zahlendreher passiert ist? U 435 war ein in Danzig gebautes Boot und zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Dienst gestellt (i.D. 30.08.1941).
Da passt evtl. U 453 besser. Das war ein Boot das in Kiel gebaut und am 26.06.1941 i.D. gestellt wurde. Leider habe ich das KTB der Ausbildungszeit von U 453 nicht vorliegen in dem das Ereignis möglicherweise festgehalten wurde.
Gruß,
Michael
Es war tatsächlich U 453, auf dem sich der Kommandant in die Kommandos des wachhabenden 1.WO einmischte. Ehe man sich einig war, war das Feuerschiff auch schon versenkt. Der Kommandant wurde daraufhin umgehend abgelöst.
Beste Grüße
Axel
moin,
Zitat von: Axel Niestlé am 25 November 2025, 16:42:50U 453, auf dem sich der Kommandant in die Kommandos des wachhabenden 1.WO einmischte. Ehe man sich einig war, war das Feuerschiff auch schon versenkt.
Ein Kommandant "mischt sich nicht ein", entweder gibt er Weisung an seinen I WO oder er übernimmt das Kommando selbst. Da wird nicht diskutiert, eine "Herstellen von Einigkeit" gibt es nicht.
Gruß, Urs
Zitat von: Axel Niestlé am 25 November 2025, 16:42:50Der Kommandant wurde daraufhin umgehend abgelöst.
Na, dann passt der Eintrag wunderbar bei U 453 in DUIKBOOT rein, denn die Ablösung des Kommandanten Gert Hetschko ist erwähnt, aber nicht der Grund.
Moin,
hatte mich schon gewundert, dass auf deutschen U-Booten ,,diskutiert" wurde, wenn der Kommandant befahl. Schließlich trug er die alleinige Verantwortung mit allen Konsquenzen. In manchen Fällen waren ja Entscheidungen in sehr kurzer Zeit zu treffen, gerade in Kriegszeiten. Im konkreten Fall führte es zur Versenkung des dt.Feuerschiffes. Interessant wäre für mich, was führte zur Ablösung des Kommandanten von U 453, wenn es die Versenkung des Feuerschiffes nicht war?
MfG Wirbelwind
Wieso war es die nicht?
Zitat von: t-geronimo am 26 November 2025, 09:36:39Wieso war es die nicht?
Ja, es fällt mir jetzt erst auf. DUIKBOOT terminiert die Ablösung auf den 8. Juli. Aber die Kollision mit dem Feuerschiff war erst am 14. Juli.
Jetzt kommt es nochmal "dicke":
Laut KTB Sperrkommandant Kiel (NARA Rolle 2685, Scan 116) wurde Sperrwachschiff 4 "Seemöwe" am 12. Nov. 1941 um 23.06 Uhr vor Laboe von U 555 gerammt und sank sofort; 5 Mann vermisst. Frage: War das wirklich U 555 ?
Ich weis nicht, woher das Datum für die Ablösung von Hetschko in duikboot herrührt. Gemäß der Havarieakte zu dem Vorgang im Bundesarchiv (RM 131/1338) hat er noch am 15.07.41 seine Meldung als Kommandant U 453 verfasst. Am 24.07.41 trat er seine neue Dienststellung als Kommandant U 121 bei der 21.U-Fl. an. Gemäß Aktenlage trug Hetschko die Hauptschuld an der Kollision wegen unklarer Befehlsgebung und fehlender Übersicht beim nächtlichen Einlaufen in Kiel. Zeitpunkt der Kollision war 23.32 am 14.07.41, zwei Stunden später kenterte das Feuerschiff infolge zunehmenden Wassereinbruchs ohne Personalverlust.
Beste Grüße
Axel
Da auch in der Kommandanten-Datenbank der 08.07.41 steht und der 09.07. für dem Beginn des Kommandos auf U 121 wird die gemeinsame Quelle wohl Busch/Röll sein, denn dort steht es ebenfalls.
Woher die beiden es haben weiß ich nicht.
Aber vielen Dank für die Präzisierung. :TU:)
Moin,
da reibe ich mir als Laie doch ein wenig die Augen. Durch unklare Kommandos ein eigenes Schiff versenkt, abgelöst und dann doch noch ein neues Kommando auf U 121 erhalten. War das in der DKM üblich oder gab es in diesem Fall wohlmeinende Vorgesetzte?
MfG Wirbelwind
moin,
ich bin überzeugt, daß die Ablösung vom Kommando eines zukünftigen "Frontboots" zum Kommando eines Schulboots vom Typ IID in den Augen eines Marineoffiziers der Crew 1933 eine Zurücksetzung darstellte.
Die ein Jahr danach erfolgte Einschiffung auf U 89 als Kommandantenschüler (!) dürfte H. ähnlich empfunden haben
Gruß, Urs
Moin Urs,
das mag Hetschko und seine anderen Crew-Kameraden so empfunden haben. Trotzdem finde ich ist er mit einem blauen Auge davon gekommen. Gab es für solche Fälle nicht meist ein Kriegsgerichtsverfahren?
MfG Wirbelwind
moin,
das kann ich Dir auch nicht sagen.
Zitat von: wirbelwind am 28 November 2025, 09:52:57Trotzdem finde ich ist er mit einem blauen Auge davongekommen.
Das magst Du so sehen. Die Ablösung als Kommandant ist, z.B. nach einer Grundberührung oder Kollision, ist für Berufssoldaten eine herbe "Strafe."
Im Krieg wurden U-Boots- und S-Boots-Kommandanten auch wegen unterstelltem "mangelnden Angriffswillen" abgelöst
Ein Extremfall ist hier Hirsacker (https://uboat.net/men/commanders/495.html), ein weiterer ist Fahr (https://uboat.net/men/commanders/267.html) (U 567) , bei den Schnellbooten kenne ich die Fälle Bosse (https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/s_boote/lebenslauf_kommandant.php?where_value=24) und Moritzen (https://www.historisches-marinearchiv.de/projekte/s_boote/lebenslauf_kommandant.php?where_value=125)
Kriegsgerichtsverfahren gab es wohl eher für
militärisches Fehlverhalten wie Wachvergehen (Schlafen), Nichtantritt zum Dienst, Abwesenheit, Nichtausführung oder Verweigerung eines Befehls, usw. und für "Feigheit vor dem Feind" (Fall Hirsacker, s.o.)
Gruß, Urs
Zitatzu #9 Axel Niestlé
Ich weis nicht, woher das Datum für die Ablösung von Hetschko in duikboot herrührt.
Das Datum in DUIKBOOT kam aus die Kmdt-Liste von F.Almeida und "Die deutschen U-Boot Kommandanten" von Busch u. Röll.
Wird korrigiert.
Dank für der Hinweis auf die BA/MA Akte RM 131/1338. :MG:
Met vriendelijke groeten,
Walter
Erich Lobin beschreibt die Episode in seinem Buch "Ruhm und Ehre zu gewinnen".
Lobin hat in diesem Buch seine Erinnerungen als Bootsmaat und später Oberbootsmann in der Kriegsmarine in romanhafter Form aufgeschrieben, v.a. seine spätere Zeit auf U 552.
Zuerst war ich wegen seinem Schreibstil etwas vorsichtig.
So hat er z.B. die Namen fast aller Personen in dem Buch abgeändert, auch seinen eigenen (Lobin=Questin), ausserdem schreibt er über sich in der 3. Person, und dann hat er noch einen etwas reißerischen Schreibstil.
Allerdings stimmen alle Begebenheiten in seinem Buch mit tatsächlich nachprüfbaren Begebenheiten überein, auch solche Begebenheiten die nur mit größerem Aufwand zu überprüfen sind.
Von daher bin ich fest überzeugt dass die Begebenheiten in seinem Buch im Grunde der Realität entsprechen.
Dazu passt z.B. auch dass der Kommandant des Bootes laut Lobin von der Luftwaffe kam, so wie der Kommandant von U 453, Gert Hetschko.
moin,
Zitat von: Holtenauer am 03 Februar 2026, 14:28:41Allerdings stimmen alle Begebenheiten in seinem Buch mit tatsächlich nachprüfbaren Begebenheiten überein, auch solche Begebenheiten die nur mit größerem Aufwand zu überprüfen sind.
Von daher bin ich fest überzeugt dass die Begebenheiten in seinem Buch im Grunde der Realität entsprechen.
Nun ja ... der Navigator ist da etwas irritiert ... und anderer Meinung ...
1. In der Westlichen Ostsee gibt es kein "200 m-Loch". Wassertiefen > 100 m gibt's erst östlich von Rügen, siehe Ostsee (https://www.iow.de/steckbrief-der-ostsee.html)
2. Das Feuerschiff Kiel in Entfernung von 15 Seemeilen hätte man schon nach Ablegen in Eckernförde sehen können.
Gruß, Urs
Bei der Tauchtiefe musste ich auch schmunzeln.
Der Bericht sollte auch nicht den genauen Vorgang an diesem Tag kriminalistisch aufarbeiten.
Ich hatte mich einfach gefreut durch Zufall eine Erwähnung dieses Vorfalls in den Lebenserinnerungen eines Zeitzeugen entdeckt zu haben.
Mit der "Realität" seiner Angaben meine ich eigentlich nur, dass meiner Ansicht nach hinreichend belegt ist das Erich Lobin ein tatsächlicher Zeitzeuge ist und seine Erinnerungen nicht ein Produkt purer Fantasie sind.
Ich bin da etwas gebrandmarkt durch das Lesen von Büchern wie "Operation unter Wasser" on H.G. Schütze, der wirklich einen erfundenen Schund zusammengeschrieben hat, der beim kleinsten Blick ins KTB wie ein Kartenhaus zusammenbricht, oder "Steuermann durch Krieg und Frieden" was wirklich eine durch und durch dreist erlogene Geschichte ist.
In diese Kategorie fällt das Buch von Erich Lobin auf keinen Fall, und wenn er mit Tauchtiefen in der Ostsee o.Ä. durch den Tüdddel kommt, find ich das nicht so wild ;)
Auf jeden Fall fand ich´s spannend einen Bericht von jemanden zu lesen, der bei diesem historisch gesehen vergleichsweise nicht so spektakulären Zwischenfall zufälligerweise dabei war :)