Flugzeugträger ,,C" und ,,D"Leider gibt es nur sehr wenige Informationen zu den möglichen Nachfolgebauten der ,,Graf Zeppelin und Flugzeugträger ,,B". Vielleicht wird es in Freiburg noch irgendwelche Texte geben. Letztendlich sind die einzigen Informationen, die ich gefunden habe von Manfred Wilske, die er in seinem Buch
Das deutsche Flugzeugträgerprojekt – Graf Zeppelin entsteht zu finden. Auf Seite 42 steht unter der Überschrift
Die weiteren Flugzeugträger C und D, dass der dritte Träger etwa Anfang 1935 in die Wunschliste der Marine aufgenommen wurde. Weiter schreibt er, dass das erste bisher gefundene Dokument, das einen echten Hinweis auf diese beiden Flugzeugträger gibt, ist der Finanzplan vom Mai 1938. Danach sollten zwei weitere Flugzeugträger zum 01.04.1941 in Auftrag gegeben und am 01.07.1941 bereits auf Kiel gelegt werden, und zwar
C bei der Germania-Werft und
D bei DWK. Der Termin 01.07 zeigt aber auch, dass nicht genügend Zeit vorgesehen war, die Träger
C und
D evtl. völlig neu zu konzipieren.
Weiter schreibt Wilske in dem Kapitel, dass interessanterweise Hadeler davon berichtet, dass Projektarbeiten, selbst den Träger Typ
A/Bauf Gemischtantrieb (2/3 Dieselmotoren und 1/3 Dampfturbinen) mit insgesamt 180.000 WPS umzustellen. Diese Antriebsart entsprach aber ganz derjenigen der geplanten Schlachtkreuzer
O,
P und
Q. Bei dieser Antriebsvariante arbeiteten je 4 der neuen, doppeltwirkenden V-Diesel-Motoren Typ V12Z 42/58 mit jeweils 15.600 PSe auf die äußeren Wellen und auf die mittlere eine Dampf-Turbine mit ca. 60.000 WPS.
Zum Abschluss schreibt Wilske – Diese von Hadeler erwähnten Studien sind sicher nicht vor Mitte 1939 abgeschlossen worden, denn Hadeler griff in der Vergleichstabelle auf technische Daten zurück, die erst nach der ersten Hälfte 1939 angefallen sein können.
Aus der Tabelle stelle ich hier nur geänderten Werte ein.
| Vergleich | Graf Zeppelin vor Wulstanbau | Graf Zeppelin geändert |
| | | (vermutlich C / D) |
| Länge i.d. KWL /Tiefgang (m) | | |
| Breite in KWL (m) | | |
| Maschinenart | | |
| | |
| Maschinenleistung (WPS) | | |
| Wellenzahl/Leistung (WPS) | | |
| Fahrbereich (bei 19 kn) (sm) | | |
Zusammenspiel mit KampfgruppenDer für die möglichen Flugzeugträger
C und
D ins Spiel gebrachte gemischte Antriebsanlage aus Dieselmotoren und Dampfturbinen passt sehr gut zu den Projektierten Schlachtkreuzern (Typ
O) und leichten Kreuzern (Typ
M), die dieselbe Antriebskonfiguration aufweisen.
M. Wilske schreibt hierzu in seinem Buch (Seite 15), das um die Mitte des Jahres 1937 der Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte (BdA), Adm. Herman Böhm, zu folgenden Erkenntnissen im Hinblick auf die Atlantikkriegsführung kam: Bildung von Kampfgruppen, als deren Kern Kreuzer und Flugzeugträger angenommen wurden. Nach Ansicht Böhms sollten diese sehr schnell, sehr stark, sehr homogen sein und zu überraschenden Vorstößen befähigt werden, ohne jeweils auf eigene Tankerversorgung und Stützpunkte angewiesen zu sein.
Zu diesem Konzept hätten Flugzeugträger mit gemischtem Antrieb und sehr großen großem Fahrbereich hervorragend gepasst.
In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, ob im Falle der möglichen Träger
C und
D es überhaupt erforderlich gewesen wäre diesen eine Mittelartillerie zu geben, oder ob ein Verzicht auf diese nicht besser gewesen wäre. Alternativ eine Ausstattung in dem Umfang, wie es von Hadeler ursprünglich vorgesehen gewesen ist – 15-cm in Einzelkasematten.
BesatzungsgrößeIch habe, mit Hilfe von KI, einen Versuch gestartet Besatzungsgrößen zu ermitteln. Die Genauigkeit liegt bei +/- 1%. Im Falle der Umstellung des Antriebes von reinem Turbinen- zu gemischtem Antrieb ergibt sich eine deutliche Verringerung des erforderlichen Maschinenpersonals von 588 Mann auf 405 Mann. Im Hinblick auf die beengten Verhältnisse der Träger ist dies nicht unerheblich.
Für die 15-cm Mittelartillerie ergeben sich folgende Wert:
15-cm Zwillingskasematten: 240 Mann (voll), 120 Mann (halb)
15-cm Einzelkasematten : 136 Mann (voll), 68 Mann (halb)
Bei der
Graf Zeppelin ging man nicht davon aus, dass eine Rundum-Verteidigung stattfinden würde, und deshalb wurde es nicht als störend empfunden nicht alle Kasematten gleichzeitig besetzen zu können. Die Frage, die sich mir hier nun stellt ist, welche Ausstattung mit Mittelartillerie sinnvoll gewesen wäre – wie bei
Graf Zeppelin, mit derselben Anzahl an Einzelkasematten, oder keine Mittelartillerie.
Zitat von: Sven L.Die Frage, die sich mir hier nun stellt ist, welche Ausstattung mit Mittelartillerie sinnvoll gewesen wäre – wie bei Graf Zeppelin, mit derselben Anzahl an Einzelkasematten, oder keine Mittelartillerie.
Aus nachträglicher Sicht wäre sicherlich sinvoll gewesen, auf die MA ganz zu verzichten und die Verteidigung gegen Seeziele den Begleitschiffen zu überlassen und stattdessen die eingesparten Gewichte für eine Flugdeckspanzerung nach Vorbild der ILLUSTRIOUS-Klasse (diese hatte 3", was lt. Breyer [
Flugzeugträger 1917 - 1939, Podzun-Pallas, Friedberg 1993, S. 20] zu einem Mehrgewicht der Panzerung gegenüber ARK ROYAL von 2650 ts führte) zu verwenden, um die Hallendecks zu schützen, bzw. die Bombenzünder vor Erreichen des Panzerdecks (lt. Marine-Arsenal Special Nr. 1 (Podzun-Pallas 1994, S. 41) war dieses im Mittelschiff nur 40 mm, im Achterschiff und an den Böschungen 60 mm und im Vorschiff nur 20 mm stark und widerstand damit nicht mal einer 250 kg - Stukabombe) auszulösen, bzw. zur Verstärkung der Flak-Bewaffnung, ggf. unter Umnutzung der Munitionsaufzüge für die 15 cm SK, zu verwenden.
Im besagten Marine-Arsenal Special Nr.1 (Siegfried Breyer,
Der Flugzeugträger GRAF ZEPPELIN) findet sich ebenfalls auf Seite 41 die Aussage von Dipl.-Ing. Paul Küchler (lt. Breyer von Mai 1936 bis Oktober 1939 Referent für Flugzeugträger und Große Kreuzer im K-Amt) in einer wohl für die sowjet. Besatzungsmacht angefertigten Niederschrift vom 02.10.1946 mit dem Titel
Der neuzeitliche Flugzeugträger - Teil A Allgemeiner Teil im ehemaligen Militärarchiv der NVA (heute Bundesarchiv) in Potsdam:
Zitat»Der Unterwasserschutz des GRAF ZEPPELIN, der außer einem äußeren Wallgangsschott in einem Torpedoschott von 20 mm Dicke besteht, kann nicht als ausreichend gewertet werden. Als besonders nachteilig ist anzusehen, daß bei diesem Schiff das Torpedoschott im Bereich der Kesselräume große, stets offenbleibende Durchgänge zu den außerhalb des Schotts liegenden Räumen für Kesselspeisewasserpumpen und anderen Hilfsmaschinen für den Kesselbetrieb besitzen...«
Sollte dies zutreffen, wäre dadurch der ganze Sinn eines Torpedoschotts zunichte gemacht, so daß es schwer glaublich erscheinen will.
Bei Israel heißt es dagegen
»Torpedoschotte hatte der Träger nicht; deren Funktion mußten Wallgangslängsschotte übernehmen. Sie wurden aus 20 mm dicken Panzermaterial Wh n/A errichtet.« (S. 74).
Was ist denn dazu der aktuelle Erkenntnisstand?