Falls Deine Waschmaschine das kann, dann mit Hygienedampf.
Alternativ in die chemische Reinigung bringen.
Axel
Zitat von: Hoffnung am 22 September 2026, 21:08:13jedoch konnte meine eigentliche Frage ob es neben den normalen Knoten mit Streifen auch welche ohne Streifen gab noch nicht beantwortet werden.
Die kurze Antwort: Keine offiziellen Tücher ohne Streifen. Der hellblaue Streifen von 1,3 mm Breite wurde gerade deswegen im September 1859 eingeführt, damit die damaligen Matrosen nicht so ohne weiteres ihr privat beschafftes schwarz-seidenes Halstuch gegen ein "fiscalisches" Halstuch tauschen konnten.
Die längere Version hier (Grundlage sind die Bücher von Zienert (Unsere Marine-Uniform) und Noeske/Stefanski (Die deutschen Marinen 1818-1918):
Auf den ersten Blick ein trivialer Uniformbestandteil. Auf den zweiten Blick ein interessantes multifunktionales Werkzeug, Uniformteil und Abzeichen in einem. Dazu eines der am längsten fast unveränderten Uniform-Bestandteile in den deutschen Marinestreitkräften seit mindesten 1848. Das Tuch diente und dient als Schweißtuch, zum Beispiel bei der Arbeit in den heißen Pulverkammern und Batteriedecks, in den Tropen oder an heißen Sommertagen in unseren Breiten. Es diente und dient aber genauso auch als Kälte- und Windschutz auf See und an Land. Und es diente als Zeichen, an dem man im Zusammenhang mit den Mützenbändern das Unterstellungsverhältnis und eine geografische Zuordnung von Einheiten vornehmen kann. Zudem war - und ist es - ein symbolträchtiges Uniformteil mit traditionsbildender Kraft.
Vielleicht könnt ihr aufgrund eures Wissens und eurer Erfahrung als Marineangehörige noch etwas ergänzen? Würde mich freuen!
Mit der "Allerhöchsten Uniform-Bestimmung über eine Uniformänderung und Rangangleichung in Preußen" vom 27. 04. 1849 wurde die erste offizielle preußische Marine-Uniform durch das KM im MWB Nr 33 verkündet. Bereits da wurde das schwarze Halstuch erwähnt.
Im Mai 1859 wurde der Einkauf bzw. das Material des Tuchs aus Malta (daher Maltaer Probe) geregelt. Im September 1859 wurde der hellblaue Streifen von 1,3 mm Breite eingeführt, damit die damaligen Matrosen nicht so ohne Weiteres ihr privat beschafftes schwarz-seidenes Halstuch gegen ein "fiscalisches" Halstuch tauschen konnten.
Im Folgenden gab das OCdoM am 24. 02. 1864 folgenden Hinweis: "Von schwarzer Farbe, 1 3/8 Ellen im Quadrat (90 cm). In der Mitte der einen Ausdehnung des Tuches befindet sich ein, mit den beiden Seiten dieser Ausdehnung gleichlaufender, hellblauer Streifen von 0,05 Zoll [=0,13 mm]" (N/S, S. 162). Nach Zienert wurde das schwarz-seidene Halstuch als Zeichen der Trauer zum Tode von Admiral Nelson von der damaligen englischen Königinmutter Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg gestiftet und später von der deutschen Marine übernommen.
In der Allerhöchsten Cabinets Ordre (ACO) vom 28. 01. 1873 wird die Uniformierung für die nun Kaiserliche Marine vorgeschrieben. Für Unteroffiziere und Mannschaften gilt u. a. Folgendes: "Das seidene Halstuch ist ein Geviert von 91,6 cm, in dem ein hellblauer Streifen von 1,3 mm eingewebt ist. Es wird vorne zu einem Knoten geschlagen und am Hemd festgebunden" (Zienert, S. 61, 65). Erst Mitte der 1880er Jahre soll sich daraus das gebundene Tuch entwickelt haben. (Zienert, S. 32f). Da widerspricht sich Zienert allerdings selbst, denn er schreibt später: "Etwa um 1874 wurde das weiße Schleifchen gestiftet, das seit der damaligen Zeit in der Mitte des Tuchs gekreuzt getragen wird und früher wie heute dazu dient, das schwarze Tuch auf der blauen Bluse festzubinden" (Zienert S. 412). Auch gibt es zahlreiche Fotos aus den frühen 1870er Jahren, auf denen der Knoten zu sehen ist. Inwieweit es tatsächlich eine extra Schleife war, die 1874 dazu diente das Tuch festzubinden, oder nicht vielmehr die Enden der Bänder des Kragens, lasse ich offen, tendiere aber zu Letzterem. Es heißt nämlich in Noeske/Stefanski: Aufgrund der Weisung des CdAdm vom 28. 12. 1875 (MVBl 1876Nr. 1, S. 1ff) wurde das Halstuch unter dem Kragen des weißen, bzw. blauen Hemdes getragen. Aus den beiden Enden wurde vorne ein Schifferknoten gemacht, und die herunterhängenden Enden mit den weißen Bändern des weißen Hemdes bzw. den blauen Bändern des blauen Hemdes unter dem Knoten aufgebunden. (N/S, S. 343). Dieses Verfahren wurde so bis mindestens zum Ende des Kaiserreiches verwendet. Die Foristen mit Marinedienst Erfahrung werden sagen können, ob das so auch noch in der Bundesmarine und in der Volksmarine gehandthabt wurde.
Mit der Verfügung vom 31. 03. 1914 fällt für Unteroffiziere mit mehr als 15 Jahren Dienstzeit das seidene Halstuch fort (Zienert, S.122).
Obwohl in der Bekleidsungsverordnung nicht vorgesehen, erhielten die im Bereich der Marine-Station der Ostsee einrückenden Rekruten und Ergänzungsmannschaften noch im September 1914 je ein seidenes Halstuch. Wegen der Verknappung der Bestände an Rohseide untersagte das RMA am 16. 12. 1915 die Ausgabe seidener Halstücher an Mannschaften für die Dauer des Krieges (N/S; S. 645).
Auch in der Reichsmarine, der Kriegsmarine, der Bundesmarine und in der Volksmarine wurde das Halstuch praktisch unverändert getragen.
Oft wird die Frage nach der Laufrichtung des hellblauen Streifens gestellt. Sie ist nach Konsultationen der Bücher von Zienert und Noeske/Stefanski nicht abschließend zu klären. Erstmals in offiziellen Verordnungen scheint das Thema in der Reichsmarine behandelt worden sein:
In den Marine-Bekleidungs-und Anzugs-Bestimmungen vom 17. 01. 1924 mit Gültigkeit vom 26. 01. 1924 findet man für Unteroffiziere o. P u. Mannschaften: "Das seidene schwarze Tuch ist ein Quadrat von 92 cm Seitenlänge, in ihm eingewebt ein hellblauer Streifen. Das Tuch wird gelegt und unten zu einem Knoten geschlagen, der hellblaue Seidenstreifen muss dabei von der rechten oberen Seite nach links unten führen." (Zienert, S. 239, 242).
Erst im Zusammenhang mit der Bekleidungsordnung der Kriegsmarine findet man etwas zur Unterscheidung der Matrosen nach Stationskommando anhand der Ausrichtung des hellblauen Streifens: Zur Bekleidung gehört nach wie vor...das schwarzseidene Tuch, bei ihm ist wieder der hellblaue Streifen eingewebt. Dieser hellblaue Streifen muss beim kunstvoll geschlungenen Tuch (Schifferknoten) von links unten nach rechts oben zeigen oder umgekehrt. Der Kenner kann daran ersehen, welchem Stationskommando der Träger angehört. Nordseepersonal hat den Streifen von links unten nach rechts oben, Ostseepersonal genau umgekehrt, also von rechts unten nach links oben" (Zienert, S. 255, 275). Ich nehme an, dass dies eine schon in der Reichsmarine begonnene Praxis gewesen ist (wenn nicht schon vorher), die aber erst in der Kriegsmarine als offiziell festgeschrieben wurde. Für die Zeit der Bundesmarine findet sich in dieser Hinsicht in den von mir genutzten Quellen nichts. Hier heißt es nur in der "Ersten Anordnung über die Dienstgradbezeichnungen, die Ernennung und Entlassung sowie die Uniform der freiwilligen Soldaten" (1955), dass Unteroffiziere o. P u. Mannschaften das schwarz-seidene Tuch weiter tragen. Der eingewebte hellblaue Streifen muss von links unten nach rechts oben führen. Nichts findet sich zur Unterscheidung der Stationen anhand der Laufrichtung des Streifens. Aber wahrscheinlich wurde die Praxis inoffiziell weitergeführt, oder es versteckt sich noch irgendwo eine entsprechende Verfügung, die der Entdeckung harrt. Es gibt eine Formulierung bei Zienert, die vermuten läßt, dass in der Kriegsmarine, vielleicht zur Vereinfachung der Herstellung des Tuchs in Kriegszeiten, der eingewebte hellblaue Streifen fortfiel. Denn er schreibt: "einheitlich wird jetzt [1955] aber wieder der eingewebte hellblaue Streifen gezeigt", so als ob er davor nicht gezeigt wurde. Siehe aber MDV 260 der Kriegsmarine, welche von Zienert selbst zuvor zitiert wird, und in der die Tragweise des Streifen zur Unterscheidung der Stationen explizit erwähnt sein soll (Zienert, S. 355, 360). Von einem späteren Fortfall des Streifens spricht Zienert jedoch nicht. Auch hier gibt es also noch Klärungsbedarf.
Aus meiner Praxis als Beleg-Fotosammler möchte ich hinzufügen, dass es neben den offiziellen Bestimmungen auch andere Faktoren gibt, die mit darüber entscheiden, ob man auf Fotos diesen Streifen sieht oder nicht. Zum einen sind da bewußte, fahrlässige, oder unbewußte Verstösse gegen die Regeln. Aber auch die Aufnahmesituation vor Ort in Bezug auf die Position der Kamera, den Einfall des Lichts, die Stärke des Lichts, die Wahl des Fotopapieres etc. spielen eine Rolle.
Zur Veranschaulichung ein paar Belegfotos aus meiner Sammlung angefangen mit zwei relativ raren Fotos aus der Zeit der Marine des Norddeutschen Bundes vor 1871, bzw. vor Einführung der MB für die Kaiserliche Marine 1873:
1) Halstuch eines Matrosen ohne sichtbaren Streifen, gebunden ohne Schleife z. Z. des Norddeutschen Bundes:
01 Königliche ohne gebunden 1860er?.jpg
2) Halstuch eines Matrosen der FRIEDRICH CARL, ohne sichtbaren Streifen, mit losen Enden und ohne Schleife z. Z. des Norddeutschen Bundes oder kurz danach, Anfang der 1870er:
02 Friedrich Carl MB Matrose AT Popken WHV 1870er Kopie 2.jpg
3) Halstuch eines Matrosen, gebunden ohne sichtbaren Streifen, mit Schleife. Kaiserliche Marine späte 1870er:
03 Kaiserlich ohne nach 1873.jpg
4) Matrose von einer MAA der Kaiserlichen Marinein den frühen 1900er Jahren. Hier wird deutlich, dass der Streifen auch im Tuch sein kann, wenn er auf dem Knoten selbst nicht zu sehen ist, weil er entsprechend "falsch" gebunden wurde:
04Kaiserlich ohne mit Streifen.jpg
5) Hier ein Marineartillerist der MAA III in Lehe (Kaiserliche Marine), also von der Nordseestation, in den 1900er Jahren, der den Streifen von links oben nach rechts unten gebunden hat:
05 Kaiserliche Nordsee Nordsee D.jpg
6) Ein Marineartillerist der gleichen Einheit, der MAA III (Kaiserliche Marine), in den 1900er Jahren, der den Streifen von rechts oben nach links unten gebunden hat:
06 Kaiserliche Ostsee aber Nordsee.jpg
7) Ein Matrose der Kriegsmarine, der den Streifen, von links oben nach rechts unten gebunden hat, also von der Nordseestation stammt:
07 Kriegsmarine Nordsee.png
8) auch Mitglieder paramiltärische Einheiten, wie die der Marine-HJ trug das schwarzseidene Halstuch mit eingewebtem Streifen. Hier von der Marine-HJ aus Hamburg, mit Streifen, von links oben nach rechts unten gebunden, also von der Nordseestation:
08 Marine HJ .jpg
So, das war es von meiner Seite.
Gruß,
Deichkind
ich erinnere mich noch schwach an die sog. " Schummelfliege "
Gruß Hastei