Forum Marinearchiv

Technik und Waffen => Formeln und Begriffe => Thema gestartet von: Josef am 07 Juni 2007, 16:47:34

Titel: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Josef am 07 Juni 2007, 16:47:34
Liebe Gemeinde,

nach Erhalt der ,,Allgemeinen Bauschrift für den Schiffskörper von Schiffen, Booten und Sonderschiffen der Deutschen Kriegsmarine  (A.B.V.-S -) ist das mal wieder eingetreten, was immer so ist: Eine Frage beantwortet, zig Neue aufgetaucht!!!
Nachfolgend stelle ich hier einen ganzen Rattenschwanz von Begriffen ein, die mir nichts oder nur wenig sagen, aber von Spezialisten für Werkstoffe, Werkstoffbearbeitung oder Feuerlöschwesen sicher beantwortet werden können.

Werkstoffe:
S. 3     Flußstahl wurde für Voll- und Profilstangen nach KM 9103, Bleche nach KM 9104 verwendet
          - was ist Flussstahl?
          - wofür steht ,,KM" mit der Zahl?

S. 4.    Stähle werden mir ,,St" und einer Zahl angegeben, z.B. St 52, gefolgt von KM
         - für Nieten St 44 n KM, wofür steht ,,n"?
     
             Bei Schmiedestücken wird St C 25 KM erwähnt
             - wofür steht das ,,C"? (das ,,C" erscheint aber auch schon mal bei Flußstahl!!)
     
             Ein "Stg" steht wahrscheinlich für Stahlguss
             - was ist Stahlguss?
             - und  was bedeutet z.B. ein ,,S" bei Stg 45 S?

S. 5    Was ist Temperguß (Te)?
         Gußteile werden mit ,,G" bezeichnet
                   - aber was bedeutet das ,,Si" in G Al Si

S. 6    Was ist Marineleim und woraus besteht er? (wurde zum Ausfüllen ,,toter" Ecken und Winkel benutzt)
         Was ist Expansitkorkstein?? (verwendet bei Wegerungen)

S. 10   Ist ,,Copalit »-Dichtungsmasse nur eine Markenbezeichnung oder läßt sich daraus auf die Zusammensetzung
             ein Rückschluss ziehen.

S.23   Was ist St 42 –11? Nur eine Art von St 42?

S. 35     Was ist Terrazzo? (wird bei Bodenbelägen genannt)

S. 38      Wo liegt der Unterschied zwischen Reinaluminium, Hydronalium und anderen AlMg-Legierungen?

S. 42      Kieselgur ist bei Wegerungen erwähnt, was ist Kieselgur?

Werkstoffbearbeitung:
S. 8   Was bedeutet geparkert, gebondert oder atramentiert in Zusammenhang mit phosphatieren beim
             Korrisionsschutz?
S. 9   Was ist bördeln, was ist joggeln, was ist überneppen?



Vorschriften:
S. 26   ,,Bei Durchführung von Kabeln und Leitungen sind die G.f.e.A. zu beachten..." Was verbirgt sich
              hinter ,,G.f.e.A"?

Feuerlösch:
S. 137   - Was verbirgt sich hinter ,,Ardexin" oder ,,Minimaxin" und worin besteht der Unterschied zu Stickstofflaschen?
             - Was ist unter einem"Komet"-Luftschaumrohr zu verstehen?

Sonstiges:
S. 171     Raumbezeichnungsschilder waren in ,,Schwabacher"-Fraktur zu beschriften. Gibt es die heute noch?

Frohes Rätselraten wünscht
Josef
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: t-geronimo am 07 Juni 2007, 17:05:50
Kieselgur: http://de.wikipedia.org/wiki/Kieselgur

Terrazzo: http://de.wikipedia.org/wiki/Terrazzo

Ardexin ist anscheinend Methylbromid. Genau wie Stickstoff wirkt es auf Flammen erstickend, in dem es den zur Verbrennung benötigten Sauerstoff verdrängt.
Im Gegensatz zu Stickstoff, der für den Menschen "nur" erstickende Wirkung hat, wirkt Ardexin jedoch toxisch für Menschen, d.h. es verdrängt nicht nur den lebensnotwendigen Sauerstoff, sondern löst Stoffwechsel-Vorgänge aus, die ebenfalls tödlich wirken. Aufnahme evtl. nicht nur durch Atemwege, sondern auch über die Haut? Ganz genau weiß ich es auch nicht.
Könnte aber bei näherem Interesse mal einen Chemiker fragen.
Vergleiche auch Gefecht Admiral Hipper am 31.12.1942 bei der Bäreninsel, als mehrere Seeleute durch ausgetretenes Ardexin und seine Spätwirkung ums Leben kamen!

Minimaxin kenne ich nicht.

Komet-Luftschaumrohr: http://www.historische-feuerwehrtechnik.de/Gerate/Gerat/loeschgegerat1.html (Skizze läßt sich vergrößern!!)
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: ufo am 07 Juni 2007, 17:16:39
Seite 26 sind glaube ich die Grundsätze für elektrische Anlagen und Betriebsmittel gemäss Berufsgenossenschaftlicher Sicherheitsbestimmungen.

und Seite 9, Bördeln:
Rechtwinkliges Umbiegen von Blechen unter Streckung oder Stauchung. Das gibt dann so Falze wie beim Austin Mini oder einer Konservendose zur Verstärkung.

Seite 6, den Expansitkorkstein hat's hier:
http://www.isover.de/desktopdefault.aspx/tabid-95//247_read-457
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Teddy Suhren am 07 Juni 2007, 17:45:19
Hai

Die Firma Minimax ist oder war ein bekannter Hersteller von Feuerlöschern.
Mutmaßlich ist Minimaxin eine hauseigene Löschpulverentwicklung.
Die Firma Komet stellte die Luftschaumrohre her. Ich glaube irgendwo im Keller unseres Gerätehauses liegen noch welche mit einem entsprechenden Firmenaufkleber herum.
Luftschaumrohre werden heute noch verwendet. Ein Wasser - Schaummittelgemisch wird im Rohr mit angesaugter Umgebungsluft erst zum richtigen Löschschaum.
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: t-geronimo am 07 Juni 2007, 17:47:49
Das Komet-Luftschaumrohr im Link ist etwas anders aufgebaut als heute übliche Schaumrohre, das das Schaummittel (nicht das Gemisch!!) direkt im Rohr angesaugt wird. ;-)
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Teddy Suhren am 07 Juni 2007, 17:50:48
Oh, sorry Link übersehen.  :|
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Albatros am 07 Juni 2007, 18:00:13
Hallo Josef,

die meisten Deiner Fragen würden sich durch einfaches Googeln beantworten lassen.Zumindest die welche Materialbezeichnungen und deren Bedeutung betreffen.

Gruß, :MG:

Manfred
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Herr Nilsson am 07 Juni 2007, 18:38:03
Hallo Josef,

mit KM wurden die Normen des KMNA (Kriegsmarine Normen-Ausschuss) benannt.



Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Josef am 07 Juni 2007, 19:08:50
Danke für die ersten präzisen Antworten, mit G.f.e.A habe ich eigentlich gar nicht gerechnet.
Bitte weiter so.

@ Albatros
Das mag sein Manfred, aber dann würde das Wissen anderer Interessierter nie erweitert. Vielleicht fällt für Dich ja auch was ab. Freuen wir uns also über dieses Forum.

Freundschaftlich
Josef
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Albatros am 07 Juni 2007, 19:50:16
Hallo Josef,

O.K. ,hast ja recht :MV:,dann will ich mal auch was bei steuern. :-)

Werkstoffbezeichnungen alt-neu http://ww3.cad.de/foren/ubb/uploads/Skeater/Werkstoffe.pdf

Temperguß http://de.wikipedia.org/wiki/Temperguss

Das hilft vielleicht ein bißchen weiter.

Gruß, :MG:

Manfred
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: t-geronimo am 07 Juni 2007, 20:14:45
Noch ein Nachtrag zu Ardexin und Minimaxin aus Wikipedia:

"Ethylenbromid (C2H4Br2, Dibromethan) wurde in Mischung mit Methylbromid angeboten und je nach Hersteller 'Ardexin' oder 'Minimaxin' genannt."
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Peter K. am 07 Juni 2007, 21:09:21
Hallo JOSEF!

Erst ´mal Glückwunsch zum Erwerb der A.B.V.-S- ... die suche ich auch schon einige Zeit!  :wink:

... zum Feuerlöschmittel ARDEXIN noch einige Ergänzungen:
Es bestand zu gleichen Teilen aus Äthylenbromid und Methylenbromid - beide zusammen bewirkten die Erstickung von offenen Flammen. Ersteres war hautwirksam, aber auf trockener Haut aufgrund der schnellen Verdunstung unschädlich. Unter feuchter Kleidung drang es aber in das Gewebe ein und löste Juckreiz bis zur Blasenbildung aus.
Zweiteres war bronchialwirksam, löste also Husten, Schnupfen, Halsschmerzen und Atemnot aus, teilweise sogar Brechreiz und Kopfschmerzen. Dies war jedoch bis zum La Plata - Gefecht nicht bekannt, als ein Treffer Ardexin-Tanks beschädigte! Da diese Symptome mit jenem von Senfgas und Gelbkreuz ident sind, dachte man zuerst, daß die Engländer mit Gasgranaten geschossen hätten!
Außer kleineren Unfällen sind ähnliche Fälle auch an Bord von ADMIRAL HIPPER, wie von THORSTEN bereits erwähnt, und PRINZ EUGEN bekannt.
Literatur:
Nöldeke/Hartmann, Der Sanitätsdienst in der deutschen Flotte im Zweiten Weltkrieg

... zum Begriff "joggeln":
Das ist eine von mehreren Möglichkeiten, Plattengänge zu vernieten. Da duch die Kaltverformung die Dehnungsfähigkeit des Materials verringert wird, wurde diese Art des genieteten Verbindens nur für wenig beanspruchte Teile verwendet.
siehe auch bei Evers, Seite 203

Zitat... was bedeutet z.B. ein ,,S" bei Stg 45 S
... möglicherweise geeignet zur Schmelzschweißung, da bin ich aber nicht ganz sicher!

Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Albatros am 07 Juni 2007, 21:28:36
Hallo Josef,

Flußstahl:Bezeichnung für alle nicht legierten Stahlarten die auf flüssigem Wege z.B. im Siemens Martin Ofen gewonnen werden,ohne Nachbehandlung schmiedbar.


Gruß, :MG:

Manfred
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Albatros am 07 Juni 2007, 21:32:51
Marineleim



Lösung von Kautschuk und Asphalt in Teeröl; wasserdichter Kitt
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Albatros am 07 Juni 2007, 21:47:19
Copalit

Copalit nennt man den ältest bekannten Bernstein er entstand im Trias vor ungefähr 225 -231 Millionen Jahren,
halbflussiges Copalit, eine aus flussigem Copalit in Verbindung. mit einem feinfaserigen Dichtungsstoff .bestehende Dichtungs-. masse,
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: ufo am 09 Juni 2007, 22:45:01
zu Seite 38:

Reinaluminium wird sowohl gegossen als auch geschmieded, gewalzt und gezogen verwended. Es istverhaeltnismaessig gut korrosionsbestaendig, eignet sich aber infolge seiner geringen Festigkeit nur fuer Bauteile mit geringer mechanischer Beanspruchung. Verwended wird es z. B. fuer Munitionspackgefaesse.

Duraluminium ist eine knetbare und verguetbare Legierung des Aluminiums. Es wird zu Blechen, Staeben, Profilen, Schmiede- und Pressstuecken verarbeitet und eignet sich wegen seiner guten Festigkeitseigenschaften auch zu Festigkeitskonstruktionen. Duraluminium enthaelt ausser dem Hauptbestandteil Aluminium etwa 3.5 bis 4% Kupfer, 0.4 bis 1.5% Magnesium, 0.3 bis 1.2% Mangan und etwas Silizium.
[...]

Hydronaluminium und KS-Seewasser werden sowohl als giess- wie auch als knetbare Legierungen geliefert. Hydronaluminium hat gegenueber KS-Seewasser einen hoeheren Magnesiumgehalt (etwa 2.5 bis 8% gegenueber 1.5 bis 3%), beide Legierungen enthalten ausserdem etwa 1 bis 2% Mangan, der Rest ist Aluminium. SIe zeichnen sich besonders durch gute Korrosionsbestaendigkeit gegen Seewasser aus.
Die Festigkeit von Hydronaluminium ist groesser als die von KS-Seewasser. Nachteil ist jedoch bei beiden Legierungen die geringe Dehnung im Gusszustand.

Silumin ist eine Legierung aus 87% Aluminium und 13% Silizium. Infolge seiner guten  Vergiessbarkeit wird es in der Hauptsache als Gussmaterial verwended.

Nach Leitfaden fuer den Artillerieunterricht in der Kriegsmarine, Band II.
Reicht das als Info? Sonst hat's da noch eine Tabelle mit Handelsname, Gattungsbezeichnung und den Festigkeitswerten (Festigkeit, Dehnung, Brinellhaerte) nach Kriegsmarine Normen.

Ciao,
Ufo
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Herr Nilsson am 10 Juni 2007, 02:20:42
Hallo Josef,

die "Schwabacher" wie auch die "alte Schwabacher" findest Du hier.

http://moorstation.org/typoasis/designers/steffmann/index.htm

Zu Feuerlöschmitteln schick ich Dir gleich noch ein paar Scans als E-mail.

Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Josef am 10 Juni 2007, 10:06:18
@ Herr Nilsson

Hallo Marc,
Deine Scans sind angekommen, herzlichen Dank dafür. Vielleicht läßt sich der Schrifttyp "Schwabacher Fraktur" noch von jemandem realisieren, der in 1:50 baut. Deshalb an diese hier der Hinweis, dass nur die Raumbezeichnungen in dieser Schrift gemacht wurden, also z.B. "U 26 Schutzstand" (Schwarze Schrift auf weißem Grund).
Danke auch für Deine Erklärung zu "KM".

@ Ufo
Ja, Deine Erklärungen zu den Alu-Legierungen reichen. Danke auch für die Erklärung zum "bördeln" und den Link zu Expansitkorkstein, Wie bereits gesagt, mit einer Auflösung der Abkürzung "G.f.e.A." hatte ich eigentlich gar nicht gerechnet, aber Ufo weiß es!

@ Albatros
Dir auch besten Dank für die Erklärungen zu Copalit, den Marineleim, zum Flußstahl und die Links. Von Copalit hatte ich noch nie gehört. Ich hatte nur von "Meisterschafts-Baumwollzwirn gelesen", mit dem die innere Regenrinne unterhalb der Scharten der SA-Türme abgedichtet war, den hatte übrigens meine Mutter noch im Nähkasten.

@ peter K.
Danke für dieses "joggeln". Was das "S" bei "Stg S" angeht, so habe ich vorgestern jemanden getroffen, der im Stahlbau tätig ist, er will mir noch Nachricht zukommen lassen, evtl. auch über das bislang noch ungeklärte "überneppen" sowie das "parkern", "bondern" und "atramentieren" in Zusammenhang mit phosphatieren beim Korrisionsschutz. Sobald ich das weiß werde, ich es hier einstellen.

@ t-geronimo, Peter K. und Teddy Suhren
Herzlichen Dank für Eure z.T. schon detailierten Ausführungen und die Hinweise auf die Links in Sachen Feuerlöschmittel und -geräte. Da ist ja einiges rauszuholen. Von Seiten Thorsten mit beruflichem Wissen gepaart, bringen mich Eure Ausführungen wieder einen Schritt weiter.

@ alle
Habe ich was vergessen für das ich zu danken hätte? Das tue ich hiermit!
Nun haben wir wohl wieder einige Punkte, die sich meist in den Rümpfen der KM-Schiffe verborgen halten, geklärt. Danke noch mal für Eure Mitarbeit!!

Freundschaftlich
Josef






Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Josef am 18 Juni 2007, 19:02:38
So Freunde,

wir können nun auch den noch offenen Pkt. 8 aus dem Eingangsstatement abhaken. Dort ging es um die Begriffe  "Bondern", "Atramentieren" und "Parkern" beim Korrisionsschutz der Schiffe. Zur Erläuterung zitiere ich aus: ,,Stahl", Fachbuch  Reihe Band 9, Bundesverband Deutscher Stahlhandel:
"Beim Phosphatieren wird der gereinigte Stahl in eine Lösung von verschiedenen Phosphaten (Zink-, Mangan oder
Eisenphosphat) in Phosphorsäure getaucht oder auch damit bespritzt. Mit dem Stahl bilden sich hell- bis dunkelgraue
Phosphatschichten, die je nach Tauchzeit und Badtemperatur 0,1 bis 10 m  dick sind, sehr fest haften und winzige
Poren enthalten. Je nach Schichttypen (Art der Phosphate) und Schichtdicken unterscheidet man verschiedene
Verfahren, die früher mit besonderen Namen versehen wurden = Bondern, Atramentieren, Granodieren, Parkerisieren.
Heute nach DIN mit Kurzzahl. Im Vordergrund steht die unterschiedliche Verwendung der jeweiligen Schichten. Wegen
der Mikroporen bildet die dünne Phosphatschicht einen ausgezeichneten Haftvermittler für nachfolgende Anstriche."

Bis dann, freundschaftlich
Josef
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: bernd am 19 Juni 2007, 17:19:38
Hallo Josef

zu S3 Flußstahl:

Flußeisen (Fluß-Schmiedeeisen): aus Roheisen mittels Flammofen (Siemens Martinverfahren) oder Birnenverfahren (Bessemer oder Thomas) vollständig entkohlt und desoxydiert. Durch hiernach erfolgenden Kohlenzusatz auf 0,1-0,4 v.H. Kohlenstoffgehalt gebracht,unter 0,08 v.H Silizium.

Infolge der vollständigen Desoxydation nahezu schlackenfrei und wertvoller als Schweißeisen.Hat seit etwa 1890 das Schweißeisen im Schiffbau ersetzt;

wird auch Schiffbaustahl genannt; schweißbar.


Flußstahl wie vor, mit 0,4-1,0 v.H Kohlenstoffgehalt.

Fester aber auch härter als vorgenanntes Material; härtbar

Gruß Bernd

Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: bernd am 19 Juni 2007, 17:31:18
Hallo Josef

zu S4:

St52
St=Schiffsbaustahl  die52=Bruchgrenze 52Kg/qmm

St44NKM
St=Schiffbaustahl die44=Bruchgrenze 44Kg/qmm N=Nieten  KM=Kriegsmarine (Verwendung zur Verbindung von Teilen aus St52)

StC25KM
C=Kohlenstoff (chemisches Formelzeichen C)

Gruß Bernd
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: bernd am 19 Juni 2007, 21:18:48
Hallo Josef

eine genaue Beschreibung zu S137

1)Gasfeuerlöschanlage (Löschflüssigkeit Adrexin)


Die Gasfeuerlöschanlage ist auf den modernen Schiffen in allen Betriebsräumen eingebaut. Angeschlossen sind vielfach auch die Lasten mit Treibstoffen
für Bordflugzeuge. Die Anlage besteht aus einer Druckluftflasche mit einem Druck von 150 atü, einem Druckminderventil, einen Adrexinbehälter,einer Verteilergruppe mit mehreren Ventilen, Rückschlagklappen und Rohren von 6mm Durchmesser, die an ihren Enden mit Düsen versehen sind. Diese Düsen befinden sich in den Räumen über den besonders gefährdeten Stellen und sind durch Drahtkörbe vor BVeschädigung geschützt.
Wirkungsweise: Nachdem der brennende Raum möglichst Luftdicht abgeschlossen ist, wird aus der Flasche Druckluft über ein Druckminderventil auf die
Adrexinflüssigkeit gegeben.Diese Flüssigkeit wird durch die Druckluft über eine Rückschlagklappe in den Verteilerkasten gedrückt. Von hier gelangt die Flüssigkeit über das geöffnete Ventil zu den Düsen des brennenden Raumes. Aus der Flüssigkeit bildet sich nach dem Verlassen der Düsen das Löschgas. Dieser ist schwerer als die Luft, deckt das Feuer ab und erstickt es.
Das Prüfen der Anlage erfolgt durch Messen des Druckes an der Druckluftflasche und Wiegen des Adrexinbehälters. Nach dem Gebrauch wird die Anlage mit Druckluft durchgeblasen und gereinigt.
Die Gasfeuerlöschanlage ist wirksamer als die Schaumfeuerlöschanlage.
Brände, bei denen unter Spannung stehende Teile der E-Anlage betroffen werden, dürfen nur mit Gasfeuerlösch-meistens Handgeräte bekämpft werden,damit die die Geräte bedienenden Soldaten durch den elektrischen Strom nicht gefährdet werden. Die Löschflüssigkeit (Adrexin) der Gasfeuerlöscher ist nicht leitend.
Unnötiger Verbrauch des Löschmittels ist verboten, weil die ausstömenden Gase im kleinen Raum und bei längerem Einatmen gesundheitsschädich wirken.Es muß sichergestellt sein,daß jeder Besatzungsangehörige den eigenartigen, süßlichen Geruch des Löschmittels kennt. Gegen das Löschgas schützt nur der Flottenatmer und nicht die Gasmaske.
Sämtliche Absperrungen der Gaslöschanlage müssen im Ruhezustand geschlossen und gegen unbefugte Benutzung gesichert sein(Blomben oder Schilder "Nur bei Gefahr öffnen!".

Gruß Bernd
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Peter K. am 19 Juni 2007, 21:22:25
Danke für diese dataillierten Angaben, BERND!  :MG:
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 19 Juni 2007, 22:20:55
. 5    Was ist Temperguß (Te)?
         Gußteile werden mit ,,G" bezeichnet
                   - aber was bedeutet das ,,Si" in G Al Si 
G=gallium, Si=Silikon, Te=Tellurium

Es ist wirklich interessant was fuer den Schiffbau verwendet wurde und nun beinah unbekannt ist.  Seht Euch die Reklamen im 1941/42 NAUTICUS mal an: Hydrolanium, Ulminium, Siwernit, Admiro.......
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: t-geronimo am 19 Juni 2007, 22:34:58
Ich denke eher, "Si" bedeutet im deutschen "Silizium" und im englischen "silicon". Kann das sein?  :wink:

Deutsch Silikon ist doch dieses Zeug zum Fugen abdichten und zum Pfusch im Handwerk überdecken (alter Handwerkerspruch: Silikon macht das schon...:-D)
Titel: Re: Begriffe, Werkstoffe etc.
Beitrag von: Ulrich Rudofsky am 19 Juni 2007, 22:43:12
Ja, wie immer, hast Du recht: Si=Silizium ......nicht Silikon wie fuer Brustimplantatkapseln.   :MG: