Forum Marinearchiv

Technik und Waffen => Waffensysteme => Thema gestartet von: Albatros am 03 Januar 2008, 14:53:56

Titel: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 03 Januar 2008, 14:53:56
Tach auch,

es gab ja eine unzählige Anzahl (bis zu 3000  :? werden genannt)von deutschen U-Jägern.Dies waren in erster Linie umgebaute Walfänger,Fischdampfer bis hinunter zu Kriegsfischkuttern die auch mit Wasserbomben ausgerüstet waren.

Jetzt mal meine Frage hierzu,waren die alle mit Horchgeräten ausgerüstet?.Wenn ja,welche Typen waren dies,wie waren die Leistungsdaten?
Es soll ja mal eine neue Auflage vom Gröner geben,ob dies dort behandelt wird?.



Gruß, :MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Peter Strasser am 03 Januar 2008, 15:51:39
Zitat von: Albatros am 03 Januar 2008, 14:53:56
Wenn ja,welche Typen waren dies,wie waren die Leistungsdaten?

Unterwasserortungs- und U-Boot-Bekämpfungsmittel der Kriegsmarine 1939

1. Unterwasserortungsmittel

1.1. Gruppenhorchgerät (GHG)
Entwicklung: seit Mitte der Dreißiger Jahre
Wirkprinzip: passive Geräuschortung
Grundlage: elektrodymamische, elektromagnetische oder Kristallempfänger (KDB-Gerät)
mittlere Anzahl Empfänger: 6 (Hydrophone)
Horchfrequenzen: 0,5; 1;3;6; 10 kHz
Reichweite: gegen anlaufende Torpedos > 2.000 m; gegen Boote mit mittl. Geschwindigkeit 500-700 m

1.2. Schallwellengerät
Entwicklung: ab 1932
Serienreife: ab 1938
Wirkprinzip: aktive Echopeilung
Sendefrequenz: 10; 15kHz
Impulsfrequenz:    300 Hz
Peilgenauigkeit: +/-1°   
Entfernungsmessgenauigkeit: 1%
Reichweite: 4.000-4.500 m Die Reichweite war stark abhängig von der Wassertiefe, den konkreten hydrologischen Bedingungen (Wassertemperatur, Salzgehalt, Dichte) sowie den Eigenbewegungen des Geräteträgers und des Zieles.

Quelle: Richard Lakowski – Die unbekannte Flotte (da wiederum: Diss. V. Brunne)

Weitere Infos in:
Manfred Krellenberg - U-Boot-Jagd im Mittelmeer
Eberhard Rössler - Die Sonaranlagen der deutschen Unterseeboote.
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 03 Januar 2008, 16:06:48
Hallo Peter,

toll,das sind doch mal wieder genaue Angaben,Dank Dir. top
Aber auf welchen Booten oder Schiffen diese im Einsatz waren,hast du wohl leider auch nichts,oder?.

Gruß, :MG:

Manfred

Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 23 April 2011, 18:11:38

Hallo,

hab mal wieder eine Frage...... :-)

Es hat bei der Kriegsmarine unterschiedliche Horchgeräte gegeben . Diese hatten wohl die unten gezeigten Abkürzungen.

(http://img861.imageshack.us/img861/1862/horchgerte1.jpg)

Die vierte Abkürzung scheint mir das GHG zu sein, also Gruppenhorchgerät.

Die Buchstaben G und H kann ich also zuordnen aber die anderen.... :MV:

Kann mir jemand die anderen Abkürzungen bitte mal benennen.

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: redfort am 23 April 2011, 18:46:09
Hi Manfred,
die 2. und 3. Abkürzung lauten K.D.B. ( Kristalldrehbasis ).
Das sind die Geräte die die meistens KFK und U-Jäger an Bord hatten.
Die letzte dürfte das NHG sein ( Nebenhorchgerät ).

Gruss
Axel
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Peter K. am 23 April 2011, 19:30:26
F.H.G. = Fliegendes Horchgerät
K.D.B. = Kristall-Drehbasisgerät
G.H.G. = Gruppenhorchgerät
N.H.G. = Nahhorchgerät, auch als Navigationshorchgerät oder Nautisches Horchgerät bezeichnet; als N.H.G./L mit Lautsprecherzusatz ausgerüstet
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 23 April 2011, 19:39:28
Hallo Axel & Peter, Danke Euch....  top

FHG, dies soll ein Gerät gewesen sein mit dem man nur einen ungerichteten Suchempfang bei still liegendem Boot gehabt hat. Ungerichteter Suchempfang, dass nützt nicht wirklich was oder?

Der Begriff "Fliegendes Horchgerät"........auf einem Boot  :MV: kann man das erklären?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Peter K. am 23 April 2011, 19:45:41
ZitatUngerichteter Suchempfang, dass nützt nicht wirklich was oder?
Na ja, theoretisch kann man damit immerhin feststellen, dass da ´was in der Nähe ist ... allerdings bei unbekannter Peilung und Entfernung ...

Ich bin auf dieses Gerät selber erst durch die entsprechende MDv. gestossen - davor war es mir vollkommen unbekannt!

Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 23 April 2011, 20:02:35
Ja Peter, ich habe dies auch der MDv 934 Handbuch U-Jagd von Big A`s erster DVD entnommen, den Begriff Fliegendes Horchgerät hab ich wohl überlesen.

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Ferenc am 23 April 2011, 20:19:23
Hallo,
Gibt es Abbildungen/Fotos davon.
Vor allem wie die Teile der Anlgen ausserhalb des Schiffes (am Rumpf etc) ausschauen.

Im Anhang ein Bild von der der Unterseite des Rumpfes der TA 36 ex Giuseppe Dezza mit einer mir unbekannten Vorrichtung

Grüße
Ferenc
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Peter K. am 23 April 2011, 21:02:44
Das K.D.B. war ein Ausfahrgerät, G.H.G. und N.H.G. hatten nur Mikrofone im Rumpf ...

ZitatIm Anhang ein Bild von der der Unterseite des Rumpfes der TA 36 ex Giuseppe Dezza mit einer mir unbekannten Vorrichtung.
... vermutlich ein italienisches Gerät, obwohl auch relativ viele deutsche Mob-S-Geräte an die italienische Marine abgegeben wurden ...
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Ferenc am 23 April 2011, 22:57:18
Sorry Fehlerteufel,
TA 35 sollte es heissen und nicht TA 36 (ex Stella Polare)

Das Teil befindet sich genau unter dem Vorderschiff unweit des Buges.

Ferenc
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 23 April 2011, 23:44:50
Mal für alle die die genannte MDv nicht haben.
Das F.H.G. ist schon oben beschrieben
Das ,,Bordwand" K.D.B. = Kristall-Drehbasisgerät ermöglicht eine Richtungsbestimmung ( Peilung) bei still liegendem Boot.
Das K.D.B. = Kristall-Drehbasisgerät ermöglicht eine Richtungsbestimmung ( Peilung ) bei geringer Eigenfahrt.
Das G.H.G. = Gruppenhorchgerät  ermöglicht eine Richtungsbestimmung ( Peilung ) bei mittlerer und hoher Eigenfahrt.
Das N.H.G.( L ) = Nahhorchgerät mit Lautsprecherzusatz, ist für das hören anlaufender Torpedos und die Ermittlung der Angriffsseite bestimmt.


Es kann bei allen Geräten ( bis auf das F.H.G.) die Richtung bestimmt werden, wie gut konnte man mit ihnen denn die Entfernung bestimmen?
Wohl nur sehr ungenau oder?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Thorsten Wahl am 24 April 2011, 18:53:01
Zu guter letzt das Echolot
wenn das getauchte (gegnerische) U boot überfahren wird zeigt dieses die genaue Tiefe (des Uboots) an

Die Schallwellengeräte konnte auch im passiven Sucheinsatz analog GHG genutzt werden, die eingesetzten Mikrophone ware jedoch nicht so empfindlich und Breitbandtauglich wie die des GHG.
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 24 April 2011, 20:42:49
Bliebe noch die Frage nach den Möglichkeiten der Entfernungsbestimmung bei den Horchgeräten und den Schallwellengeräten im Passivbetrieb. Lagen diese Möglichkeiten eventuell nur im Erfahrungsschatz des Bedieners der Geräte ?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 25 April 2011, 16:02:56
Die Frage nach den Möglichkeiten der Entfernungsbestimmung des Zieles bei den Horchgeräten ist scheinbar nicht zu beantworten.
Eine Eingrenzung kann man aber wohl durch die durchschnittlichen Werte der Horchreichweiten beantworten.
Diese lagen zwischen 100 und 10.000 m bei Eigenfahrt 0 abhängig von der Lautstärke des Zieles.
Hierbei ist ein leises Ziel z.B ein U-Boot auf Schleichfahrt, ein lautes Ziel ein großes Kriegsschiff mit hoher Fahrt.
Diese Reichweiten nahmen bei zunehmender Eigenfahrt rapide ab und die erzielbaren Reichweiten waren weitgehend von der Übung des ,,Horchers" abhängig.
Eventuell konnte dieser über die Geräuschsignatur auf die Art des Zieles schließen und damit in Verbindung mit der Lautstärke auf eine ungefähre Entfernung hinweisen, mehr war wohl nicht möglich?
Vielleicht kann ja mal der eine oder andere Aktive oder Ehemalige Mariner mitteilen wie dies heutzutage ist.

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Peter K. am 25 April 2011, 16:37:23
Zitat... die erzielbaren Reichweiten waren weitgehend von der Übung des ,,Horchers" abhängig.

... nicht nur, sondern auch von der Salinität des Meerwassers, der Temperaturschichtung, der Meerestiefe, etc.

Beispielsweise absolvierten die Flottenbegleiter F7, F8 und F10 im Sommer 1939 vor Neustadt eine Ujagdübung mit den neuen S-Geräten. Zwei Tage lang waren diese Boote nicht imstande, einen einzigen Kontakt zu orten. Dann konnte F8 ein 400 m entferntes Uboot auf 10 m Wassertiefe orten. Später gelang es F7 und F10 auf etwa 2.200 m Entfernung ein Echo aufzunehmen, konnten das auf Seerohrtiefe fahrende Boot aber nicht definitiv orten!
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 25 April 2011, 20:56:57
Zitat von: Peter K. am 25 April 2011, 16:37:23
Zitat... die erzielbaren Reichweiten waren weitgehend von der Übung des ,,Horchers" abhängig.

... nicht nur, sondern auch von der Salinität des Meerwassers, der Temperaturschichtung, der Meerestiefe, etc.

Beispielsweise absolvierten die Flottenbegleiter F7, F8 und F10 im Sommer 1939 vor Neustadt eine Ujagdübung mit den neuen S-Geräten. Zwei Tage lang waren diese Boote nicht imstande, einen einzigen Kontakt zu orten. Dann konnte F8 ein 400 m entferntes Uboot auf 10 m Wassertiefe orten. Später gelang es F7 und F10 auf etwa 2.200 m Entfernung ein Echo aufzunehmen, konnten das auf Seerohrtiefe fahrende Boot aber nicht definitiv orten!

S-Gerät, wie gut waren denn hier die Möglichkeiten zur Entfernungsbestimmung des Zieles.
Die von Dir angegebenen Entfernungen 400/2200 m wurden die Durch das S-Gerät der Flottenbegleiter ermittelt oder später anhand der bekannten Positionen der Übungsteilnehmer?
Und wie wichtig war denn damals überhaupt eine genaue Bestimmung der Entfernung zum Ziel durch das S-Gerät oder das Horchgerät. Das Ziel soweit es ein getauchtes U-Boot war musste doch eh von dem U-Jäger überlaufen werden um es bekämpfen zu können.Da war es doch eher wichtig die Richtung und die Tiefe zu wissen als die genaue Entfernung oder ? Wenn man den genauen Zeitpunkt des Überlaufens feststellen konnte war man eventuell schon zufrieden? Die deutsche Kriegsmarine hatte doch keine Distanzwaffen gegen getaucht fahrende U-Boote oder ist mir da etwas entgangen ?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 03 Juni 2011, 17:43:56
In der MDv 934 Handbuch U-Jagd ist in der Fassung von 1944 im Teil III zu lesen das bei Booten mit der schweren U-Jagd-Ausrüstung folgende Unterwasserortungsgeräte an Bord gehören. Ein S-Gerät, ein GHG, ein NHG(L) und ein in kürze an die Front kommendes ST-Gerät. Was bitte ist ein ST-Gerät ?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Schorsch am 04 Juni 2011, 07:07:43
Hallo Manfred,

bei der 1941 entwickelten ST-Anlage handelt es sich um ein fest installiertes Echolot, das zur Bestimmung der Tiefe getauchter Objekte dienen sollte. Dafür waren die zugehörigen Schwinger mit einer Neigung von ca. 25° im Vordersteven des jeweiligen U-Jagdfahrzeuges eingebaut. Die Anzeige erfolgte über Kathodenstrahlröhren. Als Reichweite für das Gerät wurden 1000 m angegeben. Einige Versuchanlagen wurden fertiggestellt, zu einem Fronteinsatz kam es aber nicht. (Angaben nach E. Rössler: ,,Die Sonaranlagen der deutschen Unterseeboote"; S. 117)

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Seekrieg am 04 Juni 2011, 07:29:36
Hallo,
schon zu Kriegsbeginn war das Vorpostenboot, auf dem mein Vater im Ostseeraum im Einsatz war, mit einem ausfahrbaren Horchgerät ausgerüstet. Bei einer Grundberührung wurde es in den Schiffrumpf zurückgewuchtet, was den Horcher zu dem geflügelten Ausruf veranlaßte: "Das Gerät ist im A...!"
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 04 Juni 2011, 08:57:59
Zitat von: Schorsch am 04 Juni 2011, 07:07:43
Hallo Manfred,

bei der 1941 entwickelten ST-Anlage handelt es sich um ein fest installiertes Echolot, das zur Bestimmung der Tiefe getauchter Objekte dienen sollte. 

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

Moin Schorsch,

bedeutet das jetzt das man mit den vorher genannten Geräten dies nicht bestimmen konnte ?

Zitat von: Seekrieg am 04 Juni 2011, 07:29:36
Hallo,
schon zu Kriegsbeginn war das Vorpostenboot, auf dem mein Vater im Ostseeraum im Einsatz war, mit einem ausfahrbaren Horchgerät ausgerüstet. Bei einer Grundberührung wurde es in den Schiffrumpf zurückgewuchtet, was den Horcher zu dem geflügelten Ausruf veranlaßte: "Das Gerät ist im A...!"

Hallo,

laut Antwort # 1 waren diese ja auch schon vor Kriegsbeginn Einsatzbereit.
Wäre schön zu erfahren auf welchem Vorpostenboot Dein Vater eingesetzt war, so könnte man diesem Boot die Ausrüstung zuordnen.

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: AND1 am 04 Juni 2011, 15:06:20
Bei Mannfred Krellenberg U-Boot-Jagd im Mittelmeer
Der Einsatz der 22. U-Jagdflottille

Hatten viele U-Jäger völlig unzureichende Ausrüstung für Unterwasserortung im Mittelmeer.
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 04 Juni 2011, 20:58:03
Zitat von: AND1 am 04 Juni 2011, 15:06:20

Hatten viele U-Jäger völlig unzureichende Ausrüstung für Unterwasserortung im Mittelmeer.

Was wird im Buch beschrieben ?, aus was bestand denn die unzureichende Ausrüstung für Unterwasserortung ?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Schorsch am 05 Juni 2011, 12:15:03
Hallo Manfred,
Zitat von: Albatros am 04 Juni 2011, 08:57:59
Moin Schorsch,

bedeutet das jetzt das man mit den vorher genannten Geräten dies nicht bestimmen konnte ?
...als kurze Antwort kann formuliert werden: Genauso war das.

Meine Erklärung für das Warum sieht so aus:
Als Vorläufergeräte der ST-Anlage kann man die S-Geräte (in den verschiedenen Ausführungen SH, SF, SKH und SKF) ansehen, die als Horizontallote eingesetzt wurden. Mit ihnen waren maximale Reichweiten von bis zu 4300 m zu erzielen, allerdings war wegen der gerätetypischen Eigenschaften (insbesondere der Impulslänge) auch eine Mindestentfernung zum Messobjekt von 200 m zu beachten. Sollte sich ein U-Boot in einer horizontalen Entfernung von 4300 m auf 100 m Tiefe aufhalten, so kann es mit dem S-Gerät erkannt werden, da es sich nur etwa 1,3° unter der Horizontalen befindet. Bei 500 m horizontaler Entfernung ist es bei gleicher Tauchtiefe aber etwa 11,3° unter der Horizontalen und folglich außerhalb der Hauptkeule des S-Gerätes. Damit ist eine Erfassung mit dem S-Gerät nicht mehr möglich. Des Weiteren war die Anzeige im Schiff/Boot mit dem S-Gerät nur für die Erfassung der Entfernung und der horizontalen Peilung eingerichtet.

Das SN-Gerät der U-Boote war für den Nahbereich (30..500 m) zur Erfassung von Ankertau-Minen gedacht und verfügte dafür über eine kürzere Impulslänge als das S-Gerät, um damit eine Abdeckung dieses Nahbereiches zu ermöglich. Allerdings stand auch hier die Schwingerbasis lotrecht, so dass es sich hier ebenfalls um ein Horizontallot handelt und eine Tiefenbestimmung für einen zielgerichteten Wabo-Angriff durch einen hypothtischen, mit einem SN-Gerät ausgerüstetenen U-Jäger ebenfalls nicht möglich gewesen wäre. Ebenso hätte die Suche nach Grundminen durch ein U-Boot/den U-Jäger mit dem SN-Gerät keinen Erfolg gehabt.

Beim ST-Gerät, das die gleiche Impulsfolge wie das SN-Gerät nutzte, waren die Schwingerbasis und damit die Hauptkeule geneigt. Zusätzlich war über einen zweiten Anzeige-Bildschirm die Erfassung des getauchten Bootes durch ein Peilen in horizontaler und vertikaler Richtung möglich.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 05 Juni 2011, 15:21:55
Hallo Schorsch,

Deine Antwort, wie immer  :TU:) Danke Dir! Da die St-Geräte gar nicht mehr zu einem Fronteinsatz kamen kann man die deutschen Unterwasserortungsgeräte wohl tatsächlich nur als unzureichend bezeichnen. Mit der Ausrüstung konnte eine U-Jagd vom Überwasserschiff auf ein getaucht fahrendes Boot natürlich nicht so erfolgreich sein wie die der Alliierten gegen deutsche U-Boote.
Da war das ,,Asdic" des Gegners wohl eindeutig besser.
Das hat mich jetzt schon etwas erstaunt das es hier auf deutscher Seite keine besseren technischen Entwicklungen zu einem früheren Zeitpunkt gegeben hat.

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Schorsch am 06 Juni 2011, 18:10:13
Hallo Manfred,

die ersten Typen des ASDIC, insbesondere der Typ 123 als Horizontallot, entsprechen in ihren Leistungsdaten etwa denen des deutschen S-Gerätes. Insbesondere der "blinde" Bereich, sobald der U-Jäger dem getauchten Boot näher auf den Pelz gerückt ist, war auch bei den frühen britischen Geräten vorhanden und ermöglichte dem einen oder anderen Boot zum Anfang des Krieges das Entkommen. Die Varianten des ASDIC, die später im Krieg eingesetzt wurden (Typen 144Q und 147), waren z.T. auch mit dem ST-Gerät vergleichbar, wurden aber im Gegensatz zum ST-Geräte zur Frontreife gebracht. (Guckst Du z.B. --/>/> hier (http://jproc.ca/sari/asdic_patterns_b.jpg)!)

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 13 Juni 2011, 14:25:11

Mal eine Frage zu der deutschen U-Jagd ganz allgemein.
Die deutsche U-Jagd fand ja vorwiegend, außer im Mittelmeer, im Küstenvorfeld statt dagegen die der Alliierten vorwiegend auf offener See, daher kann man die Taktik wohl nicht vergleichen aber die Technik. Wenn man sie also technisch mit die der Alliierten vergleicht, wo würde sie da stehen ?

Über die Alliierten Erfolge bei der U-Jagd ist vieles wenn nicht sogar alles bekannt, wie Erfolgreich  war dagegen die der Deutschen?

Die britische U-Bootwaffe z.B. hatte in sechs Kriegsjahren auf allen Kriegsschauplätzen 75 Boote verloren, davon alleine 44 im Mittelmeer.
Es gingen 13 weitere Boote verloren die unter britischer Flagge fuhren und zwar 5 französische, 4 griechische, 2 niederländische und je ein polnisches und ein italienisches.
Waren die Verluste die in den deutschen Machtbereich vielen alles Erfolge von deutscher U-Jagd zu Wasser oder waren hier auch erhebliche Erfolge der Luftwaffe beteiligt ?

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Seekrieg am 13 Juni 2011, 18:37:02
Hallo Manfred,
bei den erwähnten Vorpostenboot (Vater war Funker) handelt es sich um Vp.B. 1304, ex "Eisenach", Heimatstützpunkt Stettin.
Mit Gruß Stm.
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 13 Juni 2011, 19:25:20
Hallo Seekrieg, schön das Du Dich noch gemeldet hast.... top

Dann war es ein Boot der 13. Vorpostenflottille 1939 Ostsee, 1940-45 Nordsee und Ärmelkanal ,im Raum Holland. Das Emplem der Flottille, http://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/km/vboote/V-13-Emblem.jpg

Das Schicksal,

In der Nacht vom 6./7.3. 1944 unternehmen Schnellboote der brit. 53. MTB-Flottille einen Vorstoß gegen die dt. Konvoi-Routen vor der niederl. Küste. Sie führen ein Gefecht mit Booten der dt. 34. M-Flottille und versenken dabei mit Torpedo das dt. Vorpostenboot V 1304 ex Eisenach vor Hoek van Holland.

:MG:

Manfred
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: AndreasB am 13 Juni 2011, 19:32:23
Zitat von: Peter K. am 23 April 2011, 21:02:44
Das K.D.B. war ein Ausfahrgerät, G.H.G. und N.H.G. hatten nur Mikrofone im Rumpf ...

ZitatIm Anhang ein Bild von der der Unterseite des Rumpfes der TA 36 ex Giuseppe Dezza mit einer mir unbekannten Vorrichtung.
... vermutlich ein italienisches Gerät, obwohl auch relativ viele deutsche Mob-S-Geräte an die italienische Marine abgegeben wurden ...

Siehe auch hier:

http://crusaderproject.wordpress.com/2009/07/15/german-antisubmarine-equipment-on-italian-vessels/

Alles Gute

Andreas
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: 109 am 14 Juni 2011, 09:14:35
Hi,

gibt es eigentlich Fotos oder Zeichnungen zu dem Ausfahrgerät der "Sonderfernsteueranlage"?

Danke&Grüße,

Bernd.
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: AndreasB am 14 Juni 2011, 20:48:48
Zitat von: Albatros am 25 April 2011, 20:56:57
Zitat von: Peter K. am 25 April 2011, 16:37:23
Zitat... die erzielbaren Reichweiten waren weitgehend von der Übung des ,,Horchers" abhängig.

... nicht nur, sondern auch von der Salinität des Meerwassers, der Temperaturschichtung, der Meerestiefe, etc.

Beispielsweise absolvierten die Flottenbegleiter F7, F8 und F10 im Sommer 1939 vor Neustadt eine Ujagdübung mit den neuen S-Geräten. Zwei Tage lang waren diese Boote nicht imstande, einen einzigen Kontakt zu orten. Dann konnte F8 ein 400 m entferntes Uboot auf 10 m Wassertiefe orten. Später gelang es F7 und F10 auf etwa 2.200 m Entfernung ein Echo aufzunehmen, konnten das auf Seerohrtiefe fahrende Boot aber nicht definitiv orten!

S-Gerät, wie gut waren denn hier die Möglichkeiten zur Entfernungsbestimmung des Zieles.
Die von Dir angegebenen Entfernungen 400/2200 m wurden die Durch das S-Gerät der Flottenbegleiter ermittelt oder später anhand der bekannten Positionen der Übungsteilnehmer?
Und wie wichtig war denn damals überhaupt eine genaue Bestimmung der Entfernung zum Ziel durch das S-Gerät oder das Horchgerät. Das Ziel soweit es ein getauchtes U-Boot war musste doch eh von dem U-Jäger überlaufen werden um es bekämpfen zu können.Da war es doch eher wichtig die Richtung und die Tiefe zu wissen als die genaue Entfernung oder ? Wenn man den genauen Zeitpunkt des Überlaufens feststellen konnte war man eventuell schon zufrieden? Die deutsche Kriegsmarine hatte doch keine Distanzwaffen gegen getaucht fahrende U-Boote oder ist mir da etwas entgangen ?

:MG:

Manfred

Ital. Tp Circe meldete bei Versenkung Circe das auf 2-3 Sm Kontakt gemacht wurde. Siehe Bericht von Circe in Weichold's Akten.

Fuer P.38 1.800 m (http://crusaderproject.wordpress.com/2010/05/22/sinking-of-hm-submarine-p-38-23-february-1942/)

Ct Da Mosto meldete Kontakt auf 4.200m bei erster Uebung (http://crusaderproject.wordpress.com/2009/07/15/german-antisubmarine-equipment-on-italian-vessels/)

Alles Gute

Andreas
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Seekrieg am 25 Juni 2011, 07:30:52
Hallo Manfred,
im Umgang mit Internet und dem Forum bin ich (72) leider noch nicht perfekt und nur am Wochenende präsent.
Zu 1304: Mein Vater (Lehrer) mußte alles aufschreiben, also blieb mir das K.-Tagebuch 1304 mit den Fahrten bis 1941 (Weserübung, Transportbegleitung für "Seelöwe" u. a.). In der "DDR" wurde nur russische Heldenliteratur verlegt. Andere Schriften waren schon im Besitz höchst gefählich. Was kann ich jetzt noch damit machen? Die Verlage wollen nicht, weil  die möglichen Leser, die alten Kameraden, schon auf große Fahrt gegangen sind. Außerdem ist das KTB unspektakulär (keine "Bismarck" usw.). Dabei haben die braven Boote als Einzelkämpfer viel geleistet.
Das KTB von M 575 liegt im Museum in Hamburg. Man hat mir auf meine 3 Briefe nicht einmal geantwortet! Was soll man da machen?

Wahrschau und Gruß von
                                 Jürgen
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Zerstörerfahrer am 25 Juni 2011, 15:39:43
Moin Jürgen,

im Historischen Marinearchiv haben wir schon einige Erlebnisberichte von Veteranen. Siehe hier: http://historisches-marinearchiv.de/sonstiges/sonstiges.php#Erlebnisberichte
Evtl. könnten wir das persönliche KTB deines Vaters dort unterbringen. Es wäre zu schade, ginge dies verloren.

Grüße
René
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: t-geronimo am 25 Juni 2011, 15:44:50
Das finde ich eine sehr gute Idee und würde meine volle Unterstützung anbieten!  :O/Y
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Peter K. am 25 Juni 2011, 15:52:27
... fände ich toll!  top
Titel: Re: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Albatros am 25 Juni 2011, 20:28:02
Zitat von: Seekrieg am 25 Juni 2011, 07:30:52
Hallo Manfred,
im Umgang mit Internet und dem Forum bin ich (72) leider noch nicht perfekt und nur am Wochenende präsent.
Zu 1304: Mein Vater (Lehrer) mußte alles aufschreiben, also blieb mir das K.-Tagebuch 1304 mit den Fahrten bis 1941 (Weserübung, Transportbegleitung für "Seelöwe" u. a.). In der "DDR" wurde nur russische Heldenliteratur verlegt. Andere Schriften waren schon im Besitz höchst gefählich. Was kann ich jetzt noch damit machen? Die Verlage wollen nicht, weil  die möglichen Leser, die alten Kameraden, schon auf große Fahrt gegangen sind. Außerdem ist das KTB unspektakulär (keine "Bismarck" usw.). Dabei haben die braven Boote als Einzelkämpfer viel geleistet.
Das KTB von M 575 liegt im Museum in Hamburg. Man hat mir auf meine 3 Briefe nicht einmal geantwortet! Was soll man da machen?

Wahrschau und Gruß von
                                 Jürgen

Hallo Jürgen,

wäre schön wenn Du Dich mit Renés Vorschlag anfreunden könntest und mit Thorsten hättest Du die bestmögliche Hilfe.

:MG:

Manfred
Titel: Aw: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Harry64 am 18 September 2024, 17:04:38
Moin,

ich hatte letztens mal wieder im immer noch interessanten Buch von M. Krellenberg geblättert und darin den Hinweis gefunden dass die U-Jäger im Mittelmeer um vor anlaufenden Torpedos gewarnt zu werden NHG und TAG (Torpedoanzeigegerät) erhielten.
NHG wurd weiter oben erklärt aber was hatte es denn mit dem TAG auf sich? Auch eine Anzeige auf einer braunschen Röhre?
Titel: Aw: Horchgeräte auf U-Jägern der Kriegsmarine?
Beitrag von: Schorsch am 18 September 2024, 18:30:07
Hallo Harry,

ein schneller Literaturhinweis zum Thema: das TAG wird z.B. in E. Rössler: "Die Sonaranlagen der deutschen Unterseeboote", Bernard & Graefe, 2006 auf S. 87 besprochen. Deine Vermutung, dass es sich dabei um eine optische Anzeige handeln würde, ist richtig, allerdings erfolgte die Anzeige der Anlaufrichtung über eine sektorale Visualisierung in vier Hauptanlaufrichtungen mittels Glimmlampen. Zusätzlich erfolgte noch eine Ausgabe via Lautsprecher.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch