In der Nacht des 02.Novembers 1942 fand das Seegefecht in der Kaiserin AUgusta Bucht statt. Adm Omori versuchte dabei die Alliierte Landung zu verhindern bzw. zu stören. Adm Stanton Merrill führte seinen Verband erstmals aus dem sog. CIC (Combat Information Center), quasi dem Vorläufer der heutigen Operationszentralen. Diese Führung vom Radarschirm aus war ein Novum.
Fragen: Welche Radargeräte wurden genutzt? Wann und wo wurde diese Taktik geprobt? Was wurde aus Adm. Merrill, von dem ich in der Literatur nicht viel mehr gefunden habe als dass er diese Schlacht gewann. HAt jemand vielleicht eine schematische Darstellung der Schlacht?
Hoffnungsvoll auf Antworten wartet
Axel
Hast Du den Morison Band 6?
Da ist eine Kurzbio von Merrill drin.
Wenn nicht, gebe ich sie später abends mal kurz rein.
Auf alle Fälle wurde er im Juni 1944 Director Office Public Relatios Navy Department - nicht gerade ein Frontjob, wie mir scheint...
"Die von den Amerikanern in dem nun folgenden Gefecht bewiesene Führungskunst war einzigartig." Potter in Nimitz/Potter/Rohwer: Seemacht, S. 791. Die zentrale Führung zumindest der 4 Kreuzer durch Merrill per Sprechfunk muss wohl ganz gut geklappt haben. Über die Radaranlagen habe ich nichts gefunden. Die meisten amerikanischen Schiffe (die ersten vier Kreuzer der CLEVELAND-Klasse und knapp ein Dutzend der ersten FLETCHER-Zerstörer) sollten aber up-to-date ausgerüstet gewesen sein, da erst ca. 1 Jahr vorher in Dienst gestellt.
... zum Seegefecht in der Kaiserin-Augusta-Bucht, auch Seeschlacht in der Gazellenbucht genannt, am 02.11.1943, nicht 1942:
http://de.wikipedia.org/wiki/Seeschlacht_bei_der_Kaiserin-Augusta-Bucht
http://www.microworks.net/pacific/battles/empress_augusta_bay.htm
Eine brauchbare Skizze findet sich in
Vincent O´Hara,
The U.S. Navy against the Axis
ISBN 1-59114-650-X
Radarausstattung der U.S. Kreuzer:
MONTPELIER
Ortung: 1 x SC/SC-1, 1 x SG/SG-1 (11/42)
Feuerleit: 2 x Mk. 8 Mod. 1 auf Mk. 34, 2 x Mk. 4 auf Mk. 37 (11/42)
CLEVELAND
Ortung: 1 x SC/SC-1 (43)
Feuerleit: 2 x Mk. 3 auf Mk. 34, 2 x Mk. 4 auf Mk. 37 (01/44)
COLUMBIA
Ortung: 2 x SG/SG-1 (11/42)
Feuerleit: 2 x Mk. 3 auf Mk. 34, 2 x Mk. 4 auf Mk. 37 (11/42)
DENVER
Ortung: 2 x SG/SG-1 (01/43)
Feuerleit: 2 x Mk. 3 auf Mk. 34, 2 x Mk. 4 auf Mk. 37 (01/43)
Im Morison sind 4 Skizzen für die unterschiedlichen Abschnitte des Gefechts drin - aber ich habe leider keinen elektronischen "Abmaler"...
Zum Gefecht gibt es auch ein Kapitel im Buch eines Matrosen von der USS COLUMBIA (oder MONTPELIER?), der (widerrechtlich) während des Krieges Tagebuch geführt hatte. Jetzt muß ich mich nur noch erinnern, wie das Buch und der Autor heißen. Die Aktion ist sehr spannend beschrieben, aus der Sicht eines Matrosen, was selten ist, es war die erste Operation wo alles so ging, wie man es sich wünschte (zumindest aus der Sicht der Amerikaner, die Japaner wären damit bestimmt nicht einverstanden).
Hi Axel ! :MG:
ZitatZitat: "Was wurde aus Adm. Merrill, von dem ich in der Literatur nicht viel mehr gefunden habe als dass er diese Schlacht gewann".
Zitat:
"Vice Admiral Aaron S. Merrill (1890-1961) war ein bedeutender Cruiser-Destroyer und Commander Task Force während des Zweiten Weltkriegs, bemerkenswerte Erfolge ................."Hier wird über den Verbleib des Schiffes USS Merrill (DD 976) und Vize-Admiral Aaron S. Merrill (1890-1961) berichtet.
Hier der Link:
http://translate.google.com/translate?hl=de&sl=en&u=http://navysite.de/dd/dd976.htm&sa=X&oi=translate&resnum=3&ct=result&prev=/search%3Fq%3DAdmiral%2BMerrill%26hl%3Dde%26sa%3DG
Gruß Michael
@all
Danke für die Antworten, den Potter habe ich selber, bei Morison muss ich ider Fchbücherei mal nachsehen
Irgendetwas muss bei Merill ja schief gelaufen sein, wenn er auf eine Büroverwendung abgeschoben wurde.
Die Radarausstattung sieht in der Tat nach dem modernsten aus, was man damals bekommen konnte, erstaunlichist aber, dass Merill aus dem Nichts auftauchend (und wohl wieder dahin verschwindend) dieses Gefecht so brilliant geführt hat.
Heutzutage läuft das ja alles mittels Link und so weiter, für damals war es wohl ein echtes Novum
Nochmals, Danke :MG:,
Axel
Vorsicht mit der Annahme "schief gelaufen", viele erfolgreiche amerikanische Offiziere wurden an frontferne Positionen versetzt, ohne dass damit rgendeine Kritik an ihrer Tätigkeit verbunden war - und oft zum Leidwesen ihrer unmittelbaren Vorgesetzten, die dafür unerfahrene Offiziere bekamen. Blair, Silent Victory, gibt dafür zahlreiche Beispiele aus einer so speziellen Laufbahn wie der amerikanischen U-Boot-Waffe!
Viele hoch spezialisierte Offiziere wurden aber auch strafversetzt, weil man sie aus den verschiedensten Gründen für nicht mehr tragfähig befand oder einfach ruhiog stellen wollte.
Beispiel: Vor der Schlacht um Midway gelang dem amerikanischen Funkaufklärungsdienst die Entschlüsselung der japanischen Absichten, maßgeblich dafür war Cdr. Joe Rocheford. Zunächst in washington belächelt wurde er nach dem Erfolg der Schlacht zum Spielball von Intrigen (denn jetzt war plötzlich jeder der "Kopf dahinter"), befördert und Kommandant eines Schwimmdocks (!) an der Westküste. Erst spät im Krieg wurde er wieder der Aufklärung zuversetzt.
Angeblich waren sein wenig soldatisches Auftreten (conduct unbecoming an officer) und seine - gelinde gesag - unkonventionelle Lebensweise der Grund, doch das gilt als vorgeschoben.
Immerhin wurde er posthum mit hohen Auszeichnungen versehen, da hat er sich bestimmt gefreut...
Axel
@Axel,
ich sag nur Jack Fletcher.
Merrill hat nach der Augusta-Bucht auch ordentlich sein "Fett" abbekommen. Schaut mal die Operation genau an. Schon kurz nach Eröffnung des Gefechts operierten 3 US-Verbände unabhängig, oder besser gesagt ohne Zusammenhalt. Eine einheitliche Führung war nicht mehr vorhanden.
Die schon ein Jahr zuvor beklagte Mentalität, daß größte Ziel konzentriert zu beschiessen, kam auch hier wieder zur Anwendung. Alle 4 US-Kreuzer schossen sich auf "Sendai" ein, was absolut unnötig und unsinnig war. Merrill wurde wegen des abartig hohen Munitionsverbrauchs gerügt, der in keinem Verhältnis zum Erfolg stand. Genau betrachte, haben die US-Kreuzer nur am Anfang des Gefechtes wirklich etwas getroffen ("Sendai"). Im weiteren Verlauf des Gefechtes hat die amerikanische Seite ihre technische Überlegenheit keinesfalls zum tragen bringen können.
Der Erfolg Merrills bestand darin, daß sein Gegenüber Omori noch planloser agierte und seinem eigenen Verband durch wildes Manövrieren mehr Schaden zufügte als die Amerikaner und die amerikanische Seite erstmals in einem Nachtgefecht zwischen Kreuzern und Zerstörern keine Niederlage erlitt. Das war aber definitiv nicht der Verdienst von Merrill. Nicht umsonst wurde Omori nach seiner Rückkehr sofort seines Kommandos enthoben. Die Japaner wußten warum.
Ich behaupte mal, daß Merill gegen einen Mikawa oder Tanaka ziemlich alt ausgesehen hätte.
ZitatAlle 4 US-Kreuzer schossen sich auf "Jintsu" ein, ...
ZitatGenau betrachte, haben die US-Kreuzer nur am Anfang des Gefechtes wirklich etwas getroffen ("Jintsu").
Hmmm, war das nicht die SENDAI?
@Peter,
jep. Kommt davon, wenn man da und dort liest. Danke für die Verbesserung!
@spee
Stimme Dir zu, was das Ergebnis der Schlacht betrifft. Merills Neuerung und somit der erste "Gewinn" eines Nachtgefechts war ja schließlich, dass er aus der rudimentären OPZ führte, das Radarbild auswertete und danach seine Einheiten manövrierte. Omori war ein echtes "Mehlauge", die Kommandoenthebung mehr als gerechtfertigt.
ZitatIch behaupte mal, daß Merill gegen einen Mikawa oder Tanaka ziemlich alt ausgesehen hätte.
Das vermag ich nicht zu beurteilen, gegen ein gut geführtes Radargefecht waren die Nachtgefecht ansonsten überlegenen Japaner deutlich im Nachteil.
Dazu kommt die Unsicherheit auf Seiten der IJN über die wahren Absichten der Amerikaner, die ja, um von Bougainville abzulenken, ein Battaillon Marine-Paras auf Choiseul abgesetzt hatten, mit dem expliziten Auftrag, auf sich aufmerksam zu machen und Kräfte zu binden. Vielleicht erklärt das ja, warum nicht die erste Garde gegen Merill antrat
Axel
@Axel,
ich zitiere mal aus Wikipedia (durchaus gut recherchiert zu diesem Gefecht):
"Merrills Manöver waren komplizierter als Omoris Wendungen. Jedoch konnte er seine Kreuzer von den japanische Torpedos fernhalten, was eine wichtige Leistung war, und seine Kreuzer schossen nicht auf eigene Schiffe, eine weitere Leistung. Es ist auch ein wenig bemerkenswert, dass das radargestützte Feuer am Anfang so effektiv war und dann so ineffektiv für das Ergebnis der Schlacht. Die vier Kreuzer feuerten 4.591 Schuss 6"- und 705 Schuss 5"-Granaten. Während der kurzen Phase, in der die japanischen Kreuzer involviert waren, war ihr visuell gesteuertes Feuer viel besser als das radargestützte amerikanische. Auf alle Fälle erlitten die Japaner die größeren Schäden, viele von ihnen selbst zugefügt, und konnten weder ihre taktischen noch die strategischen Ziele erreichen."
Da steht ganz deutlich, wie erfolgreich Merrill war. Gut gelenkt war das amerikanische Feuer definitiv nicht. Sobald die Japaner optischen Kontakt hatten, waren sie die besseren. Insgesamt eine wenig erbauliche Leistung Merrills und damit ich bleibe bei meiner Behauptung :-) .
Ich wil Dir ja nicht widersprechen, es war nach meinen Kenntnissen aber in der Tat die erste Schlacht unter Radarleitung. Dass da Anfangs noch nicht alles rund lief ist klar, aber der Anfang war gemacht, bis hin zu den heutigen digitalen OPZ selbst auf kleinsten Einheiten.
Auch ist bemerkenswert, wie schnell die USN die Neuerung Radar adaptiert hatte. Das zeichnet sie übrigens während des gesamten Krieges aus. Neuerungen und "lessons learned" wurden sehr schnell umgesetzt (z.B. Schiffsicherung nach der Korallensee, hier: Befüllen der Flugkraftstoffleitungen mit inertem Gas, was mit zur unglaublichen Standfestigkeit der "Yorktown" bei Midway beitrug)
@Axel,
absolut richtig. Im Bereich "Analyse" und "Reaktion darauf" macht den Amerikanern keiner etwas vor. Da sind sie seit gut 100 Jahren allen anderen vorweg.
Wußtest du z.B., daß die Amerikaner auch wegen deiner Fachrichtung zum Bau der "Michigan's" übergingen? War mir neu, aber typisch amerikanisches Denken und verdammt richtig!!
Für die Feuerleitung auf den 4 Kreuzern kann man Merrill nicht verantwortlich machen, außer, dass er möglicherweise bestimmt hat, auf welche "Blips" zu schießen ist. Die Gefechtsleitung wird wohl eher darin bestanden haben, Fahrtstufen und -kurse bestimmt zu haben und das hat er gut gemacht, weil es Treffer auf seinen Kreuzern erst spät in der Schlacht gegeben hat, und eben keine Topedotreffer.
Das war eine brandneue Flotte mit brandneuen Crews. Und: Merrill hat trotzdem letztendlich gewonnen.
Also mal nicht so negativ sein, Thomas :-D
@Ekke,
Merrill ist Verbandsführer und damit für seinen Verband verantwortlich (die 4 leichten Kreuzer waren schon etwas länger beisammen). Die Sache hätte schon besser geführt werden können/müssen. Gewinnen, weil der Gegner versagt ist nicht besonders ehrenhaft.
Negativ will ich's ja nicht sehen, eher realistisch.
@Leutnant Werner
ZitatFür die Feuerleitung auf den 4 Kreuzern kann man Merrill nicht verantwortlich machen, außer, dass er möglicherweise bestimmt hat, auf welche "Blips" zu schießen ist.
Feuerleitung ist auch nicht die Aufgabe ds Verbandführers, das ist Sache der einzelnen Einheiten, die Zielzuweisung dagegen sehr wohl. Mir ist nicht bekannt, ob die USN zu der Zeit auf den beteiligten Einheiten bereits neben den SC - Radargeräten (Suchradar) auch schon die Feuerleitradargeräte installiert hatte. Wenn, dann nur ganz kurz vorher, und die Besatzungen waren damit nicht vertraut. Wenn optisch geschossen wurde würde sich das schlechte Shießergebnis erklären, die USN-Optiken zu der Zeit waren nicht unbedingt die Speerspitze des Fortschritts.
Axel
@ AXEL
Wie ich weiter oben schon schrieb, waren alle vier Kreuzer mit Feuerleitradar ausgestattet, MONTPELIER sogar schon mit modernstem Mk.8 Mod.1, die anderen mit Mk.3 - und zwar seit etwa einem Jahr. Hier nochmals die Liste:
MONTPELIER
Feuerleit: 2 x Mk. 8 Mod. 1 auf Mk. 34 (11/42)
CLEVELAND
Feuerleit: 2 x Mk. 3 auf Mk. 34 (01/44)
COLUMBIA
Feuerleit: 2 x Mk. 3 auf Mk. 34 (11/42)
DENVER
Feuerleit: 2 x Mk. 3 auf Mk. 34 (01/43)
@PeterK.
Stimmt, hatt eich überlesen, aber dennoch war das Ding noch zu neu, um die Besatzungen a: damit vertaut zu machen und b: um ihnen auch Vertrauen in die Anlage zu geben. Ich denke, der Verlauf dieser "Schlacht" war gut dazu geeignet
Axel