Gab es im 2.WK irgendwelche Schleppeinrichtungen (Haken, Ketten oder ähnliches) gegen U-Boote?
Wie meinst Du das? Wie eine riesige Angel? Oder wie soll ich mir das vorstellen? :?
Oder wie bei der Minenräumung?
Hallo,
das erinnert mich an "Below-Da unten hört dich niemand schreien" (http://www.filmstarts.de/produkt/35859,Below%20-%20Da%20unten%20h%F6rt%20dich%20niemand%20schreien.html) einen U-Boot Film angesiedelt im Horror-Genre. Bei Filmstarts wird eigentlich alles über das Filmchen geschrieben was es zu erwähnen gibt. Da jagen die bösen deutschen Zerstörer das amerikanische U-Boot auch mit einer riesigen Stahlkralle. Ziemlicher Unfug der Film aber die Auflösung warum und wieso fand ich dann zur Abwechslung gar nicht mal so schlecht, ist aber wie gesagt kein Kriegsfilm. :-)
Grüße
Tri
Sogenannte "U-Boot-Drachen" bzw. "U-Boot-Sprengdrachen" sind mir nur aus dem Ersten Weltkrieg bekannt ...
Die Italiener hatten dafür ihre "Torpedini", geschleppte U-Boot-Abwehr-Schleppkörper (Paravanen ähnlich), die eigentlich für die eigenen Schiffe gefährlicher waren als für die U-Boote, vor allem beim Einsetzen, Aufholen und beim Kurswechsel. Selbst die sehr erfolgreichen Korvetten der GABBIANO-Klasse waren mit diesen Monstrositäten bewaffnet, einzig gute daran war die Winde dafür, die man später bei der Minenjagd nutzen konnte. Obwohl vom System her veraltet, gab es mehrere Versionen von "Torpedini", für tiefes Wasser, flaches Wasser, normales Wasser usw.
Ja richtig, die "torpedini da rimorchio", besser bekannt als "Ginocchio" - hatte ich glatt vergessen!
DANKE für den Hinweis!
Mir sind 4 verschiedene Typen bekannt:
- T.R. 30/1916 l.A.
- T.R. 30/1917 l.A.
- T.R. 46/1927 G.P.
- T.R. 46/1927 B.F.
... und hatten die Franzosen auf der LE HARDI - Klasse und Torpedobooten nicht auch derartige U-Jagd-Schlepptorpedos?
Danke für eure Ausführungen :TU:), also gab es Geräte dieser Art.
Ist solch ein Gerät im 2.WK eingesetzt worden?
Hallo Michael,
ich habe da noch eine Information gefunden, die Deine Frage beantworten sollte.
In seinem Buch ,,U-Boot Verluste" schreibt Paul Kemp, dass bei der Versenkung von U 678 im Ärmelkanal, das nach Wasserbombenangriffen auf Grund liegende Boot, obwohl bereits Wrackteile und Leichenfetzen an die Oberfläche gekommen waren, noch nicht als sicher versenkt angesehen wurde. Um dem Boot den Rest zu geben, setzten die Angreifer (HMCS Ottawa, HMCS Kootenay und HMS Statice) in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli 1944 neben Wasserbomben auch ,,ein Sprengschleppgerät ein, das der Kommandant der Ottawa, Capt. P.D. Prentice, entwickelt hatte und das aus einer an einer langem Leine geschleppten Wasserbombe mit einem Greifhaken bestand. Wenn der Haken griff, wurde die Bombe gezündet." Allerdings werden über die Effektivität der Waffe keine Aussagen gemacht.
Viele Grüße
Schorsch
Hij Schorsch, danke für deine Antwort top, sie wirft bei mir gleich weitere Fragen auf.
Wurden Haken immer mit Wasserbomben bestückt, hatten alle Schiffe solche Vorrichtungen an Bord oder nur bestimmte und wie darf ich mir eine 300-1b-Minol-Wasserbombe vorstellen?
Gruß Michael
Hallo Michael,
zuerst einmal die gesicherten Fakten, die ich gefunden habe. Die 300-lb-Angabe bezieht sich auf das Ladungsgewicht der Wasserbombe, wahrscheinlich auf volle Hunderter gerundet, da die Mark VII Heavy exakt 290 lb (132 kg) Amatol, ab Dezember 1942 eine entsprechende Menge eines als Minol bezeichneten, stärkeren Sprengstoffes enthielt. Die Gestalt der Mark VII war ein Zylinder von etwa 45 cm Durchmesser und 70 cm Länge mit einer Masse von 258 kg. Diese Mark VII Heavy wurde Ende 1940 eingeführt und blieb die Standardwasserbombe der Royal Navy bis Kriegsende. Als Vernichtungsradius (Aufreißen) gegen einen aus 22 mm starken Stahl bestehenden U-Boot-Rumpf wird 7,9 m angegeben, bis 15,8 m waren noch schwere Schäden am Boot zu erwarten. Die erreichbare Sinkgeschwindigkeit betrug 5,1 m/s. Die einstellbaren Tiefen für die Zündung wurde im Kriegsverlauf bis auf ca. 300 m gesteigert. Über Ablaufgerüste oder Wurfeinrichtungen (ca. 50 m Reichweite) wurden die Bomben ins Wasser gebracht. (Quelle: Campbell: ,,Naval Weapons of WWII", S. 88ff.)
Ich vermute, dass die beschriebene Schleppeinrichtung eine Einzelentwicklung darstellt, die imho nur auf der HMCS Ottawa zum Einsatz kam, weil nun 'mal deren Skipper diese Idee entwickelt hatte. In diesem Sinne deute ich jedenfalls die Wortwahl, mit der die ,,Waffe" beschrieben wird. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass mit dieser Variante eine hohe Effizienz bei der U-Boot-Jagd erreicht werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
Nachtrag: Amatol ist ein gießfähiges Gemenge aus TNT und Ammoniumnitrat in verschiedenen Mischungsverhältnissen von 80/20 bis hin zu 20/80. Das TNT bringt in der Mischung die Brisanz, ist aber schwer herzustellen und damit sehr teuer und außerdem defizitär beim Sauerstoff, das Ammoniumnitrat dagegen als weniger explosiver, aber extrem billiger Füllstoff und Sauerstoffträger gleicht diesen Mangel aus. Gibt man diesem Gemisch noch ca. 20 % Aluminiumpulver hinzu, so wird der Abbrand des Gemisches verzögert und man erhält Minol. Die geringere Abbrandgeschwindigkeit macht Minol ideal für Sprengkörper, die unter Wasser gezündet werden, da der längere Impuls hier destruktiver wirkt, als der kurze Impuls hochbrisanter Explosivstoffe.
Das ist sehr ausführlich :TU:) Danke Schorsch! :=D>
Diese Variante wurde wohl auch nur in bestimmten Einzelfällen eingesetzt, wie beschrieben.
Schade, dass es nicht mehr Berichte über diese Vorgehensweise gibt.
Gruß
Michael
Hallo zusammen,
wegen Ronys --/>/> Frage (http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,13805.msg154936.html#msg154936) habe ich in der M.Dv. 934 geblättert und da ist mir in der Ausgabe von 1941 folgender Abschnitt untergekommen, der hier noch zur Abrundung des Themas beitragen könnte, wenngleich der letzte Eintrag in diesem Thread schon gewisse Zeit zurückliegt:
"II. Der Ubootsdrachen (U.D.)
...
43. Der U.D.A. wird nach Aufbrauch der W.B. gefahren. Seine Verwendung bietet nur dann eine gewisse Aussicht, wenn die Ortung des Uboots, insbesondere eine Ortung mit der S-Anlage vorliegt. Wegen der geringen Suchbreite des U.D.A. ist ein neuer Mehrfach-U.D. entwickelt, der in Verbindung mit der S-Anlage größere Erfolgsaussichten verspricht."
In der Ausgabe der M.Dv. von 1944 ist der Ubootsdrachen nicht mehr erwähnt.
Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
Bei den Franzosen war der Ginocchio-Schlepptorpedo auch auf den Torpedobooten der "La Melpomène"-Klasse an Bord.
Sie wurden aber wohl nie im Ernstfall eingesetzt und kamen nach 1940 auch nicht mehr an Bord. Vermutlich gilt letzteres auch für die "Le Hardi"-Klasse.
Hier der UDA Unterwasserdrachen aus den Seekriegsanleitungen Sperrwaffen von 1940
(http://i277.photobucket.com/albums/kk45/genkideskan/Scheinziel/UDA.jpg)
Hier das englische Modell aus dem 1. WK. ( Whitehead so auch in Frankreich eingeführt)
(http://i277.photobucket.com/albums/kk45/genkideskan/Scheinziel/UKandFranceAUG09993Small.jpg)
(http://i277.photobucket.com/albums/kk45/genkideskan/Scheinziel/UKandFranceAUG09995Small.jpg)
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