Moin Hans,
heute vormittag an anderer Stelle in Zusammenhang mit einem Bananenjäger gelesen: ... das Schiff erreicht mit einem XYZ-Diesel mit ..PS auf Bananentiefgang eine Geschwindigkeit von ...
Ich weiß, das die mit Körperkraft beladenen Schiffe jeweils große Luken in der Bordwand hatten, durch die auf oft schwankenden Planken die braunhäutigen Jungs die Stauden ins Schiff auf die Laufbänder brachten ... aber wo liegt, bzw. wie erkennt man den Bananentiefgang?
Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
Hallo Wilfried
Der Ausdruck Bananentiefgang ist mir nicht geläufig aber ich glaube er ist entstanden um die reine Beladung mit Bananenstauden darzustellen.
Diese Kühlschiffe konnten aber auch andere Früchte wie Pampelmusen, Orangen usw. zuladen und hatten dann einen anderen Tiefgang.
1966 war ich 2. Offizier auf einem Bananenjäger der Hamburd - Süd - die "Cap Valiente".
Damals wurden die Bananen noch in Stauden verladen - heute werden nur einzelne Bananenhände in Kartons verfrachtet.
In Kartons kann ein Kühlschiff wesentlich mehr Bananen mitnehmen.
Bei den Stauden durften nicht mehr als 6 übereinander gestapelt werden, weil der Druck Wärme erzeugt hätte, die wiederum Fermentation in der Banane erzeugt hätte.
Schon damals kamen die Stauden per Fliessband an Bord und wurden per mobilen Aufzügen in den verschiedenen übereinanderliegenden Decks verteilt - dann wurden sie allerdings von Hand gestaut.
Bei den heutigen Multi-Purpose Kühlschiffen werden die Bananen auch in Kühlcontainern verschifft.
Die zu verfrachteten Bananen werden 3/4 reif geschlagen - die Schnittstellen versiegelt man damit kein Sauerstoff eindringen kann.
Nach den Beladen mussten die Laderäume innerhalb von 24 Stunden auf genau 10 Grad Cel. abgekühlt werden - man nennt das Reduktionszeit.
Bei dieser Temperatur schläft die Banane und die Temperatur muss auf +/- 2 Zehntel gehalten werden.
Wird sie zu sehr unterschritten stirbt die Banane, bei höherer Temperatur reift sie.
Bei Vollkühlschiffen werden alle 4 Stunden Proben aus verschiedenen Bereichen der Laderäume entnommen, es wird eine Banane zerbrochen und die Innentemperatur gemessen
An den Bruchstellen wird die Banane manuell zusamengedrückt und wieder auseinandergezogen, wobei sie sie Fäden ziehen muss. Ausserdem muss sie wie eine Schlangengurke innen riechen.
Nach Anlandung kommen die Bananen in vorgekühlte Kühlhäuser, wo sie nach Bedarf innerhalb von 24 Stunden gereift werden können.
Bei den Transport von Bananenstauden, traten vereinzelt, Fermentationsnester auf, die sofort entfernt werden mussten, da die bei der Fermentation entstehende Wärme alle anderen Bananen wie eine Epedemie ansteckte.
Gab es viele Nester wurde der Kühlluft 3 atomiger Sauerstoff zugesetzt (O 3). Man führte die Kühluft über einen Lichtbogen, bei dem 3 atomiger Sauerstoff entsteht.
Die damaligen Kühlschiffe hatten Horizontalkühlung, die heutigen die wesentlich bessere Vertikalkühlung
Die bereits gereiften Bananen wurden natürlich an die Mannschaft verfüttert, es gab morgens , mittags und abends Bananen und wir hatten tagelang Dünnschiß. Schon der Anblick einer Banane erweckte in uns Mordgelüste. :/T(
Lach nicht, wir hatten damals einen sehr erfahrenen Kapitän, der so glaube ich, selbst mal Banane war.
Der hat uns Offiziere so mit Fruchtkenntnissen getrietzt, daß ich noch heute das Seelenleben vieler Früchte kenne. :-D
Sein Wissen war Gold wert, denn er hatte die geringsten Ausfallqoten. (1,6 - 1,8 % der gesamten Ladung)
Zum Schluss : Es gibt weltweit 12 Arten von Bananen, sogar rote. (Allein in Costa Rica gibt es 4 Sorten)
Dies ist ein schönes Thema, das in meinen Unterboard "Kapitän Hans erklärt" bestens passen würde.
Dort soll ja eine Wissenssammlung entstehen, die leicht im Forum zu finden ist. Wenn ihr Fragen über Dinge in der Handelsschiffahrt habt, so stellt sie mir dort
und ich werde versuchen alles zu beantworten
Es wäre schön, wenn einer unserer sehr fähigen Administratoren, diesen Thread dorthin transportieren könnte, damit er nicht
in den Tiefen des Forums verloren geht. :?
Beste Grüße
Hans
:MG:
:O/Y
Moin Hans,
danke für Deine ausführlichen Erklärungen; hier noch mal ein Zeitungsartikel zur Thematik, der im letzten Teil der Grund für meine Frage ist ..
http://www.abendblatt.de/extra/service/944949.html?url=/ha/1967/xml/19670715xml/habxml670709_1460.xml
Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
ZitatAusserdem muss sie wie eine Schlangengurke innen riechen.
und wie bitte riecht die :?
Axel
Hallo Wilfried
Die Polar Klasse waren damals die modernsten Kühlschiffe der Welt mit Vertikalkühlung.(Leider bin ich auf keinem gefahren)
Sie wurden aber auch zum Transport für "Chilled Beef" aus Argentinien eingesetzt.
Schockgefrorene Rinderhälften werden bei - 18Grad (+/- 1 Zehntel Grad) transportiert, das konnten wir auf der "Cap Valiente" nicht.
Der Wert einer solchen Ladung lag bei 60 Mio DM.
Natürlich hatte sie bei Rinderhälften einen größeren Tiefgang (daher wohl der Ausdruck Bananentiefgang) und eine geringere Geschwindigkeit.
Auf der "Polar Uruguay" gab es auf der Reise von Buenos Aires nach Hamburg im Südatlantik einen Zusammenbruch der Generatoren.
Um das Verderben der Ladung zu verhindern mußte sie Kapstadt anlaufen um dort eine Stromversorgung von Land zu bekommen, bis die Dieselgeneratoren repariert wurden.
Beste Grüße
Hans