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Seekrieg allgemein => Sonstige Zeit => Thema gestartet von: Mario am 22 Mai 2005, 12:19:00

Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Mario am 22 Mai 2005, 12:19:00
Nur noch wenige Tage, dann jährt sich zum einhundertsten Mal die berühmt gewordene Schlacht bei Tsushima. Doch was war so besonderes an dieser Schlacht ???
Es war seit langer Zeit die erste große Schlacht zwischen zwei starken Flottenverbänden. Die daraus gezogenen Erkenntnisse revolutionierten den Kriegsschiffbau der nächsten Jahre gewaltig. Auch politisch kam es zu großen Umwälzungen. Doch zunächst zur Vorgeschichte.

Russland als große europäische Militärmacht hatte starke Interessen im fernen Osten. Als das aufstrebende japanische Kaiserreich seinen Blick auf den asiatischen Kontinent zu richten begann, folgten zwangsläufig die ersten Konflikte mit Russland. Japan bemühte sich um Einfluss in Korea, doch die Russen waren ihnen zuvorgekommen. Am 08. Februar 1904 begann der Krieg mit einem Überraschungsangriff auf Port Arthur. Die japanische Kriegserklärung folgte am Tag darauf. Die japanische Flotte blockierte die russischen Häfen und unterstützte die Überführung der japanischen Armee nach Korea. Erst am 10. August versuchte die russische Fernostflotte, nach Wladiwostok durchzubrechen, aber aufgrund ihrer geringen Geschwindigkeit wurden sie von den Japanern gestellt, geschlagen und nach Port Arthur zurückgedrängt. Anfang 1905 fiel die Festung schließlich in japanische Hände, die verbliebenen Kriegsschiffe der Russen versenkten sich in Hafen selber.
Schon einieg Wochen zuvor hatte sich die russische Ostseeflotte auf ihren 8.000 Seemeilen langen Weg in den fernen Osten gemacht, wo sie am 27. Mai 1905 vor der Inel Tsushima eintraf.
Auf dem Papier war sie klar überlegen. Acht russische gegen vier japanische Linienschiffe. Sechs gepanzerte Kreuzer gegen acht auf japanischer Seite. Allerdings litten die russischen Schiffe unter den Auswirkungen der langen Reise. Die Geschwindigkeit des Verbandes betrug höchstens noch 10 knoten, überall waren Kohlehaufen aufgetürmt, die die Stabilität negativ beeinflussten. Das japanische Feuer war verheerend, sie verwendeten neue moderne Granaten. Außerdem nutzte der japanische Befehlshaber Admiral Togo auf der MIKASA seine überlegene Geschwindigkeit, um sich quer vor dem russischen Verband zu setzen und damit sein gesamtes Feuer auf die Führungsschiffe der Russen zu verteilen, während bei den Russen nur die ersten Schiffe das Feuer erwidern konnten. Innerhalb kurzer Zeit war die Hälfte des russischen Geschwaders vernichtet, der Rest wurde in der darauffolgenden Nacht von japanischen Torpedobooten gejagd und vernichtet. Lediglich sechs Schiffe konnten in neutrale Häfen entkommen, darunter die AURORA, die nach Manila entkam. Zwei Torpedoboote erreichten schließlich noch ihren Bestimmungshafen Wladiwostok. Die Japaner versenkten insgesamt 21 Schiffe. Über 5.000 Russen fielen, über 6.000 gerieten in Gefangenschaft. Die Japaner hatten nur wenige hundert Mann verloren.
Mit der Vernichtung der russischen Seestreitkräfte in Port Arthur und bei Tsushima verloren die Russen alle Möglichkeiten zur Fortsetzung des Krieges und mußten am 05. September 1905 einem Friedensvertrag zustimmen und weite Teile Ostasiens an die Japaner abtreten.

Bei der Seeschlacht bei Tsushima erwies sich das schwere Geschützfeuer über eine Entfernung von bis zu 7 km als besonders verheerend. Nach dieser Schlacht gingen alle Flotten daran, ihre Linienschiffe mit einer einheitlichen Artillerie auszurüsten. Der Vorteil der hohen Geschwindigkeit und einer guten Panzerung wurde ebenfalls erkannt.
Politisch gesehen war zum ersten Mal eine europäische Großmacht von einem asiatischem Volk geschlagen worden. Japan wurde zur militärischen Großmacht, die im Verlauf der nächsten 40 Jahre eine Reihe weiterer verheerender Kriege führen sollte.

Nachtrag:
Ich möchte diesen Beitrag meiner japanischen Freundin Miyako widmen, deren Großvater an dieser Schlacht an Bord des japanischen Flaggschiffes MIKASA teilnahm.
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Ralf am 31 Mai 2005, 13:43:11
Da hem se ne schmer kregen, die Russens...

Die Miaksa liegt doch noch in einem japanischen hafen, oder?
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Scharnhorst66 am 31 Mai 2005, 15:57:22
Hallo Ralf ,
das gute Schiff heisst Mikasa ..

mit dem Museumsschiff haste recht .. schau hier :

http://www.midwaysailor.com/mikasa/index.html
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Ralf am 31 Mai 2005, 16:25:53
Ups, da habe ich die Wechstaben verbuchselt oder Buchwechsel verstabelt... Passiert mir dauernd! :oops:
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Scharnhorst66 am 01 Juni 2005, 07:29:52
Das liegt an den dicken grossen Fingern , die Ihr Handballer immer habt :-)   !!
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Ralf am 01 Juni 2005, 14:15:19
Das musste ja wieder von Dir kommen!  :twisted:
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Scharnhorst66 am 01 Juni 2005, 15:51:34
nimms nicht so ernst - hast ja schon richtig erkannt :
konnte nur von mir kommen !!  :-) :-)
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Scharnhorst66 am 01 Juni 2005, 15:56:25
Aber zum eigentlichen Thema zurück ..

Wieso war man noch in der Lage die Mikasa zu Restaurieren ??

Haben die Amerikaner sie nicht als Ziel identifiziert und / oder vergessen ??
Ansonsten ist doch alles von den TF in den Häfen versenkt worden ??
Titel: 100. Jahrestag der Seeschlacht bei Tsushima
Beitrag von: Ralf am 01 Juni 2005, 16:32:44
Auch eine gute Frage... Wo sind die Japan-Experten?

@SH: Ich verstehe schon Spaß! :D