Unfälle auf Schulschiffen

Begonnen von Ulrich Rudofsky, 24 Januar 2011, 21:59:33

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Ulrich Rudofsky

Seit den letzteren zwei Unglücken auf der GORCH FOCK wundere ich mich wie das bei den Segel -und Motorschulschiffen anderer Nationen aussieht.  Zum Beispiel, bei  einer langen "Googelei"  nach Unfällen auf der USCG EAGLE finde ich keine Stürze aus den Rahen aufs Deck oder  ins Wasser, obwohl  ich das kaum glauben kann; in der nahen Vergangenheit verunglückten einige USCG Kadetten per Auto oder Motorrad.  Die USCG EAGLE (ex HORST WESSEL) fährt nun seit 75 Jahren unter zwei Flaggen.   In dieser Zeit muss es doch einige tödliche oder furchtbare Stürze gegeben haben.  Weiss jemand wie es auf den anderen Schwester-Schulschiffen zugeht?

USCG: http://www.uscga.edu/display.aspx?id=2558  http://coastguardnews.com/coast-guard-announces-the-cutter-eagle%E2%80%99s-2011-summer-deployment-schedule/2010/11/17/

NB: Die US Naval Academy und die US Merchant Marine Academy haben keine sogenannten Schulschiffe und Kadetten erhalten ihre Seesemester auf aktiven Kriegs- bzw. Handelsschiffen.  Mit Jahrgängen von ca. 1000 Kadetten(inen) ist das ja per Schulschiff unmöglich, und m.M.n. wahrscheinlich sowieso besser mit diversen Aussbildungsmöglichkeiten.   Man hört sogar, dass ein paar US Naval Academy "middies" mit den "coasties" auf der EAGLE mitfahren dürfen! ..... In der USN sagt man, dass ein 'coastie' mindestens 1.60 sein muss, weil wenn das Boot sinkt, kann er zu Fuss nach Hause gehen.  :MLL:

Einige USA 'Bundesländer' unterhalten "Maritime Colleges/Academies" (z.B. New York, Massachusetts, California usw.) und haben ihre eigenen Schulschiffe:  TS EMPIRE STATE VI  http://www.sunymaritime.edu ;  TS KENNEDY http://www.maritime.edu/ http://www.maritime.edu/seaterm/ ;  TS GOLDEN BEAR  http://www.csum.edu/

Ulrich Rudofsky

ufo

Ganz so weiss wie ihre Segel ist ihre Weste nicht. Zumindest als Horst Wessel hat sie allein aus der Crew 37b zwei Kadetten auf dem Gewissen, die sie im schwerer See aus ihrer Bramrah geschuettelt hat. Kaum ein Crewbuch aus jenen Jahren, welches nicht vorne ein, zwei Todesanzeigen mit drin hat.
Wir leben auch einfach in einer Gesellschaft wo selbst Unfalltod erfreulich selten ist.

Aus Berichten ehemaliger Horst Wessel Fahrer in Crewchroniken meine ich zu entsinnen, dass mehrfach angemerkt wird, dass die Coast Guard die Horst Wessel entschieden 'zaghafter' segele als die Kriegsmarine das getan hat und auch die Bundesmarine das mit ihrer Gorch Fock tut.

Ob's gut, ob's schlecht - wer mag das sagen ...

Ufo   

Big A

Aus eigenem Erleben kann ich sagen, dass Dienst auf See immer mit Verletzungsrisiko verbunden ist, auf der GF war ich selbst 5 Tage im Lazarett, nachdem ich an Deck ausgerutscht und auf Deck geknallt bin: kurze Ohnmacht, Gehirnerschütterung (aha, das erklärt manches... :-D), drei Wochen später, kurz vor Einlaufen zu Hause, rutscht einTampen vom Nagel und knallt mir ins Gesicht. Ist halt so, dass mal was passiert, hat man so hingenommen.
Und zum Aufentern wurde niemand gezwungen, am ersten Tag sollte jeder unter strengerAufsicht versuchen, zumindest die erste Saling zu erreichen. Wer es nicht nicht konnte hatte keinerlei, ich wiederhole, keinerlei Nachteile.

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

F.B.

Hallo,

eins ist aber auch klar, früher wurde in meinen Augen auch "härter" gesegelt. Nicht nur auf Frachtseglern auch auf den Schulschiffen sowohl der Kriegs- als auch der Handelsmarine. Da braucht man sich nur mal Berichte über Windjammer durch zulesen. Die Sicherheit wurde nicht ganz so groß geschrieben (z.b.kein Gurtzeug beim arbeiten auf der Rah) und vieles vorüber sich heute aufgeregt wird war damals einfach Berufsrisiko!!!!!

:O/Y

ufo

Das bezieht sich nun nicht auf die Geschwister der Gorch Fock aber mal so ein, zwei Gedanken zu dem Thema:

Eigentlich ist das ja auch gar nichts was wirklich auf die Seite "Aus Aller Welt" gehoert. Der toedliche Sturz aus dem Mast ist erstmal ein tragischer Arbeitsunfall, wie die immer mal vorkommen koennen. Wenn das auf einem Ukrainischen Kadettenschulschiff passiert, wird das kaum ueber den Reuters Ticker hinauskommen. Da hoeren wir hier auch einfach nichts von

Ja, auch bei anderen Nationen fallen Menschen aus der Takelage zu Tode. Mal so kurz aus dem Gedaechtnis aus Britannien: Ziviles Kadettenausbildungsschiff TS Royalist, erst im Fuehsommer letzten Jahres. Und ich meine mich zu entsinnen, dass die Hollaendische Albatross etwa Mitte der 2000er einen Seemann vor Southend aus der Takelage verloren hat. Ich bin mir sicher, wenn man Russische oder Ukrainische Zeitungen stoebert, wird man auch da irgendwo unter 'Vermischtes' immer Mal von Unfaellen auf Segelschulschiffen lesen.


Dass das mit der Gorch Fock nun so riesig gross 'News' geworden sind; Futter fuer eine immer hungrige Presse, das haengt ja auch mit dem Rest Schmutzige Waesche zusammen, der dazu auf einmal aufgetaucht ist.

Aber auch das ist in Situationen, wo eine Menge junge Leute in einer (notwendigerweise!) sehr belastenden Ausbildungssituation mit aelteren, erfahrenen Ausbildern zusammengestopft werden, nicht ungewoehnlich. Da ist die Linie zwischen mal troesten und sich sexuelle Freiheiten herausnehmen, da ist die Linie zwischen notwendigen Druck ausueben und Schikane immer duenn, immer reissbar.
Es verlangt hoch qualifizierte Ausbilder und einen extrem robusten Kodex, damit es da nicht zu Uebergriffen kommen kann. Versagt das System kann es haessliche Szenen geben. Hier ist das zum Beispiel der Deepcut Barracks Skandal gewesen mit einer langen Liste an Selbstmorden und genug schmutziger Waesche, als dass die Vorwuerfe in Sachen Gorch Fock nach geklauten Fruehstueckeiern aussehen.

In Deutschland mit seiner Lari-Fari Armee wo man Freitag um eins zu Mama fahren darf, ist die Gorch Fock praktisch die letzte Ausbildungsstelle, die ueberhaupt eine Situation so engen Kontakts unter so belastenden Bedingungen erzwingt. Bei anderen Nationen, die sich weniger Buerger in Uniform und mehr Soldaten halten (Fremdenlegion der Franzosen, einige Britische Einheiten) sind eben auch bestimmte Ausbildungskasernen anfaellig fuer Fehlentwicklungen.

Man wird sehn was dran ist. Und ausdruecklich: das sind bisher Anschuldigungen – oft anonym, manchmal aus der Trauer und dem Schmerz einen kurz zurueck ligenden Todefalles heraus. Da ist nichts bewiesen! Es waere wirklich schoen, wenn die Presse mal sieben Tage lang die Fresse halten koennte.

Ufo

Trimmer

Jens  -  top

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

ufo

Zitat von: Big A am 25 Januar 2011, 07:01:57
Aus eigenem Erleben kann ich sagen, dass Dienst auf See immer mit Verletzungsrisiko verbunden ist, auf der GF war ich selbst 5 Tage im Lazarett, nachdem ich an Deck ausgerutscht und auf Deck geknallt bin: kurze Ohnmacht, Gehirnerschütterung (aha, das erklärt manches... :-D), drei Wochen später, kurz vor Einlaufen zu Hause, rutscht einTampen vom Nagel und knallt mir ins Gesicht. Ist halt so, dass mal was passiert, hat man so hingenommen.
...
Axel

Ja, aber hat sich die Zeit nicht doch sehr, sehr gewandelt seit jenen Tagen (Neine, Nein  - ich hab Dich jetzt nicht 'Opa' genannt; also, jedenfalls nicht so direkt. :-D)? Vermutlich haben ein, zwei Mann der Stammbesatzung sich damals sogar ausgeschuettet vor Lachen als Dich der Tampen ausknockte. Mobbing! Zeter und Mordio!

Waerst Du aber damals mit einem blauen Auge zum Wehrbeauftragten gerannt, haette der Dir vermutlich recht vaeterlich erklaert, dass Tischler oder Bankier auch eine recht erfuellende Karriere sein sollen.

Heute geht das nicht mehr. Heute koenntest Du mit genau dem selben Ereignis erzwingen, dass jeder Kadett, der moechte ein Anrecht auf einen Darth Vader Helm hat fuer Segelmanoever. Das schuetzt zuverlaessig vor Tampenschlaegen ins Gesicht.

Wir haben in Deutschland (im normalerweise recht kriegsluesternen Albion uebrigens drolligerweise auch!) die putzige Situation, dass Kriegfuehren in letzter Instanz von Zivilisten gemacht wird. Jede militaerische Entscheidung kann zivil angefochten werden; jeder Befehl hinterfragt. Und das wird auch gemacht. Nicht weil Deutschlands Jugend boesartiger, unpatriotischer oder fetter geworden ist. "Das ist nicht fair" zu schreien ist einfache ein Stueck Westlicher Kultur geworden.

Haettest Du Dir vor dreissig Jahren auf der Gorch Fock den Knoechel verknackst, waerest Du in deine Haengematte gehumpelt und haettest gehofft, dass es niemand gesehen hat. Heute nimmst Du die Namen der Zeugen auf und ueberlegst ob Du die Marine, Blohm und Voss oder den Herrgott verklagen sollst.

Das man das Heutzutage kann ist ein Stueck persoenlicher Freiheit und Fortschritt! Die Art aber wie mit dieser Freiheit umgegangen wird laehmt von Sportveranstaltungen zum Kirchenkaffe, vom Jugendzeltlager bis zum Ausbildungsbetrieb viele gesellschaftliche Strukturen.

Ufo

Captain Hans

Hallo UFO

bin ganz deiner Meinung und schön geschrieben top top

es liegt in der Natur der Sache daß das Leben an Bord eines Schiffes etwas gefährlicher ist.
Dies gilt aber auch fürs Baugewerbe und ganz normal für den Starßenverkehr.

Bei den vielen Verkehrstoten müßte der Verkehrsminister doch jede Woche zurücktreten.
Fällt einer vom Baugerüst tritt ja auch nicht gleich der Bauminister zurück.

Für mich ist das Ganze eine Flucht aus Eigenverantwortung, Selbstkritik und Leistungswillen.

Wenn alle Stricke reißen war eben der Tunneleffekt bei der Geburt Schuld an meinem Fehlverhalten.

Also ,Gott sei Dank, Mamma war Schuld nur ich nicht.

viele Grüße

Hans

,Nur wer sich ändert,bleibt sich treu"!!!
,,Nicht was du bist,ist das was dich ehrt,wie du bist,bestimmt den Wert"!!!

Big A

Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Bugsierstefan

@ Hans, Ufo Trimmer und Ralf,

ich kann Euch nur beipflichten! Das meinte ich, wenn ich in meinen vorherigen Ergüssen die Gesellschaft in diesem Lande beschrieb!
Ihr sprecht mir aus der Seele!
Wie sagte ein alter Grenzschutzkamerad zu mir: "Ja Ja, kann die Ente nicht schwimmen, gibt sie dem Wasser die Schuld!"
Wohl wahr!

Viele Grüße, Bugsierstefan

Tonio

Bravo, Zulu an Alle;

absolut richtige Kommentierung. Die "Journallie" wie immer ohne Ahnung und den "Hauch" von fundierter Recherche.

Tonio

oekonom

...das ist das Leben der Matrosen, von dem kleinsten und gemeinsten ja bis rauf zum Kapitän...  :MLL:

Jetzt aber im Ernst: Das Vorfälle untersucht werden müssen, dagegen spricht meiner Meinung nach nichts. Das Konsequenzen erst nach einer Untersuchung stattfinden sollten hätte KTG wissen müssen. Jedenfalls gilt das für echte Wissenschaftler: Erst untersuchen, dann bewerten.
Das der Ton auf See etwas rauer ist, als an Land ist auch bekannt. Allerdings sollten sich Offiziere, Unteroffiziere und Anwärter schon vorbildlich verhalten und dazu gehört auch ein gepflegter Ton. Dass sexuelle Belästigung nicht zu einem vorbildlichen Verhalten gehört, ist wohl klar. Sollche Dinge dürfen in keinster Weise geduldet werden. Das unterscheidet den Menschen vom Tier.
Das es überall in unserer Gesellschaft heute ratsam ist immer seinen Anwalt dabei zu haben ist für mich ebenfalls irritierend. Ich wurde letztens verwarnt, weil ich meinen Umschülern empfohlen habe Arbeitsgruppen zu bilden und ihnen Hausaufgaben aufgegeben habe, damit sie die Prüfung besser schaffen.  :?  Nun jetzt gewähre ich denen das Recht auf Faulheit und dem Prüfungsausschuß das Recht schlechte Noten zu verteilen, bzw. sie durchfallen zu lassen.

Auf die vielen Grautöne zwischen schwarz und weiß

freut sich Matthias

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