Seelöwe und Kunstraub

Begonnen von kalli, 13 September 2012, 13:44:00

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kalli

In den im Krieg von der Wehrmacht besetzten Ländern wurde viel Beute gemacht. Zum einen war dies eine Grundlage, um den Krieg überhaupt fortsetzen zu können. Zum anderen wurde systematisch Raub an Kunst- und Kulturgütern betrieben. In einem Artikel über die ,,Beuteorganisation" des Auswärtigen Amtes (ja die auch !) ,veröffentlicht in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte, (1997, Heft 4) stieß ich auf einen interessanten Aspekt, der mit der Operation Seelöwe im Zusammenhang steht. In der Vorbereitungsphase von Seelöwe wurde bereits eine Liste zusammengestellt, was in britischen Museen und jüdischen Privatsammlungen (Rothschild, Sir Philip Sassoon, Sir Joseph Duveen u.a.) zu beschlagnahmen sei. Darunter war sogar eine Liste englischer Vollblutpferde...

Mario

Ein typischer Fall eines Felles, welches schon verteilt wurde, bevor der Bär erlegt ist.  ;)

Urs Heßling

hi,

aus der Erinnerung, Quelle z.Zt. nicht greifbar: im Zusammenhang mit "Seelöwe" soll es auch eine Liste der zu verhaftenden Personen gegeben haben.
Auf ihr stand - unter Anderem - auch der bereits am 23.9.1939 in London verstorbene Dr. Sigmund Freud.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Alberich

Wehe dem Besiegten. Das war früher so und ist auch heute noch genauso. Beute machen ist jahrtausendealtes Siegerrecht. Das wird sich nie
ändern, auch nicht in Zukunft.

RePe

#4
@Urs:

Die Liste (sehr wahrscheinlich eine Kopie) befindet sich in London, im Imperial War Museum , im
Untergeschoss.

     RePe

ufo

Die Liste kann man sich inzwischen auch einfach ins Regal stellen. Der SS General Walter Schellenberg produzierte in Vorbereitung fuer die Besetzung der Britischen Insel ein Handbuch fuer die Besatzungssoldaten mit Informationen zu Kultur, Geographie, unliebsamen Personen, zu bsetzenden Plaetzen, Gebaeuden, Dienststellen und so weiter. Davon wurden wohl einige Tausend Exemplagre gedruckt, die aber dann halt nicht gebraucht wurden.

Die Mehrzahl davon fiel einem Bombenangriff auf Berlin zum Opfer und einige wenige wurden 1945 von den Briten erhascht.
Die waren ueber viele rassich oder national gepraegte Vorurteile und Missgriffe sehr erheitert und waren ueber relativ viele sehr exakte Aufklaerungsergebnisse bezueglich der Britischen Spionage, Abwehr und Kommandostruktur ziemlich entgeistert. Die Buecher verschwanden flugs im Giftschrank.

Erst relativ spaet veroeffentlichte dann der Herausgeber John Erickson Walter Schellenbergs Buch mit der Verhaftungsliste im Anhang. Gibt es inzwischen fuer eine Handvoll Cent antiquarisch zu kaufen.

Ufo

ufo

Zitat von: Alberich am 13 September 2012, 19:04:01
Wehe dem Besiegten. Das war früher so und ist auch heute noch genauso. Beute machen ist jahrtausendealtes Siegerrecht. Das wird sich nie
ändern, auch nicht in Zukunft.

Hmmm ... Ich muss gestehen, dass ich diese truebe Sicht der Dinge nicht teile. Klar ist die Welt weit davon entfernt perfekt zu sein aber ich denke die Verarbeitung eines Krieges hat sich in der Zeit zwischen den Weltkiregen erheblich geaendert; die menschliche Zivilisation ist erheblich vorangekommen.

Natuerlich ist das nicht perfekt gelaufen nach 1945. Natuerlich schlummern geklaute Kunstschaetze immer noch teils recht unverschaemt ausgestellt in den falschen Laendern. Aber insgesammt sehe ich uebers 20. Jahrhundert einen deutlichen Trend zum Besseren.

Ich sehe das weniger negativ.
Ufo

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