Selbstmord

Begonnen von hillus, 03 Januar 2014, 18:28:51

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hillus

Moin,

wie gerade auf dem Portal der russischen Seekriegsflotte berichtet wurde:

Vizeadmiral im Ruhestand Jurij Ustimenko hat sich mit einer Auszeichnungspistole in der Nacht zum 3. Januar in St. Petersburg erschossen, teilte die Nachrichtenagentur Nowosti mit.

"Heute seit dem Morgen wurde es bekannt, dass sich Vizeadmiral im Ruhestand Jurij Ustimenko mit einer Auszeichnungspistole erschossen hat", teilte der Gesprächspartner der Agentur mit.

Daten seines Lebens

Jurij Gawrilowitsch Ustimenko ist am 19. Mai 1944 in der Siedlung Wladimir Region Primorje geboren worden. Im Jahre 1967 beendete er die Seeoffiziersschule für Funkelektronik Namens "Popow", 1973 die höchsten speziellen Offizierskurse der Kriegsmarine und 1978 die Seekriegsakademie Namens "Gretschko" beendet.

1984-1987 zunächst Chef des Stabes, dann Befehlshaber des 7. OPESK der Nordflotte.
1992 1. Stellvertreter des Befehlshabers der Nordflotte
1995 Kommandeur der Höchsten speziellen Klassen der Seekriegsflotte an der Seekriegsakademie

Der war Teilnehmer der lokalen Kriege und der Militärkonflikte in Ägypten, Angola, Somalia, Jemen, Vietnam, auf Seychellen, im Roten Meer und dem Persischen Golf.

Er wurde mit hohen Auszeichnungen für seine Dienste geehrt!

Bis bald!

hillus

der erste

#1
Ustimenko war mir sehr sympathisch. Ich habe seine Biografie unter dem Titel" Im Dienst kannst Du dich nicht verweigern" gelesen. Danach hat er auch immer gelebt und gleichzeitig auch offen seine Meinung gesagt und Misstände angeprangert. Er lernte den Beruf eines Präzisionsgeräteschlossers in einer Uhrenfabrik, war Signäler auf einem Minensucher in der baltischen Flotte. Seine erste Dienststellung hat er sich nach der Offiziersschule selbst besorgt (anders kann man das nicht nennen, und wenn man die Verhältnisse in der sowj. Flotte kennt, dann hat das auch so funktioniert). Er war dann bis 1969 GA IV Kommandeur auf dem Zerstörer "Nesokrushimy" (Prj.56A- Kotlin Klasse) in der Nordflotte, von 70-72 ältester Gehilfe des Kommandanten auf dem Zerstörer "Sosnatelnyi" (Prj.56A-Kotlin Klasse) in der Schwarzmeerflotte, 1972-1973 Hörer der höheren Kurse. Von 1973-76 war er Kommandant des großen Raketenschiffs "Prozorlivy" (Prj.56U- Kildin-mod.). 1974 -76 war er ältester Gehilfe auf dem großen UAW Schiff "Otschakov" (Prj.1134B -Kara Klasse)/, dann Hörer an der Seekriegsakademie und ab 1978 Kommandant des großen UAW Schiffes "Tallinn" (Prj.1134B-Kara Klasse) der Pazifikflotte. Ab 1983-1987 war er Chef des Stabes und Kommandeur der in Kamran/Vietnam liegenden sowjetischen Überwasserschiffsbrigade. 1987 - 1991 Chef des Stabes des 17. operativen Geschwaders im indischen Ozean, 1991-1992 Kommandeur des operativen Geschwaders der Nordflotte im Atlantik. 19992 besuchte er einen Kurs an der Generalstabsakademie und war ab 1992 1.Stellvertreter des Chefs der Nordflotte. Da er sich 1995 weigerte die Dienststellung des Chefs der Nordflotte zu übernehmen wurde er 1995 Kommandeur der höheren Kurse in St. Petersburg, machte dort noch seinen Doktor und ging 1999 außer Dienst. Die Begründung für die Ablehnung der Dienststellung des Chefs der Nordflotte war folgende: " Ich möchte nicht, das mein Name mit den hier vorhanden Unregelmäßigkeiten in Verbindung gebracht wird." Es war die Jelzinzeit, alles ging drunter und drüber, die Flotte zerfiel. Er war der einzige Admiral, der sich offiziell gegen die Entsendung von Einheiten der Marineinfanterie der Nordflotte nach Tschetschenien aussprach, sie war ihm unterstellt. Er war auch der einzige, der dem damaligen Korvettenkapitän Kasatonov (dessen Vater und Großvater Admiral war, unter denen Ustimenko diente), empfahl die Flotte zu verlassen, da er für einen Dienst in der Flotte unbrauchbar wäre. Später gestand er ein, das wohl doch ein vernünftiger Offizier aus Kasatonov geworden sei, als dieser zum Konteradmiral ernannt wurde.
Schade, das er so starb, aber er war schwer an Krebs erkrankt und erschoss sich, als seine Frau außer Haus war Gäste begleitete. Ein Seeoffizier, der die meiste Zeit seines Dienstes an Bord verbrachte. Seine Asche soll auf dem Meer verstreut werden. Mein Mitgefühl seiner Familie.
http://topspb.tv/news/news30487/

RonnyM

...ob hillus uns mal den Begriff "Auszeichnungspistole" näher erläutern kann... :?

Grüße Ronny
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

der erste

#3
Bin zwar nicht Jochen, aber ich übernehme mal den Part. Das ist eine Auszeichnung, die für besondere militärische Verdienste verliehen wird. Konkret ist es hier eine personalisierte Waffe, eine Makarov Pistole mit Gravur. Es kann in anderen Fällen aber auch ein Revolver, Säbel, Degen, Dolch oder Jagdgewehr sein. In der russischen Armee besteht diese Tradition seit dem Jahr 1642. Es gibt diesen Brauch heute in der russischen Armee, in Bjelorussland, in Kirgisien, Armenien. Geregelt ist das alles in den Waffengesetzen der entsprechenden Republiken. In Russland können folgende Waffen als Ehrengeschenk verleihen werden:
Als Revolver - Nagant, OZ-01 "Kobalt", R-92, OZ 11 "Nickel", als Pistole-TT, Makarov, PSM, PMM, P-96M, GSCH-18, PJA, OZ 26 und OZ 27. Seit 2011 können auch ausländische Pistolen überreicht werden: Glock 17, Parabellum P-08, Beretta 92 FS und CZ-75 BD. Bis Oktober 2012 waren ca. 12.000 Ehrenwaffen als Auszeichnung verliehen worden. Es ist aber nicht so, das dann damit auch jeder mit den Dingern umgehen kann wie er will. Sie gelten als persönliche Waffe, sind registriert und unterliegen genau wie jede andere Waffe den gesetzlichen Regelungen. Man braucht sie eben nur nicht zu kaufen. Man darf sie aber auch nicht weiterschenken, verkaufen oder vererben.

Urs Heßling

moin, Jochen,

Zitat von: der erste am 04 Januar 2014, 13:19:36
Man darf sie aber auch nicht weiterschenken, verkaufen oder vererben.
.. d.h., sie fällt beim Tod des Besitzers an den Staat zurück ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

RonnyM

Danke an der erste. :MG: top

Grüße Ronny
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

Trimmer

Hallo Urs - zumindest in der DDR wurden diese Ehrengeschenke( Schußwaffen ) nach dem Tod zurück gegeben. Teilweise lagen sie dann in sogenannten Traditionszimmern unter Verschluß. Orden und Ehrenzeichen verblieben dagegen bei den Erben ( Ehefrau oder Kinder etc. ) Die Zurückgabe betraff auch in der DDR aber nur Schußwaffen. Ehrendolch mit Gravur z.B. verblieben in der Familie. Ich denke nach der Antwort von Holger war oder ist es in Russland genau so.

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

der erste

Es gab in der DDR eine Ausnahme, das war der Karl-Marx-Orden, die höchste staatliche Auszeichnung. Der musste nach dem Tod zurückgegeben werden. Inwieweit in der DDR Waffen als Ehrengeschenke verliehen wurden, kann ich nicht sagen, weiß aber, dass, wenn die sowjetische Seite so etwas gegenüber DDR Militärs machte, der WTD (Waffentechnische Dienst) ständig dicke Backen bekam. Diese Waffen mussten in den Dienststellen in der Waffenkammer gelagert werden. Und so einfach bekam der Träger diese Waffen auch nicht zum sehen. Es war eben alles etwas komplizierter bei uns, als bei Karl Heinz, sprich den Freunden. Die haben aber jetzt auch die Bandagen etwas enger gezogen. So einfach bekommt man auch keine Munition für diese Waffen mehr zu kaufen. Der Träger der Waffe muss nachweisen, was er mit der verbrauchten Munition gemacht hat.

Trimmer

Holger - mit dem Karl -Marx Orden war mir neu - aber ein alter NVA-Oberst hatte eine Makarov als Geschenkwaffe. Wenn ich mich richtig erinnere war die aber "entschärft" mit Gravur und auch Schaupatronen - also nicht mehr zum Schießen.

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

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