Vergleich Besatzungsstärken KM vs andere Marinen

Begonnen von mhorgran, 12 September 2025, 18:26:25

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mhorgran

Warum hatte die Kriegsmarine so viel größere Besatzungsstärken als vergleichbare Schiffe anderer Staaten. Das OKM/Amt für Kriegsschiffsbau hatte dazu im Juli 1939 eine Grafik erstellt (auch BAMA 7/1206).
Kurz die Zahlen dieser Grafik (DRZW Bd 5/1 Seite 968)
Zerstörer
Carabinerie – 165 Mann; Zerstörer 38B – 218; Zerstörer J-Klasse – 183 Mann
Zerstörer 34 – 291; Zerstörer Sampson – 179
Zerstörer 38A - 348 Mann; Zerstörer Mogadour – 238

schwerer Kreuzer
Admiral Hipper – 1186; Norfolk – 680

bzw.
(Quelle wiki)
Tone - 850
Myoko - 773
Mogami - 850
Salt Lake City - 750
Astoria - 899
Zara - 841
Algerie - 746 (als Flaggschiff)
York - 705

Ad. Hipper - 1.382 bis 1.599

DRZW Bd 5/1  Seite 967 steht ,,Seit Beginn der Aufrüstung hatte die Marineführung in Anbetracht eines nur geringen Reservistenaufkommens immer wieder versucht, Personaleinsprarungen bei der Flotte zu erreichen. Entsprechende Überprüfungen, die in kurzen Abständen angeordnet wurden, ergaben, daß vor allem die Waffensysteme der Überwassereinheiten, mit ihren techn. Komplizierten Feuerleitsystemen, un die Maschinenanlagen (Anmerkung unten: Hier vor allem wegen der verwendeten HDH (Hochdruck-Heißdampf-)-Maschinen) besonders personalintensiv waren. Gravierende Konstruktionsänderungen etwa beim MG C/30, durch die die Bedienung der Waffen durch zwei statt wie bisher durch 6 oder 7 Mann möglich geworden wäre, ließen sich nach Kriegsbeginn nicht mehr ohne weiteres realisieren."

Wobei, ist das mit den personalintensiven HDH-Anlagen tatsächlich richtig? Dieser Antrieb wurde doch auch gewählt weil man sich damit starke Personaleinsprarungen erhoffte, diese gab es in dieser Form nicht. Wurde statt weniger sehr viel mehr Personal benötigt? Das wäre mir neu. Im Buch ,,Deutsche Marinerüstung 1919 – 1942" findet sich dazu nichts.

Wenn man vergleicht.
Das Kommandohilfsgerät 35 benötigte 14 Mann Bedienung. (laut Renz "Deutsche Flugabwehr...") In den Jahren 1930-35 wurde, auf der Marinegrundlage aufbauend, das ... entwickelt. 
Das Kommandogerät 36 benötigte, wie das Kdo.H.Ger. 35, 14 Leute.
Das Kommandogerät 40 benötigte 4 Leute am Entfernungsmesser (1 Meßführer + 3 Mann); 2 am Rechengerät, 1 am Maschinensatz. Also nur noch 7 Mann.
Das Kommandogerät 41 war das Das Kommandogerät 40 für die 8,8cm Flak 41. (laut Werner Müller ,,Die Geschütze, Ortungs- und Feuerleitgeräte der schweren Flak").

Wieviel Bedienung benötigtigten die ,,Wackeltöpfe" und anderen Bestandteile der Feuerleitanlage? Nutzten die anderen Marine weniger personalintensive Geräte?

mhorgran

Ich habe noch folgende KStan für Zerstörer B gefunden (R 3870)

Sven L.

Hallo Stefan,

hast du solch eine Aufstellung auch für größere Schiffe, z.B. Leipzig oder Nürnberg?
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Solange man seinen Gegner nicht bezwungen hat, läuft man Gefahr, selbst bezwungen zu werden.
Clausewitz - Vom Kriege

mhorgran


Woelfchen

Mal eine Blöde Idee:
Kann es sein das es nicht an der Technik liegt sondern 3 Schichten statts 2 pro Tag?

Sven L.

Ich habe keine Ahnung wie lange eine Wache genau ging. Ob 4 oder 6 Stunden usw.

Als Vergleich, die Alska hatte 2.250 MAnn Besatzung laut Wiki.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Big A

ZitatKann es sein das es nicht an der Technik liegt sondern 3 Schichten statts 2 pro Tag?
Grundsätzlich:
Friedensbetrieb 3 Schichten auf Schiffen
Kriegsmarsch: 2 Schichten plus Freiwächter ( Spezialisten ohne Schicht (Wach-) Einteilung)
Gefecht: alle auf Station

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

mhorgran

Sven
Die Alaska paßt nicht in die Liste. 1.) erst Ende des Kriegs fertig geworden 2.) eher Schlachtkreuzer

Sven L.

Hi Stefan,

ich dachte das deine Frage grundsätzlich alle schwimmenden Einheiten betrifft.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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mhorgran

schon, aber man doch keine Schlachtkreuzer mit schweren Kreuzer vergleichen. oder?

Sven L.

Da hast du recht. Ich hätte besser due deutschen schweren Einheiten als Vergleich benennen sollen. Die passenden Einheiten wären wohl Scharnhorst und Gneisenau gewesen.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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mhorgran

ich hatte die KI von grok (twitter) dazu befragt.
folgendes ist die Antwort
Frage:
die kriegsschiffe der deutschen kriegsmarine hatten im vergleich zu britischen, französischen, us-schiffen vergleichbarer größe und aufgabe (zerstörer, kreuzer) höhere besatzungsstärken. findet sich dafür eine erklärung?

Antwort:
Ja, deine Beobachtung stimmt weitgehend – besonders im Vergleich zu britischen und französischen Schiffen (bei US-Schiffen ist der Unterschied bei Zerstörern kleiner). Deutsche Zerstörer und Kreuzer der Kriegsmarine hatten tatsächlich oft 30–70 % mehr Besatzung als vergleichbare alliierte Einheiten gleicher Größe und Rolle.Konkrete Vergleiche (typische Werte)Zerstörer:Deutscher Typ 1936/1936A: 320–350 Mann
Britischer Tribal-Klasse: 190–220 Mann (Flottillenführer bis 219)
US Fletcher-Klasse: ~273–329 Mann (ähnlich hoch wie deutsch, aber oft effizienter organisiert)

Schwere Kreuzer:Deutscher Admiral-Hipper-Klasse (z. B. Prinz Eugen): 1.382 Mann Standard, im Krieg bis ~1.600
Britische County-Klasse: ~700–850 Mann
Französische schwere Kreuzer (z. B. Algérie-Klasse): meist unter 1.000 Mann

Schlachtschiffe (zum Vergleich):Bismarck: ~2.200 Mann
HMS Hood: ~1.418 Mann
Britische King-George-V-Klasse: ~1.400–1.500 Mann

Der Unterschied ist also real und systematisch, nicht zufällig.Die Haupt-ErklärungenDie Kriegsmarine folgte einer ganz eigenen Design- und Einsatzphilosophie, die bewusst auf hohe Redundanz und manuelle Schadensbekämpfung setzte – im Gegensatz zu den Alliierten, die stärker auf Automatisierung und zentrale Systeme setzten.Extrem starke Schadensbekämpfung (Damage Control) als Kernprinzip
Die deutsche Marine hatte aus dem 1. Weltkrieg (Jutland, Dogger Bank) gelernt: Schiffe wie die Seydlitz überlebten trotz Dutzender schwerer Treffer, weil sie extrem viele wasserdichte Abteilungen, redundante Pumpen, Generatoren, Stromkreise und manuelle Sicherungssysteme hatten.
Das erforderte große, ständig trainierte Lecktrupps (oft 100+ Mann allein für DC auf einem Kreuzer). Jede Abteilung musste einzeln gesichert, gepumpt, abgedichtet werden können – das geht nicht mit kleiner Crew.
(Interessant: Die US-Navy hat genau dieses deutsche DC-System aus dem 1. WK übernommen und es im 2. WK perfektioniert – daher hatten US-Schiffe später ähnlich gute Überlebensfähigkeit bei teilweise kleinerer Crew.)
Weniger Automatisierung = mehr Hände nötig
Viele Systeme waren bei den Deutschen stärker manuell:Munitionszufuhr und Geschützbedienung (besonders bei den schweren Geschützen)
Steuer- und Maschinenüberwachung
Feuerleit- und Radarhilfen (früh im Krieg noch optisch-dominant)

Briten und vor allem Amerikaner setzten früher auf hydraulische/radar-gestützte Power-Ramming, automatische Munitionszufuhr und zentrale Steuerungen → deutlich weniger Mann pro Geschütz/Turm.
Wartungsintensive Technik
Besonders die Zerstörer mit ihren Hochdruck-Wagner-Kesseln (sehr leistungsstark, aber empfindlich und wartungsaufwendig) brauchten mehr Maschinenpersonal und Ingenieure als die britischen oder US-amerikanischen Anlagen.
Organisatorische und kulturelle Faktoren  Höherer Anteil an Offizieren und Unteroffizieren (deutsche Marine legte großen Wert auf Ausbildung und Führung an Bord).
Auslegung auf lange, selbstständige Raids (Atlantik, Norwegen) mit entsprechend mehr Versorgungs- und Instandhaltungspersonal.
Später im Krieg noch mehr Flak-Personal durch die massive Aufrüstung gegen Luftangriffe.

Zusammengefasst: Die deutschen Schiffe waren bewusst ,,overmanned", weil sie darauf ausgelegt waren, auch nach schweren Treffern weiterzukämpfen – eine direkte Lehre aus dem 1. Weltkrieg und passend zur asymmetrischen Rolle der Kriegsmarine (wenige, aber extrem zähe Einheiten gegen überlegene Gegner). Die Alliierten (besonders die Royal Navy) setzten dagegen auf Masse, einfachere Bauweise und schnellere Produktion mit schlankerer Besatzung.Das machte die deutschen Schiffe zwar robust, aber auch personalaufwendig – und im Personalengpass der Kriegsmarine ab 1943/44 zu einem echten Problem.


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