Sowjetische Kreuzer der Tschapajev und Maxim Gorki-Klasse

Begonnen von kalli, 17 November 2003, 13:14:35

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kalli

Zwei interessante sowjetische Kreuzer- Klassen sind die Tschapajew und Maxim Gorki- Kreuzer. Zwei dieser Schiffe verbindet im wahrsten Sinne des Wortes ein gemeinsames Schicksal.
Die Molotov ( Maxim Gorki- Klasse ) gehörte zu den neuen Kreuzern und konnte noch vor Beginn des Krieges in Betrieb und in den Bestand der Schwarzmeerflotte aufgenommen werden. Sie beteiligte sich an der Verteidigung Sewastopols von November 1941 bis August 1942. Am 03.08.1942 wurde der Kreuzer von gegnerischen Flugzeugen und Torpedoschnellbooten angegriffen. Durch Torpedotreffer wurden dabei 20 m des Heckkörpers abgerissen, der augenblicklich sank. Da die Schrauben keinen Schaden erlitten hatten, konnte das Schiff zum Stützpunkt zurückkehren.
Mit dem Bau der Frunze ( Tschapajev- Klasse ) wurde am 29.08.1939 begonnen ( Stapellauf 30.12.1940 ). Mit Ausbruch des Krieges wurden die Arbeiten am Kreuzer unterbrochen und als sich die Front Nikolajew ( das ist die Werft, die auch die Molotov gebaut hat ) näherte, wurde das Schiff mit Mensch und Material beladen und über Sewastopol nach Poti ( 09.08.1941 ) überführt.
Nun kommt das verbindende Element beider Kreuzer.
Die Molotov hatte ja kein Heck mehr und die einzige Reparaturwerkstatt nicht genügend Kapazität, um ein neues Heck zu bauen. So wurde beschlossen, das Heck vom Kreuzer Frunze abzuschneiden und an die Molotov anzubauen.
Diese Operation war äußerst kompliziert, nicht nur in technischer Hinsicht. Die Frunze war breiter und höher als die Molotov und außerdem verfügte die Reparaturwerft nur über ein Dock von 5000 t und beide Kreuzer hatten bis 10000 t Wasserverdrängung.
Und ungefähr so wurde es gemacht :
Die Frunze wurde mit dem Heck nach vorn ins Dock geführt. Das Heck wurde gestützt und abgetrennt. Danach wurde das Dock mit Wasser gefüllt, das gekürzte Schiff herausgeholt und die Molotov ins Dock geführt. Mit Hilfe von Hydraulikhebevorrichtungen wurde das Frunzeheck an den Schiffskörper herangeführt und verbunden.
Im Sommer 1943, nach entsprechenden Tests, wurde die Molotov wieder in Dienst gestellt. An Kampfhandlungen nahm sie allerdings aktiv nicht mehr teil.
Nach dem Krieg :
Frunze erhielt ein neues Heck und wurde am 19.12.1950 in Betrieb genommen und der Schwarzmeerflotte angegliedert. 1958 wurde Frunze als leichter Kreuzer ein Schulschiff und 1960- 61 verschrottet.
Molotov war bis 1973 im Bestand der Flotte und wurde 1978 verschrottet.
Die Verschrottungsfirma hatte übrigens den wohlklingenden Namen
,,Glawwtortschermet"  ( Hauptverwaltung für Sekundäre Schwarzmetalle )
Fotos der Schiffsklassen befinden sich im Bildarchiv. Wenn gewünscht, kann ich auch noch technische Daten liefern.

Scheer

Wenn ich das richtig verstanden habe heißt das doch, daß die MOLOTOV das Heck der FRUNZE behalten hat. FRUNZE hatte ja nach deiner Ausführung um 1950 ein neues Heck bekommen.
Da du davon geschrieben hast, das sich die Schiffe in Höhe und Breite unterschieden haben würde mich interessieren ob beim Ansatz des Hecks ein Ausgleich geschaffen werden mußte und wie dieser ausgesehen hat.

Technische Daten sind natürlich immer willkommen.

Albatros

#2
Ich stöbere ja gerne auch in frühen Threads herum, hier ( oben ) wird eine interessante Begebenheit aus dem WK II geschildert.

Zu den Fragen von Scheer gab es dann leider keine Antwort mehr.

Würde mich auch interessieren wie die Molotov mit dem ,,neuen" Heck aussah, vielleicht gibt es ja heute dazu etwas mehr. Da die Molotov als Slava  im Weyer bis mindestens 1973/74 noch geführt wird könnte es doch eventuell das eine oder andere Foto mit dem neuen Heck geben.

Hier zwei Fotos die die Molotov in der Zeit WK II zeigen sollen.
http://abload.de/img/molotov16jk20.jpg
Molotov eventuell ohne Heck?
http://imagizer.imageshack.us/a/img38/7194/dvlt.jpg

:MG:

Manfred




Trimmer

Manfred - mit dem Heck der " Slava " kann ich Dir nicht helfen aber hier die " Slava " ca. 1957

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

der erste

Hier sind ein paar Bilder aus dem Buch " Sowjetische Kreuzer des großen Vaterländischen", erschienen 2007.

Albatros

Hallo Holger....... top

auf dem Scan_20150531 (3).jpg kann man glaube ich rechts sehen wie groß der Unterschied gewesen sein muss, wäre schön wenn`s noch ein Foto geben würde nach dem beide Teile angeglichen wurden...... :-)

:MG:

Manfred


der erste

Nee, das sind die einzigen Bilder. Die Qualität ist ja auch nicht so berauschend.

Baunummer 509


Kaschube_29

#8
Nein,

das waren keine italienischen Entwürfe. Diese Kreuzer wurden von einem sowjetischen/russischen Konstruktionsbüro entworfen. ABER: man hat sich dem italienischen Kriegsschiffbau sehr stark angelehnt. Ende der 1930-er Jahre hat z. B. der Stellvertreter des Hauptkonstrukteurs Nikolaj Nikitisch Isanin (Николай Никитич Исанин) ein Praktikum bei der italienischen Firma "Ansaldo" absolviert.

Ähnlichkeiten mit italienischen Kreuzern sind deshalb nicht zufällig.


Bis dann,

Kaschube_29 (Axel)
Immer eine Handbreit Wasser unter den Kiel (Bcегда семь футов под кильем)!

Ritchie

#9
Bei dem Treffer verloren 18 Besatzungsmitglieder das Leben. Die Reparatur dauerte bis zum 31.07.43.

Der Treffer wurde durch das italienische Schnellboot MAS 568 erzielt.

Grüße

Ritchie

Spee

Servus,

die Sowjetunion hat die Pläne der italienischen "Montecuccoli"-Klasse in den 30er Jahren gekauft und darauf dürften die weiteren sowjetischen Entwicklungen basieren.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Baunummer 509

Hi Axel, Hi Spee,

danke euch beiden  top
Ich finde die Ähnlichkeit zu italienischen Entwürfen ist unverkennbar.

Spee

Servus Jot Dora,

definitiv!
Die Italiener waren/sind trotz möglicher politischer/gesellschaftlicher Gegensätze Pragmatiker und Kaufleute. Die Sowjetunion war Anfang der 30er Jahre auf der Suche nach Hilfe für den Wiederaufbau einer neuen Flotte und die Italiener haben das Geschäft gesehen. "Taschkent" ist das Paradebeispiel, gefolgt von den Kreuzern und auch einige Schlachtschiffprojekte für die sowjetische Flotte tragen eine deutliche italienische Handschrift (Ansaldo).
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

juergenwaldmann

Von den italienischen Kreuzern fand ich diesen Link ,
die Bilder zeigen sehr wohl große Ähnlichkeit zu den UDSSR Kreuzern :

http://kreiser.unoforum.ru/?1-32-0-00000013-000-105-0

Gruss  Jürgen

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