FuMBs (insb. auf Typ XXI)

Begonnen von Tiberius, 25 Mai 2016, 18:46:26

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Peter K.

Das Heft
DIE ENTWICKLUNG DER FUNKMESSTECHNIK von Gerhard HEPCKE
umfasst 57 Seiten, wovon die letzten 17 - und das ist auch schon der wesentliche Unterschied zur oben verlinkten englischen Ausgabe - einige qualitativ schlechte Illustrationen beinhalten. Es erschien im April 2001 offenbar im Selbstverlag, zumindest deutet die einfache Spiralbindung darauf hin.  Problematischer ist hingegen die Tatsache, dass es ohne ISBN-Nummer veröfentlicht wurde, denn dies erschwert die Suche nach diesem Heft immens.
Die Titelseite findet ihr im Anhang, auf Wunsch kann ich das Inhaltsverzeichnis gerne als pdf zusenden.

ZitatVon D. Pritchard, The Radar War (1989), S.200 kommt noch einiges extra ...
Die englische Originalausgabe
David PRITCHARD
The Radar War - Germany´s Pioneering Achievement
von 1989 wurde von Manfred MOTTER ins Deutsche übersetzt und erschien 1992 in der 1. Auflage als
David PRITCHARD
Durch Raum und Nacht - Radarentwicklung und -einsatz 1904 - 1945
ISBN 3-613-01454-8
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

MarkusL

Hallo,
zum "Berlin U" führt Brandt in "Deutsche Zentimeterwellen-Technik am Ende des 2. Weltkrieges" aus, dass auf 2 U-booten (leider ohne Nennung der Boote) ein Einbau der Periskop-Anlage mit diesem FMO erfolgt ist.
Gruß
Markus

Schorsch

#17
Hallo Peter!

Danke für Deine Mühe. Nach meinem Eindruck fasst also Hepcke die Entwicklung der deutschen und alliierten Radaranlagen, FuMB-Geräte und was sonst in diesem Dunstkreis bedeutsam war, chronologisch, aber auch etwas unvollständig zusammen und geht aber nicht über das Niveau, das z.B. Trenkle in Bezug auf die deutschen Geräte erreicht, hinaus.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Peter K.

Exakt, HEPCKE bietet in kompakter Form einen brauchbaren Überblick, TRENKLE behandelt nur die deutschen Entwicklungen, aber dafür meist wesentlich detaillierter.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Schorsch

Hallo Peter!

Fein, fein, damit rutscht also das Buch von Hepcke in der deutschen Fassung auf meiner Will-haben-Liste ein paar Plätze nach unten.

Schöne Grüße nach Österreich!
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Schorsch

#20
Hallo zusammen!

Inzwischen hat meine Bibliothek mit dem Buch ,,Die deutschen Funkmessverfahren bis 1945" von Fritz Trenkle eine weitere Vervollständigung erfahren und so kann ich nun noch einiges an Details zur dritten Frage des Eingangsposts und zur Ergänzung von delcyros' und Peters Ausführungen beitragen.

FuMO 83 ,,BERLIN U I": Versuchsgerät mit einer Antenne aus vier Stielstrahlern auf einer waagerecht angeordneten Platte in einem Gehäuse aus Plexiglas, das druckfest mit Oppanol ausgeschäumt war. Das Gehäuse war kugelförmig mit einem Durchmesser von 66 cm und saß fest auf einem drehbar gelagerten Ausfahrmast und war so zur Rundumsuche mit etwa 20 U/min oder in der Betriebsart Maximumpeilung einsetzbar. Der Antriebsmotor für die Drehung des gesamten Mastes befand sich im Bootsinneren. In dieser Ausführung war das Gerät in zwei Versuchsboote (auch bei Trenkle werden leider keine konkreten Bootsnummern genannt) eingebaut.

FuMO 84 ,,BERLIN U II": die eigentlich vorgesehene Endausführung für den Einbau in U-Boote, wieder mit vier Stielstrahlern in einem druckfestem Gehäuse, das nun nach oben etwas abgeflacht und ebenfalls druckfest ausgeschäumt war. Allerdings saß der Motor für den Rundsuchbetrieb nun mit im Antennengehäuse, so dass nicht mehr der gesamte Ausfahrmast drehbar ausgeführt werden musste. Ansonsten waren die erreichbaren Leistungen (Reichweite ca. 15 bis 20 km gegen??) und der Gerätesatz im Funkschapp identisch zu den anderen FuMOs, die unter dem Decknamen ,,BERLIN" subsumiert wurden. Zum Einsatz sind allerdings Geräte vom Typ FuMO 84, wenn überhaupt, lt. Trenkle nur als Muster gekommen.

Zitat von: delcyros am 01 Juni 2016, 21:23:54
(...)
Berlin U1:
Mit 65cm im DM messender, rotierender Parabolantenne, die am Turm montiert war. Keine weiteren Details.

Berlin U2:
Antenne ausfahrbar und druckfest montiert am Periskop, angebliche Reichweite gegen Konvois 20km.
Hier widersprechen sich offensichtlich bezüglich des Aufbaus der Antennen die Angaben von Hepcke und Trenkle. Nach Trenkle wurden Parabolantennen in dieser FuMO-Serie mit Wellenlängen von 9 cm und den Nummern 81 bis 84 nur beim FuMO 82 ,,BERLIN K" (eigentlich nur bei ,,BERLIN K II") verwendet und wären für den Einsatz auf U-Booten zu groß gewesen (1250 mm Durchmesser der Antenne in der Horizontalen). Auch ein möglicher Einbauort der Antenne des FuMB 84 "BERLIN U II" auf dem Periskop scheint mir bei dem schon erwähnten Durchmesser von 66 cm für das Antennengehäuse eher unwahrscheinlich zu sein.

Zum Abschluss noch der --/>/> Hinweis auf eine Fotostrecke zu U 249, die während der Übernahme durch die Briten entstanden ist. Sehr schön ist dabei die charakteristische Antenne des FuMB 35 auf ihrem Ausfahrmast Mast zu erkennen.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

edit: Ausführungen zum Ausfahrmast korrigiert
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Axel Niestlé

Als kleine Ergänzung hier noch der Hinweis, dass Angaben von mir zu den Versuchsbooten und Bilder der FuMO 83-Versuchsanlage schon seit 1987 bei Rössler - Geschichte des deutschen U-Bootbaus, Bd. 2, S 328f, veröffentlicht sind. Also alles schon ein recht alter Hut.

Die Versuchsanlage des FuMB 35 auf U 249 war zudem nicht ausfahrbar, wie es sich schon aus dem Aufstellort unmittelbar vor dem Angriffssehrohr ergibt. 

Beste Grüße

Axel Niestlé

delcyros

Danke Schorsch.

Was die Sekundärquellen betrifft, Trenkle > Hepcke. Möglicherweise hat Hepcke die Verkleidung als indikativ für eine Parabolantenne aufgefasst.

Für die für das Einsatz- XXI vorgesehene FuMB Ausrüstung, abgesehen von den hier tangierten Exotischen FuMO-83/84, siehe Anhang (graphisch eingefärbt).

lg,
delc

Tiberius

Vielen Dank nochmal an Alle für die vielen und ausführlichen Antworten! Wusste doch dass ich hier die Experten finde  :TU:)

Zusammenfassend/Abschließend kann man wohl sagen dass sich die FuMOs 83/84, wenn überhaupt, in Erprobung befanden und nie zum Einsatz kamen (Einbau auf zwei Booten werte ich eher als Erprobung denn als Einsatz). Selbiges sollte auch für das FuMB 37 gelten

Bezüglich FuMB 35 wird bisher nur über die zwei Versuchsgeräte übereinstimmend berichtet. Obwohl bereits im September 44 ein größerer Auftrag für die "Athos" erteilt wurde, scheint keines davon zum Einsatz gelangt zu sein. Mich würde es überraschen wenn in den folgenden 7 Monaten kein eiziges FuMB35 mehr hergestellt worden wäre (insb. wenn diese bereits im August 44 ausreichend getestet waren um einen Großauftrag zu erteilen). Fraglich ist also woran es genau gescheitert ist. Die Vermutung war hier

Zitat von: Schorsch am 26 Mai 2016, 06:47:00(...) Mir kommt es unwahrscheinlich vor, dass die beiden genannten FuMB auf den Typ XXI-Booten der Kriegsmarine zum Einsatz gekommen sind. Für das etwas weiter entwickelte FuMB 35 müssten dafür entsprechende Durchbrechungen in der Decke der Turmverkleidungen der Boote erkennbar sein und zusätzlich hätte ein nachträglicher Einbau eines Ausfahrmastes nennenswerter Länge tiefgreifendere konstruktive Änderungen am jeweiligen Boot nach sich gezogen.

Was sich eigentlich mit meiner Meinung deckt und z.B. auch gut Übereinstimmt mit der Tatsache dass das Athos auf U249 fest montiert war. Im letzten Beitrag von delc ist in dem netten Übersichtsbild der Antennen (Danke auch dafür!) als Position für das FuMB35/37 allerdings die bereits bestehende ausfahrbare Stabantenne angegeben (vermutlich eher die bestehend Antenne mit FuMB Ant. 35 ersetzt statt ergänzt). Damit wäre ein entsprechender Durchbruch etc. hinfällig da bereits ein ausfahrbarer Mast zur Verfügung stand was den Einbau wesentlich vereinfach sollte.

Wenn ich einen Blick in das Buch "U-Boottyp XXI" von Rössler werfe (ab Seite 181) ist hier jedoch angegeben dass die Athos-Antenne anstelle des nicht eingebauten Panoramasehrohrs eingebaut werden sollte.
Für die ausfahrbare Stabantenne (laut Buch übrigends an StB während in der Grafik an Bb) ist weiter angegeben, dass anstelle des Stabstrahlers auf dem Antennenmast die Antenne für das FuMO 391 "Lessing" geplant war (also an der Stelle, in der bei der Grafik von delc das FuMB35/37 eingezeichnet ist).

Darf ich daher fragen auf welche Quelle(n) sich die Grafik bezieht?

Grüße,
Tiberius

delcyros

Die Grafik ist eine eigene Darstellung basierend auf den Angaben, die mir in den Quellen zur Verfügung standen. Es gab mehrere Vorschläge zur Positionierung der Geräte. FuMB 35 auf ausfahrbarer Stabantenne hätte das FuMB26 im Ringdipol wahrscheinlich ersetzt.
FuMO391 war entweder auf einer ausfahrbaren Stab oder auf dem Schnorchelkopf zu installieren, je nachdem welcher Vorschlag zu Grunde gelegt wird.

hilfreich in diesem Zusammenhang auch:
http://amp.rokket.biz/docs/an_illustrated_guide_to_uboat_research.pdf
http://www.ubootwaffe.pl/en/u-boats/equipment/radar-of-german-u-boats

Nicht ganz klar ist mir die Redundanz der Geräte. FuMO84 U2 war ein Panoramagerät, dass mit mehreren hundert U/min rotierte und damit quasi-gleichzeitig alle Richtungen abtastete -und im PPI darstellte.

FuMO-391 war ebenfalls als Rundstrahler gedacht, stellte aber das Ergebnis im gegensatz zum Panorama-Gerät nicht dar (Präsenz/Absenz Prinzip) und arbeitet auf der -leichter zu störenden 2,4m Welle. Durch den Einsatz der größeren Wellenlänge könnte man eine größere Reichweite gegen Flugzeuge erzielen, wenn auf den Einsatz von Entstörern verzichtet wird. FuMO-391 hat eine deutlich größere Leistung -und kann daher auch aus sehr großen Distanzen aufgeklärt werden.

Beide Anlagen waren spezifiziert, um in der oberflächennahen Unterwasserfahrt vom XXI eingesetzt zu werden, die Reichweite ist ähnlich, die Darstellung, Abstrahlung und Erkennbarkeit des FuMO84 aber dem FuMO391 deutlich überlegen. Zwei -auf unterschiedlicher Wellenlänge arbeitende- Eisen im Feuer?

Peter K.

ZitatEs gibt allerdings noch einen Verweis auf die Quelle, aus der die Informationen ursprünglich stammen: H. Rindfleisch: "Work on Infrared, Radar Interference and Communication Technique (NVK)", F-TS-5512-RE von 1945.

Offenbar gab es davon aber auch eine deutsche Version dieser Arbeit, denn Frank REUTER nennt in "Funkmess - Die Entwicklung und der Einsatz des RADAR-Verfahrens in Deutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges"

Arbeiten auf dem Gebieten Ultrarot, Funkmeßbeobachtung, Störung von Funkmeßgeräten, Funknachrichtentechnik
Nachrichtenmittel-Versuchskommando der Kriegsmarine (NVK), Juni 1945 von Dr. Hans RINDFLEISCH


Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Peter K.

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