Was wäre wenn --- die Yamato in Okinawa

Begonnen von Mario, 28 Februar 2007, 19:21:34

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Lutscha

Wenn man bedenkt, dass 2 der ollen Pötte dank ihres Radars gereicht hätten...

Das ist ja barer Unsinn, wenn das stimmen würde, hätten SIE ja recht!

Typisch deutsche Argumentationsweise.

Mario

Zitat"Yamato" wäre m.E. niemals zu ihrem Einsatzziel gelangt.
Dann frage ich mich, wieso Kuritas Verband im Oktober 1944 in Reichweite der US-Geleitträgergruppen gelangen konnte.  :-)
Im Krieg gibt es immer Unwägbarkeiten und Fehlleistungen. Ich will auch gar nicht darüber dikutieren, ob die Yamato die Insel erreichen konnte oder nicht. Die Chancen lagen wohl nicht viel über 0%.
Aber wenn es ihr aufgrund irgendwelcher Zufälle, Fehlleistungen oder anderer Sachen doch gelungen wäre, dann hätte wohl jede Stunde gezählt, dieses Schlachtschiff zu vernichten. Es gibt wohl nichts Schlimmeres, als eine Ansammlung von Truppen und Material ungeschützt am Strand und unter starkem feindlichem Feuer.
Weder die Yamato, noch Kuritas Verband hätten irgendetwas am Ausgang des Krieges ändern können, aber vor allem Letzterer hätten verdammt viel Schaden anrichten können, wenn er seinen angekündigten Kamikazevorstoß durchgezogen hätte und in den Golf von Leyte eingelaufen wäre.

Spee

@Mario,

im Fall der "Yamato" lag die Situation anders. Ihr Kurs konnte verfolgt werden und sie nahm keinen Gegenkurs ein, wie Kurita. Halsey hat sich bei Leyte von seinen Piloten und vom Verhalten Kurita's blenden lassen. Das wäre ihm bzw. den anderen amerikanischen Admiralen kein 2.Mal passiert. Es gab auf amerikanischer Seite Überlegungen die "Yamato" mit Schlachtschiffen abzufangen, aber es wurde die Flugzeugträger-Option gewählt, um eigene Verluste so gering wie möglich zu halten.
Bedenke bitte auch, daß sich in besagtem Seegebiet mehrere US-Zerstörer als "Radar-Pickets" befanden, dazu reichlich große Schiffe (Schlachtschiffe, schwere Kreuzer etc.) mit weitreichenden Radaranlagen. Deshalb meine Meinung weiterhin, "Yamato" hätte den Einsatzraum niemals erreicht.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Mario

seh ich eigentlich ganz genauso, trotzdem machen solche Gedankenspielchen Spass.
Aber wenn wir einmal ehrlich sind, dann hätte auch Kurita keine Chance gehabt, nach Leyte durchzustoßen. In der besagten nacht, als Halyeys Flotte nach Norden jagde und die San Bernardino-Straße offen lag, gab es mehrere hohe Offiziere, die diesen Fehler bemerkten, aber keinem ist es gelungen, zum Oberbefehlshaber vorzustoßen.

t-geronimo

Als der Fehler bemerkt wurde, war s doch eh' zu spät, oder?

War es nicht so, das fast alle dachten, Halsey ließe die neu gegründete Schlachtschiff-TF (Nummer weiß ich jetzt nicht aus dem Kopf) vor der San-Bernadino-Str. zurück, um diese zu bewachen?
Halsey hatte diese Option doch als eventuelle Möglichkeit ins Kalkül gezogen. In seinen Funksprüchen klang es aber so durch, als sei es bereits eine Tatsache. Aber er nahm stattdessen die Schlachtschiffe mit nach Norden auf die Jagd.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Mario

@t.g.
so dachten die Leute in der 7. Flotte unter Adm. Kinkaid.
Aber im Verband von Adm. Halsey dachten einige Leute darüber nach, was wohl Kurita inzwischen unternommen hat. Wenn ich mich recht entsinne, dann wurden wohl einige von den diensthabenden Wachoffiziere in Halseys Stab abgewimmelt, die  sich wohl nicht getraut haben, den Oberbefehlshaber zu wecken, andere haben sich gar nicht erst getraut, ganz oben anzufragen. Es gehört schon ein großes Stück Selbstvertrauen hinzu, den Chef auf einen offensichtlichen Fehler hinzuweisen.

Spee

Es gehört schon ein großes Stück Selbstvertrauen hinzu, den Chef auf einen offensichtlichen Fehler hinzuweisen.

Das zu tun ist aber die Aufgabe eines Stabsoffiziers.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Triton

War nicht der Hauptzweck der ganzen Yamato-OP die US-Flugzeugträger zu beschäftigen und/oder die Schlachtschiffe zum Eingreifen zu zwingen? Grundmuster der japanischen Einsatzpläne war doch fast immer eine Ablenkungs- und eine Hauptstreitmacht, in diesem Fall Yamato in der Lockvogelrolle und die Kamikaze-Einsatzverbände sollten sich auf die US-Flotte stürzen.

Die vorherigen Verlustzahlen der US-Verbände durch die Kamikazes wurden bekanntlich krass überschätzt, ergo war die Idee an sich gar nicht so abwegig. Yamato beschäftigt tagelang die US-Angriffsverbände, Kamikaze metzeln etliche Träger und Schlachtschiffe nieder, US-Verlustzahlen sind nicht hinnehmbar und die Pläne für eine Landung auf den japanischen Hauptinseln wird gestoppt: Zeitgewinn (auch Japan bastelte ja an "Wunderwaffen") oder halbwegs akzeptabler Friedensvertrag. Wenn man die kirschblütenrosane Brille aufhatte dann war das wohl der "best case". 

"Worst case": Außer Menschenleben, die in dieser Kriegsphase in Japan keine große Rolle mehr spielten, war nichts mehr zu verlieren. Die Yamato war wertloser Plunder geworden, die einzig realistische Alternative wäre gewesen, sie am Ankerplatz zusammenbomben zu lassen. Also: So what? 

Beste Grüße
Joerg

Captain Queeg: "tell the crew for me that there are four ways of doing things aboard my ship: The right way, the wrong way, the Navy way, and my way. They do things my way, and we'll get along."

Mario

@Triton
Diese Überlegungen sind wohl nicht von der Hand zu weisen. Irgendwo dazwischen wird wohl die Wahrheit liegen.
Fakt ist, daß es viele Japaner als größtmögliche Schande empfunden hätten, wenn die Yamato samt ihrer Besatzung den Krieg heil überstanden hätten. Während in Europa in den letzten Kriegsmonaten die Losung nur noch hieß: heil durchkommen, egal wie, sahe die Japaner dies etwas anders. Hier versuchten alle, die Gelegenheit für einen ruhmvollen Tod zu nutzen.

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