Hastings 1066, kann die Zeitabfolge stimmen?

Begonnen von Big A, 09 Januar 2026, 17:31:12

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Teddy Suhren

#15
Hai

Basiert das alles wirklich auf Aufzeichnungen?
Ist die Lage des Schlachtfeldes bekannt? wurde dort Archäologie betrieben? Hat die Datierung der dabei gefundenen Artefakte die Chroniken bestätigt oder kann man evtl. neu anfangen zu rechnen?
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191

Big A

Doch, das ist alles gut erforscht.
Mir geht das halt um den Zeitablauf von "Idee" bis "Durchführung".
Vllt zu sehr aus moderner Sicht ...

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

OldMan

#15 Anmerkung

Das Schlachtfeld ist bekannt. Es hat eigentlich mit Hastings wenig zu tun; es befindet sich in der Ortschaft Battle (unweit Hastings). Die dort befindliche komplexe Abtei-Ruine ist in Teilen auf dem Schlachtfeld errichtet worden (sozusagen als Sühnezeichen o.ä., angeblich durch Wilhelm selbst befohlen). Man kann das besichtigen; es ist ein Rundgang auf dem weiteren Schlachtfeld (mit Sprachführergerät) möglich (jedenfalls so, als meine Frau und ich dort waren). Man erkennt (mE) die Stellung auf dem (leicht ansteigenden) Gelände, die angeblich Harolds Sachsen besetzt hielten und gegen die die Normannen anrannten.

OldMan
Nihil, nihil (Von Nichts wird Nichts)

delcyros

Unmöglich ist es nicht. Gajus Julius Cäsar fasste im Spätsommer 55 v. Chr. den Entschluss und ging sogar mit zwei Legionen plus Reiter-Alen nach Britannien über. Und dass von einem erst kürzlich unterworfenem Gebiet aus, welches noch nicht vollständig befriedet war. Während die erste Landung mit den vorhandenen Kriegsschiffen der classis gemacht wurde, verlangten die Bedingungen für die folgende Invasion des nächsten Jahres nach neuen Schiffen mit flachem ebenen Boden, mit möglichst wenig Tiefgang. Dabei orientierte man sich an dem lokalen Konstruktionen der Veneter.
Davon wurden im Winter 600 Stück lokal für diesen Zweck im Auftrag Cäsars hergestellt. Etwa 60 der Schiffe gingen im Sturm vor der Einschiffung verloren, mit den übrigen 540 ging er dann mit fünf (!) Legionen und etwa 2000 Reitern nach Britannien.
D.h. die Bauzeit von einem halben Jahr ist nicht völlig aus der Luft gegriffen.

ufo

Spannende Frage.
Ja, ja - die Logistiker  :-D

Die saxonhistory Webseite hat recht detailierte Ueberlegungen zur Schiffszahlen und Schiffstypen. Vielleicht ganz interessant um abzuschaetzen was da genau gebaut werden musste?

https://saxonhistory.co.uk/FORMS-Page-Builder.php?Pg=1066AD_Troop_sizes



delcyros

Gute Zusammenstellung der Informationen, Ufo. 777 Schiffe aus der Schiffsliste von 15 Herrschaften, die jeweils 20 bis 120 Schiffe herstellen sollten (nach Master Wace fuhren davon nur 700 Schiffe weniger 4 (=694) ab). Wilhelms eigenes Schiff, die etwas größere "Mora" soll zehn Ritter und deren Entourage und Ausrüstung/Pferde transportiert haben.
Zusammen 500 Bogenschützen, 1500 Reiter und 4500 Speer-/Schwert-/Axtkämpfer. Dazu 7000 verschiedene nicht-Kombattanten.
Dafür wurde im ganzen Frühling, Sommer und Teile des Herbstes gearbeitet. Bei den Römern war es nur der Winter und Teile des Frühlings für 600 vermutlich etwas größere Schiffe (5 Legionen und Reiteralen sind nicht unter 17000 Mann, vermutlich eher um 25000).

Big A

Danke, ufo :TU:)

@Delcyros
Die Römer hatten mW aber auch mehr (Bau) Personal und ggf Sklavenarbeiter

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Sven L.

Zitat von: delcyros am 30 Januar 2026, 13:27:11Gute Zusammenstellung der Informationen, Ufo. 777 Schiffe aus der Schiffsliste von 15 Herrschaften, die jeweils 20 bis 120 Schiffe herstellen sollten (nach Master Wace fuhren davon nur 700 Schiffe weniger 4 (=694) ab). Wilhelms eigenes Schiff, die etwas größere "Mora" soll zehn Ritter und deren Entourage und Ausrüstung/Pferde transportiert haben.
Zusammen 500 Bogenschützen, 1500 Reiter und 4500 Speer-/Schwert-/Axtkämpfer. Dazu 7000 verschiedene nicht-Kombattanten.
Dafür wurde im ganzen Frühling, Sommer und Teile des Herbstes gearbeitet. Bei den Römern war es nur der Winter und Teile des Frühlings für 600 vermutlich etwas größere Schiffe (5 Legionen und Reiteralen sind nicht unter 17000 Mann, vermutlich eher um 25000).
Halöle,
Eine römische Zenturie bestand aus 10 Contubernien = 80 Mann. Die Kohorte zu 6 Zenturien = 480 Mann. Die Legion zu 10 Kohorten demnach = 4.800 Mann.
Dazu kommt noch römische Reiterei der einzelnen Legion. Da bin ich mir bei der Stärke nicht ganz sicher. Sollten jeweils pro Legion mindestens 120 Reiter gewesen sein.
Sollte Cäsar auf seine germanischen Reiter verzichtet haben, sind wir jetzt schon bei 25.000 Mann zzgl. Maultiere für den Transport der Ausrüstung.
Insofern schätze ich bei vollständigen Legionen auf eine Gesamtstärke zwischen 25.000 und 30.000 Mann.
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Solange man seinen Gegner nicht bezwungen hat, läuft man Gefahr, selbst bezwungen zu werden.
Clausewitz - Vom Kriege

delcyros

Über die genaue Stärke der Legionen zu dieser Zeit (nominal vs tatsächlich, inkl. Auxiliareinheiten) sind wir nicht gut unterrichtet. Maßgeblich wird jedoch sein, dass die Truppen auch zum Bau von Schiffen herangezogen werden konnten. Aber: Cäsar nahm im Winter vier der Legionen mit ins Gebiet der Treverer, so dass nur eine Legion und die lokalen Kräfte für den Bau der Flotte verblieben. Insgesamt betrachtet also nicht ganz unähnlich.
Vermutlich wird es nur wenige Sklaven an der Küste im noch nicht romanisierten gallischen Bereich gegeben haben. Die Legionen zogen auch nicht mit großen Sklavenkontingenten umher. Solche wurden nach Italien geschickt. Und die gallischen Einheimischen praktizierten (noch) nicht die Sklaverei im römischen Sinne.

Es gibt einige Autoren, welche die im 11. Jh. n.Chr. verbreitete Frohnarbeit der Feudalzeit durchaus als eine Form der unentgeltlichen (und erzwungenen) Arbeit betrachten...

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