26.12.1943

Begonnen von tirpitzpeter, 26 Dezember 2008, 17:46:35

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tirpitzpeter

Heute vor 65 Jahren wurde das Schlachtschiff "Scharnhorst" von überlegenen Britischen Einheiten vor dem Norkap gestellt und Versenkt. Nur 36 Mann überlebten den sinnlosen Einsatz.
Den Deutschen und Britischen Seeleuten zum Gedenken die daran teilnahmen und nicht mehr zurückkehrten.
:MG:

Grüße
Peter
"Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit"! (Rammstein)
"Ein formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung" (Ferdinand Porsche)

Ralf

Gruß
Ralf
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,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

winni

Es sind immer die Abenteurer die große Dinge vollbringen.


Montesquieu.

Urs Heßling

... und der zweite Niederschlag nur kurz danach:

26.– 28.12.1943
Biskaya
Unternehmen »Trave«: Vorstoß der 8. Z-Flottille (Kpt.z.S. Erdmenger) mit Z 27, Z 23, Z 24, Z 32, Z 37 und der 4. T-Flottille (KKpt. Kohlauf) und die unterstellte 4. T-Flottille mit T 22, T 23, T 24, T 25, T 26 und T 27 in die Biskaya, um den Blockadebrecher "Alsterufer" (Kpt. Piatek) in die Gironde einzubringen. Die Besatzungen sind nach Ende des Unternehmens »Bernau« (Geleit für den Blockadebrecher ,,Osorno") seit 48 Stunden ohne Ruhepause und vollkommen erschöpft.
Am 27.12. früh sichtet ein Sunderland Flugboot die nach Südosten marschierende "Alsterufer" 500 sm nordwestlich von Kap Finisterre. Die Kreuzer "Enterprise" (Capt. Grant, RAN) und "Glasgow" (Capt. Clarke) werden angesetzt. Um 16.15 Uhr wird die "Alsterufer" (2729 BRT) durch Raketen einer Liberator der RAF-Staffel 311 (tschech.) getroffen und in Brand gesteckt. Als um 18.00 Uhr ein Halifax-Angriffsverband herankommt, sichtet er das brennende und sinkende Schiff, das von der Besatzung aufgegeben wird. 4 Rettungsboote mit 74 Mann werden 2 Tage später von kanad. Korvetten geborgen.
Die Marinegruppe West erfährt vom Fehlschlag des Unternehmens erst am Morgen des 28.12. und befiehlt Erdmenger den Rückmarsch. Zuvor aber werden die Zerstörer  von 15 Liberators der VB-105 und VB-103 USN angegriffen, so dass sie aufgehalten werden und gegen Mittag von Glasgow und Enterprise gestellt werden können. Da Kpt.z.S. Erdmenger sich aufgrund falscher Feindmeldungen von mehreren Feindgruppen umstellt glaubt, befiehlt er 2 Zerstörer und 3 Torpedoboote zu einem Angriff, der jedoch scheitert, weil schwerer Seegang die deutschen Schiffe in der Entfaltung ihrer vollen Geschwindigkeit hindert und einen Waffeneinsatz der nominell überlegenen Artillerie (25 x 15-cm- und 24 x 10,5-cm-Kanonen gegenüber 19 x 15,2-cm- und 13 x 10,2-cm-Kanonen) bei den Zerstörern sehr erschwert, bei den Torpedobooten praktisch unmöglich macht. Im Artilleriegefecht sinken Z 27 (KKpt. Günther Schultz † mit dem Chef der 8. Z-Flottille, Kpt.z.S. Erdmenger †, 220 Tote), T 25 (KKpt. von Gartzen, 85 Tote) und T 26 (Kptlt. Quedenfeldt, 96 Tote). Vom Rest des Verbandes erreichen Z 24, T 23, T 24 und T 27 Brest, Z 32 und Z 37 die Gironde und die nach Süden ausgewichenen Z 23 und T 22 St. Jean de Luz. 64 dtsch. Seeleute werden werden von brit. Schiffen gerettet, 168 von einem irischen Dampfer, 6 durch span. Zerstörer und 55 von U 505 und U 618.
Qu.: Chronik des Seekriegs (gekürzt)  :MG:

Urs

"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Leutnant Werner

Das mit dem "sinnlosen" Einsatz  muss mir jetzt trotzdem nochmal erklärt werden, denn immerhin waren die Bedingungen so, dass Flugzeuge keine Rolle spielten, weil die Wetter- und Sichtbedingungen das nicht zuließen. Wenn es sich so verhält, dass Flugzeuge weder als Aufklärer noch als Bomber benutzt werden konnten, dann war dies fast das einzige vorstellbare Szenario, in dem ein schnelles Großkampfschiff wie der SCHARNHORST zu diesem Zeitpunkt des Krieges noch einmal eingesetzt werden konnte.

Der Rest muss halt unter "dumm gelaufen" verbucht werden. Aber nicht unter "sinnlos".

Bei anderer Ansicht wäre eine Begründung nicht unwillkommen.

Gruß
Lt

tirpitzpeter

Hi Werner.

Die Deutsche Luftaufklärung hatte Frasers Kampfgruppe gesichtet leider nur mit "wahrscheinlich" einem BB gemeldet, die Führung ging auf den Funkspruch nicht weiter ein. Nach dem ersten Gefecht fiel das E-Messgerät auf dem Vormars aus damit war die Reichweite der Feuerleitung auf ca 17km (berichtigt mich wenns nicht stimmt) begrenzt und das zunehmend schlechte Wetter machte die Zerstörer uneinsetzbar (darauf sind sie ja auch entlassen worden). Zu dem zeitpunkt war noch keinerlei ernsthafte Gefahr für SH gegeben hier hätte abgebrochen werden müssen nur die Dringlichkeit "evtl". etwas erreichen zu können war eben Gebot der Stunde. Darüberhinaus ist der Tod derartig vieler Junger Menschen (nicht selten unter 20) immer sinnlos.

Grüße
Peter
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t-geronimo

Heute weiß man halt vieles besser.

Die Deutschen dachten, sie wären unbemerkt ausgelaufen.
Aber dank ULTRA wußten die Briten, daß die Kampfgruppe SH kommen würde - und sie wußten auch, welchem Konvoi sie sich zuwenden würden, da JW 55B von der deutschen Aufklärung (Flieger, U-Boote) erfaßt wurde, der Rück-Konvoi RA 55 dagegen nicht.
Auf deutscher Seite dachte man in der Tat, daß die Konvoi-Sicherung lediglich aus Zerstörern und maximal einigen Kreuzern bestehen würde, da die Ferndeckung lange nicht erfaßt wurde und als dem der Fall war die Meldung über "eine schwere Einheit" mehr oder weniger im Sumpf der dt. Führungsstellen versickerte.

Hier kam einfach vieles zusammen.
Nach dem Bäreninselgefecht im Dezember 1942 wollte Hitler ja bekanntlich alle schweren Überwasserstreitkräfte verschrotten lassen.
Raeder trat zurück, Dönitz übernahm und konnte den GröFaZ besänftigen.
Nur war Dönitz nun im Zugzwang zu beweisen, daß die Überwasserschiffe doch noch von Nutzen waren.
Ergo war der Einsatz nicht nur militärisch, sondern auch politisch bedingt. Und demzufolge auch mit heißer Nadel gestrickt, als die britischen Nordmeer-Konvois wieder aufgenommen wurden.
Und dann war eigentlich Murphy (als ob der Brite war) von Anfang an mit dabei - es ging schief, was schief gehen konnte, und zwar operativ auf beiden Seiten: sowohl bei der Flotte (Bey) als auch bei den Stabsstellen.


Ich gebe Leutnant Werner insofern recht, als daß das damalige Szenario wirklich das eigentlich einzige war, das noch einen erfolgversprechenden Einsatz dt. Überwasserstreitkräfte zugelassen hätte: Ran, schauen, ob man was machen kann und dann entweder zuschlagen oder fix wieder abhauen.
Aber dann kamen eben zwei Dinge zusammen: erst hatte man kein Glück und dann auch noch Pech.
Alliiertes Radar war fast perfekt, und dann wurde auch noch beim Austausch der ersten Salven das Radar der Scharnhorst (und nicht der Entfernungemesser, @ tirpitzpeter) außer Gefecht gesetzt, so daß sie nicht merken konnte, daß sich eine Schlinge um sie zuzieht. Weil eben auch in der Aufklärung und in der Weiterleitung von Meldungen vieles versiebt wurde.


Und tirpitzpeter hat natürlich insofern Recht, als daß selbst ein erfolgreicher Einsatz den Kriegsverlauf kaum geändert hätte und der Einsatz daher sinnlos war - allerdings aus heutiger Sicht. Aus damaliger war er ein Verschulden vieler, nur nicht der Seeleute, die die vielen Fehler mit ihrem Leben bezahlen mußten.

Mögen sie in Frieden ruhen!
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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