Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 6 Gäste betrachten dieses Thema.

Gabler

Abschließend noch zur Entwicklung der Timor-Antenne und ihrem Aussehen:

Um herauszufinden, welche Funkmessanlagen die Engländer verwendeten, entschloss man sich nach der Bismarck-Unternehmung im Juni 1941, passive Beobachtungsgeräte für den vermuteten niedrigen Meterwellenbereich, etwa zwischen 75cm und 300cm einzusetzen. Nur: Es gab solche Geräte in der deutschen Industrie nicht. Allerdings konnte man sich mit den Erzeugnissen der französischen Funkmesstechnik behelfen. Bei der Firma Metox in Paris waren verschiedene Funkempfänger vorhanden, so ein Gerät namens R600 mit einem Empfangsbereich zwischen 65 und 265cm und, weil das wohl nicht ganz langte, ein weiteres Gerät R203 für den Bereich etwa zwischen 188cm und 500cm. Mit beiden Geräten zusammen konnte der gewünschte zu überwachende Bereich von 75cm bis 3m abgedeckt werden und mit diesen beiden Geräten zusammen sollten die deutschen Schiffe solange ausgestattet werden, bis eine Lösung aus einheimischen Landen gefunden wurde.

Für die Antennen jedoch gab es gar keine passenden Angebote auf dem Markt und deshalb mußte eine solche erst einmal entwickelt und gebaut werden. Man benötigte dafür sog. breitbandige Dipolantennen mit einem "Breitbandfaktor k" von 4. Das ist ein Maß für die "Breitbandigkeit". Es bezeichnet das Verhältnis der oberen Wellenlängengrenze zur unteren Wellenlängengrenze. Das war wohl die Forderung des OKM und so kommen diese Grenzen zustande: 300cm / 75cm = 4!

Ein Breitbanddipol mit 75cm Länge würde für eine Sendewelle von 75cm Länge einen Ganzwellendipol darstellen, für die Welle 150cm einen Halbwellendipol und für eine Länge von 300cm einen Viertelwellendipol. Das sind die "Idealmaße". Die verbreiterte Form des Dipols in Gestalt dieser ganz charakteristische "Schmetterlingsform" soll die Wellenlängen dazwischen abdecken, so daß im Ganzen eben der gesamte Bereich von 75cm bis 300cm erfasst werden sollte.

Aus den anfänglichen Versuchen mit normalen Hertz´schen Dipolen war bekannt, daß die Anordnung mehrerer paralleler Dipole zu einer erheblichen - gewünschten - Strahlungsbündelung führte, wenn die Dipole in einem Abstand von einer halben Wellenlänge nebeneinander montiert wurden - so geschah es auch mit den Breitband-Schmetterlingsantennen. Insgesamt wurden 8 vertikal polarisierte "Schmetterlinge" nebeneinander vor einem Maschendrahtreflektor verbaut und diese auch noch hälftig mit zwei Anschlüssen für die Möglichkeit einer Vergleichspeilung versehen. Daraus resultiert eine erforderliche Mindestbreite von genau 262,5cm. Mit etwas Überstand kommt man so auf 2,80 bis 3,00m Breite.

Da man zwar annahm, daß die Engländer ebenso wie die Deutschen ihre Antennen vertikal polarisieren würden, es aber nicht genau wußte, hat man außerdem oberhalb der 8 senkrecht angeordneten Breitbanddipole noch eine weitere Reihe liegender, also horizontal polarisierter Dipole angeordnet. Bei vier horizontalen Dipolen mit einer Länge von 75cm nebeneinander kommt man zu einer Antennenbreite von mindestens - 300cm. Die Höhe der Antenne hatte ich aufgrund der Anordnung zuvor schon einmal auf etwa 140cm geschätzt. Damit sind alle Ingredienzen bekannt und man konnte sie bauen - die Timor-Antenne.

All das hat Dr. Rindfleich vom NVK in Pelzerhaken entwickelt und so wurde sie gebaut. Ich habe mir das nur angelesen und in meinen Worten beschrieben. Eine anschauliche Prinzipskizze der Antenne, die den genauen Aufbau zeigt, ist in meinem Beitrag #881 auf Seite 59 dieses Threads beschrieben

https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?msg=463865

Hierin sind auch zwei Aufnahmen der sehr auffälligen Timor-Antenne auf Prinz Eugen enthalten: mittig unterhalb der Seetakt-Antenne. Außen die beiden Höhenpeilantennen, die in der Bauzeichnung auch für Graf Zeppelin vorgesehen waren.

Dafür, daß eine solche Anntenne de facto aus dem Nichts erschaffen und mit den zusammengekratzten französischen Geräten kombiniert werden mußte, gelang die erste Ausrüstung, Tirpitz im Dezember 1941 doch ziemlich rasch. Es waren nur 7 Monate vergangen seit dem Entschluß, eine solche Anlage nötig zu haben und dem ersten Gerät an Bord.

Man hat dann auch sehr schnell herausgefunden, daß das Metox nur auf die horizontal polarisierten Antennen ansprach und spätestens mit dem vermehrten Einsatz auf den U-Booten ab August 1942, daß die englischen Schiffsbordanlagen auf ca. 120-140cm Wellenlänge sendeten und die Flugzeuge auf ca. 150-170cm ("ASV-Welle"). Mit dem R203 wurden keine Funkmessignale empfangen, dafür konnte man damit den englischen Fliegersprechfunk abhören.

Mit der Truppeneinführung des FuMB4 Samos als "eigenes" FuMB fiel das Metox R600 fort (nur die U-Boote behielten das bis es glaube ich Ende Juli 1943 verboten wurde wegen der Eigenstrahlung), aber das andere Metox-Gerät R203 blieb an Bord. Also: Die FuMB-Ausstattung Ende 1942 sah sicherlich ein Samos-Gerät für die Timor-Antenne und ein Metox R203 für den Sprechfunk vor und wie schon erwähnt als Sektorpeilanlage eine Sumatra-Anlage, womöglich mit einem zweiten Samos-Empfänger oder bei nur einem vorhandenen umzustecken...

So, genug der Hypothesen. Schönen Restsonntag

Gabler

Impressum & Datenschutzerklärung