Treffer vermeiden

Begonnen von Schorsch, 30 Januar 2009, 19:15:23

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Huszar

Hallo,

Ich muss mich mal auch einmischen  :-D

Bei Bomben/Raketen/Torpedo-Angriffen muss unterschieden werden - nämlich nach Waffentyp UND Anflugmuster.

Ja, bei einem Tiefangriff (dh wenige Meter über der Oberfläche) ist Angriff in der Breitseite vorteilhafter. Also bei Torpedo- oder Raketenangriff, bzw Tiefangriff mit Bomben. Hat aber den Nachteil, dass die Flak einfacher zielen kann, bzw die gesammte Bewaffnung zum Tragen gebracht werden kann (vom existierenden Problem "Grundberührung" mal abgesehen)

Flieg man aber hoch, oder führt einen Sturz- oder Gleitbombeneinsatz durch, ist der Angriff von achtern weitaus vorteilhafter!

Bordwaffenbeschuss:
Sorry, mit 0,3" oder 0,5" kannst du bei einem U-Boot (besser gesagt: Schiff) nicht das geringste anrichten! 20mm sind ebenfalls nur aus geringen Entfernungen ansatzweise wirkungsvoll (Druckkörper ist gebogen, Flieger hat auch einen Flugwinkel). Leicht beschädigen, ja, versenken, oder zumindest schwer beschädigen geht NICHT.
Es wurden auch 40 und 57mm Kanonen angesprochen. Ja, mit denen gehts.
ABER!
37 und 40mm hatte kein Flugzeug, dass zum U-Boot-Jagd eingesetzt wurde (P-39, Hurricane II.D hatten sowas), von den 57mm-Mossy-XVIII wurden lediglich wenige Dutzend gebaut (um die 40-50 Stück, wenn ich mich recht erinnere)...

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Mario

Noch eine wichtige Bemerkung.
Der anfliegende Pilot muß ja nicht von einem zwangsläufig wegtauchendem U-Boot ausgehen. Es kam auch vor, das ein U-Boot tauchunklar war, bzw. gerade erst mit leeren Batterien aufgetaucht. In solch einem Fall blieb blos das Artillerieduell mit dem Flugzeug.
Außerdem konnte ein Boot zum Abbruch der Feindfahrt gezwungen werden, wenn es gelang, der Bootsbesatzung Verluste zuzufügen.

MS

An dieser Stelle vielleicht einige Erläuterungen zur de Havilland DH 98 Mosquito  einem zweimotorigen, zweisitzigen Mehrzweckflugzeug

Das Flugzeug besteht im Wesentlichen aus Sperrholz mit einer Zwischenschicht aus Balsaholz, was ihm auch den Spitznamen „Wooden Wonder“ - Hölzernes Wunder- einbrachte. Der Rumpf wurde aus zwei Hälften zusammengesetzt, die erst kurz vor dem Zusammenbau mit kompletten Steuerleitungen versehen wurden. Die Maschine wird von zwei Rolls-Royce Merlin-Motoren angetrieben und war in ihrer Geschwindigkeit jedem deutschen propellergetriebenen Jagdflugzeug überlegen.

Während des Krieges wurden 6710 Flugzeuge, insgesamt wurden 7781 Flugzeuge gebaut, davon 1134 in Kanada und 212 in Australien in vielen verschiedenen Varianten.

Die hier angesprochene Variante ist die FB Mk.XVIII „Tsetse“, wobei FB für Fighter Bomber steht. Sie basiert auf dem Jagdbomber FB Mk.VI welcher mit 2718 Stück das meistgebaute Mosquitomodell ist. Die Bewaffnung bestand aus 4x20 mm Maschinenkanonen und 4x7,7 mm Maschinengewehren untergebracht in der „Flugzeugnase“.

Bei der FB Mk.XVIII „Tsetse“ wurden die vier 20 mm Maschinenkanonen durch eine modifizierte 57 mm Molin Panzerabwehrkanone mit Autolader ersetzt, 27 Maschinen wurden umgerüstet. Die Prototyperprobung begann im Herbst 1943.

Das einzige von Flugzeugbordwaffen nachweislich versenkte U-Boot  war U-976, welches am 25.03.1944 in der Biskaya vor St. Nazaire durch den Einsatz von zwei Tsetses verloren ging ( 4 Tote, 49 Überlebende ). Die beiden Tsetses wurden geflogen von Pilot D.Turner, Navigator D.Curtis sowie Pilot A.Hilliard, Navigator J.Hoyle  von der 618.Squadron Special Detachment. Die beiden Maschinen wurden eskortiert von 4 normalen FB Mk.VI  der 248. Squadron.
A.Hilliard und J.Hoyle  gelang es am 27.03.1944 noch U-960 in einem Küstengeleit zu beschädigen ( Turmduchschuss). Bei diesem Gefecht zwischen dem Geleit und der Mosquitogruppe wurden 14 Mann der U-Bootbesatzung verletzt.

Alle weiteren umgerüsteten Mosquitos wurden der 248.Squadron zugeordnet, welche ab September 1944 vom schottischen Banff aus als Teil der Banff Strike Wing ( 4 Schwadronen Mosquitos in Banff und 4 Schwadronen Beaufighter in Dallachy) gegen die Küstenschifffahrt in Norwegen und später gegen deutsche Schiffsbewegungen in der Nordsee zum Einsatz kamen.
Die Umrüstung wurde später teilweise wegen nicht zu lösender Rückstossprobleme wieder rückgängig gemacht, auch weil zwischenzeitlich der Einsatz von Raketen bei den FB MK.VI mit durchschlagendem Erfolg praktiziert wurde. Vier Raketen pro Flugzeugflügel konnten jeweils paarweise oder als Salve abgefeuert werden.

Foto

Foto2

Video

Grüsse
MS

Schorsch

Hallo zusammen,

im eingangs angesprochenen Paralleluniversum ist ein interessanter Link ausgegraben worden, den ich hier einfach noch vorstellen möchte. Es handelt sich um Anweisungen des Costal Commands aus dem Jahr 1943, wie Anti-Uboot-Patrouillen durch Flugzeuge durchzuführen sind.

Zum Angriff mit Wasserbomben wird im Punkt 21. (iii) ausgeführt:
Zitat"Although the attack may be carried out from any direction, it should be delivered as near along track of the U/Boat as is possible in the circumstances."
(Der Angriff kann aus allen Richtungen geführt werden; wenn es die Umstände erlauben, sollte dabei dem Kurs des Ubootes möglichst gefolgt werden.)

Zum Thema Artillerieduell Flugzeug vs. Uboot sind die Punkte 42 und 43 interessant. Es werden zwar keinerlei taktische Anweisungen gegeben und lediglich Aspekte des Angriffs genannt, die berücksichtigt werden sollten (vorhandene eigene Bewaffnung, Überraschungsmoment, Unterstützung durch andere ASW-Kräfte usw.), der Grundtenor war aber auch bei den Briten in dönitzscher Manier: ,,Angriff!-Ran!-Versenken!"
ZitatIn general, however, he must remember that the primary reason for his existence is, for the time being, to kill U/Boats and that a U/Boat on the surface presents a much better chance of a kill than one submerged.
In diesem Zusammenhang wird auch noch einmal herausgestellt, dass Uboote schlechte Artillerieplattformen sind, und es wird die Wichtigkeit der Unterdrückung des Abwehrfeuers durch Töten der Bedienungsmannschaften oder Verhinderung des Besetzens der Waffen betont.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

mhorgran

Hallo
folgendes muß ich revidieren:
ZitatHarlinghausen entwickeltem Anfang des Krieges (oder vorher ?), den Tiefangriff in Masthöhe, dabei war die bessere Angriffsrichtung tatsächlich eher die Breitseite der Schiffe. ... Später war die Masse der "feindl." Schiffe mit Flawaffen oder Drahtseilraketen ausgerüstet. Damit war diese Taktik nicht mehr möglich.


laut  Neitzel – Der Einsatz der deutschen Luftwaffe über dem Atlantik und der Nordsee 1939-45"
Zitat...
Die Angriffe auf Handelsschiffe wurden bis Anfang Januar 41 in Längsrichtung geflogen. Die Maschine flog das Schiff in 250 – 400 m Höhe an, um dann mit etwa 10° Neigung und 320 – 350 km/h Geschwindigkiet das Ziel in Masthöhe zu überfliegen und die Bomben auszulösen. Während des An- und Abfluges hielten die Bordwaffen der Fw 200 die Flakbedienungen des Schiffes nieder. Die 2cm Kanone bewährte sich hierbei besonders.  Die Maschinen waren mit 1.500 kg Bomben (Gesamtbeladung) beladen und warfen pro Anflug ein bis zwei Bomben. Bei Treffern an den richtigen Stellen konnte schon in einem Anflug ein Schiff versenkt werden. Im Januar 41 wurde auch der Angriff querab zum Schiff erprobt. Er war insbesondere bei unbeladenen und großen Schiffen mit hoher Bordwand erfolgversprechend.
...

Die beste Abwehr gegen die Tiefangriffe bestand aus je zwei schnellfeuernden 2cm-Flakgeschütze am Bug und Heck der Handelsschiffe.




Raptor

Zitat von: mhorgran am 01 Februar 2009, 12:15:17
Bei Bombenangriffen gab es beide Möglichkeiten.
Harlinghausen entwickeltem Anfang des Krieges (oder vorher ?), den Tiefangriff in Masthöhe, dabei war die bessere Angriffsrichtung tatsächlich eher die Breitseite der Schiffe. Bei Überflug über das Schiff, oder auch beim Abdrehen vor dem Schiff, war das Flugzeug von den Fla-waffen des Schiffe (der Schiffe) massiv bedroht. Aus diesem Grund konnte diese Taktik nur am Anfang des Krieges mit Erfolg eingesetzt werden. Später war die Masse der "feindl." Schiffe mit Flawaffen oder Drahtseilraketen ausgerüstet. Damit war diese Taktik nicht mehr möglich.

Richtig, ein Schiff mit Bomben an der Breitseite anzugreifen war in den meisten Fällen nicht von Erfolg gekrönt. Bei einem U-Boot sah das schon anders aus. Hier waren ja bekanntlich die Tauchzellen angeordnet und ein Nahtreffer konnte sehr wohl verheerend für das Boot sein. Es ging ja in erster Linie nicht das Boot zu versenken sondern kampfunfähig zu machen damit es anschl. bequem von Huntergroups fertiggemacht wurde.

Mehr Sinn machte es auf jeden Fall das Boot in Längsrichtung anzugreifen, und zwar direkt von vorne. Die Mehrzahl der Flakwaffen war hinter dem Turm massiert, auch konnte das angreifende Flugzeug das Boot komplett längsseits mit Bordwaffen bestreichen was zu großen Verlusten unter der Flak- und Turmmanschaft führte. Man muß auch die Schäden bedenken die z.b ein Beaufighter Angriff mit 4 x 20mm Maschinenkanonen kombiniert mit 6 7,7mm MG´s und 8 41kg Raketen anrichtete




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