Auf der Suche nach der "Wiesbaden"

Begonnen von Ralf, 29 Juli 2010, 06:58:20

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Ralf

Quelle: SHZ. Titel

Finden sie das versunkene Kriegsschiff?
hamburg
Niemand hat das Wrack der „Wiesbaden“ je gefunden, jetzt wollen diese beiden Profitaucher einen neuen Anlauf unternehmen: Jens Hilbert (44, li.), Marinetaucher aus Eckernförde, und sein Kollege Derk Remmers (38) wollen den Kreuzer finden, der im Sommer 1916 in der Schlacht vom Skagerrak im Ersten Weltkrieg gesunken war. Am 8. August starten die Norddeutschen vom dänischen Thyboron aus.

Ein Marinehistoriker aus Cuxhaven (Niedersachsen) hat neue Koordinaten in der Nordsee, 80 Seemeilen vom dänischen Hirtshals entfernt, ermittelt und den Tauchern für ihre Expedition mit einer insgesamt 13-köpfigen Mannschaft zur Verfügung gestellt. Die Kosten für die einwöchige Suchaktion tragen die Taucher aus eigener Tasche. Ihre Motivation: „Die Erinnerung an die 589 Menschen, die mit der ,Wiesbaden’ untergegangen sind, soll nicht mit dem Wrack zerfallen“, sagt Remmers. Unter den Opfern war auch der als Gorch Fock bekannte Dichter Johann Kienau.
heg

Gorch Focks letztes Rätsel
13-köpfiges Expeditionsteam geht auf die Suche nach der gesunkenen „Wiesbaden“
Hamburg

Bei 17 Grad, grauem Himmel und Regen tauchten Jens Hilbert (44) und Derk Remmers (38) gestern ab. Aber nur für wenige Minuten, im Hamburger Hafen, für die Fotografen.

Ein Spaziergang im Vergleich zu dem, was die beiden Profitaucher in eineinhalb Wochen erwartet. Mit sieben anderen Tauchern wollen sie das Wrack der „Wiesbaden“ finden. Das 145 Meter lange Kriegsschiff sank bei der Skagerrakschlacht im Ersten Weltkrieg im Sommer 1916. Damals gingen 589 Seeleute mit dem Schiff unter, darunter auch der niederdeutsche Dichter Johann Kinau, bekannt als Gorch Fock. Seitdem gilt die „Wiesbaden“ als verschollen.

„Ich habe versucht, Daten über das Kriegsschiff herauszubekommen. Aber alle Koordinaten, die kursieren, sind falsch“, sagt Hilbert. Trotzdem ist der Marine-Kampfschwimmer aus Eckernförde zuversichtlich, dass sein Team die „Wiesbaden“ finden wird.

Die 13-köpfige Mannschaft sticht am 8. August vom dänischen Thyboron aus in See. Ziel ist ein Quadratkilometer in der Nordsee, 80 Seemeilen vom dänischen Hirtshals entfernt. Nach Angaben eines ehemaligen Leiters des Maritimen Museums in Cuxhaven (Niedersachsen) soll dort das fast 100 Jahre alte Wrack liegen. Er hat dem Forscherteam die Koordinaten verkauft. Unterstützt werden die Taucher von einer Kieler Firma, die Seitensichtsonare vertreibt. Mit denen soll das Wrack leichter geortet werden.

Sollte das Team das Schiff finden und vom Auswärtigen Amt die Erlaubnis bekommen, Teile zu bergen, sollen die dem Maritimen Museum in Hamburg zur Verfügung gestellt werden. Erfahrungsgemäß werde das aber nicht leicht, sagt Remmers. „Wir werden einen Schrotthaufen vorfinden. Da etwas mit musealem Wert zu entdecken, wird kein Selbstläufer.“

Die Kosten für die eine Woche dauernde Expedition trägt das Team aus eigener Tasche. Warum dieser Aufwand? „Die Erinnerung an die 589 Menschen, die an Bord der ‚Wiesbaden‘ untergegangen sind, soll nicht mit dem Wrack zerfallen“, sagt Remmers, der schon bei zahlreichen Wrackexpeditionen in Nord- und Ostsee dabei war.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Taucher nach der „Wiesbaden“ gesucht. Nach zehn Stunden brachen sie die Suche erfolglos ab.

Nadine Heggen

Bildunterschriften:
Bild 1: Sie stechen am 8. August in See: Derk Remmers (links) und Jens Hilbert.
Foto: Dewanger
Bild 2:
Die „Wiesbaden“ sank im Sommer 2016 in der Schlacht am Skagerrak. Das Foto zeigt ein Modell aus dem Internationalen Maritimen Museum in Hamburg.
Foto: dpa
Gruß
Ralf
___________________________________________
,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

Big A

Habe Derk Remmers hier in Rostock bei einem Vortrag zum Tauchgang zu Wracks der Skagerrak-Schlacht kennen gelernt und wenn's klappt kommt er zum Wintervortrag Ende November / Anfang Dezember ins Marineamt. Kann nur sagen, es lohnt sich, seinen Berichten zu lauschen

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

t-geronimo

Wünschen wir den beiden viel Erfolg! :TU:)
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Jag

Im Wikipedia Artikel zur SMS Wiesbaden steht das das Schiff 1983 von Tauchern der Bundesmarine in 52 Metern gefunden wurde.

MFG Jag

Ingo

Ist auch richtig so, aber:

Zitat...Erst im Juni 1983 fanden Taucher der Marine das Wrack bei einer Übung.

"Doch die Tauchprotokolle der Marine aus dieser Zeit sind verschwunden, die Position des Wracks war uns zunächst nicht bekannt", sagt der in Eckernförde stationierte Marine-Kampfschwimmer Hilbert. Deshalb kaufte er die GPS-Daten. "Die Position des Wracks ist nur einer Handvoll Menschen bekannt."...
Quelle:http://www.welt.de/die-welt/article3742382/Expedition-zum-Wrack-des-Kreuzers-Wiesbaden.html

Hilbert ist der Marinetaucher der auch zur Blücher getaucht ist (Doku im NDR)?

Karsten

Zitat von: Ralf am 29 Juli 2010, 06:58:20
Sollte das Team das Schiff finden und vom Auswärtigen Amt die Erlaubnis bekommen, Teile zu bergen, (...) 

Das sagt der Jurist in mir:


  • Zuständig ist meines Wissens für diese Frage nicht das AA, sondern das Bundesfinanzministerium (BMF) als Verwalter ehemals reichseigenen beweglichen Bundesvermögens. Denn darum handelt es sich bei dem Wrack - die BRD ist Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches.
  • Meines Erachtens braucht das Team nicht nur für die Bergung von Teilen, sondern sogar schon für das Betreten des Wracks eine Erlaubnis des BMF.
  • Hat das Wrack den Status eines Seemannsgrabes? Dann darf es sicherlich nicht betreten, geschweige denn Teile abgeborgen werden.

Und das der Historiker:

Solche Suchen finde ich immer sehr spannend! Ich wünsche viel Erfolg!


Viele Grüße,

Karsten
Viele Grüße,

Karsten

Ravensburg

Hi @ Karsten     Zuständig ist AA,Berlin. ``Seemannsgrab gibt es nicht.`` Handelsfahrzuge und Kriegsschiffe die nicht Kriegsverluste ist kann außerhalb Hoheitsgebiet jeder betauchen. Wiesbaden ist international geschütztes Soldatengrab. Dürfte eigentlich nicht betreten werden. Es wurde und wird in Deutschland nicht so eng gesehen.
Werner

Karsten

Hallo Werner,

Zitat von: Ravensburg am 29 Juli 2010, 12:55:20
Zuständig ist AA,Berlin.

Da bin ich anderer Meinung. Kannst Du Deine Aussage belegen? Für das Abbergen von Teilen - also den Eingriff in die Besitz- und Eigentumsrechte der BRD - ist m.W. nämlich das BMF zuständig.

Zwischen Suchen und Betauchen (also "tauchenderweise angucken") einerseits sowie dem "In-das-Innere"-Tauchen/Betreten (also "tauchenderweise anfassen") und Teile Abbergen andererseits besteht für mich der kleine und feine, aber relevante Unterschied. Siehe hier: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/11/050/1105037.pdf (Seite 1 unten) eine entsprechende Aussage des Staatssekretärs Dr. Sudhoff vom 30. Juli 1989 zum Wrack der Bismarck. (Allerdings muss ich zugestehen, dass Dr. Sudhoff Staatsskeretär im AA war.)

Es gibt aber auch eine Äußerung des BMF zu dieser Frage:

ZitatStellungnahme des BMF vom 1. Juli 1968 mit dem Inhalt, "daß die Bundesrepublik Deutschland grundsätzlich an allen versenkten Kriegsfahrzeugen der ehem. Deutschen Kriegsmarine das Eigentum beansprucht. Jegliche Verfügung hierüber (Bergung, Verschrottung) bedarf daher meiner (d.h. des BMF) Einwilligung."; abgedruckt in: Norsk Retstidende 135 (1970), 346 (354).

In diesem Verfahren vor dem Obersten Norwegischen Gericht ging es um die Eigentumsfrage an dem Wrack von U 76 (versenkt im 1. Weltkrieg).

Viele Grüße,

Karsten
Viele Grüße,

Karsten

Ravensburg


Hi:
In einem anderem Forum (Kaiserliche Marine )  äußerte sich ein Mitarbeiter des AA. Seiner Aussage nach ist das AA zuständig. Es handelt sich um Angelegenheiten die außerhalb des Geltungsbereiches deutscher Gesetze liegen. Außerdem handelt es sich bei der Wiesbaden um ein Kriegsgrab.Ich glaube nicht, dass das Finz.Minstr. Verhandlungen mit Russland führt wenn es um dortige Kriegsgräber geht. Das ist dann als Staatsorgan Sache des AA. Ich bin kein Jurist sondern nur ein an der Marine interessierter Laie.
Werner

Karsten

Hallo Werner,

Du wirst Recht haben - für die zwischenstaatlichen Verhandlungen und Angelegenheiten ist sicherlich das AA zuständig. Für die reinen vermögensrechtlichen Fragen dagegen das BMF. Beide Ressorts werden sich in einem solchen Fall sicherlich abstimmen.

Viele Grüße,

Karsten
Viele Grüße,

Karsten

Mighty O

Moin,

Ich habe gestern mit Derk Remmers telefoniert. Die Suche wurde aufgrund der Wetterverhältnisse abgebrochen.

Mike

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