Kriegsmarine – Eisbrecher – Castor als Schulschiff bei der Seepolizei ?

Begonnen von Albatros, 02 Mai 2013, 20:50:35

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Albatros

Durch Jochens Beitrag http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,19340.msg216308/topicseen.html#msg216308 auf Castor aufmerksam gemacht habe ich mal nachgesehen was ich so darüber habe.

Die Volksmarine der DDR Seite 184,
Im unterschied zu Jochen und dem Gröner,...... nach Bombentreffer gesunken und 1951 durch DDR – Bergungsunternehmen gehoben, von Neptun-Werft-Rostock instand gesetz und für die Sowjetunion als Peresvet in Dienst gestellt.

Bevor es allerdings dazu kam überließen die Sowjets das Schiff angeblich vorübergehend der Seepolizei zu Ausbildungszwecken um die Stammbesatzungen für die neuen MLR der Habicht-Klasse heranzubilden.

Wem ist bekannt für wie lange und ob überhaupt die ehemalige Castor für die Seepolizei als Ausbildungsschiff fuhr?
Und gibt es eventuell Bilder aus dieser Zeit?


:MG:

Manfred

SchlPr11

Hallo,
nein, niemals!

CASTOR lag als Wrack vom 05.03.1953 bis in das Jahr 1956 zum vollständigen Neuaufbau in der Rostocker Neptunwerft. Dabei entstand ein kompletter neuer Zeichnungssatz in 1:100, der Ausgangs der 1980er Jahre noch im Archiv der Neptunwerft lag. Wohl verwahrt, so wie viele andere Pläne über ein Jahrhundert zurück! Sie sind verschollen!

In wieweit die Neptunwerft auf ausgelagerte Unterlagen aus der Schichauwerft dabei zurückgreifen konnte, ist heute schwer zu prüfen. Solche sollen 1945 nach Rostock verlagert worden sein. Bei Sanierung des Geländes angeblich in den Katakomben zugeschoben...

CASTOR: hier im Foto in seiner Form, wie ihn die Schichauwerft an die KM lieferte. Meherer Umbauten folgten bis 1945.
Dazu als Planbeispiel die Silouhette vom 14.04.1956 und ein Foto auf der Warnow im Schlepp zur Ablieferung an die UdSSR.
Um 1970 wurde der Eisbrecher in Vladivostok aufgelegt und seine traurigen Reste liegen heute auf den Klippen bei Ostrov Reyneke im Fernen Osten und erfreuen als Nistgelegenheit die Bass-Tölpel dort.
Fotos findet man gelegentlich in russischen Foren (Radikal.ru usw.), die ich leider hier nicht zeigen kann.

Alles was mal die "Marinerundschau" zu dem Schiff, zur Verwendung der KUSHKA und weiterer Schiffe in Verbindung zur Seepolizei verlautbarte, ist völliger Mumpitz und von der Zeit überholt. Zwei Indizen mögen für diese Vermutung damals ausschlaggebend gewesen sein:
- während der umfangreichen Werftprobefahrten führten die Reparaturschiffe die deutsche Flagge. Ihre Reparaturzeiten korrespondierten in keiner Weise mit den Daten der Aufstellung von VP-See/Seepolizei.
Siehe dazu die tabellarische Auswertung in: 140 Jahre Eisenschiffbau in Rostock - Reparationsleistungen für die UdSSR, Brandenburgisches Verlagshaus Berlin 1991, ISBN 3-327-01253-9
- zur Erprobung der Maschinenanlage PORYVISTIY/SU 6/ex: T 17 stiegen im Sommer 1956 Praktikanten der Rostocker Schiffbaufakultät an Bord ein. Sie erhielten aus Sicherheitsgründen das übliche Lederzeug des Maschinenpersonals, welches bei manchem auf der Werft die Erinnerungen wieder weckte. Doch auch dieses Einkleiden stand nicht im Zusammenhang mit den hochfliegenden DDR-Marineplänen.
Ein interessantes Thema, auf das gegebenenfalls noch zurückzukommen sein wird.

REINHARD

Albatros

Moin Reinhart,

Danke Dir für Deine interessanten  Ausführungen und Fotos..... top
Da ja wie von Dir beschrieben ein vollständiger Neuaufbau nötig war der ja wohl auch die Maschinenanlage betraf mal die Frage welche Anlage mit welcher Leistung in Rostock eingebaut wurde.
Ursprünglich waren ja wohl  2 + 1  3zyl. 3fach Exp.-Maschinen mit 4 Kesseln und einer Höchstleistung von insgesamt 9600 PS eingebaut.


Bild der PERESVET ex Castor, wie das Wrack heute eventuell aussieht.
http://www.shipspotting.com/photos/middle/6/6/2/1083266.jpg

Eisbrecher haben ja eigentlich ein langes Leben, warum war dies bei der PERESVET schon nach so kurzer Zeit ( 14 Jahre ) beendet, ist Dir etwas dazu bekannt?

:MG:

Manfred


bettika61

Hallo REINHARD,
vielen Dank für die Informationen und Bilder  :-)
könten dies http://www.polarpost.ru/forum/download/file.php?id=20125&mode=view
http://www.polarpost.ru/forum/download/file.php?id=20126&mode=view
Fotos aus der russsischen Zeit sein ?
Die Zeitangaben hier  und imOriginal
Bilder von "August 1956" und gedient auf dem  Schiff von "vom 9. August 1955 bis zum 31. März 1958 " lässt noch Zweifel zu

Grüsse
Beate
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

SchlPr11

Hallo Manfred,
im ersten Nachkriegswinter ragten die Aufbauten des CASTOR noch aus der Ostsee, wurden dann vom Eisgang rasiert. Die Minenschäden scheint der robuste Schiffskörper ganz gut weggesteckt zu haben. Trotzdem wurde auf Forderung der Besatzungsmacht ein umfangreicher Plattenwechsel ausgeführt.
Bei der Wiederherstellung der Maschinenanlage kooperierte die Neptunwerft mit damals namhaften Herstellern in Görlitz, Magdeburg und Hohenthurm. Nicht zu veergessen, als Vollwerft hatte die NW einen starken (Dampf)-Maschinenbau.
Ob auch bereits Westfirmen beteilgt waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Wenig später bei der Generalreparatur des Eisbrecher KRASSIN kooperierte die MTW mit den Ottenser Eisenwerken/Dampfmaschinen und Dampfkesselbau Hohenthurm in der DDR.
Die Kessel waren ursprünglich 1939 für die Fähren Sassnitz-Trelleborg bestimmt. Die DRG mußte sie unter Druck an die Werft und KM abtreten. Die Fähren wurden erst später neu bestückt.
Über Hintergründe zum schnellen Ausscheiden kann man wirklich nur spekulieren. Vielleicht hört man aus dem Osten mal was über Bewährung des an sich schönen Schiffes.
Beste Grüße - REINHARD mit D

SchlPr11

Hallo Beate,
danke für Deine weiterführenden fleißigen Ergänzungen.
Besagter Mann wurde offensichtlich 1955 schon zur Baubelehrung nach Rostock an Bord kommandiert.
Ein konkretes Auslieferungsdatum gibt es bislang (bei mir) nicht. Bernd Oesterle schreibt: Mai 1956. Die Silouhette beispielsweise datiert vom 14.04.1956 als Reinzeichnung. Also für den offiziellen Zeichnungssatz.
Im Original waren das alles Transparentblätter bis DIN A 0. Handwerklich so etwas zu betrachten hat wirklich Spaß gemacht. Konstrukteure und Zeichnerinnen hatten was drauf!
Von Rostock nach Libau scheint sich der Weg auch zu bestätigen. Hinter PERESVET ein Kreuzer der CHAPAYEV-Klasse.
Im Herbst mit weiteren Eisbrechern im Konvoi mit Küstenschutzschiffen Projekt 50/RIGA-Klasse und U-Jägern über den Nördlichen Seeweg nach Fernost verlegt. Mit Datum Oktober 1957 dürfte es schon eine schwierige Fahrt zum Ende spät in der Navigationsperiode im Herbst gewesen sein.
Man kann die Probleme der Dünnblechschiffe im arktischen Eis schon erahnen.
Als link sind dann die mir auch vorliegenden "aktuellen" Fotos des Wracks in Fernost auch zu finden.

REINHARD

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