Korrosionsschäden am Rumpf des Segelschiffes GORCH FOCK

Begonnen von longwood, 11 März 2012, 20:40:42

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longwood

Hallo,

wie allgemein bekannt, wurden beim routinemäßigen Werftaufenthalt um die Jahreswende 2011 / 2012 bei der Elsflether Werft sehr große Korrosionsschäden am Rumpf – vor allem im Bereich des Vormastes und des Besan - der GORCH FOCK festgestellt, so dass ca. 400 qm der 89 langen Bark ausgetauscht werden müssen. Z. Z. befindet sich das Schiff im Dock der Bredo-Werft in Bremerhaven.

Als Ursache – aber nicht alleinige Ursache – wird vermutet, dass die einzelnen Barren des Bleiballastes nicht ordnungsgemäß isoliert, sondern lediglich mit Plastikfolie umhüllt waren.

Interessant ist, zu wissen, das es bei der Korrosion um eine elektrochemische Korrosion handelt und die Innenwände (!) des Stahlschiffes ,,angefressen" wurden.

Ich bin zwar kein ,,(Ober-) Lehrer", möchte aber kurz erklären, wie es zur elektrochemischen Korrosion kommt.

,,Wie wir alle" noch vom Chemieunterricht in der Schule wissen oder auch verlernt haben, ist jedem Metall innerhalb der ,,Elektrochemischen Spannungsreihe" eine bestimmte Spannung zugeordnet; und zwar für Eisen  – 0,44 Volt und für Blei  – 0,13 Volt.

Da der Strom vom hohen zum niedrigen Potential fließt und dort, wo der Strom austritt, das Metall korrodiert – fließt der Strom im Fall der GORCH FOCK vom Metallrumpf zu den (unsachgemäß) gelagerten Bleibarren und der Rumpf wird ,,angenagt".

Aus Gründen der elektrochemischen Korrosion sind auch an vielen Eisenschiffen sog. Opferanoden aus Zink angebracht, die den Rumpf und den Propeller schützen sollen.

Ich hoffe, nicht zu ,,schulmeisterlich" gewirkt zu haben...

Es wurden aber auch Korrosionsschäden an der Außenhaut – bedingt durch das teilweise sehr aggressive Seewasser – festgestellt.

Wer für die unsachgemäße Lagerung der Bleibarren verantwortlich ist und ob Regressansprüche geltend gemacht werden, wird z. Z. von der Marine geprüft.

Auf jeden Fall wurde der gesamte Ausbildungsplan der GORCH FOCK ,,durcheinandergewürfelt" und sie erscheint definitiv auch nicht zur KIELER WOCHE 2012.

Die Repräsentationsaufgaben der Bark sollen künftig ohnehin stark eingeschränkt werden.

Abschließend würde mich noch interessieren, wie viel Bleiballast insgesamt an Bord ist und wie viel etwa ein einzelner Bleibarren wiegt.

Viele Grüße

Hans-Hermann H. alias longwood

Urs Heßling

#1
moin,

Zitat von: longwood am 11 März 2012, 20:40:42
Abschließend würde mich noch interessieren, wie viel Bleiballast insgesamt an Bord ist und wie viel etwa ein einzelner Bleibarren wiegt.

beim vorigen Umbau in Elsfleth  :| :MS: waren es meines Wissens 1400 Barren à 25 kg = 35 t.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

RonnyM

Moin Lüüds,

wie man in der Nordsee-Zeitung lesen konnte, wurden insgesamt 160 t Blei in den Rumpf gepackt. Der Werftdirektor der Elsflether Werft betonte noch einmal, dass seine Werft korrekt gearbeitet hat und somit für den Zustand nicht verantwortlich ist.

Nun darf der Steuerzahler statt der veranschlagten 4 Mio mitlerweile über 8 Mio Euronen hinblättern. GF auf der Kieler Woche fällt ins Wasser, denn sie sollte ja schon Ende März wieder schwimmen. Die Platten haben eine ursprüngliche Stärke von 12 mm, die inzwischen auf 6 - 8 mm "abgemagert" sind. Großflächig kann man die Platten nicht wechseln, da sich sonst der Rumpf verzieht. Nur Stück für Stück kommt man sich näher... :wink:

Auf alle Fälle sind die Werft-Maggers vom BREDO-Dock im Fischereihafen nicht böse :-D
Anbei noch ne' Aufnahme.

Grüße Ronny
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

halina

hallo, alles nur Flickschusterei , am besten den Kahn verschrotten und von der Werft in Danzig einen neuen Dreimaster bauen lassen,
die verfügt über grosse Erfahrung und kann preiswert bauen .
                                                                                                                 Gruss Halina
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

joern

Hier mal einige Fotos der Gorch Fock vom 7.5.2013 bei der Verpflegungs- und Treibstoffübernahme in Hamburg.
Grüße Joern

Baunummer 509

Hallo,

man stelle doch mal die 4 Millionen Mehrkosten in Relation zu den Mehrkosten welche dieses schmucke Bauwerk (z.B. auf dem ersten Bild zu sehen) in Hamburg verursacht hat  :wink:

Nix da verschrotten. Und wenn neu bauen, dann bitte auf einer deutschen Traditionswerft (solange es noch welche gibt).

O.-Reg. ULG-Neustadt

Den vorerwähnten Argumenten wird selbst bei inständigen Überlegungen - vor mir - nichts ( ich schreibe und meinte jetzt auch wirklich rein gar : N I C H T S ! ) hinzuzufügen sein.

ede144

Oder einfach die andere Gorch Fock nehmen, die schwimmt ja auch noch  :MLL:

kawa1705

Zitat von: joern am 09 Mai 2013, 10:27:34
Hier mal einige Fotos der Gorch Fock vom 7.5.2013 bei der Verpflegungs- und Treibstoffübernahme in Hamburg.
Grüße Joern



Hallo Joern bist du auf der Gorch Fock drauf gewesen? Man sollte sie ja an dem Wochenende besichtigen können.

:MG:

Rüdiger

joern

Hallo  Rüdiger,
leider nein,die G.F. war am 10.5. zur Besichtigung freigegeben und da war ich schon wieder zu Hause.
Grüße Joern

kawa1705

Schade. Ich habe gehört das man 1 St. Wartezeit einplanen mußte. Aber der Hafengeburtstag ist ja immer rappeldicke voll.

:MG:

Rüdiger

bettika61

Hallo,
die Gorch Fock ist wieder nach Kiel zurückgekehrt und hat gestern an der Tirpitzmole
im Marinestützpunkt festgemacht.
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/gorchfock991.html

Frohe Pfingsten
Beate
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

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