Schreibweise von Namen

Begonnen von The Voice, 16 April 2012, 18:08:08

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The Voice

Moin!
Zunächst vielen Dank für die reichlichen Tipps und Links. top
Das hat mich wirklich weiter gebracht. top

Bei der Marine geht es ja noch. Zumeist weiß man ja die Klasse eines Schiffes, dann kann man den Namen aus dem Kyrillischen recht leicht übersetzten oder bei Janes, Weyers.... den Namen finden.
Auch bei den Heimathäfen von Frachtern ist es nicht allzu schwer.

Ein wahres Sprach- und Schriftgewirr babylonischen Ausmaßes habe ich allerdings an Land erlebt:
ISAF in Afghanistan.
Am Anfang gab es Karten nur aus der sowjetischen Besatzungszeit.
Hier waren Namen, die aus dem Dari oder Paschto Sprach - Idom stammten, in das Russische übersetzt worden.
Dann erst wurden sie in das Englische weiter übersetzt.
Dann kam das erste ISAF Kontingent, die Briten, die nach einiger Zeit eigene Karten erstellten und schon war das Chaos perfekt! Jede Nation erfand neue Schreibweisen
Beispiele:
Kabul: Kabol, Kaboul
Masar-e-Sherif: Mazar-i-Sherif, Mazar-e-Sharif.....
Kundus: Konduz, Kondus, Kunduz
Pol-e-Chumri (war die Härte, gab es in 12 Schreibweisen)

Gruß: Uwe
In God we trust - all others we track

Glasisch

Zitat von: hillus am 17 April 2012, 16:56:59
Hallo, ... auch von mir ein paar Gedanken zur Schreibweise russischer Namen. Natürlich ist die Zielsprache von Bedeutung und sie sollte den Ausschlag geben, welche Transkription ich wähle. hillus

Hallo,
hier vielleicht ein Hinweis, wie ich manchmal verfahre.

Eine zusätzlich Google - Seite installieren, den Übersetzer ausrufen, dann Deutsch --> Russisch einsezten: Name eingeben z.B. Stereguschtschyj erscheint kyrrilisch Стерегущий. Fertig ist der Lack.  :-D und so wird es auch bei den anderen Sprachen klappen.
Gruß
Micha
,,Ruhe in den Telefonen. Denkt daran, daß auch in England auf jeden Mann eine Mutter wartet!" KzS Helmuth Brinkmann Kommandant der ,,Prinz Eugen"  in der Dänemarkstrasse am  24. Mai 1941, nachdem die ,,Hood" kurz davor explodiert worden war.

Tostan

Hallo,

Zitat von: hillus am 17 April 2012, 16:56:59
Die rein russische Schreibweise hinzuzufügen, ist mit sehr großem Aufwand verbunden, wenn der Schreiber sein Tableau nicht auf die kyrillischen Buchstaben eingestellt hat bzw. über ein russisches Tableau verfügt. Den Leser interessiert ja immer die Schreibweise, die er lesen und verarbeiten kann.

Ähm, nicht ganz. Transskription ist nicht hundertprozentig sauber zurückführbar. Damit kann man nicht mehr die originale Schreibweise wiederherstellen und so für weitere Recherchen nutzen. Eine Angabe der Originalschreibweise(sofern vorhanden, hat man nur lateinisch geschreibene Quellen fällt es weg) ist also durchaus nützlich und hilfreich.

Man muss natürlich grad bei der Marine höllisch aufpassen was man wie transkibiert. Typisches Beispiel: die Projekte 1124 bzw. 1234. Taucht im Deutschen häufig als Grischa-bzw. Nanutschka-Klasse auf. Korrekt deutsch Transkribiert. Aber: Der Ursprung der Namen liegt gar nicht im kyrillischen Russisch, sondern im englischen. Es ist ein reiner NATO-Codename, der sich nicht auf den Namen des Typschiffes bezieht(wie z.B. Kiew-Klasse). Daher sollte meiner Meinung nach auch die Originale Schreibweise(Grisha/Nanuchka) verwendet werden. OK, Grischa ist noch ein üblicher russischer Vorname, aber was Nanutschka korrekt sein soll, wissen wohl nur die NATO-Leute die es sich ausgedacht haben.

Irgendwo habe ich sogar mal für U-Boote des Projekts 971(NATO: Akula-Klasse) die russische Schreibweise Акула gelesen, ohne Hinweis darauf, dass es sich auf einen NATO-Code bezieht. Der Lacher überhaupt. Da wird mal schnell aus einem Jagd-U-Boot ein SSBN nur indem man unnötig zurück transkribiert :D

Zur Russischen Tastatur, die muss man nicht wirklich haben, gibts auch virtuell, z.B. hier: http://www.5goldig.de/Russische_Tastatur/cyrillic_keyboard.html
Deutsch Transkribieren bzw. wissenschaftlich transliterieren kann man auch das Internet machen lassen: http://wikyrilliza.visuelya.de/index.php.utf8(Russisch/Ukrainisch für andere kyrillische Schriften habe ich leider nichts griffbereit)

kalli

Danke Tostan,

5golding benutze ich auch als Tastatur. wikyrilliza kannte ich noch nicht und werde das mal ausprobieren.

toppertino

ZitatIrgendwo habe ich sogar mal für U-Boote des Projekts 971(NATO: Akula-Klasse) die russische Schreibweise Акула gelesen, ohne Hinweis darauf, dass es sich auf einen NATO-Code bezieht. Der Lacher überhaupt. Da wird mal schnell aus einem Jagd-U-Boot ein SSBN nur indem man unnötig zurück transkribiert

Jab, das sollte man nicht verwechseln:

Projekt 941 ; russisch "Akula" (Hai) Klasse                 ; NATO-Code: "Typhoon" --> SSBN
Projekt 971 ; russisch "Schtschuka-B" (Hecht) Klasse  ; NATO-Code: "Akula" -----> SSN

Akula ist nicht gleich Akula.  :-D
Lebensende mit 3 Buchstaben: EHE!

Tostan

sowas gibts auch Überwasser:

Projekt 205P; russisch "Tarantul"(Тарантул); NATO-Code "Stenka"   ---> U-Jagd bzw. Patrouillenboot (Foto)
                                                                                                              (Ableger der bekannteren Osa-Klasse(FK-Schnellboot))
Projekt 1241; russisch "Molnija" (Молния);    NATO-Code "Tarantul" ---> Korvette(Kleines Raketenschiff)

Glasisch

Hallo,
gut, daß ich mich nicht mit den Flotten nach 1945 beschäftige, denn daß ist ja irre. Hier Schtschuka - Klasse, also Hecht und bei der NATO - Akula russ. Акула (ausgeschprochen wie ein englisches w  oder ganz kurzes u). Übrigens heißt russisch Akula soviel wie Hai. Eine totale Verwirrung, aber es ist, wenn man aus Unkenntnis, wie sie vom Klassenfeind klassifiziert wurden, dann denkt man sich eignene Namen aus.

Frage am Rande, wenn sie jetzt schon Freunde sind, dann werden neuen Klassen russischer Schiffe und Boote, obwohl der richtige Name bekannt ist, weiter eigene ausgedacht und wovon hängt das ab?

Noch eins, dieses leidige V statt dem richtigen russischen W. Gut, die Russen kennen in ihrer Sprache kein V, aber  in den westlichen Alphabeten ist doch ein W, warum wählte man das V statt des gemeinsamen B, das wäre doch logisch oder? Sowjetische Lend & Lease - Uboote erhielten das W und die laufende Nr. Die Verbündeten nach ihrem Geschack gebrauchten doch das V? Ich dachte schon, daß sich jemand an der Antike ein  Beispiel genommen hat. Die Römer hatten kein u - wenn ich mich nicht irre - also für beide wurde das v gebraucht.  Statt Klaudius  wurde Kalvdivs geschrieben. Weiß jemand mehr?
Gruß
Micha
,,Ruhe in den Telefonen. Denkt daran, daß auch in England auf jeden Mann eine Mutter wartet!" KzS Helmuth Brinkmann Kommandant der ,,Prinz Eugen"  in der Dänemarkstrasse am  24. Mai 1941, nachdem die ,,Hood" kurz davor explodiert worden war.

Tostan

Zitat von: Glasisch am 18 April 2012, 12:58:26
Noch eins, dieses leidige V statt dem richtigen russischen W. Gut, die Russen kennen in ihrer Sprache kein V, aber  in den westlichen Alphabeten ist doch ein W, warum wählte man das V statt des gemeinsamen B, das wäre doch logisch oder?

Es kommt bei der Transskription eben auf die Aussprache der Buchstaben an, nicht den Buchstaben selbst. Und da ist meines Wissens nach im englischen das W kein "we" sondern ein "double u" während das V etwas näher an der aussprache des Russischen в liegt. Meines Wissens nach zumindest, ich bin im englischen nicht wirklich fitt, reicht gerade mal so für Fachbücher und etwas smalltalk.

btw: fehlende Buchstaben in Alphabeten: Die Tschechen kennen zwar das W aber nur für die korrekte Schreibweise von Fremd- und Lehnswörtern. Im tschechischen selbst steht auch das V fürs W. Das F wurde wohl(vor Ewigkeiten schon) auch erst durch Lehnswörter in die Sprache "importiert". Lateinisches Alphabet ist also nicht gleich Lateinisches Alphabet. Was ja auch logisch ist, das Alphabet ist ja nur ein "Import" in die schon viel länger existierenden Sprachen und wurde überall an die Sprache angepasst.

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