Flottengesetz und sein sofortiges Brechen wg dem Geld

Begonnen von kaimarex, 05 August 2013, 12:20:51

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

kaimarex

#165
Ich habe Hr. Caprivi , Hr. Hollmann und Hr. Tirpitz und deren Büro falsch eingesetzt.
Ich dachte tatsächlich Caprivi hätte die 200 Mio Mark Flottenwert pi mal Daumen festgelegt und die folgenden Jahre hätte man darauf weitergerechnet.
Im Jahr 1900 hat die Budgetkommission des RT Aufklärung verlangt, diese auch erhalten.
Der Flottenwert bezieht sich auf den 31. März des Jahres, in dem der ETAT vorgelegt wird.
DER ETAT 1900 wurde im Herbst 99 vorgelegt. Bedeutet also WERT aller Marineschiffe, und des tw. URALTEN HOLZZEUGS am 31. März 99.
Die fragten, wie kommen die 406 Mio Mark zustande ? Gibt Tirpitz doch alle genauen DATEN raus. Seitdem weiß die ganze WELT, äh, wenn man reinschaut, wie teuer jeder Kahn der Marine war !
UNGLAUBLICH ! HERVORRAGEND !
Für die Deutsche  Bundeswehr- Marine möchte ich gerne auch die Bauwerte der Schiffe der letzten 45 Jahre , also seit 1970.
Sind  ja einige Aktive oder Ehemalige hier; Geht zu euren Ansprechpartnern, die sollen bitte alle Schiffswerte besorgen. Bitte auch, was beim Verkauf des Schiffe und Boote, der Waffen + Munition reinkam.  Hat Tirpitz dem RT damals auch erzählt.
Hr. Müller hat den Metallwert der Schiffe nach Eisen, Stahl, Guß usw nach KG bestimmt, das geht heut mit EDV noch ausführlicher. So Richtung : 495.327 kg Stahl der Sorte xy , verkauft am 24. April zzzz an Firma AB.
Gut, 27. Feb 1900: Hr. Müller veröffentlicht Bericht zum Beratung des Marineetat 1900,
Anlage; Inhalt : 1,Einnahme / 2. Ausgabe / 3.Kostenvoranschläge Für LS A + D / 4. Kostenvoranschläge für PKR A + B; für kl. Krz Nym( A) + F, für Kanboot Tiger + A / 5. Berechnung des Werts der Flotte.
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00415.html

//Aja, die Kostenvoranschläge für die allerneuesten im Bau befindlichen Schiffe der dt. Marine  bitte auch,  in dieser guten Tabellenform, Ursachen der Preissteigerung, Stahlpreis, Waffenpreise, Torpedopreise. //
Hier die erste Seite: 22 Kanonen 15 cmL22 verkauft zu je 6900 Mark, die 22 lafetten dazu plus die Munition für  gesamt : 415300 Mark verkauft. Materialwert alter Schiffe zb. 115415 kg Messing, Kupfer, Rohre.
Ausgabe : http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00416.html
Überschreiten der einzelnen Titel, Gründe dafür; Umbau KÜPA Hagen, Hey, so einfach nicht ! Vorher den RT fragen, bewilligen lassen. Sofort Resolution dazu ! die 9 Kostensteigerungen
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00417.html
Einzelheiten dazu; Kostenvoranschlag LS 98 + 99 genau untergliedert, Jede Preisteigerung
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00418.html
Kosten der PKR und kl. Krz, genauso unterteilt, jede Verteuerung !
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00419.html
Anschlag der Kanboote, genauso ! Panzerstahlpreis, Munitionskosten.
http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00420.html
Werftausbau, Löhne, Idee mehr als 5 % des Schiffswertes; WIE berechnet ?

http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00421.html
Seite 1 der Kosten aller Marineschiffe:  I. Im FloG : A. heimische Schlachtflotte;
1. LS:  Nr. 1 Bayern bis nagelneuester Bau Nr. 14 kaiser Karl  Aufwand 117,84 Mio/ 2. Küpa :Siegi bis Odin zu 35,3 Mio /
3. große Kreuzer: Nr.1 Köwi bis nagelneuester Bau Nr. 5 A zu 32,68 Mio / 4. kleine Kreuzer Nr. 1 bis Nr. 11 Niobe ( B) zu 15,96 Mio

http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00422.html
Seite 2 der Kosten : B. Auslandsschiffe;
1. große Kreuzer : Nr. 1 Kai A bis Nr. 6 neuester Bau Fürst Bis zu 46,16 Mio /
2. kleine Kreuzer Nr. 1 Arcona bis Nr. 14 Gazelle zu 36,33 Mio
Führt zu Aufwand : Heimatflotte 201,78 Mio Mark / Auslandsschiffe 82,49 Mio Mark, insgesamt  damit 284,27 Mio Mark
II. Nicht im FloG enthalten : 1. Panzerkanboote Nr. 1 Wespe bis Nr.13  Bremse zu 12,99 Mio / 2.
10 Tbootdiv mit 31,67 Mio / 3. Kanboote Nr1 Habicht bis Nr. 5 Lux mit 4,1 Mio

http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k10_bsb00002787_00423.html
Seite 3 der Schiffskosten: 4. Schulschiffe Nr. 1 Mars bis Nr. 16 Ulan mit 29,31 Mio Mark /
5. Spezialschiffe Nr.1 Kaiseradler bis Nr.9 Albatroß mit 11,62 Mio / 6. Ausrangierte Schiffe Nr. 1 Arminius bis Nr. 6: 34 alte Tboote mit 32,32 Mio
macht Summe II mit 122,01 Mio Mark. Summe I + II damit 406,28 Mio Mark.
Wunderbar ! Wertvolle Infos !
Ein deutscher Generalstabsoffizier 1910 nach Gesprächen mit brit.Generalen, deren Angst vor Aufständen in Indien und Ägypten und der Gefahr der Invasion" Man erwartet also von Deutschland dasselbe Verhalten, daß man von England erwarten müßte."

Der preußische Militärgeist hat eine schwache Stelle: die Neigung zur Schablone

kaimarex

#166
Eine äusserst wichtige Literaturempfehlung : Dr. Wilhelm Gerloff, die Finanz + Zollpolitik des Deutschen Reiches, Jena 1913.
Was der Hr. Gerloff über die Finanzen sagt, ist so hilfreich, um die Hintergründe zu verstehen.
Vorwort stammt von Januar 1913, ist also fürs FloG sehr nah dran, erfasst die Stimmung der Zeit !
Dieser Mann hat nicht nur die RT- Protokolle + Drucksachen, sondern auch die der Landtage studiert, die Artikel der großen Zeitungen zu Finanzfragen, dazu " Biographien + Erinnerungen, Briefe + Aktenstücke der Staatsmänner + Parlamentarier " ; Zu seiner " großen Freude gelang es mir, einsichtige hohe Beamte zu finden, die mir auch das Studium der Akten + Dokumente ihrer Ämter erlaubten " Wau,  DAS WAREN ZEITEN !!

Aus kap 31 : Wirtschaft + Finanzen im Reich von 1895 bis 1905 :
" das Unglück wollte es, daß zur selben Zeit, als Miquel den preuß. Staatshaushalt mit sicherer Hand leitete, die Reichsfinanzwirtschaft einem STS überantwortet war, der gegenüber den Steuerforderungen der die Flottenvorlagen bewilligenden Mehrheit erklärte, er wisse nicht was er mit dem Geld anfange sollte. Hohenlohe hatte 1897 leider vergeblich versucht, den badischen Finanzminister Buchenberger für die Leitung der Reichsfinanzwirtschaft zu gewinnen.
Thielmann beurteilte die Finanzlage mit leichtherzigem Optimismus. Und die Folge war die Losung : Flottenvermehrung ohne Steuervermehrung".

2 Seiten vorher stellt Gerloff in einer Tabelle dar, WIE die BUNDESSTAATEN die Lage nutzten.
ERGEBNISSE der Finanzwirtschaft des Reiches 1894 bis 1903: Die Zahlen beziehen sich auf den BESCHLOSSENEN ETAT
1894 : 34,5 Mio Mark Mehreinnahme, 7,2 mio davon reichseigene, daneben 27,4 Mio aus Überweisungssteuern( Zölle; branntwein..). Die 27,4 Mio gehen an.. die BS. 30 Mio Matri-Netto war im Etat festgesetzt, jetzt aber 30 - 27,4 = 2,6 Mio.
G: " Rechnungsüberschuß zu 4 Fünftel in die Kassen der Einzelstaaten "
1895 : 52,6 Mio Mark Mehreinnahme, davon 13,2 Mio reichseigene, 39,4 Mio aus Überweis :
G : " dank der Lex Lieber der Überschuß gleichmäßig geteilt.
BS erhalten 26,4 MioMark; 13 Mio Mark gehn zur Schuldentilgung ans Reich, also 26,2 Mio ans Reich.
G : " Jahre 1896, 1897 und 1898 weisen eine weitere Steigerung des Reichsanteils auf ."
1896 : 103,6 Mio Mark Mehreinnahme, davon 26,5 Mio reichseigene, 77,1 Mio aus Überweis;
BS erhalten 27,1 Mio Mark, 50 Mio gehn zur Schuldentilgung. PSST, damit 75 % ans Reich ! Dank Hr. Lieber von Zentrum, die damit ihre Taten von 1879 verändern !
1897 : 92,2 Mio Mark Mehreinnahme, davon 25,6 Mio reichseigene, dazu 66,6 Mio Überweis. Hochkonjunktur erhöht alle Einnahmen. dank Hr. Lieber erhalten BS zum 3. Mal nicht alles ! 29,1 Mio Mark an sie , 37,5 Mio Mark zur Schuldentilgung. IN 3 JAHREN hat Hr. Lieber damit 100,5 Mio Mark Schulden abgebaut, BEIM REICH,  GENAUER also diese Zunahme verhindert.
Die Oldenburger wird des nicht so freuen !
1898 : 99,4 Mio Mehreinnahme, davon 30,7 Mio reichseigene, plus 68,7 Mio Überweis. Davon erhalten BS 26,3 Mio Mark, Das Reich dank lex Liber 42,4 Mio zur Schuldentilgung.
Dann ist den Herschern in München, Karlsruhe, Oldenburg usw. wohl die Geduld gerissen. Sind ja nicht DUMM ! Wegnehmen kann man nur wenn ....
G : " dann trat ein Umschwung ein,die Ziffern der folgenden Jahre bezeugen  den erfolgreichen Widerstand der Einzelstaaten gegen ST und leges Lieber."
1899 : 70,2 Mio Mehreinnahme, davon 70,1 Mio reichseigene plus 0,1 Mio Überweis  8-)
gehn vollständig an die BS , die 100 tausend Mark :lol:
G :" Das ist weder Zufall noch liegt es in der natürlichen Entwicklung "
Ein deutscher Generalstabsoffizier 1910 nach Gesprächen mit brit.Generalen, deren Angst vor Aufständen in Indien und Ägypten und der Gefahr der Invasion" Man erwartet also von Deutschland dasselbe Verhalten, daß man von England erwarten müßte."

Der preußische Militärgeist hat eine schwache Stelle: die Neigung zur Schablone

kaimarex

#167
Ausgerechnet als Hr. Tirpitz anfängt eine dt. Flotte zu bauen, dann wollen die BS nicht 40 - 50 Mio Mark draufzahlen, nicht geplant, nicht vom unerwarteten ÜBERschuß !
Gerloff : "Einzelstaaten hatten es vielmehr verstanden  die SOLLüberweisungen im Etat so hoch anzusetzen, daß MEHRüberweisungen nicht eintraten "
JA, so macht man das  !
Heute auch noch. UND wir sind heute das Opfer. heut sind es nicht 20, 30, 40 Mio, es geht um TAUSEND-fach höhere Summen.
Wer die Hintergründe nicht begreift, der wird ausgenutzt.
Wenn Staaten miteinander verbündet, verwandt, von gleicher Sprache, Kultur, Schul + Uni- Bildung so miteinander ums Geld kämpfen, dann werden Staaten anderer Sprache usw. noch ganz anders auftreten.
Das Drama damals:
1900 : Mehreinnahme 45,3 Mio Mark, davon 51,8 Mio Mark reichseigene. DAS geht nur, wenn Überweisungssteuern ... 6,5 MIO Mark ZUWENIG bringen !
DAS wird den BS" überwiesen". Führt dazu, Matri steigt auf 19,2 Mio mark( also 19,2 Mio mehr einzahlen als überwiesen) 1899 waren es 13,1 Mio Mark, die gezahlt wurden.
Die BS hatten durch den Bundesrat, DORT müssen ZUERST  alle Gesetzanträge durch, wohl für 1900 eine Summe von ca. 12,5 Mio Mark Netto- Matri akzeptiert.  12,5 plus 6,5 = 19 Mio
Jo, Hochkonjuntur vorbei, Einfuhren sinken, Zölle sinken ..

1901 packen die Schlaukerle den nächsten Akt. Man muß nicht zuwenig schätzen !
1901 : MINDEReinnahme : minus 31,4 Mio Mark, gut verteilt auf - 16,2 Mio reichseigene, daneben -15,2 Mio Übweis. Das geht wieder an die BS. Genauso hoch fällt Netto- Matri aus. Also war1901 im Bundesrat so ausgelegt, daß BS mit "Null " rauskommen. Und 15,2 Mio Mark weniger überwiesen bekommen als berechnet heißt... 15,2 Mio ans Reich gezahlt.
1902 : wieder Mindereinnahme : - 13,1 Mio Mark, davon 21,5 Mio reichseigene, Übweis also PLUS 8,4 Mio( 2 )
Anmerkung 2 ) zur Schuldentilgung der für 1903 bewilligten Zuschußanleihe.

1903 war ja fürs Reich die Lage so verzweifelt, die Steuereinnahmen zu gering, daß der verzweifelte Schritt ZUSCHUSS- Anleihe 72,x Mio Mark gemacht wurde ! Ordentliche Ausgaben, die durch Kredit finanziert wurden ! Bodenlos !
Um den RT dies zu erleichtern, haben die BS auf die Überweisung von 1902 + 03 verzichtet. Damit diese Anleihe so schnell wie nur denkbar getilgt wird. März 1903 ist der Haushalt für 03 verabschiedet, der 02er aber noch nicht abgerechnet ! dauert halbes Jahr.
Kommen da Gelder rein, sofort diese Spezialanleihe abbauen !
1903 : MEHReinnahme 27,7 Mio Mark, bestehend aus Minus 7 Mio reichseigene, aber 34,7 Mio Überweis.  Diese wurde ca 2drittel ans Reich gegeben: 22,7 Mio Mark zur Anleihtilgung, 11,9 Mio Mark an die BS.
Dann kam Hr. Stengel und die Finanzreform von 1904 und zack, Zölle sind keine Übweissteuer mehr. Die ganze Lage geändert. Die Energie der BS für 5 Jahre jetzt darauf gerichtet NICHT MEHR ALS  24 Mio Mark JÄHRLICH zu zahlen.
Der RT dagegen hat seit 1904 versucht 40 Mio , 80 Mio, 100 Mio , 125 Mio von den BS als Matri zu erhalten.  Der König von Bayern / Sachsen/ auch der von Preußen war damals aber kein Operettentitel, die Landtage nicht durch REICHSparteien auf FOLGSAMKEIT getrimmt.
Die haben Interessen vertreten.
Die Marine hat es trotz der NAMENSGEBUNG wohl nicht geschafft, die Landtage so zu überzeugen, daß DIESE ihre Steuern erhöhen. Damit man die doppelte, die 4-fache, 5-fache Summe MATRI ans Reich zahlen kann.
Nee, 3 Jahre die Zahlung stunden, welche über 24 Mio Mark liegt, Hochkonjuntur muß es durch Überschüße bringen. Ansonsten gilt: wir können nicht zahlen , wir sind das arme Württemberg. 8-) 8-)
Ein deutscher Generalstabsoffizier 1910 nach Gesprächen mit brit.Generalen, deren Angst vor Aufständen in Indien und Ägypten und der Gefahr der Invasion" Man erwartet also von Deutschland dasselbe Verhalten, daß man von England erwarten müßte."

Der preußische Militärgeist hat eine schwache Stelle: die Neigung zur Schablone

Impressum & Datenschutzerklärung