Prozedere Alarmtauchen - Untertriebszellen

Begonnen von Soni2, 22 Dezember 2015, 14:48:39

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Soni2

Heyho,

laut MDv 381, Ziffer 131, werden die Untertriebszellen beim alarmtauchklaren Boot über Wasser gefüllt gefahren.

Aber werden die Untertriebszellen beim Überwassermarsch nicht generell gefüllt gefahren? Schließlich werden sie doch im Laufe des Auftauchmanövers (Ziffer 205 und 206) standardmäßig geflutet?

LG
Soni2

Theo

Hallo Thomas!!

Die Untertriebszellen werden beim auftauchen wohl vorsorglich geflutet um Untertrieb zu haben wenn das Boot nach dem auftauchen sofort wieder schnell auf Tiefe muß. (Fliegeralarm)
So verstehe ich die Ziffern 205 und 206.


Gruß Rainer

Schorsch

Hallo Thomas!

Es gibt doch noch andere Arten des Tauchens als das des Alarmtauchens. Erinnert sei dabei an das Abtauchen zum Trimmversuch (Abschnitt V der M.Dv. 381) oder das Prüfungstauchen (Abschnitt VI). In diesen Situationen wäre eine geflutete Untertriebszelle eher kontraproduktiv. Ergo muss hier vom Verfahren der standardgemäß gefüllten Untertriebszellen abgegangen und das Boot in einen Zustand versetzt werden, in dem es dann temporär für ein Alarmtauchen nicht vorbereitet ist.

Hallo Rainer!

Die Ziffer 205 der M.Dv. 381 fordert insbesondere eine hohe Fahrtstufe, um bei eventueller Fliegergefahr schnell wieder sichere Wassertiefen ansteuern zu können. Vergleiche dazu auch den zweiten Absatz der Ziffer 131 in der M.Dv. 381! Die Untertriebszelle hat ihre Bedeutung hauptsächlich bei der Überwindung der Oberflächenspannung direkt an der Wasseroberfläche und nicht für das schnelle Erreichen größerer Tiefen.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Soni2

Hallo Schorsch,

der Hinweis mit dem Trimmversuch ist natürlich richtig. Darum geht es mir an dieser Stelle aber gar nicht.

Ich habe mich nur über den expliziten Hinweis auf das "alarmtauchklare" Boot gewundert. Da bei der Beschreibung der Tauchmanöver ein Kommando zum Füllen der Untertriebszellen fehlt (während beispielsweise das Öffnen der Flutklappen oder der wasserdichten Back/Heck aufgeführt ist), bin ich davon ausgegangen, dass sie eben bei Überwasserfahrt allgemein gefüllt gefahren wurden.

Es kann aber natürlich sein, dass Boote beispielsweise im Frieden oder in der Ausbildung ihre Untertriebszellen leer gefahren haben. Wie du richtig ausgeführt hast, hatten sie ja den ausschließlichen Effekt, die Zeit bis zum Unterschneiden zu verkürzen. Zur schnellen Ansteuerung großer Tiefen waren sie hingegen ungeeignet. Dazu passt auch, dass sie auf relativ geringer Tiefe bereits wieder ausgedrückt wurden.

FG
Thomas

Theo

Hallo Schorsch!!

ZitatDie Untertriebszelle hat ihre Bedeutung hauptsächlich bei der Überwindung der Oberflächenspannung direkt an der Wasseroberfläche und nicht für das schnelle Erreichen größerer Tiefen.

Es geht mir nicht um das schnelle erreichen größerer Tiefen,sondern darum daß das Boot unmittelbar nach dem auftauchen wieder schnell auf Tiefe muß.
Und da ist eine geflutete Untertriebszelle sicherlich hilfreicher als eine mit Luft gefüllte.
Untertriebszellen haben ihren Sinn ja ein Boot zum tauchen zu bringen,für große Tiefen sind sie untauglich weshalb sie nach dem unterschneiden auch sehr schnell ausgedrückt werden.


Gruß Rainer



olpe

#5
Zitat von: Soni2 am 22 Dezember 2015, 14:48:39
Aber werden die Untertriebszellen beim Überwassermarsch nicht generell gefüllt gefahren? Schließlich werden sie doch im Laufe des Auftauchmanövers (Ziffer 205 und 206) standardmäßig geflutet?
Zitat von: Schorsch am 23 Dezember 2015, 10:43:04
Die Untertriebszelle hat ihre Bedeutung hauptsächlich bei der Überwindung der Oberflächenspannung direkt an der Wasseroberfläche und nicht für das schnelle Erreichen größerer Tiefen.
Hallo,
vielleicht ist ein Blick in das Werk von Gabler "Unterseebootbau" in dieser Frage hilfreich. Auf Seite 26 ist unter der Rubrik Untertriebszellen folgendes vermerkt (Zitat):

"Untertriebszellen findet man auf Tauchbooten als Tauchhilfe bei Seegang. Ein tauchklares Boot erhält beim Tauchen durch den Seegang zusätzliche Auftriebskräfte, die das Tieferkommen behindern. Die über das Boot hinweglaufenden Wellentäler verhindern das gänzliche Vollaufen der freiflutenden Teile des Oberdecks und der Aufbauten. So kommt es vor, dass ein tauchklares Boot auf diesen freiflutenden Teilen "schwimmen" bleibt.
...
Die gefluteten Untertriebszellen geben dem Boot bei Überwasserfahrt zusätzlichen Untertrieb. Sie werden nach dem Tauchmanöver schnell mit Druckluft ausgedrückt. Erst dann kann das Boot unter Wasser eingesteuert werden. Unmittelbar nach den Auftauchen werden die Untertriebszellen wieder geflutet. ... Sie sind vor dem Längenschwerpunkt des Bootes angeordnet, um dem Boot beim Tauchen zusätzliche Vorlastigkeit zu geben.
...
Im Ausland werden manchmal besondere Untertriebszellen angeordnet, mit denen das langsam unter Wasser fahrende Boot schneller zum Fallen gebracht werden soll. Diese Zellen liegen weit vorn im Schiff; sie sind bei normaler Tauchfahrt leer. Durch fluten entsteht ein entsprechender Untertrieb und Vorlastigkeit. Nach erreichen der gewünschten größeren Tiefe werden diese Zellen mit Druckluft ausgeblasen. Aus sicherheitstechnischen Gesichtspunkten sind gegen die Benutzung von Untertriebszellen für diesen Zweck Bedenken zu erheben, weil das Boot unter Wasser bei gefluteten Untertriebszellen nicht mehr das archimedische Prinzip erfüllt. Störungen beim Ausblasen in großer Tiefe können unter Umständen zu einer Gefährdung durch Tiefenüberschreitung führen, insbesondere wenn z.B. durch eine Ansprengung gleichzeitig die Antriebsanlage ausgefallen sein sollte."

Soweit Herr Gabler. O.k., das Buch ist deutlich nach WKII verfaßt worden, aber ich denke, dass die Grundsätze bezogen auf den Einsatz einer Untertriebszelle sich nicht grundsätzlich von denen damals unterscheiden ...

Grüsse
OLPE   

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