Schulungsflugzeugträger während des Zweiten Weltkrieges

Begonnen von Rheinmetall, 30 Januar 2016, 01:55:20

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Rheinmetall

Guten Morgen liebe Forumsgemeinde.

Seit ein paar Tagen springt mir eine Frage im Kopf rum, welche ich mir bislang nicht beantworten konnte und hoffe hiermit Abhilfe schaffen zu können.
Und zwar geht es um die Ausbildung der Trägerflugzeugbesatzungen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Die Amerikaner hatten für diese Thematik extra zwei alte Raddampfer als Hilfsschiffe umgebaut und als USS Sable (IX-81) und USS Wolverine (IX-64) in Dienst gestellt.
Diese beiden auf den großen Seen Amerikas eingesetzten, improvisierten "Flugzeugträger" dienten ausschließlich zu Schulungszwecken der zukünftigen Marineluftwaffenpiloten.
Weiß jemand von Euch vielleicht wie lange diese Ausbildung dauerte und wieviele Starts- & Landungen von Nöten waren, um Einsätze von einem richtigen Träger aus Fliegen zu dürfen ?

Hatten die Japaner und Briten für ihre Marineluftwaffen ähnliche Schulungsträger und wenn ja wieviele jeweils davon und wie hießen diese Einheiten ?

Was mich jedoch am meisten interessieren würde wäre, wie es bei der deutschen Kriegsmarine angedacht war, die für die "Graf Zeppelin" vorgesehenen Piloten für ihren Einsatz vorzubereiten.
Es wurde ja lediglich diese eine genannte Einheit gebaut und diese wiederum nicht einmal vollendet.
Wie also wollte man auf deutscher Seite diese sehr anspruchsvolle Aufgabe begegnen ?

Über Antworten von Euch würde ich mich sehr freuen und bedanke mich schon einmal im voraus dafür.


Rheinmetall
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

kgvm

Bei den Briten diente ursprünglich die alte "Argus" für Trainingszwecke. Später kam die "Pretoria Castle" dazu.
https://en.wikipedia.org/wiki/HMS_Pretoria_Castle_%28F61%29

Hier noch ein paar Bilder der Amerikaner:
http://www.navsource.org/archives/09/46/46081.htm
http://www.navsource.org/archives/09/46/46064.htm

kalli

Von einem deutschen Schulungsträger habe ich noch nicht gehört. Interessant wäre für mich auch, mehr über die Erprobungsstelle für den Trägereinsatz Travemünde zu erfahren. Diente sie nur zur Erprobung der von z.B. Bremslandungen oder auch zur Ausbildung? Oder waren diese Aufgaben gekoppelt?

gerd 190

Bei der Erprobungsstelle See in Travemünde wurde eine komplette Bremsseilanlage aufgebaut. Diese Anlage wurde bereits vor Kriegsbeginn auch für die Schulung von Piloten der Trägergruppe 186 die auf der Graf Zeppelin eingesetzt werden sollten genutzt. Ebenfalls gab es in Travemünde ein Katapult auf einem schwimmenden Ponton für Startversuche u. Ausbildung. Die Japaner hatten ihren Alten Träger Hosho zur Pilotenausbildung.

Smutje Peter

Hallo zusammen
Meines Wissens sollte Potsdam (Projekt Elbe) Schulträger werden. Der Umbau von Gneisenau (Projekt Jade) war da wohl schon aufgegeben, da beide Schiffe für einen Flotteneinsatz zu langsam (21kn) waren.
Nach Aufgabe des Träger-Programs hat man auch davon wieder Abstand genommen. 
Gruß

Peter aus Nürnberg

Smutje Peter

Noch ein paar Daten zu den Amis:

Wolverine (ursprünglicher Name Seeandbee) hatte 7200ts standard und hatte ein Flugdeck von 152,4x17,8m. Ihre 8000Ps gaben ihr 16kn Höchstgeschwindigkeit. 

Sable (xGreater Buffalo) hatte 8000ts und ein Flugdeck (aus Stahl!) von 163,2x17,7m und erreichte bei 10500Ps 18kn.

Beide hatte keine Katapulte, Hangars oder irgendwelche Wartungsvorrichtungen für Flugzeuge. Vorhanden war nur eine Bremsseilanlage. Die gelandeten Flugzeuge mussten aus eigener Kraft wieder starten. Auch konnten keine Flugzeuge an Deck abgestellt werden. Die Übungsmaschinen wurden unmittelbar nach der Landung wieder gestartet.
Gruß

Peter aus Nürnberg

redfort

Zitat von: gerd 190 am 30 Januar 2016, 13:53:39
Ebenfalls gab es in Travemünde ein Katapult auf einem schwimmenden Ponton für Startversuche u. Ausbildung.

Nein dieser Schleuderprahm 11 diente nur zur Erprobung von Bordflugzeugen und unterstand der E-Stelle Travemünde, hatte nichts mit Ausbildung und Schulung zu tun.

Dafür wurden regelmäßigen Abständen 14 tägige Katapultlehrgänge auf einzelnen Schiffe der Flotte abgehalten. Wie z.B. auf NÜRNBERG kurz vor der Operation "Weserübung". Zur Schulung von Besatzungen und neuen Flugzeugführern der Bordfliegern.
Zudem kamen noch Zielhilfsbeachterlehrgänge für die Beobachter von Bordflieger-Besatzungen.
Ansonsten war für die Ausbildung und Schulung von Besatzungen die 3. (Bord) / Fliegerergänzungsgruppe (See) bzw. 4. (Bord) / Fliegerergänzungsgruppe (See) in Kamp zuständigt.
Gruß, Axel

Luftwaffe zur See

gerd 190

Ab April 1940 gab es in Travemünde zu Test u. Ausbildungszwecken ein Katapult der FA.DWK für den Träger Graf Zeppelin auf einem Ponton. Erste Starts wurden mit den Typen Ar197, Ju87 u. Bf109 durchgeführt.

SchlPr11

Hallo,
der Schl.Pr. 11 unterstand der Pilotenausbildung auf der Hohen Düne und war von Mitte der 1930er Jahre permanent auf dem Breitling, eine haffähnliche Wasserfläche der Warnow bei Warnemünde stationiert. Er diente ausschließlich der Ausbildung von Besatzungen der Bordflugzeuge und führte keinerlei Erprobungen aus.
Markant war seine Rot-Weisse Pontonbemalung.
Die Ausbildung, von denen uns vor vielen Jahren bereits damals noch Beteiligte berichteten, endete 1943/44. Danach lag der Prahm im Rostocker Hafen, wurde sowjetische Beute und wanderte über Wismar gen Osten ab. Dieses so in Kurzfassung und Skizze mit Foto des Warnemünder Fotografenmeisters Erhard Schäfer (nicht zu verwechseln mit dem Zeitgenossen, dem Fotograf Wilhelm Schäfer in Kiel)
Es stimmt, GRAF ZEPPELIN hatte einen eigenen Katapultleichter für DWK-Katapulterprobung, den man auch fragmentarisch in den Büchern der E-Stelle-See sehen kann. Bitte dort nachschlagen.
Er ist bis 1944 auf Luftbildern erkennbar und auch nach 1945 noch nachweisbar.
REINHARD - SchlPr11

Rheinmetall

Guten Morgen zusammen,

herzlichen Dank für die zahlreichen, sehr interessanten Beiträge von Euch.
Kann jemand von Euch vielleicht noch etwas über die Ausbildung der Marineflieger berichten ?

Mit den besten Grüßen,

Rheinmetall
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Peter K.

Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

SchlPr11

Hallo,
ausführlich über die Verwendung des SCHL.PR. 11 zur Pilotenschulung auf dem Breitling berichtete Jürgen Richter (+) in:
"Der Seeflugstandort Warnemünde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts" in den Schriften des Schifffahrtsmuseums der Hansestadt Rostock, Band 7 - Rostock 2001, keine ISBN-Nr, Verlag Redieck & Schade Rostock

Jürgen erzählte von seiner Zeit bei der KM und einen Besuch an Bord des Passagierschiffes POTSDAM, dessen Umbau schon begonnen hatte in dem Einrichtungen in den Salons und Kabinen ausgebaut wurden. Er verglich das Schiff nach Fertigstellung mit der brit. PRETORIA CASTLE, deren Foto in der "Marinerundschau" entsprechend markiert hatte und nach Hause schickte!

Siehe hier unten - REINHARD

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