Ausbildungsabteilung für Kriegsschiffneubauten

Begonnen von Rebecca, 30 Juli 2009, 13:09:36

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Rebecca

Hallo,

Ich hab eine Frage zu dem militärischen Werdegang meines Großvaters, während des 2. Weltkrieges.
Mein Großvater erzählte zu seinen Lebzeiten davon, dass er Steuermann gewesen sei.
Aus seinem Wast Bericht geht allerdings nichts dergleichen hervor.
Er war auf der Flakschule in Dax und Geschützführer auf einem Geleitboot auf Bornholm.
Zwischen dem 18.12.1943 und dem 19.04.1944 war er allerdings bei der 2. Marinersatzabteilung, die aus der 2. Ausbildungsabteilung für Kriegsschiffneubauten hervorgegangen ist.
Könnte mein Großvater dort eine entsprechende Qualifikation als Steuermann erlernt haben? :?

Ich hoffe mir kann hier Jemand weiter helfen

Gruß

Rebecca


Albatros

Hallo Rebecca,

könnte es auch sein das sich das mit dem Steuermann auf die Nachkriegszeit bezieht ?

Gruß, :MG:

Manfred

Rebecca

Hallo Manfred,

Nein, nach dem Krieg war mein Opa bis Juli 45 in Kriegsgefangenschaft und hat Minen geräumt.
Danach wollte er eigentlich bei den Amerikanern anheuern, aber diesen Plan hat dann meine Oma durchkreuzt :-D
Das Kriegsende hat mein Opa in Griechenland mitgemacht.
Kann es sein, dass man in Notlagen einfach mal zum Steuermann ernannt wird???
So im Schnellverfahren???

Gruß

Rebecca

Urs Heßling

Guten Abend, Rebecca,

Zitat von: Rebecca am 01 August 2009, 14:06:30
Kann es sein, dass man in Notlagen einfach mal zum Steuermann ernannt wird???

selbstverständlich kann ein Soldat in Notlagen ohne vorherige Kenntnis ans Ruder (=Steuer) eines Schiffes gestellt werden. Damit ist er aber noch nicht "Steuermann".

Nun muß man unterscheiden:
In der Handelsmarine war (und ist ? Kapitän Hans ?) der Begriff "Steuermann" für den 1. Offizier und Stellvertreter des Kapitäns üblich.

In der Kriegsmarine gab es die "Steuermannslaufbahn", das war die Ausbildung/Laufbahn der für die Navigation, also die sichere(n) Ortsbestimmung und Fahrtkurse eines Bootes/Schiffes verantwortlichen Soldaten. Ein Bootsmann (Dienstgrad entspricht dem Feldwebel im Heer) dieser Laufbahn wurde "Steuermann" genannt.

Das trifft auf Deinen Opa, der ja wohl der Laufbahn "Marineartillerie" angehörte, nicht zu.

Da endet nun meine "Weisheit"  :wink: , ich hoffe, Dir trotzdem weitergeholfen zu haben

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Albatros

Hallo Rebecca,


wenn es nicht zu indiskret ist, welchen Dienstgrad  hatte denn Dein Opa ?.

Es gab z.B. den Steuermannsmaat , Obersteuermannsmaat ,

Gruß, :MG:

Manfred

Captain Hans

Der Begriff Steuermann wurde hauptsächlcih in der Küstenschiffahrt verwendet, da auf diesen schiffen meistens nur ein Kapitän und
eben ein Steuermann war.
Die Seefahrtspatente A1 (Steuermann Küstenfahrt) A3 (Steuermann Kleine Fahrt)

nach dem Krieg kamen viele der Marineleute in die Handelsschiffahrt, sie mußten die oben genannten Patente nachmachen um Steuermann
zu werden. (Für A1 brauchten sie meistens nur eine Prüfung machen)
Als junger Offizier in der Handelsschiffahrt hatte ich einen Kapitän, der ursprünglich aus der Marine kam, er bezeichnete uns junge Offiziere immer
noch als Leutnant aus alter Gewohnheit.


,Nur wer sich ändert,bleibt sich treu"!!!
,,Nicht was du bist,ist das was dich ehrt,wie du bist,bestimmt den Wert"!!!

Rebecca

Hallo,

Manfred:
Nein, die Frage ist natürlich nicht zu indiskret :wink:

Also mein Opa war Jahrgang 1924 und wurde zwei mal befördert:
Einmal 1942 zum Matrosengefreiten und ein Jahr später 1943 zum Matrosenobergefreiten.

Dies entspräche dann auch der Bootsmann Laufbahn???

Doch war er als Matrosenobergefreiter wirklich schon ein Steuermann?

Musste man da nicht noch irgendwelche Kenntnisse erwerben?

Mein Opa sagte immer er hätte auf der Gorgh Fock gelernt.
Aber wann und wo kann dies gewesen sein?
Wie gesagt der Wast Bericht gibt da nicht wirklich was her, außer vielleicht die Ausbildungsabteilung für Kriegsschiffneubauten.


Gruß

Rebecca

Urs Heßling

Guten Abend,

Matrosenobergefreiter / Bootsmannslaufbahn / Ausbildung auf Segelschulschiff Gorch Fock / Waffenlehrgang / Einsatz als Geschützführer - das paßt alles zusammen.

"Der "Steuermann" paßt - nach der Begriffswelt der Kriegsmarine - eigentlich nicht dazu.

Hypothese: Er könnte als erfahrener Matrosenobergefreiter der Stellvertreter des MFP-Kommandanten (Unteroffizier) gewesen und als solcher an Bord informell als "Steuermann" bezeichnet worden sein.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Rebecca

Hallo Urs,

Anscheinend wird der Steuermann weiterhin ein Rätsel bleiben.
Ich kann mir höchstens noch vorstellen, dass mein Opa bei seinem Einsatz in Griechenland, bei dem eigentlich die neuen MAL Schiffe getestet werden sollten, irgendwie ans Steuer gekommen ist.
Oder vielleicht war er ja dort dann auf kleineren Schiffen tätig?
Irgendwie werde ich noch Licht in die Sache bringen.

Erst mal Danke für die Hilfe!

Gruß

Rebecca

Manfred_von_Derp

Hallo Thread,

Entschuldigung für mein schlechtes Deutsch, ich benutze Google Translate, um diesen Beitrag durchzubringen.

Ich bin ein Reenactor aus dem Zweiten Weltkrieg, der versucht, mithilfe der Ausrüstungsseiten eines Soldbuchs eine Tabelle mit den verschiedenen Geräten zu erstellen, die an bestimmte Einheiten ausgegeben wurden. Ich bin in der 14. Marineersatzabteilung auf dieses Soldbuch eines Seemanns gestoßen und habe seine Informationen in die Tabelle aufgenommen.

Soldbuch link: https://www.germanmilitaria.com/Kriegsmarine/photos/K008475.html

Dies sind die Informationen, die ich aus dem Soldbuch und anderen Quellen verschrotten konnte:

14. Die Marineersatzabteilung wurde 1944 in Wilhelmshaven als Ausbildungseinheit eingerichtet. Dieser Mann wurde 1945 befördert und zu dieser Zeit in eine ,,U-Boot Marineersatzabteilung 3" verlegt. in Pillau. Es gab eine U-Boot-Trainingsanlage, die vor der Ostsee in Ostpreußen ein großer Anwärter auf die zuvor erwähnten ,,Evakuierungen" sein würde, da dies auch die Region ist, in der Wilhelm Gustloff versenkt wurde. Ich glaube, mehr als 450.000 Flüchtlinge wurden von Pillau nach Mittel- und Westdeutschland gebracht.


Was mich veranlasste, es genauer zu untersuchen, waren die Seiten 10 und 11. Diese enthalten die Feldgrau-Ausrüstungsseite. Dies ist der einzige verwirrende Teil für mich, da ich vorher angenommen habe, dass die einzigen Einheiten, die Feldgrau-Ausrüstung erhalten, Marineinfanterie- oder Küstenartillerieeinheiten sind. Meine Frage an jemanden in diesem Thread wäre dann: Glauben Sie, dass diese Uniformen nur an Marineinfanterie- oder Küstenartillerieeinheiten abgegeben wurden? Oder wären sie einfach für alle landgestützten Einheiten verfügbar?

Mit freundlichen Grüßen,
Finn

Violoncello

Hallo Finn,

die feldgraue Marineuniform wurde grundsätzlich von Landtruppenteilen getragen. Hierzu zählten vor allem die Marineartillerieabteilungen, die (für die Grundasubildung der Marinesoldaten zuständigen) Schiffsstammabteilungen, die Marineunteroffizier-Lehrabteilungen, das Stammpersonal der Sonderabteilung, die Marinekraftwagenabteilungen, das Marinefestungspionierkorps und ab 1944 die Marine-Einsatz-Kommandos im Kommando der Kleinkampfverbände.

Im vorliegenden Fall dürfte angesichts der Kriegslage 1945 sinngemäß das gelten, was sich aus einem Nordseestationstagesbefehl vom 30. Juni 1943, Nr. 104 ergibt. Danach wurde die feldgraue Uniform auch für Admirale vorgeschrieben, "wenn es der Umstand erfordert". (Zienert, Unsere Marineuniform, S. 345, Hamburg 1970)

Viele Grüße

Violoncello


M-54842

Zitat von: Manfred_von_Derp am 05 Dezember 2020, 23:29:42
Glauben Sie, dass diese Uniformen nur an Marineinfanterie- oder Küstenartillerieeinheiten abgegeben wurden? Oder wären sie einfach für alle landgestützten Einheiten verfügbar?

Insbesondere 1945 sind beispielsweise ganze Besatzungen von Booten und Kompanien von Offiziersanwärtern in Feldgrau eingekleidet und im Kampf an Land eingesetzt worden.
Ein gutes Beispiel der zum Teil "zusammengesuchten" Bekleidung zeigt den bekannten U-Boot-Kommandanten Ali Cremer mit Marine-Schirmmütze, Ritterkreuz, Luftwaffen-Tarnjacke und feldgrauer Hose.   

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