Nachschub (an Lebensmitteln) bei U-Booten?

Begonnen von eagle0899, 25 Januar 2021, 02:37:25

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eagle0899

Moin zusammen,

nachdem ich gerade eben einen aktuellen Beitrag u.a. über Nachschub der Fischereischifffahrt (N24) gesehen habe, frage ich mich, ob es bei den U-Boot Flottillen neben Brennstoff- und Torpedo-Mangel auch belegbar! Mangel an (Frischwasser) und vor allem an Lebensmitteln gegeben hat. Abbruch wegen Lebensmittelmangel, aber voll mit Aalen?
Wasser konnte theoretisch durch die bordeigenen Anlagen erzeugt werden, solange intakt. In den 39' und 40'ern hat man ja auch noch geangelt, aber später???

Freundliche Grüße
Eagle0899
"Suche immer Tauchtafeln/Rollentafeln sowie technische Berichte und Unterlagen von UBooten. Hinweise/Angebote bitte per PM.

"Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet." (Mark Twain)

M-54842

#1
Das Trinkwasser streng eingeteilt wurde, ist allgemein bekannt. Gelesen habe ich auch schon von streng rationierter Verpflegung, die sich zum Schluss der Feindfahrt auf Dosennahrung und Dauerwaren reduzieren konnte. Das die Verpflegung komplett aufgebraucht war, ist mir nicht bekannt.
Ergänzungen waren bei lang andauernden Feindfahrten durch ,,Milchkühe" (Typ XIV), andere U-Boote oder Überwasser-Einheiten möglich.
Allerdings fielen diese "Milchkühe" dem Gegner zum Opfer und die Kampfboote konnten nicht versorgt werden.
H.G. Schütze beschreibt die Situation in seinen Erinnerungen folgendermaßen:
"Dann bleibt uns nur noch verschimmeltes Dosenbrot, dessen Kern weggeschnitten werden muss. Palmin, in dem das trockene Brot etwas angefettet wird und Birnenobst in Dosen, von denen wir noch eine mäßige Menge haben. Da werden wir wohl den Riemen ziemlich eng schnallen müssen."

H.G. Schütze, Operationen unter Wasser, S. 196.

 

eagle0899

#2
Moin M-54842,

danke für den Literaturhinweis. Das mit dem Schimmel wurde ja bereits im Film "Das Boot" von 1981 sehr anschaulich demonstriert, ich habe immer noch die Worte von Semmelrogge in Erinnerung.

Ja, die Milchkühe. Nach Einbruch in den Schlüssel M4 (Enigma M4) - Triton (in Engl. Shark)  waren die Treffpunkte bekannt und endeten mit Versenkung.

Hier einmal eine Liste aller Milchkühe mit Datum der Versenkung (Quelle u.a.  "http://www.ubootarchiv.de")
(+: Tote, *: Überlebende, SV: Selbstversenkung nach schwersten Beschädigungen)

U 459:   22.07.43   SV   19+, 41*
U 460:   04.10.43          62+, 2*
U 461:   30.07.43          53+, 15*
U 462:   30.07.43   SV   1+, 64*
U 463:   16.05.43          56+, 0*,  Totalverlust
U 464:   21.08.42   SV   2+, 52*
-
U 487:   13.07.43          31+, 32*
U 488:   26.04.44          64+, 0*, Totalverlust
U 489:   04.08.43   SV   1+, 53*
U 490:   12.06.44   SV   0+, 60*
--
U 491 - U 500: sistiert, teilweise schon zu 80% fertig.

Bemerkenswert ist, dass die Boote U 464, U 489 und U 490 bereits nach dem ersten Auslaufen ohne jegliche Erfolge beschädigt und selbstversenkt wurden.

:MG:
Ernst (Eagle0899)
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Urs Heßling

#3
moin,

Zitat von: eagle0899 am 26 Januar 2021, 01:56:48
Ja, die Milchkühe. Nach Einbruch in den Schlüssel M4 (Enigma M4) - Triton (in Engl. Shark)  waren die Treffpunkte bekannt und endeten mit Versenkung.
Die Darstellung verzerrt das Bild ein wenig.
Tatsächlich gingen nur U 460, U 487 und U 488 an den Versorgungstreffpunkten verloren.
Mehr als die Hälfte der schwerfälligen Boote, U 459, U 461, U 462, U 463, U 464 und U 489 fielen beim Ausmarsch Flugzeugen zum Opfer.

Im Übrigen klagten auch die Schnellbootfahrer der 6. S-Fltl, die im Frühjahr 1942 in der Semske-Bucht bei Kirkenes und damit am Ende der Versorgungskette lagen, über vergleichbare Probleme

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Schorsch

Hallo Urs!

Zitat von: Urs Heßling am 26 Januar 2021, 09:03:00
(...)
Die Darstellung verzerrt das Bild ein wenig.
Tatsächlich gingen nur U 460, U 487 und U 488 an den Versorgungstreffpunkten verloren.
Mehr als die Hälfte der schwerfälligen Boote, U 459, U 461, U 462, U 463, U 464 und U 489 fielen beim Ausmarsch Flugzeugen zum Opfer.
(...)
...in dieser Ausschließlichkeit stimmt das aber auch wieder nicht.

So schreibt A. Urbanke in "Die Versorger der Grauen Wölfe", Bad Zwischenahn, 2013, auf Seite 179 bezüglich der Verluste von U 461 und U 462 (und U 504):
ZitatSo vorbildlich die Geleitfahrzeuge [MÖWE, KONDOR, T 19 und vier M-Boote] während des Ausmarsches Funkstille bewahrt haben, so fatal ist ein am nächsten Morgen von der MÖWE abgesetzter Funkspruch: "Von 5. Torpedobootsflottille an Gruppe West. Drei U-Boote um 2.00 Uhr in BF 4981 wie geplant entlassen. Werde um 18.00 Uhr bei "444" sein." Der Funkspruch wird von den Briten erfasst. Zwei Stunden später ist er entschlüsselt und gibt der Royal Navy preis, wo die drei deutschen U-Boote abgefangen werden können.
Der Feind hörte halt überall mit.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Urs Heßling

#5
moin,

Ja.
Allerdings hatte das RAF Coastal Command am 18.7. (?) die Operation "Seaslug" gestrtet, mit der die Biskaya im regelmäßigen Zeittakt von 7 Maschinen "abgekämmt" wurde.
Die Entschlüsselung brachte dann nur noch einen gewissen Zeit/Ort-Vorteil.
Gefunden worden wären die drei im von Dönitz angeordneten Überwasser-Gruppenmarsch laufenden Boote von mit Radar ausgerüsteten Maschinen meiner Meinung nach  "auch so".

Anmerkung: Das Quadrat http://www.navalgrid.com/find/square/bf4981 ist überraschend weit "draußen". Das hätte ich gar nicht vermutet.

Auszug aus der Chronik:
1.7.– 2.8.1943
Biskaya

Der deutschen Taktik des U-Boot-Gruppenmarsches begegnet die 19th Group Coastal Command mit den Operationen »Musketry« und »Seaslug«: dreimal täglich werden je 7 Flugzeuge parallel im Suchgebiet nordwestlich Kap Finisterre angesetzt, um sich bei Sichtung von U-Boot-Gruppen gegenseitig unterstützen zu können. Beteiligt sind Liberators der RAF-Sq. 53, 86, 224 und der USAAF-A/S-Sq. 1, 4 und 19, Catalinas der RAF-Sq. 210 und der mit magnet. Ortungsgerät MAD ausgerüsteten USN VP-63, Sunderlands der RAF-Sq. 226, 228 und der RAAF-Sq. 10 und 461. Wellingtons der RAF-Sq. 172, 547 und der RCAF-Sq. 426 mit »Leigh Light«, der poln. Sq. 304 RAF und der tschech. Sq. 311 RAF, Fortress der RAF-Sq. 59 und Halifaxes der RAF-Sq. 58 und 502.
...
Am 30.7. wird eine ausmarschierende Gruppe mit den Tankern U 461, U 462 und Kampfboot U 504 durch eine Liberator der RAF-Sq. 53 gesichtet und den in der Nähe stehenden Flugzeugen und der 2nd Escort Group (Capt. Walker) gemeldet. In z.T. wiederholten Angriffen von 7 Flugzeugen werden U 461 (KKpt. Stiebler) durch Sunderland ,U'/461 (!), U 462 (Oblt.z.S. Vowe) durch Halifax ,S'/502 und U 504 (KKpt. Luis) durch die Sloops Kite, Woodpecker, Wren und Wild Goose versenkt.

Achtung :police: das beginnt ein Exkurs zu werden :MZ:  Ich melde mich ab.

Gruß, Urs
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eagle0899

Hallo Schorsch, hallo Urs,

nachdem ich mich schon ewig lange mit Enigma, Funk u.ä. (auch beruflich) beschäftigt habe, denke ich, dass es viele Faktoren gibt, die zur vollständigen Unterbrechung der Versorgung (u.a. mit Milchkühen) geführt haben.

1) Einbruch in Schlüssel M3/M4 (inklusive Vertuschung durch die Engländer)
2) "Melder" der Résistance, welche das Auslaufen von Booten an die Engländer weiter gegeben haben
3) ABSOLUTE Luftüberlegenheit der Engländer über die Biskaya und den nördlichen Atlantik.
4) ...

Da befand sich fast kein einziges Flugzeug vom "Reichsmarschall Meier" im Atlantik.

:MG:
Ernst
"Suche immer Tauchtafeln/Rollentafeln sowie technische Berichte und Unterlagen von UBooten. Hinweise/Angebote bitte per PM.

"Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet." (Mark Twain)

Urs Heßling

moin, Ernst,

Zitat von: eagle0899 am 26 Januar 2021, 12:36:14
nachdem ich mich schon ewig lange mit Enigma, Funk u.ä. (auch beruflich) beschäftigt habe,
dann kommt hier noch ein Exkurs :embarassed: in eigener Sache: dann ist die Schnepfentafel sicher für Dich von Interesse


Zitat von: eagle0899 am 26 Januar 2021, 12:36:14
Da befand sich fast kein einziges Flugzeug vom "Reichsmarschall Meier" im Atlantik.
noch`n Exkurs  :embarassed: ... Ja... fast
Zitat aus der Chronik:
11.7.1943
Biskaya

Drei Fw 200 des KG.40 sichten bei Aufklärung einen brit. Truppentransporter-Konvoi westlich Oporto. Trotz starker Flakabwehr treffen sie die Transporter California (16.792 BRT) und Duchess of York (20.021 BRT), die in Brand geraten und aufgegeben werden müssen. Das dritte Schiff Port Fairy erreicht unter Geleit eines brit. Zerstörers Casablanca. Die Zerstörer HMCS Iroquois, HMS Douglas und die Fregatte HMS Moyola können bis auf 57 Mann die eingeschifften Soldaten retten.

Nun aber Schluß damit :angel:

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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