Die Schiffbrüchigen von GA 73 und GA 76

Begonnen von Zerstörerfahrer, 17 Mai 2007, 12:25:43

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Zerstörerfahrer

Moin Moin.

hier mal ein paar Auszüge aus dem KTb des Admiral Ägäis. Es geht um die Rettungsversuche der Besatzungen von GA 73 und GA 76 und darum wie die Führung, auch unter Inkaufnahme grosser Risiken versuchte sie von der Insel zu holen und wie sie letztlich scheiterte und den Feind bitten musste, sie zu retten.



18.10.44
GA 73 meldet Flugzeugangriff auf Rotte GA 73, GA 76 vor Eingang Volos – Golf, bei Insel Argyronesos. Boote gesunken. Schlüsselmittel vernichtet. An Bord rd. 40 Mann Hako- und MSS-Personal Insel Skopelos. Einschliesslich Besatzung damit rund 80 Schiffbrüchige auf Insel. Bleibt nachzuprüfen, warum Boote während des Tages entgegen bestehender Befehle in See. Hako hatte Befehl, sich erst 18. abends Geleit anzuschliessen.
Bergung vorgesehen

I. Räumung Volos

Räumung Volos für Nacht zum 19. befohlen. Restliche Boote K.S.Fl. Attika und noch fahrbereiter Motorsegler und Motor-Kleinschiffsraum, unter Führung Chef K.S.Fl. Attika nach Saloniki in Marsch gesetzt. Gleichzeitig Abholung Hako und MSS Skopelos, die auf Insel Ausgang Volosbucht schiffbrüchig (siehe A II b 2), befohlen. Batterie Guves und MSS Euböa-Nord Nacht zum 18.10.44 planmässig geräumt.

19.10.44
V. Seetransportlage.

Rückgeleit Hako Porto Kufo wegen vermutlicher Feindsichtung kehrt gemacht. Wird in Nacht zum 20. erneut auslaufen. Restgeleit aus Volos durch Feindluft verzögert. Einlaufen erst in Nacht zum 20. zu erwarten. Wegen Ausfall FT-Verbindung mit Geleitführer, die für Vortag geplante Abholung Schiffbrüchiger auf Insel Argyronesos am Ausgang Volos-Golf unterblieben. Versuch wird mit TA 18 heute Nacht wiederholt, wobei Netzleger-Rotte zu Aufnahme TA 18 entgegengeschickt.

Ich habe mich entschlossen, dieses letzte T-Boot in Alleinfahrt einzusetzen, weil keine Mittel unversucht bleiben dürfen, um den Männern zu helfen. Zweckmässiger wären zweifellos die R-Boote, die jedoch nicht zur Verfügung stehen, weil sie noch durch das Volos-Geleit gebunden sind.

14.00
TA 18 Saloniki aus nach Argyronesos zur Abholung rund 80 Schiffbrüchiger von GA 73, GA 76.

20.10.44
Über Abholung Schiffbrüchiger durch TA 18 keine Meldung, Kommandant zur Durchführung Unternehmens freie Hand gegeben. Annahme Rückkehr 21.10.44 vormittags.

02.00
Von restlichen VP-Booten und fahrbereitem Schiffsraum aus letztem R-Geleit Volos-Saloniki GW 103, I-O-77, Schlepper
" Amsel ", MS " Sybille ", MS " Seeadler " eingelaufen.
Netzleger " Piräus " mit GP 10 Kollision in innerer Salonikibucht. GP 10 von geborgener Besatzung verlassen, später eingeschleppt.

Führung des Geleites hat nicht den Erwartungen entsprochen. Nichtschaltung einer FT-Verbindung ausgesprochener Versager. Dadurch Geleit in jeder Hinsicht Führung entglitten, ausserdem Abholung Schiffbrüchiger nicht durchgeführt. In jetziger Lage Versuch fast aussichtslos und vom höchsten Risiko für TA 18. Ich habe daher kriegsgerichtliche Untersuchung angeordnet, gegen den bereits durch mangelhafte Initiative in Volos aufgefallenen Flottillenchef.

21.10.44
IV. TA 18 überfällig.

TA 18 auf Insel Argyronesos nicht eingetroffen, Schiffbrüchige erneut mit Funk sich selbst gemeldet. Ägäisaufklärung zur Mitsuche gebeten, meldet keine Sichtung. Schicksal Boot und Besatzung bedenklich, zumal der Aktionsradius TA 18 in jeder Beziehung beschränkt ist. Es ist nur Torpedoversenkung oder Minentreffer anzunehmen.

Erneuter Bergungsversuch Schiffbrüchiger in Vorbereitung. Luftwaffe für nächsten Tag nochmals im Rahmen Ägäisaufklärung um eingehende Suche gebeten. Zusage erteilt.

22.10.44

Eigene Aufklärung über Nordägäis bei lückenloser Einsicht ohne Ergebnis. Erneute Suche nach TA 18 erfolglos.



Fortsetzung folgt...

Leutnant Werner

TA 18 (ex SOLFERINO), italienischer Palestro-Klasse-Zerstörer ( 875 t, 81 m, ursprünglich 32 Kn, Bewaffnung bei Erbeutung: 2 x 10,2 cm,2 x 7,6 cm AA, 6 x 2 cm AA,  Drillings-TR-Satz)
Indienststellung: 25.07.44, 9. T-Flottille
Gesunken:         19.10.44 im Gefecht mit den britischen Zerstörern TERMAGENT und TUSCAN südlich von Volos (diese Einheiten waren brandneu, hatten vier 12cm-Mk IX-Spritzen und bereits am 07.10. TA 37 versenkt)

Angaben nach Whitley

Gruß
Lt

byron

und ein bischen mehr aus meinem Buch

TA 18 ....Indienststellung 25.07.44; 19.10.44 südlich von Volos,
   ex ital. Zerstörer "Solferino"   Fp.Nr. 54 290

Im Gefecht mit brit. Zerstörern "Teramagent"  und "Tuscan", gestrandet.(? nicht gesunken)
Besatzung von Partisanen erschoßen oder in Gefangenschaft geratten.
Kdt.,   Kptlt.   Günther Schmidt, gef. 20.10.44   (07.44-19.10.44)
Ing.,   Oblt.d.R. Eugen Fey, gef. 20.10.44 (07.44-19.10.44)
I. WO,   Ltn.z.See Ferdinand Klüpfel, gef. 20.10.44
Ob.Fähnr.Dieter Linnekogel


www.wehrmacht-in-griechenland.de.vu

Zerstörerfahrer

Danke für die Ergänzungen, interessant ist die folgende Stellungnahme des Admirals zum Einsatz TA 18.



22.10.44

II. Nochmaliger Bergungsversuch Schiffbrüchiger.

Als letzte Bergungsmassnahme Schiffbrüchiger auf Argyronesos und Suche nach Besatzung TA 18 von Heer 5 ausser Dienst gestellt Pionierboote mit Besatzungen 12. R-Flottille fahrklar gemacht und 19.00 Uhr Saloniki aus. Abholung 23.10.44 abends geplant. Anlandung 20.00 Uhr befohlen. Nach Einschiffung sofort Rückmarsch mit höchstmöglicher Fahrtstufe.

III. TA 18 als verloren anzusehen. Ursache unbekannt. Wahrscheinlich Minen. Besatzungsstärke: 3 Offz., 127 Uffz. Und Mannschaften.

Verlust ausserordentlich schmerzlich und wäre bei richtigem Verhalten sowohl des Hako Skopelos wie auch des Geleitführers des letzten R-Geleites aus Volos, Chef K.S.Fl. Attika, zu vermeiden gewesen. Kommandant  und Besatzung TA 18 gehörten zum alten Stamm der T-Flottille und waren ausgesucht gutes Personal. Kommandant, Kptlt. Schmidt, Träger des deutschen Kreuzes in Gold. Damit hat die Flottille ihr letztes Boot im Einsatz unter wehender Flagge verloren.

Bei dieser endgültigen Erkenntnis habe ich mir nochmals Rechenschaft abgelegt, ob es richtig war, dieses Boot für diese Aufgabe in Alleinfahrt einzusetzen. Nach reiflicher Prüfung komme ich zu dem Entschluss, dass die Führung nicht anders handeln konnte. Nachdem die Abholung durch eine Rotte der K.S.-Flottille und der Einsatz von 2 Booten der Netzsperrflottille aus befehlstechnischen Gründen nicht gelungen war, musste ich auf TA 18 zurückgreifen, zumal dieses Boot allein geschwindigkeitsmässig in der Lage war, das Unternehmen in einer Reise durchzuführen. Der Kommandant ist eingehend durch die Führung eingewiesen worden, ebenso hat durch den Chef Netzsperrflottille eine eingehende Unterweisung über die neue Minensperre in der Skiathosenge, die in der Nacht vom 19. zum 20. scharf geworden ist, stattgefunden. Dem Kommandanten ist ausdrücklich anempfohlen worden, diese Fahrwege nicht zu benutzen. Vielleicht ist ihm der gegenteilige Entschluss zum Verhängnis geworden.

23.10.44

III. Letzter Versuch Bergung Schiffbrüchiger auf Argyronesos erneut missglückt. Die vom Heer zur Verfügung gestellten, bereits ausrangierten und mit eigenen Mitteln einigermassen wiederhergestellten Pionier-Sturmboote auf Marsch Saloniki – Trikeri laufend durch Maschinenausfall behindert und nicht mehr einsatzklar zu bekommen. Unternehmen abgebrochen.

1 Skl, Gruppe Süd und Heeresgruppe E von Lage unterrichtet und gemeldet: Nachdem alle Mittel zur Abholung 100 Schiffbrüchiger erschöpft und anzunehmen, dass TA 18 hierbei Feindzugriff zum Opfer gefallen, Prüfung und sofortige Entscheidung erbeten, ob Einsatz Laz-Schiff " Tübingen " auf Rückmarsch hierfür möglich.

IV. Schicksal TA 18 weiterhin unbekannt. Nach englischer Rundfunkmeldung durch 2 britische Zerstörer bei Saloniki vernichtet.

Mitteilung O.K.M. Kurzlage 23.10.44 über TA 18, wonach Boot durch englische Zerstörer vernichtet, wahrscheinlich eine Verwechslung mit der Vernichtung TA 37 im Seegefecht bei Kassandra. Englische Rundfunkmeldung h.E. ein Nachläufer. Nordägäis einwandfrei feindfrei gewesen und Vorstoss Feindkräfte aus Raum Leros bis unter die Küste des Pelion und Olymp nicht sehr wahrscheinlich.

24.10.44

I. Lage der Schiffbrüchigen.

Argyronesos meldet, am 23.10.44 Partisanenangriff abgeschlagen. Keine Verluste. Von 1/Skl keine Antwort für Einsatz " Tübingen " eingegangen. Auslaufen " Tübingen " noch um 3 Stunden verzögert, um Antwort abzuwarten. Erneut angefragt. Seekommandant Nordgriechenland befohlen, ab 25.10.44 04.00 Uhr, falls bis dahin kein gegenteiliger Entscheid Skl, auf Welle 600 m alle 2 Stunden an " Englischen Seebefehlshaber östliches Mittelmeer " folgendes FT auszustrahlen: Auf Insel Argyronesos (Länge und Breite angeben), befinden sich 100 deutsche Schiffbrüchige, die zu Verhungern drohen. Erbitte dringend ihre Abholung. Deutscher Seebefehlshaber Ägäis.

Gleichzeitig an die Schiffbrüchigen auf Argyronesos folgender offener FT: Englischen Seebefehlshaber um Abholung gebeten. Rettungswerk nicht widersetzen. Admiral Ägäis.



So, damit enden die Eintragungen im KTB des Admiral Ägäis. Jemand vielleicht 'ne Idee, ob die Schiffbrüchigen denn nun wirklich abgeholt wurden ?

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