Malta: ein Reisebericht von einer feinen Insel

Begonnen von t-geronimo, 18 September 2009, 01:53:30

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t-geronimo

So, hier der versprochene Reisebericht aus Malta.

Eines gleich vorweg: Malta ist auf alle Fälle eine Reise wert!!
Die Mischung aus europäisch und arabisch bei Kultur, Küche und anderem, die Bewusstheit zur eigenen Historie, all das hat mir sehr gefallen. Auch wenn es manchmal seine Schattenseiten mitbringt: Es war an vielen Orten sehr verschmutzt und vermüllt.  :|

Mein Aufenthaltsort Valetta war eigentlich optimal, da sich vieles dort in der Gegend konzentriert und für alles andere der Busbahnhof, von wo man wirklich überall hin kommt (Preis pro Fahrt: 47 ct bzw. 1,16€ zu einigen touristischen Zielen), keine 300m vom Hotel entfernt.
Zu Anfang hat mich die Stadt etwas erschreckt: auf Bildern sieht man kaum, wie hügelig sie ist. Das ist ja an einigen Stellen fast wie in San Francisco.  :-o
Egal, kam der Sport eben auch nicht zu kurz, denn da bin ich zig mal langgelatscht.

So unter anderem auch gleich, nachdem ich vom Airport zum Hotel gebracht worden war.
Und da wurde man doch gleich mal belohnt, denn gleich neben der Siege Bell, dem 2.WK-Belagerungsdenkmal an der Spitze des Grand Harbour schaute die MSC Splendida um die Ecke. Ein ganz schöner Brocken!!  :-o







In der folgenden Woche habe ich dann so einiges an Sehenswürdigkeiten, seien es Orte, Museen oder sonstiges, abgeklappert.
Hatte ich eigentlich erwähnt, das die Busse auf Malta nicht nur billig, sondern teilweise auch richtig alt und darum herrlich sind?
Hier ein besonders schönes Exemplar:





In den folgenden Beiträgen stelle ich mal die Dinge vor, soweit sie maritime belange hatten.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

t-geronimo

Malta Aviation Museum

Das Malta Aviation Museum liegt in Ta'quali. Mit dem Bus und dann noch etwa 15 Minuten Fußweg haben etwa eine Stunde von Valetta aus gedauert.
Der Eintritt kostete 5€, die ihr Geld absolut wert sind.
Da darf man gerne den gleichen Betrag nochmal in eine Spendenschatulle wandern lassen.

Ausgestellt wurden in der ersten Halle viele Flieger:





Auch Motoren und andere Teile sowie Erklärungstafeln waren so einige vorhanden:





Einer der Höhepunkte waren die Überreste einer Swordfish:







Auch andere Flugobjekte waren vertreten:





Und andere Fahrzeuge auch:





Einer der ersten Flugsimulatoren:





Eine Modellsammlung (Schiffe in 1:1250, Flugzeuge u.a. in 1:87) mit diesem Diorama:





Außerdem gab es natürlich noch jede Menge Fotos, einige Uniformen, Abzeichen etc. etc.
Aber ich will hier nicht alles zeigen (was ich natürlich könnte ;)), das würde den Rahmen sprengen, was auch für alle anderen Berichte gilt.
Und Ihr sollt ja auch noch was zu schauen haben, falls es Euch mal nach Malta verschlägt.  :-)

Im nächsten Gebäude, dem Air Battle of Malta-Memorial-Hangar, gings dann dem Namen nach hauptsächlich um den 2. WK.
Es gab unter anderem 2 Hurricanes zu sehen, hier eine davon:





Einige alte Flakgeschütze:





Und Fahrzeuge:





In einer Videoecke lief eine DVD mit der Geschichte Maltas im 2. Weltkrieg, die sehr sehenswert war.
Auf vielen Tafeln wurde diese Geschichte dann nochmal ausführlich mit Texten und Bildern aufgezeigt. Schon die nackten Zahlen machten dort deutlich, wieviel die Insel im 2. Weltkrieg aushalten mußte!

Schließlich wurde noch mit einigen Gedenktafeln derer gedacht, die dadurch ums Leben kamen:





Am Ende bin ich denn noch mit den beiden etwa 70-jährigen Herren ins Gespräch gekommen, die die Kasse machten und bei Fragen weiter halfen.
Das war eine nette Plauderei, denn beide waren etwas fachsimpeln gegenüber äußerst aufgeschlossen! :TU:)
Gruß, Thorsten

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(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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t-geronimo

Malta at War - Museum

Das Malta at War - Museum liegt am Anfang von Birgu (auch Vittoriosa genannt), einer der Three Cities, die gegenüber von Valetta auf der anderen Seite des Grand Harbour liegen.
25 Minuten Bus, 2 Minuten zu Fuß und man ist da:





Irgendwie bin ich dem Museum eher zufällig über den Weg gelaufen, da ich es gar nicht auf meiner Liste hatte.
Aber egal, ich bin natürlich sofort reingegangen.  8-)
7 Euro für eine geführte Tour schienen es mir wert, und die waren auch ok.

Als erstes wieder eine 25-Minütige britische Propaganda-Sendung von 1943, so als Einstimmung in die Geschichte Maltas im 2. WK.
Im Eingangsbereich einige Uniformen:





Dann ging es in den eigentlichen Bereich - ein Luftschutzbunkersystem aus dem 2. Weltkrieg, die überall auf Malta aus dem Kalkstein gegraben wurden, und zwar meist mit den einfachsten Mitteln:





Diese Räume waren etwas luxuriöser als gewöhnlich, da sie in einer ziemlich wohlhabenden Wohngegend lagen.
So wurde geschlafen:





In den Aufenthaltsräumen konnten die Familien zum größten Teil seperat wohnen.





Man war auf alles vorbereitet:







Dazu erklärte der begleitende Mitarbeiter dann vieles zu den Lebensbedingungen usw. in den Bunkern.

Auch dieses Museum war seht nett und mit Herz hergerichtet und betrieben. :)
Gruß, Thorsten

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Fort Rinella

Fort Rinella ist mit dem Bus (25 Minuten) und zu Fuß (1 Minute) zu erreichen.
Der Eintritt kostete 8 Euro. Leider kämpft es ums überleben.
Es gab auch eine begleitete Tour, aber die letzte des Tages lief schon.
Darin wurde das Leben eines Soldaten im Fort, das den Grand Harbour verteidigen soll. Ich hörte einige Schußfolgen, in der Feuergeschwindigkeiten verschiedener Gewehre vorgeführt wurden, ebenso Nahkampfübungen. Alles in echt, nix DVD!! Schade, hätte ich auch gern gesehen.  :|

Also bin ich allein los und hab das Fort allein erkundet, was eigentlich nicht lang dauert.
Es gibt einen unterirdischen Gang, der in einer Sackgasse endet ( :-P) und eben die große Besondertheit, und die ist wirklich besonders, nämlich die 100-Tonnen-Kanone von Armstrong:









Unterhalb des 45-cm-Geschützes waren dann Munitions- und andere Kammern zu sehen.
Dort gabs dann unter anderem ein Geschoß zu sehen:





Auf einigen Tafeln wurde dann noch die Munitionsförderung erklärt:





Insgesamt war das Museum nicht sehr zeitintensiv, aber trotzdem ok. :)
Gruß, Thorsten

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t-geronimo

Capuccini Naval Cemetery

Der Capuccini Naval Cemetery liegt etwas weiter als Fort Rinella von der gleichen Bushaltestelle weg, ist also nach 20 Minuten gehen zu erreichen:





Am Eingang gibt es einige erklärende Tafeln über diesen Friedhof:







Hier lagen also tote Seeleute und andere Soldaten sowie Hafenarbeiter und andere Zivilisten, die trotzdem für das Militär arbeiteten.
Der Friedhof machte einen sehr sauberen und gepflegten Eindruck:





Auch die meisten Grabsteine waren sehr ansprechend gestaltet, z.B. mit schönen Wappen:



Interessant (und erschreckend) war, wie viele tote Seeleute aus der Zeit zwischen den Kriegen begraben worden waren. Das muß damals eine ziemliche Sterblichkeitsrate gewesen sein.  :|





Hier ein Gedenkstein für die japanischen Seeleute, die im 1. WK im Mittelmeer starben:





Und ein deutsches Gemeinschaftsgrab:





Naturgemäß war dies ein sehr stiller Ort.
Ich war auf einem Samstag Nachmittag dort und hatte Glück, daß das Tor offen stand, denn eigentlich war keine Öffnungszeit.
Das unterstützte die Stille noch mehr, und man konnte ganz in Ruhe auf sich wirken lassen, wieviel Tod doch mit den von uns gemochten grauen Schiffen so einhergeht.
Gruß, Thorsten

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National War Museum

Das National War Museum liegt beim Fort St. Elmo an der Spitze Valettas. Vom Hotel aus waren es etwa 10-12 Minuten Berg- und Tal-Gang.
Ein leicht regnerischer Sonntag vormittag eignete sich prächtig.

Für 6€ kommt man rein, nur darf man beim fotografieren leider kein Blitzlicht benutzen.
In diesem Museum wurde die Rolle Maltas in den beiden Weltkriegen und dazwischen dargestellt und dieses mit vielen Exponaten untermauert.
Vom Preis-Leitungs-Verhältnis war das Museum unschlagbar und eine Spende in die entsprechende Kasse ein Muß!

Der Bereich des Ersten Weltkriegs nahm einen kleinen Teil ein, und auf den erklärenden Tafeln kamen sogar einige Deutsche vor:





Der Bereich 2. WK wurde im nächsten Raum dann vom Rumpf eine der drei Gladiator dominiert, die den Maltesern und Briten zu Beginn des Krieges im Mittelmeer so viel moralische Unterstützung gaben (es ist Faith):





Auch hier gab es wieder einiges an Uniformen und sonstigen Originalstücken zu sehen:





Auf einigen kleineren Bildschirmen liefen Doku- und Erklärungs-DVDs, deren Ton das ganze Museum in einem andauernden Luftangriff liegen ließ.
Auch einige Bilder zeigten die furchtbaren Auswüchse eines Krieges:





Als die Luftabwehr am Boden war, machte man selbst private Sammlungen, um Geld für mehr Maschinen zusammen zu bekommen:





Hier eine Kopie der Schiffsglocke von HMS Illustrious, wie sie am 10.01.1941 aussah, als der Träger in den Grand Harbour einlief:





Auch aus den generischen Armeen gab es viele Exponate, z.B. dieses italienische Sprengboot (mit einer Anzahl ähnlicher Boote wurde der Grand Harbour erfolglos angegriffen):





Ein deutscher Zeitschaltzünder (bzw. die Uhr davon):





Eine Auswahl des Terrors, der über Malta abgeworfen wurde:





Die Tragfläche einer BF 109:





Die Glocken einiger Schiffe, die mit Malta auf die eine oder andere Weise verbunden waren:



 

                                   



Operation "Pedestal" (auf Malta nur als "Santa Marija"-Konvoi bekannt, und den kennt jeder!) und darin der Tanker Ohio nahmen natürlich einen ganz besonderen Platz ein:







Einige Wappen:





Was man mit abgeschossenen Flugzeugen so alles machen kann...





Und zum Schluß noch eine Ordensammlung:





Auch hier hätte ich natürlich endlos mehr Bilder zeigen können, aber ich wills ja nicht übertreiben. ;)

Gruß, Thorsten

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t-geronimo

Ja, das wars dann auch schon fast.

Malta ist absolut eine Reise Wert, und irgendwann werde ich dort bestimmt mal wieder vorbeischauen, denn ich habe längst noch nicht alles gesehen.
Und vorbeischauen lohnt immer, denn dann sieht man unerwartet solche Dinge wie das abfeuern der Noon-Gun bei den Upper Barracka Gardens:





Die Menschen dort sind sehr nett. Wann immer ich Fragen hatte oder andere Hilfe brauchte, ich habe nie eine negative Antwort oder gar Ablehnung erfahren, immer wurde das möglichste versucht um zu helfen.

Und auch abseits der Museen lohnt sich immer ein Blick.
Geschichte ist auf Malta allgegenwärtig. Egal wo man sich befindet, irgendwo gibt es immer ein Denkmal, eine Gedenktafel, eine Inschrift irgendwo.
Und manchmal auch größere, so wie dieses Denkmal für die über 2500 Piloten, die im Mittelmeer-Raum gestartet und seitdem auf See verschollen sind:





Und alles zur sonstigen Geschichte Maltas habe ich ja noch nicht mal erwähnt....
Und die Kirchen erst....
Und das Wetter....
Und die netten Häfen....
Und das Essen....

....ach, ich könnte da sofort wieder hin.  :cry:


Ach ja, und verabschiedet hat Grand Harbour mich, wie er mich empfangen hat. Diesmal war es die Norwegian Gem:

Gruß, Thorsten

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barco

Gruß,
barco
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TD

Hallo Thorsten,


ein feiner informativer und sehr anschaulicher  Bericht !!


Wo schicken wir dich als Nächstes hin um an so schöne Sachen zu kommen ??


Vielen Dank für deine Mühe und Arbeit


Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

barco

Ganz einfach: an den Tanganjikasee, zur "Liemba", (Graf Goetzen).  :-D
Für einen Reisekostenzuschuss können wir ja spleißen.
Allen ein schönes Wochenende,
Barco
Gruß,
barco
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crolick

Lovely photos - Malta still remains the same beautiful island that she was a year ago ;)

Zitat von: t-geronimo am 18 September 2009, 01:56:34Auch hier hätte ich natürlich endlos mehr Bilder zeigen können, aber ich wills ja nicht übertreiben. ;)
No problem please post more pictures :O/Y

Zitat von: t-geronimo am 18 September 2009, 01:56:54
....ach, ich könnte da sofort wieder hin.  :cry:
Yes indeed - Malta is lovely place. I hope to visit it at least once more


BTW. There was plan to transfer the Gladiator from the National War Museum to the Malta Aviation Museum but I don't know how the talks between the museums ended.

t-geronimo

crolick, for you to notice:

I almost found the Lascari War Rooms.

Almost, because the last signs seemed to be missing as the Museum is closed until further notice.  :-(
Gruß, Thorsten

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(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Woelfchen

Schöner Bericht, aber mit einem kleinen Fehler?

Malta Aviation Museum:
Die erste Hurrican, die "Mary Rose" sieht wie eine Spitfire aus. Vor allem die Flügelform.
Das Flugzeug zwei Bilder weiter unten ist auf jeden Fall eine Hurrican.

crolick

Zitat von: Woelfchen am 18 September 2009, 14:50:02
Die erste Hurrican, die "Mary Rose" sieht wie eine Spitfire aus. Vor allem die Flügelform.
Das Flugzeug zwei Bilder weiter unten ist auf jeden Fall eine Hurrican.
Yes, you are right. There are one Hurricane (yet not fully restored in 2008) and one Spitfire:







Thorsten - where was the entrance? Near the Auberge de Castile et Leon?

Dergl

schön geschrieben
Macht Lust drauf, einfach mal spontan wieder hinzufliegen... habe eh im Oktober Urlaub und noch nichts vor  :-D
mal sehen

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