CORONEL: Wie engl. Historiker sich die Niederlage schönreden

Begonnen von Leutnant Werner, 08 Januar 2006, 17:49:28

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Leutnant Werner

Hallo Freunde,



ich hab ein neuen Buch (gebraucht) von der Insel reingekriegt... Paul G. Halperns "A naval history of world war one". Habe mir mal zum Reinschnuppern das Kapitel über Coronel und Falkland reingezogen. Er schreibt brilliant, aber die nervigen Lügen über Admiral Craddocks Geschwader werden leider wiederholt.

1. Lüge: Die Engländer haben mit Schrott gekämpft. Halpern führt notorisch wie alle englischen Historiker auf, es habe sich um "elderly cruisers" gehandelt. MONMOUTH soll gar kurz vor der Verschrottung gestanden haben, bevor sie reaktiviert wurde.



Die Fakten: Good Hope wurde 1902 in Dienst gestellt, Monmouth 1903 (im Vergleich: Scharnhorst Herbst 1907, Gneisenau Frühjahr 1908). Die Schiffe der Engländer waren gerade mal 4-5 Jahre länger in Dienst. Beide galten als "excellent steamers". GH schaffte über 23 Knoten, Monmouth fast 24. Zum Zeitpunkt ihrer Versenkung war Monmouth gerade mal 11 Jahre alt. Die Verwendungsdauer eines solchen Schiffes betrug 20 bis 25 Jahre, davon die Hälfte in der ersten Linie. Wenn auch die englischen Panzerkreuzer (wie die Deutschen) zum Zeitpunkt der Schlacht technisch überholt waren, so waren sie doch keinesfalls alt.



2. Die gegenüber den deutschen Schiffen schlechte Artillerieaufstellung  der englischen Panzerkreuzer verhinderte bei diesen wegen des hohen Seeganges den Einsatz der Hälfte der 6-Zoll-Batterien beider Schiffe.



Die Fakten: Das ist wirklich zum Kringeln. Die Fachliteratur der Zeit kritisierte die Deutsche Artillerieaufstellung bei den Panzerkreuzern und den Schlachtschiffen der WETTIN-Klasse. In der gepanzerten Batterie, die mittschiffs in Haupt- und Oberdeck auf engem Raum oberhalb des Gürtelpanzers eingerichtet war, würden die Geschütze zu nah beieinander stehen. Bei einem Volltreffer in die Batterie würden dann gleich mehrere Geschütze ausfallen. Bei den englischen Schiffen dagegen wurde die gleichmäßige Verteilung aller Geschütze über die gesamte Schiffslänge als Vorteil angesehen. Na sowas.

Good Hope hatte übrigens 2 23,4cm-Mark IX-SK l 45, die eine 173 kg schwere Granate verschossen, 50 kg schwerer als die schwersten deutschen Geschosse.



3. Die Schiffe von Craddock waren ungenügend und mit zweitklassigem Personal bemannt. Das mag stimmen. Aber muss er dann kämpfen?



Die Fakten: Craddock hat sein Schlachtschiff Canopus extra zurückgelassen. Er WOLLTE gegen die Deutschen kämpfen, und Canopus war halt so langsam, dass sich das deutsche Geschwader leicht hätte entziehen können. Dabei muss festgestellt werden, dass die oft behaupteten 12 Knoten von Canopus auch ins Reich der Fabel gehören. Sie wird wohl mindestens 14 geschafft haben, was in der taktischen Situation aber keinen Unterschied macht.

Craddock hat also 4 schnelle Schiffe. Craddock kann bestimmen, ob er gegen die Deutschen kämpft oder nicht. Wenn seine Besatzungen so schlecht waren, warum hat er dann gekämpft? Ganz klar: Die Deutschen hat er unterschätzt. Und die englischen Historiker fahren fort, die Deutschen zu unterschätzen. Die haben bei Coronel nur gesiegt, weil die Engländer ausnahmsweise mal schlecht aufgestellt waren. Und das ist Schwachsinn. Auch bei den Falkland-Inseln haben die Deutschen, relativ gesehen, besser geschossen als die Engländer. Ihre Kanonen waren halt viel kleiner.



Irgendwelche Fakten oder Meinungen hierzu?



Gruß

vom Lt

ScaleModeller

Also zu dem was du schreibst kann ich als Newcomer im maritimen Leben wenig sagen (also genau genommen gar nix). Aber mir fällt mittlerweile schon auf, daß man immer wieder davon lesen kann, wie sich die Engländer noch Jahrzehnte später an einem glücklichen Sieg hochziehen können, aber ein deutscher Sieg als "momentan ungünstig" und "total unterlegene Kräfte" abgetan wird. Die Bismarck wurde ja laut Engländern bis heute vom Torpedo der "Dorsetshire" versenkt.....jetzt les ich deinen Beitrag oben, schön langsam kommt man echt ins grübeln, wer da die englische Seekriegsgeschichte immer so heroisch aufbereitet.

Spee

@Lt. Werner,

Admiral Craddock hatte 3 Schiffe, Nummer 4 wäre nur Futter für die Deutschen gewesen.
Die deutsche Literatur der 20er und 30er Jahre sagt sehr wohl, daß die Briten nur einen Teil ihrer Geschütze einsetzen konnten, da der Rest überflutet war. Somit Nachteil Craddock. Der 23,4cm-Turm auf dem Bug fiel nach der ersten Salve Wirkungsschießen der Deutschen aus.
Das Craddock Spee unterschätzt hat, nein, glaube ich nicht. Die Beiden kannten sich persönlich. Die Briten hielten das deutsche Ostasiengeschwader für das beste Kolonialgeschwader auf der Welt. Hochtrainiert und hochmotiviert.
WOLLTE ist relativ, er mußte. Die Troubridge-Affäre war gerade einmal 3 Monate alt. Viel Auswahl hatte Craddock nicht und Verstärkung wurde ihm verweigert. Die kam erst, als Admiral Fisher zum Chef der Admiralität wurde, für Craddock zu spät.
"Canopus" lief nur noch 12kn und war in Port Stanley nach ihrer Ankunft fast fahrunfähig. Grund war ein Kesselschaden.

@ScaleModeller,

das B-Schiff wäre so oder so gesunken, was machte es, ob durch die offene Seeventile oder noch 3 Torpedos?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Blane

@Spee
Vom Prinzip her hast Du bei Bismarck Recht, untergangen sei sie so oder so.
Aber muss ich scale und Lt.Werner auch zustimmen, dass die Engländer sich manchmal die Geschichte schönreden bzw. zurechtreden

Bsp. Bismarck:
Die Engländer behaupten bis heute, die Torpedos der Dorsetshire hätten die Bismarck versenkt.
Nachdem es nun 6 Expeditionen zum Wrack gab, hat nur ein Team festgestellt, dass der Sinkvorgang durch die Torpedos verursacht wurde. Nämlich die britische Expedition um David Mearns.
Alle anderen Expeditionen kamen zu dem Urteil:      selbst versenkt

Anderes Beispiel (ist zwar sehr Off-Topic aber dasselbe Problem)
Fußball WM 1966
Wembleystadion
Trotz eindeutiger Fernsehbilder (aus mehreren Perspektiven, wobei manche sogar Farbaufnahmen sind) und Computeranimationen, die allesamt belegen, dass der Ball nicht im Tor war, behaupten die Engländer noch heute, alles wäre korrekt gewesen, trotz solcher Beweise.
Ich weiß, dass dieses Beispiel sehr von unseren maritimen Themen abweicht, jedoch lassen sich halt Parallelen, auch im Sport, ziehen.

Das Problem nun mal ist, dass Deutsche und Engländer sich immer in einer Art Zweikampf sehen, wo sie herausfinden wollen, wer der bessere sei.
Natürlich gesteht niemand gerne ein, „oh, da haben wir aber Glück gehabt“ ist ja auch verständlich, allerdings wenn nun mal Beweise dagegensprechen, dann sollte man auch aufhören und nicht versuchen den Mhytos aufrechtzuerhalten.
Dies gilt natürlich auch für die deutsche Seite (eigentlich für jede Nation), dass man eigene „Niederlagen“ eingesteht.
Alles andere, als eine „Niederlage“ schön zu reden, vor allem wenn die „Schlacht“ katastrophal  war, ist doch auch eine Art von Propaganda.

Dies ist natürlich meine Meinung, die ich niemanden aufzwingen will. Ich hoffe, dass ich sie verständnisvoll herübergebracht habe, und nicht falsch verstanden wird.
Schöne Grüsse
Christian

ScaleModeller

@ Spee

Es geht mir um das Prinzip - Fakt ist nunmal, das sich die Bismarck der Versenkung entzogen hat, in dem man die Seeventile gesprengt hat. Fakt ist auch, daß es eben nicht die Torpedos waren, wie daß die Engländer bis heute behaupten.

Ob die Bismarck so oder so gesunken wäre, oder zu diesem Zeitpunkt schon unfähig zur Verteidigung war zählt für mich dabei nicht.  

Wenn die Engländer behaupten, die Bismarck absolut kampfuntüchtig geschossen zu haben - yes.
Wenn die Engländer behaupten, Torpedotreffer erzielt zu haben - yes.
Aber versenkt haben sie dieses Schiff nun mal nicht.

Spee

Servus,

ich finde das ja lustig, zugegeben. Was ist den so wichtig daran, ob die Briten nun sagen, sie haben sie versenkt? Können sie doch, sie haben sie zusammengeschossen bis nur noch ein treibender Rumpf an der Oberfläche schwamm. Unter oder über Wasser, das Schiff war Schrott.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

harold

---tja : QuelleN, Mehrzahl, hernehmen; meistens bekommt man dann doch recht bald mit, wer was durch welche Brille sah und schrieb.

Wobei die Brille durchaus auch nicht absichtlich die-und-die Farbe gehabt haben muss, als ein Text verfasst wurde.
Manchmal gab es bestimmte Informationen einfach noch nicht zu diesem Zeitpunkt (was für Lt. Werner´s vorgestelltes Beispiel nun wirklich nicht zutreffen kann).
Verlage, die dann frohgemut unveränderte Neuauflagen nachdrucken, ohne dem Autor die Möglichkeit zu Anmerkungen zu geben, gibt´s genug.

Ach, wieviel steht doch im "Breyer"... aber trotzdem, ich konsultiere ihn nach wie vor.

& besides of that : zu "die" Engländer ... das erste Buch, das ich mit knapp 10 Jahren in den Händen hatte, war C.S. Forester´s "letzte Fahrt der Bismarck"; kein schlechter Einstieg in maritime Lektüre, meine ich, und frei von allem  sich patriotisch gebendem Getöne (jaja, genau DER Forester, mit seinen Hornblower-stories).  

So -jetzt aber wieder zur Coronel-Diskussion:
Da freu ich mich auf den Fachleute - Dialog zwischen Lt. Werner und Spee!

Ciao,
Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

tirpitzpeter

Waren wir nicht bei Coronel??
Das alte Bismarck gezaudere ist doch nun wirklich mehr als durchgekaut, das Schiff haben die Engländer zusammengeschossen und jeglicher mittel beraubt ,ob es Flutventile oder noch 20 Fangschüsse versenkt haben ist doch nun wirklich nicht mehr wichtig wenn man bedenkt wieviele Menschen bei dem Schlamassel ums Leben kamen!
Zum eigentlichen Thema:
Craddock unterschätzte Spee bestimmt keineswegs (Spee hats schon ausgeführt) auch waren den Engländern die hervorragende Qualität der Besatzung des OA-Geschwaders bekannt......
Ich habe über Coronel ,Falkland und Skagerrak in letzter Zeit viel Literatur von Englischer und Deutscher seite gelesen man muss aber durchaus zugeben das auch hierzulande gerne mal was "verschönert" wurde so liest sich bsp. das Buch  " Skagerrak" von Hermann Lohr schon sehr als hätten die Deutschen mal eben ein paar Englische Kreuzer Versenkt ,auf die Schicksale der Lützow, und Seydlitz wurde übrigens nicht eingegangen! Klar verschönen auch die Engländer immer wieder einiges (dazu gibts X Beispiele) nur sind genau gesehen wir Deutschen nicht viel besser... also lasst doch den Engländern ihren Spaß :-)
Gruß
Peter
"Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit"! (Rammstein)
"Ein formal stimmiges Produkt braucht keine Verzierung" (Ferdinand Porsche)

Leutnant Werner

@Spee,
wie das so sein muss, hattest Du mit Deinem Beitrag mal wieder einige "Treffer" dabei.
ERSTER TREFFER: In der Tat  - Craddock musste.... er musste irgendetwas tun, sonst hätte die Admiralität und die britische Öffentlichkeit mit ihm abgelebt (wie man in der Pfalz zu sagen pflegt).

Aber er musste sicherlich nicht mit einem Teil seines Geschwaders, der dann bestenfalls gleichwertig ist, den Feind angreifen. Er kann auch sein Geschwader zusammen halten, den Feind nicht angreifen, sondern ihn in Richtung auf eine andere Jagdgruppe treiben. Von denen waren ja schon zur Zeit von Coronel einige unterwegs, darunter auch der Schlachtkreuzer "Australia". Aber: Troubridge - lass ich gelten

ZWEITER TREFFER: Ja, die Artillerie-Aufstellung der englischen Kreuzer wurde NACHHER immer als möglicher Grund für die Niederlage angegeben. Aber vor der Schlacht waren die Experten nunmal der Ansicht, die gleichmäßig verteilte Artillerie der englischen Kreuzer war der der deutschen Zentralbatterielösung extrem überlegen.

Man könnte hier möglicherweise von einem Konstruktionsfehler sprechen. Aber diese Panzerkreuzer müssen schon mit der Verwendungsmöglichkeit gegen die Hochseeflotte konstruiert worden sein, also in die Konstruktion die Verwendung in schlechtem Wetter miteingebracht worden sein.

Wegen dem ganzen anderen Res poste ich noch mal,,
Gruß

E. E.

Spee

@Tirpitzpeter,

genau das meinte ich damit. Laßt den Briten ihren Spaß und gut.

@Lt. Werner,

ja, manchmal muß man "Treffer" landen. Aber das macht solche Diskussionen ja erst zu dem, was sie sind, hochinteressant. Ich werde mir mal in den nächsten Tagen etwas Literatur wieder zur Hand nehmen und dann hoffentlich ein paar Antworten finden.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Woschnik

Craddock hatte gar keine Wahl. Er musste angreifen - auch wenn er nur ein einziges Schiff hätte einsetzen können. Immerhin hatte die Briten seit den guten alten Zeiten Nelsons keine Seeschlacht mehr verloren. Das macht über 100 Jahre Marinetradition in bester Art und Weise. Allein die Idee von Rückzug oder das Zugeständnis, der Gegner könnte überlegen sein, wären geradezu ein Frevel gewesen. Mental waren die Briten immer noch in einer Zeit gefangen, wo sie zur Not am Feind längsseits gehen und den Rest mittels eines Enterkommando besorgt hätten.

Ähnlich reagierte ja auch Beatty nach dem Verlust von zwei Schlachtkreuzern - der hat auch nicht eine Sekunde an eine Niederlage gedacht. Womit ich den Mut der Engländer keineswegs schmälern möchte. Aber die Tradition war eben auch eine Bürde.

Beste Grüße

Volker
Liebe Grüße

Volker

Mario

Ein weiterer wichtiger Punkt bei den Überlegungen zu dieser Schlacht ist die britische Marinetradition. Ein britischer Marineoffizier bekam es seit seiner Kadettenzeit eingetrichtert: Angriff, wo immer sich eine Gelegenheit bietet. Es macht ja auch Sinn. Wenn man in der eigenen Flotte viel mehr Schiffe, als der Gegner hat, dann kann man es sich auch erlauben, immer feste draufzuhalten. Denkt mal an das Gefecht vor dem la Plata, oder den Gefechten im Nordmeer, wo kleinere britische Schiffe gegen Panzerschiffe, schwere Kreuzer und Schlachtschiffe Erfolge erzielten, weil sie ohne zu zögern angriffen.
Es gibt da ein treffendes Zitat von Admiral Andrew Cunningham in Alexandria. "Die Royal Navy braucht drei Jahre zum Bau eines neuen Kriegsschiffes, aber sie benötigt drei Jahrhunderte für die Schaffung einer Marinetradition "

Huszar

Mal eine Frage:

Wieso waren die Halfte der br. Geschütze nicht einsetzbar? Und wieso konnten die dt. alle (oder die meisten) einsetzen?
(kenne mich im 1wknicht so recht aus)

Wenn ich aber die Daten der engl und dt. Schiffen ansehe, und Wetten müsste, dann würde ich auf die Engländer setzen.


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Leutnant Werner

@ alex,
die britischen Panzerkreuzer hatten 3 (Monmouth) bzw. 4 (Good Hope) ihrer 15,2cm-Kanonen in Kasematten im Hauptdeck untergebracht, dass ziemlich tief gerade über dem Gürtelpanzer lag. Bei schwerem Seegang konnten diese Kasematten nicht geöffnet werden, da sonst Seewasser übernommen worden wäre und außerdem die Geschütze unter diesen Bedingungen nicht effektiv bedient werden konnten. Die deutschen Schiffe waren etwas höher konstruiert. Das Hauptdeck mit den 3 15cm-SK pro Breitseite lag ein Deck höher als bei den Engländern und die 21cm waren auf dem Oberdeck und auf dem Forecastle aufgestellt. Die Artillerie war also nicht beeinträchtigt.

@Spee,
Ich kann nicht sehen, dass Otranto in dem Gefecht mit den deutschen kleinen Kreuzern ohne Nutzen gewesen wäre. Sie hätte wohl bald ziemlich gebrannt, aber bis dahin wären ihre 8 120mm-Kanonen ein gewisses Gewicht dargestellt, zumal gegen die "Spritzpistolen" der deutschen kleinen Kreuzer. Die Admiralität war wohl tatsächlich der Ansicht, dass Cradocks Streitmacht ausreichend war, um das Ostasiengeschwader in die Knie zu zwingen. Zwar waren die deutschen Panzerkreuzer besser bewaffnet (sieht man von den 9,2-Zoll-Wummen von Good Hope ab), aber Cradock hatte mit Glasgow einen leichten Kreuzer, der gegen jeden der deutschen kleinen Kreuzer eine starke Überlegenheit hatte.

Interessant finde ich, dass einige der britischen Schiffe, die in den Schlachten eingesetzt wurden, im weiteren Kriegsverlauf nicht gerade vom Glück verfolgt waren.
Invincible sank bekanntlich in der Skagerrak-Schlacht.
Inflexible wurde am 18.03.1915 in den Dardanellen durch einen Minentreffer schwer beschädigt und mit 2000 t Wasser nach Malta eingeschleppt.
Canopus, die zu Beginn der Falklandschlacht Gneisenau mit einem Blindgänger getroffen hatte, wurde am 28.04.1915 durch türkische Küstenbatterien an den Dardanellen erheblich beschädigt.
Otranto sank in Folge einer Kollision 1918 vor der schottischen Insel Islay.

Gruß
Lt.

Spee

Servus,

wie zugesagt, eine kleine Analyse zu Coronel.

Wofür wurden Panzerkreuzer um die Jahrhundertwende gebaut? Einsatz in der Flotte? Schneller Flügel? Nein.
Entscheidend für den Panzerkreuzerbau ab ca. 1890 war eine französische Theorie, die leider im deutschsprachigen Raum noch nie hinreichend erwähnt wurde. In Frankreich entwickelte man ab ca. 1875 die Theorie der "jeune école" (http://de.wikipedia.org/wiki/Jeune_%C3%89cole). (Wird jetzt einigen klar, woher das deutsche Konzept der ,,Atlantischen Kriegsführung stammt?)
Genau diese Theorie traf den britischen Nerv am heftigsten. Sollte es möglich sein, dass sich die um 1895/1900 als eventuelle Feinde angesehene französische und russische Flotte mit einer größeren Anzahl an Panzerkreuzern bzw. geschützten Kreuzern zum Zwecke des Handelskrieges verstärkt? Ein Blick in den Weyer 1905 verrät einiges.

In Frankreich liefen zwischen 1895 und 1900 sieben Linienschiffe vom Stapel, dagegen standen 20 Panzerkreuzer und geschützte Kreuzer. Für die russische Flotte steht das Verhältnis 8 zu 8.

Um dieser Bedrohung des britischen Handels und damit der britischen Lebensadern zu begegnen, forcierte man in Britannien den Bau von Panzerkreuzern. Diese sollten auf  Stationen verteilt die Sicherheit des Seeverkehrs garantieren. Ein Einsatz in der Schlachtlinie wurde um 1900 nicht erwogen. Eine Seeschlacht wird von Linienschiffen geführt, nicht von Panzerkreuzern.

Diese Einstellung änderte sich erst nach der Schlacht bei Tsushima. Hier setzten die Japaner ihre Panzerkreuzer als schnellen Flügel ein und das mit Erfolg. Ob die nachfolgende Analyse der Schlacht auch erfolgreich war, ich habe da meine Zweifel. Der Einsatz der japanischen Panzerkreuzer wurde falsch interpretiert, wie der Rammangriff bei Lissa. Admiral Togo griff mit allem an, was er hatte. Seine Panzerkreuzer musste er einsetzen, da ihm nur noch 4 Linienschiffe zur Verfügung standen. Nützlich für Admiral Togo war die deutliche Schwäche des II. russischen Pazifikgeschwaders. Wäre der russische Verband besser koordiniert und besser ausgebildet in die Schlacht gegangen, so leicht wäre es für Admiral Togo nicht verlaufen. Btw. Admiral Togo stand zudem unter extremen Zugzwang. Während die japanische Armee in schwersten Gefechten mit der russischen Armee lag, wurde ihm Untätigkeit vorgeworfen. Man zündete ihm sogar sein Haus an, wegen angeblicher Feigheit. Das Admiral Togo den Sieg der japanischen Armee erst mit der Sicherung des Seeweges ermöglichte, wurde von den Zeitungen unauffällig verschwiegen (ja, auch damals konnte man schon das Niveau einer ,,Bild"-Zeitung erreichen).
Der Sieg Admiral Togo's verursachte auch den späteren Haß der japanischen Armee gegen die japanische Marine. Die Armee kämpfte monatelang und wurde vergessen (wer kennt die Schlacht bei Mukden?), Admiral Togo wurde zum Volkshelden und die Marine mit mehr finanziellen Mitteln bedacht.
(Für Admiral Togo müßte das ein interessantes Gefühl gewesen sein. Er brennt man ihm wegen ,,Feigheit" sein Haus ab und dann wird er zum größten Helden seiner Zeit in Japan. Ja, des Volkes Gedächtnis ist mitunter sehr löchrig.)

Ok, back to topic.

Die beiden britischen Panzerkreuzer, die bei Coronel im Gefecht standen waren demnach nicht für den Einsatz in der Schlachtflotte gedacht, sondern als Auslandskreuzer bzw. als Flaggschiffe der Kreuzerdivisionen der ,,Home Fleet".
Admiral Spee besaß gegenüber Admiral Craddock mehrere Vorteile. Erstens verfügte er über einen homogenen Verband. Sein Geschwader (,,Scharnhorst",  ,,Gneisenau", ,,Leipzig" und ,,Nürnberg") war ein seit ca. 4 Jahren operierender Verband. Man verstand sich in diesem Sinne blind. Nur ,,Dresden" wurde erst zu ihm detachiert. Da beide Panzerkreuzer auch zeitweise als Artillerie-Schulschiffe fungierten, dürfte ein Zweifel an der Qualität der AO's wohl nicht angebracht sein.
Admiral Craddock war dem entgegen mit einen Schiff unterwegs, welches nie im Auslandsdienst stand. ,,Good Hope" war bis 1914 nur in heimischen Gewässern im Einsatz, ,,Monmouth" dagegen nur auf Station. ,,Good Hope" war 1914 in der III.Flotte dem VI.Kreuzergeschwader zugeteilt. Diese Schiffe lagen mit verminderter Besatzung in verschiedenen Häfen. Seepraxis Null. ,,Monmouth" wurde nicht einmal mehr in der III.Flotte geführt, möglicherweise stand sie wirklich kurz vor der Verschrottung.
Warum Admiral Craddock nicht sein eigenes IV. Kreuzergeschwader führte, entzieht sich momentan meiner Kenntnis. Mit diesem Westindien-Geschwader hätte er eine Chance gehabt. Aber seine 4 Panzerkreuzer (,,Suffolk", ,,Berwick", ,,Essex" und ,,Lancaster") jagten die ,,Karlsruhe" und standen als Sperrverband gegen Admiral Spee in der Karibik.
,,Glasgow" gehört zur Westafrika-Station. Einen bunteren Haufen haben wohl nur noch die Russen nach Tsushima geschickt.
Admiral Craddock lief mit der ,,Good Hope" den Atlantik hinunter und sollte auf sein Bitten nach Verstärkung auch welche bekommen, ,,Canopus". Ein Schiff, dem jeder deutsche Kreuzer mit gesetzten Unterhosen und Economy-Einstellung der Kaffeemaschine davonlaufen konnte.
Admiral Craddock ist von der Admiralität endgültig  im Stich gelassen worden, als Churchill ihm den versprochenen Panzerkreuzer ,,Defence" doch nicht zugestand, sondern Admiral Stoddart in Montevideo zuwies.
Admiral Craddock verfügte am 1.November damit über einen erst seit wenigen Tagen gemeinsam operierenden Verband, von dem man nur ein Schiff als eingefahren betrachten konnte, ,,Glasgow". Die beiden Panzerkreuzer und der Hilfskreuzer waren hauptsächlich mit Reservisten bemannt.
Was Admiral Craddock nicht wusste, war der Wechsel in der britischen Admiralität. Das Lord Fisher ihm sofort ,,Defence" zugab, erreichte Admiral Craddock nicht mehr. Er wurde auch nicht über den japanischen Verband und den Zulauf der ,,Australia" informiert. Dies geschah erst unter Lord Fisher, zu spät. Interessant wäre es, mal lesen zu können, was Lord Fisher Winston Churchill alles an den Kopf geworfen hat, vor und nach dem 1.November.

Ein Handicap für Admiral Craddock war am 1.November auch noch der zugeteilte Hilfskreuzer, die ,,Otranto". Bedingt durch den schweren Seegang (Windstärke 6) konnte Admiral Craddock's Geschwader nur 17kn laufen, mehr war für den Hilfskreuzer nicht möglich. Deshalb konnte sich Admiral Spee auch die taktische Position aussuchen, da sein langsamstes Schiff, die ,,Nürnberg" 22kn lief. Admiral Spee konnte dank der Stärke seines Geschwaders auf ,,Nürnberg" verzichten und lief mit 23kn gegen Admiral Craddock an.

Soweit mal die nichttechnische Betrachtung. Die technische folgte demnächst.

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