Bodo Herzog: "Wir müssen uns erinnern!"

Begonnen von Schorsch, 15 Oktober 2009, 09:19:34

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Schorsch

Hallo zusammen,

da ist mir die Tage ein kleines Büchlein in die Hände geraten, dessen Inhalt ich auf diesem Wege, und auch weil es schwer erhältlich ist, den Foren-Nutzern in groben Zügen zur Kenntnis bringen möchte.

Zuerst die Eckdaten: Bodo Herzog: ,,Wir müssen uns erinnern! Hundert Jahre deutsche Unterseeboote 1906 – 2006",Scherzers Militaer-Verlag, Jena/Ranis, 2006, ISBN 3-938845-16-3, 80 Seiten.

Bodo Herzog, der sich durch sein Standardwerk ,,60 Jahre deutsche U-Boote 1906 –1966" einen Namen gemacht hat, nimmt das einhundertjährige Jubiläum der Übernahme des ersten U-Bootes in eine deutsche Marine zum Anlass, eine ziemlich scharfe Abrechnung zum Einsatz der deutschen U-Boote im zweiten Weltkrieg zu präsentieren. Dabei macht er seine Kritik nicht an den einzelnen U-Bootfahrern fest, sondern fragt nach den Hintergründen, unter denen sie gezwungen waren zu operieren.
Zum ersten war die Entwicklung der deutschen U-Boote auf dem technischen Stand des WK I verharrt und diese somit unfähig, sich mit der wachsenden UAW-Fähigkeit der Alliierten zu erwehren. Hierzu ein Zitat: ,,Mit einem Schrotthaufen von U-Booten wollte der ObdM-Raeder und sein Nachfolger BdU-Dönitz den Krieg gewinnen." Als Grundlage seiner Ausführungen dient dabei insbesondere ein Vergleich mit den Leistungen der U-Boote der Kaiserlichen Marine. Dabei nutzt der Autor vor allem den OWG (operativer Wirkungsgrad = Schnitt an versenkter Tonnage pro Boot und Tag), der im WK II wesentlich niedriger ausfiel als noch zu Kaisers Zeiten.
Des weiteren ist in den Augen des Autors die deutsche U-Bootführung, insbesondere in der Gestalt des BdU, ihren Gegnern zu keiner Zeit gewachsen gewesen. Auch dazu ein Zitat: ,,Die Einheiten ,,unter dem Hakenkreuz" wurden trotz absoluter Leidensfähigkeit vernichtend geschlagen. Der BdU war ein überzeugter und praktizierender Antisemit. Er hielt u.a. eine wüste Hertzrede am 12.03.1944. Er war ferner Träger des Goldenen Parteiabzeichens und somit automatisch NSDAP-Pateigenosse. Dönitz war,...wesentlich jünger als seine alliierten Gegenspieler ,,von der anderen Seite des Hügels". Er begriff in seiner Beschränktheit weder ,,Technik" noch ,,Wissenschaft". Für ihn blieben Planspiele bzw. Operations Research (OR) verschlossene Begriffe. Er reagierte bereits im Frieden unmittelbar ab 1935, dem Geburtsjahr der zweiten U-Waffe, ziemlich schroff auf ,,ungebetene Ratschläge" ehemaliger WK I-U-Bootoffiziere." Damit nimmt er hier unmissverständlich Stellung zur These vom unpolitischen Soldaten, wie sie Dönitz z.B. in seinen ,,Zehn Jahre und zwanzig Tagen" vertritt.
Im Zusammenhang mit Erörterungen zur Verwendung der Sprache im Dritten Reich wird auf das bewusst unklare Formulieren von Befehlen unter der Dönitzschen Führung eingegangen. Auch wird die zunehmend fehlende Allgemeinbildung der deutschen U-Bootoffiziere infolge der nationalsozialistischen Indoktrination angesprochen, immer wieder im Vergleich mit der Situation im WK I.
Zweifel werden auch an der Unbeflecktheit der gleißenden Brünne verschiedener populärer U-Boot-Kommandanten geäußert. Eine kritische Einstellung zur Rede von Wolfgang Lüth am 17.12.1943 wird bezogen und auch folgendes präsentiert: ,,In der Marineschule Flensburg-Mürwik, in der ,,zeitweilig 1945 die SS stärker vertreten war als die Kriegsmarine (!), erhielt neben vielen gesuchten SS- und NS-Verbrechern unmittelbar von Lüth auch der ehemalige KZ-Auschwitz-Lager-Kommandant Rudolf Höß gefälschte Marinepapiere." Joachim Schepke wird unter dem Stichwort NS-Propagandist erwähnt. Mithin also eine völlig andere Sicht, wie sie z.B. ein Franz Kurowski schildert.

Alles in allem liegt hier ein Buch vor, das mit Sicherheit schärfere Widerworte als das sattsam bekannte ,,Wir U-Bootfahrer sagen: ,,Nein!" ,,So war das nicht!"" hervorrufen könnte. Herzog kann zwar nicht attestiert werden, das er sich an Tacitus' Grundsatz ,,sine ira et studio" gehalten habe und auch die Bedeutung eines guten Lektorats scheint man bei Scherzers Militaer-Verlag noch nicht vollständig erkannt zu haben, aber es ist ein Büchlein, das die Finger in die Wunden legt und vieles anspricht, was noch zu oft unter der Decke gehalten wird. Für mich ist es in jedem Falle eine Anregung, noch andere Bücher des Autors in meine Bibliothek einzugliedern.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

ufo

Ganz vielen Dank fuer die ausfuehrliche Buchvorstellung!
Das freut mich immer sehr hier im Forum - man muss halt bei so manchem Buch nicht mehr die Katze im Sack kaufen, wenn das hier schon etwas mehr im Detail vorgestellt wurde.

Ob's Widerspruch hervorrufen wird? Ich denke nicht. Mit den Protagonisten der unbefleckten Flagge und des hochglanzpolierten Schildes ist halt auch eine Phase Deutscher Geschichtsschreibung abgetreten. Ich denke wir sehen da einfach einen langsamen Wandel im Deutschen Geschichtsbild vom U-Bootkrieg 1939 - 1945. Da hat es ja so manches Buch gegeben in den letzten Jahren. Den 'Trompelt' hatten wir ja auch schon ausfuehrlicher am Wickel oder die Studien zu Doenitz Endsiegplaenen 45.

Doch - das klingt nach einem spannenden Buch. Mal die Augen offen halten. 'N Zwanziger (im Moment offenbar Einheitsantiquariatspreis) ist nichts, was ich so immer lose in der Tasche hab aber offenbar ein Buch nach dem sich das Ausschauen lohnt.

Vielen Dank nochma'
Ufo     


Ralf

@Ufo: Bei Amazob ist es für 19 Euronen zu haben!  :MG:
Gruß
Ralf
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,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

Schorsch

Hallo ufo,

vielen Dank für Deine freundliche Reaktion auf meinen Beitrag. Da ich Deine Postings regelmäßig mit großem Interesse lese, freut es mich besonders, dass ich mich bei Dir ein wenig revanchieren konnte.

Jetzt aber zum eigentlichen Thema: Neben dem von Dir angesprochen veränderten Geschichtsbild gibt es meiner Meinung nach noch einen weiteren Grund, aus dem das angesprochene Büchlein wahrscheinlich seine Brisanz nicht voll entfalten wird. Es fehlt Bodo Herzog als Autor ganz einfach die Beachtung durch die breite Öffentlichkeit, wie sie z.B. durch ,,Das Boot" einem Lothar-Günther Buchheim gezollt wurde (wohlgemerkt, unter Berücksichtigung der positiven wie auch der negativen Begleiterscheinungen!). Also werden entstehende Kontroversen wahrscheinlich nur in einem kleinen Kreis ausgetragen, von deren Auswirkungen man als Außenstehender nur in stark abgeschwächter Form Mitteilung erhält. (Dass es solche Auseinandersetzungen gegeben haben muss, zeigen mir Bemerkungen wie  --/>/> diese, allerdings wird hier zu meinem Leidwesen zu sehr durch die Blume gesprochen, so dass ich hier auf entsprechende Mutmaßungen angewiesen bin.)

Ich möchte noch eine Anmerkung dem Anfangsposting beifügen. Das Büchlein, das augenscheinlich doch nicht so schwer zu erwerben ist, wie es mir zunächst erschien, kann in seinem beschränkten Umfang von 80 Seiten nicht eine fundierte Neufassung der Geschichte des U-Bootkrieges beinhalten. Es ist aber in der Lage, Ansatzpunkte für eine tiefergehende Beschäftigung mit der Thematik zu liefern, indem es den Teppich des Schweigens, unter den so vieles in der Vergangenheit gekehrt wurde, anhebt.

Dazu hier noch ein weiteres Beispiel: Herzog beklagt, dass bei den Ehrungen am U-Bootehrenmal Möltenort auch zwei Ärzten die Reverenz erwiesen wird, "die, bevor sie auf U-Booten "unter dem Hakenkreuz fielen", an professionellen Mordaktionen in den beiden industriellen Tötungsanstalten Grafeneck und Hadamar als NS-Ärzte tätig waren!". Leider nennt Herzog in diesem Zusammenhang (und auch an anderen Stellen) nicht Ross und Reiter, ein Umstand, der während der Lektüre unangenehm auffällt. Um nicht missverstanden zu werden, ich plädiere nicht für die Abschaffung solcher Ehrungen, aber das Wissen über derlei Vorkommnisse ist notwendig, um sich ein eigenes, fundiertes Geschichtsbild schaffen zu können.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Götz von Berlichingen

Hallo Schorsch,

Zitat von: Schorsch am 15 Oktober 2009, 09:19:34

Zum ersten war die Entwicklung der deutschen U-Boote auf dem technischen Stand des WK I verharrt und diese somit unfähig, sich mit der wachsenden UAW-Fähigkeit der Alliierten zu erwehren. Hierzu ein Zitat: ,,Mit einem Schrotthaufen von U-Booten wollte der ObdM-Raeder und sein Nachfolger BdU-Dönitz den Krieg gewinnen."

Hm, das scheint mir doch seeehr aus der Perspektive der Nach-XXIer- und Nachkriegszeit geschrieben und überdies in dem von Herzog leider gewohnten schwer genießbaren polemischen Stil.

Trifft dies denn auf die Entwicklung der U-Boote in anderen Nationen - auch der späteren Siegermächte - etwa nicht in gleicher Weise zu?

Man kann sich doch heute auch nicht hinstellen und mit dem Wissen um die folgenden Entwicklungen die deutsche Luftwaffenführung in die Pfanne hauen, weil die Me 262 und die Ar 234 nicht schon 1939 einsatzbereit waren.

Darüber hinaus haben sich die "Schrotthaufen" von deutschen U-Booten in der ersten Kriegshälfte gegenüber den feindlichen U-Boot-Abwehr-Fähigkeiten doch ganz gut aus der Affäre gezogen. Und hätten es noch weit besser getan, wenn der Feind nicht in den Funkschlüssel eingebrochen wäre.

Zitat von: Schorsch am 15 Oktober 2009, 09:19:34Als Grundlage seiner Ausführungen dient dabei insbesondere ein Vergleich mit den Leistungen der U-Boote der Kaiserlichen Marine. Dabei nutzt der Autor vor allem den OWG (operativer Wirkungsgrad = Schnitt an versenkter Tonnage pro Boot und Tag), der im WK II wesentlich niedriger ausfiel als noch zu Kaisers Zeiten.

Da vergleicht Herzog aber Äpfel mit Birnen. Kein Konvoisystem bis 1917, keine Luftbedrohung, kaum Luftaufklärung, kein ASDIC und RADAR, keine Funkpeilung, in der Anfangsphase des 1. Weltkrieges sehr unvollkommene Abwehr (zu Beginn des Krieges keine Wabos, keine Horchgeräte auf den Zerstörern usw.).


ZitatDes weiteren ist in den Augen des Autors die deutsche U-Bootführung, insbesondere in der Gestalt des BdU, ihren Gegnern zu keiner Zeit gewachsen gewesen. Auch dazu ein Zitat: ,,Die Einheiten ,,unter dem Hakenkreuz" wurden trotz absoluter Leidensfähigkeit vernichtend geschlagen. Der BdU war ein überzeugter und praktizierender Antisemit. Er hielt u.a. eine wüste Hertzrede am 12.03.1944. Er war ferner Träger des Goldenen Parteiabzeichens und somit automatisch NSDAP-Pateigenosse.

Wenn jetzt auch noch rauskommt, daß der Papst katholisch ist, bin ich aber wirklich schockiert...   :-D  :wink:

[Exkurs: Weil wir gerade von Dönitz reden: → hier wird über ein Foto diskutiert, das nach der Ansicht mehrerer Diskussionsteilnehmer m.E. zutreffenderweise am linken Bildrand Dönitz, merkwürdigerweise in Zivil, zeigt. Aufgenommen wurde es am 04.04.1943 bei der Besichtigung der Nibelungenwerke in St. Valentin.
Was meint ihr? Ist das wirklich Dönitz? Weshalb nahm er an dieser Besichtigung teil und warum trägt er Zivil? Oder ist es ein Doppelgänger von ihm?]

ZitatIm Zusammenhang mit Erörterungen zur Verwendung der Sprache im Dritten Reich wird auf das bewusst unklare Formulieren von Befehlen unter der Dönitzschen Führung eingegangen.

Wie ist das zu verstehen?

ZitatAuch wird die zunehmend fehlende Allgemeinbildung der deutschen U-Bootoffiziere infolge der nationalsozialistischen Indoktrination angesprochen, immer wieder im Vergleich mit der Situation im WK I.

Na ja, diese Feststellung entbehrt im PISA-Zeitalter nicht der unfreiwilligen Komik.


Zitat von: Schorsch am 16 Oktober 2009, 09:59:30
Es fehlt Bodo Herzog als Autor ganz einfach die Beachtung durch die breite Öffentlichkeit, wie sie z.B. durch ,,Das Boot" einem Lothar-Günther Buchheim gezollt wurde (wohlgemerkt, unter Berücksichtigung der positiven wie auch der negativen Begleiterscheinungen!).

Dieser Herr ist auch nicht sooo unbelastet, wie er gerne von sich behauptet hat.

Als Sonderführer Mitglied der Propagandakompanie, Marine-Kriegsberichterstatter, Autor des Buches Jäger im Weltmeer [1943]. Mit einem Vorwort des von ihm später so geschmähten Dönitz.

Seine Zeichnungen erschienen im NS-Schulungsbrief und wurden auf der Münchner NS-Kunstausstellung präsentiert.

Grüße
Thomas

Gebirgsmarine

Hallo Thomas!

Ich schließe mich Deiner Meinung an.
Herrn B. Herzog seine ersten Bücher waren gar nicht schlecht.
Auch hat er in verschiedenen Zeitschriften gute Artikel veröffentlicht.
Allerdings ist mir schon seit Jahren aufgefallen, daß er leider auch
dem Zeitgeist huldigt und mit immer mehr Polemik schreibt.
Ausländische Autoren z. B. Mallmann, Paterson usw. machen dies
nicht, und bringen trotzdem sachlich, gut fundierte Marinebücher auf den
Markt.

Gruß

die Gebirgsmarine

Q

Zitat von: Götz von Berlichingen am 16 Oktober 2009, 15:44:06
Hallo Schorsch,

Zitat von: Schorsch am 15 Oktober 2009, 09:19:34

Zum ersten war die Entwicklung der deutschen U-Boote auf dem technischen Stand des WK I verharrt und diese somit unfähig, sich mit der wachsenden UAW-Fähigkeit der Alliierten zu erwehren. Hierzu ein Zitat: „Mit einem Schrotthaufen von U-Booten wollte der ObdM-Raeder und sein Nachfolger BdU-Dönitz den Krieg gewinnen.“

Hm, das scheint mir doch seeehr aus der Perspektive der Nach-XXIer- und Nachkriegszeit geschrieben und überdies in dem von Herzog leider gewohnten schwer genießbaren polemischen Stil.

Trifft dies denn auf die Entwicklung der U-Boote in anderen Nationen - auch der späteren Siegermächte - etwa nicht in gleicher Weise zu?

Man kann sich doch heute auch nicht hinstellen und mit dem Wissen um die folgenden Entwicklungen die deutsche Luftwaffenführung in die Pfanne hauen, weil die Me 262 und die Ar 234 nicht schon 1939 einsatzbereit waren.

Darüber hinaus haben sich die "Schrotthaufen" von deutschen U-Booten in der ersten Kriegshälfte gegenüber den feindlichen U-Boot-Abwehr-Fähigkeiten doch ganz gut aus der Affäre gezogen. Und hätten es noch weit besser getan, wenn der Feind nicht in den Funkschlüssel eingebrochen wäre.

Zitat von: Schorsch am 15 Oktober 2009, 09:19:34Als Grundlage seiner Ausführungen dient dabei insbesondere ein Vergleich mit den Leistungen der U-Boote der Kaiserlichen Marine. Dabei nutzt der Autor vor allem den OWG (operativer Wirkungsgrad = Schnitt an versenkter Tonnage pro Boot und Tag), der im WK II wesentlich niedriger ausfiel als noch zu Kaisers Zeiten.

Da vergleicht Herzog aber Äpfel mit Birnen. Kein Konvoisystem bis 1917, keine Luftbedrohung, kaum Luftaufklärung, kein ASDIC und RADAR, keine Funkpeilung, in der Anfangsphase des 1. Weltkrieges sehr unvollkommene Abwehr (zu Beginn des Krieges keine Wabos, keine Horchgeräte auf den Zerstörern usw.).


ZitatDes weiteren ist in den Augen des Autors die deutsche U-Bootführung, insbesondere in der Gestalt des BdU, ihren Gegnern zu keiner Zeit gewachsen gewesen. Auch dazu ein Zitat: „Die Einheiten „unter dem Hakenkreuz“ wurden trotz absoluter Leidensfähigkeit vernichtend geschlagen. Der BdU war ein überzeugter und praktizierender Antisemit. Er hielt u.a. eine wüste Hertzrede am 12.03.1944. Er war ferner Träger des Goldenen Parteiabzeichens und somit automatisch NSDAP-Pateigenosse.

Ich ackere gerade die illegale U-Bootentwicklung nach dem WK I durch, und kann dem Autor da nur zustimmen! Die Boote mit denen da in den Krieg gefahren wurde waren weitaus schlechter, als die von WK I teilnehmenden Staaten, die bis dato nie einen U-Bootkrieg gefuehrt hatten. Also auf keine praktische Erfahrung haetten zurueckgreifen koennen im Gegensatz zu den Reichsmarinern. Die leider Meiner Meinung nach bewusst nicht zu Wort kommen durften in den Weimarer Jahren da es ja immer noch tres chick war im Tirpitzschen Sinne zu denken. Da hat VV nur wenig mit zu tun siehe A Plan und Not A Plan. Wenn ich dann noch solche Aussagen lesen darf, das der Dieselelektrische Antrieb fuer Tauchboote nicht genommen wird, da er ja unterwasser zu laut sein soll, zweifle ich sehr stark an der Intelligenz des K Amt´s. Diese unlogik zieht sich bein K-Amt leider wie ein roter Faden durch viele Entwicklungen.

Verzeih mir UFO aber ich habe dein Geschenk vor dem abschicken eingescannt. Was dann noch fuer eine Miswirtschaft im bereich der Seefernaufklaerung vom BdU betrieben wurde passt unter kene Kuhhaut.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
couper des planches et distribuer du travail,
mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex

Schorsch

Hallo Thomas,

eben beschwere ich mich noch, ein Außenstehender in der Kontroverse um Bodo Herzog zu sein, und ein Posting später stecke ich schon mittendrin. Bevor wir beginnen, ,,die Klingen zu kreuzen", sei mir noch eine Bemerkung gestattet. Ich stimme nicht in allen Punkten mit den Ausführungen von Bodo Herzog überein und dass einige Formulierungen nicht salonfähig sind, habe ich schon erwähnt. Die zitierten Passagen aus dem Büchlein sind mir aber aus dem Grunde bemerkenswert (und das ist im buchstäblichen Sinne aufzufassen), da sie geeignet sind, die Position des Autors zu beleuchten und nicht weil ich sie samt und sonders für richtig halte. In diesem Sinne bitte ich auch genau zwischen dem zu unterscheiden, was aus dem Büchlein stammt und dem, was ich als meine Folgerungen daraus ziehe.

So wird zum Beispiel ausgeführt, dass der Typ VII für die Atlantikschlacht nicht geeignet gewesen wäre. Hier vertrete ich eine andere Meinung, da der Typ VII, insbesondere in der Variante C, eine ausgewogene Mischung in den Kampfeigenschaften darstellte und in diesem Zusammenhang den Booten der anderen Marinen überlegen war. Nur gebe ich zu bedenken, dass im Lande der Blinden der Einäugige zwar immer der König ist, aber mit der (Wieder-) Einführung des Geleitzugsystems, das schon im WK I die deutschen U-Bootoffensiven zum Scheitern brachte, der zunehmenden Luftüberwachung und dem Einbruch in den deutschen Funkschlüssel ab Frühjahr 1941 den Briten wenigstens drei Augen zur Verfügung standen.

Du wirfst B. Herzog vor, dass er die Ergebnisse des Tonnagekrieges im WK I mit denen des WK II vergleicht, obwohl sich doch die Bedingungen entscheidend geändert hatten. Nur, Du vergleichst aber auch, wenn Du diese Bedingungen ins Feld führst. Unbestreitbar hatte sich die Qualität der deutschen Tauchboote im Vergleich zum WK I nicht wesentlich verbessert. Die Auswirkungen dieses Faktes mochten in der Anfangszeit des U-Bootkrieges durch die Taktik der nächtlichen Überwasserangriffe tatsächlich noch nicht erkennbar gewesen sein, aber spätestens nachdem im August 1940 schon ca. 46% der Vorkriegsbesatzungen aus dem Spiel waren, hatte die Marineführung in puncto U-Bootkrieg zu entscheiden, welchen Weg sie einzuschlagen gewillt ist: á la ,,Masse statt Klasse" verfahren oder genau anders herum (Stichwort: konsequente Weiterentwicklung der Tauchboote zu U-Booten). Dass hier die falsche Wahl getroffen worden ist, zeigte sich im spätestens Mai 1943, wenn man nicht schon das Ausweichen der U-Boote aus der Atlantikschlacht an die amerikanische Ostküste im Frühjahr 1942 als ein Menetekel in Bezug auf des Scheitern der bisherigen Tauchboote verstehen möchte. Aber auch zu diesem Zeitpunkt ist nicht erkennbar, dass die deutsche U-Bootführung einen Plan B in der Hinterhand hat, für den Fall, dass sich die Verhältnisse grundlegend ändern. Hier sieht Herzog, und dabei schließe ich mich seiner Meinung an, das Versagen der U-Bootführung.

Mit dem folgenden Abschnitt begeben wir uns Off Topic, da die Geschehnisse um L.-G. Buchheim nicht wesentlich für die Beurteilung des vorgestellten Werkes sind. Welche Folgerungen hätte LGB aus den von Dir erwähnten ,,Belastungen" ziehen sollen? In Schweigen verfallen? Dann hätten aber auch alle anderen, die jemals auf einem U-Boot der Kriegsmarine gedient haben, einen Maulkorb verpasst bekommen müssen. Auf seiner damaligen Meinung verharren, mit der Folge, dass man ihn zeihen müsste, ein Betonkopf zu sein? Oder muss man ihm nicht zugestehen, aus den Ereignissen seiner Vergangenheit eigene Schlüsse gezogen zu haben und auch die Möglichkeit, diese zu benennen und zu verteidigen.

Um es noch einmal zu betonen: in meinem Streben, mir ein umfassenderes Bild des U-Bootkrieges in der Zeit von 1939 bis 1945 zu verschaffen, haben mir diese 80 Seiten mehr Impulse geliefert, als z.B. die Lektüre von 800 Seiten eines Franz Kurowski oder eines Wolfgang Frank oder eines Terence Robertson und hierin sehe ich den Wert des Buches für mich.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Peter K.

Nun, vor RÖSSLER und BUSCH/RÖLL galt Bodo HERZOG´s "Deutschen Uboote 1906 - 1966" als DAS Uboot-Standardwerk!

ZitatZum ersten war die Entwicklung der deutschen U-Boote auf dem technischen Stand des WK I verharrt und diese somit unfähig, sich mit der wachsenden UAW-Fähigkeit der Alliierten zu erwehren. Hierzu ein Zitat: ,,Mit einem Schrotthaufen von U-Booten wollte der ObdM-Raeder und sein Nachfolger BdU-Dönitz den Krieg gewinnen."

Hm, das scheint mir doch seeehr aus der Perspektive der Nach-XXIer- und Nachkriegszeit geschrieben ...

Gerade das, nämlich die bescheidene technische WeiterEntwicklung der deutschen Uboote in der Zwischenkriegszeit durch IvS und K-Amt, beschreibt sehr eindrucksvoll Eberhard MÖLLER in seinem "Kurs Atlantik", dessen Lektüre ich nur empfehlen kann!

ZitatAls Grundlage seiner Ausführungen dient dabei insbesondere ein Vergleich mit den Leistungen der U-Boote der Kaiserlichen Marine. Dabei nutzt der Autor vor allem den OWG (operativer Wirkungsgrad = Schnitt an versenkter Tonnage pro Boot und Tag), der im WK II wesentlich niedriger ausfiel als noch zu Kaisers Zeiten.

Da vergleicht Herzog aber Äpfel mit Birnen ...

Eine vergleichende Analyse dazu hat TARRANT in seinem "Kurs West" gebracht - durchaus lesenswert!
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Götz von Berlichingen

#9
Hallo Schorsch,


Zitat von: Schorsch am 16 Oktober 2009, 20:08:51
Unbestreitbar hatte sich die Qualität der deutschen Tauchboote im Vergleich zum WK I nicht wesentlich verbessert.

Das ist m.E. ein wenig zu pauschal, bzw. es kommt darauf an, was man unter "wesentlich" versteht. Es stimmt natürlich, das die Boote im Prinzip noch immer die selben waren und kein Entwicklungssprung in Richtung eines wirklichen Unterseebootes gemacht worden war, doch waren sie in vielen Einzelheiten doch auch erheblich verbessert worden, wie z.B. Schweißtechnik statt Vernietung mit dem Ergebnis der viel größeren Tauchtiefe, die wesentlich verbesserten Nachrichtenmittel, GHG, wohl auch optischen Geräte, Feuerleitanlagen wie Torpedoschußwertrechner, UZO, vermutlich auch Leistung und Zuverlässigkeit der Motoren und Batterien (wie es eben nach Ablauf von 20 Jahren allgemeiner technischer Entwicklungsarbeit und Erfahrungen im Diesel- und E-Motorenbereich zu erwarten ist).

Die Einwendungen von Jan ("Q") scheinen jedoch gewichtig und fundiert zu sein, ich kann mich dazu aufgrund mangelnder Kenntnisse leider nicht näher äußern.

Zitat von: Schorsch am 16 Oktober 2009, 20:08:51
Die Auswirkungen dieses Faktes mochten in der Anfangszeit des U-Bootkrieges durch die Taktik der nächtlichen Überwasserangriffe tatsächlich noch nicht erkennbar gewesen sein, aber spätestens nachdem im August 1940 schon ca. 46% der Vorkriegsbesatzungen aus dem Spiel waren, hatte die Marineführung in puncto U-Bootkrieg zu entscheiden, welchen Weg sie einzuschlagen gewillt ist: á la ,,Masse statt Klasse" verfahren oder genau anders herum (Stichwort: konsequente Weiterentwicklung der Tauchboote zu U-Booten).

Da muß ich teilweise widersprechen. Nicht insoweit, daß man nun nicht hätte energisch alternative Entwürfe durcharbeiten und vorantreiben müssen, aber die von Dir entworfene Alternative war so nicht gangbar und auch nicht vorhanden. Ausgehend von der Tatsache, daß noch Jahre vergehen würden, bis ein richtiges Unterseeboot frontreif zur Verfügung stehen könnte, selbst wenn man im August 1940 die Weichen in diese Richtung mit allem Nachdruck und höchster Dringlichkeitsstufe unter Einstellung der Weiterentwicklung der herkömmlichen Tauchboote gestellt hätte (so wie es 1942 vom RLM mit der Me 262 unter Einstellung der Arbeiten an der Me 209 gemacht wurde), konnte man so lange nicht abwarten, sondern mußte eben mit dem Vorlieb nehmen, was man hatte und durch größtmögliche Steigerung der Stückzahlen versuchen die maximale Wirkung zu erzielen.

Nachdem die Zeit - wie schon im Ersten Weltkrieg - für den Feind und gegen Deutschland arbeitete, mußte man unter allen Umständen versuchen, den Krieg schnellstmöglich zu beenden. Nachdem dies durch Verhandlungen aufgrund der unnachgiebigen Haltung der Westmächte (auch wenn die USA offiziell - und nur offiziell - noch neutral waren) unmöglich war, mußte eben der Versuch mit den vorhandenen Mitteln unternommen werden, auch wenn sie sich dann als unzulänglich erwiesen. Man konnte da nicht zwei, drei Jahre auf ein fronttaugliches richtiges Unterseeboot warten (ob dessen Entwicklung überhaupt gelingen würde, war ja im August 1940 auch noch alles andere als klar).

ZitatDass hier die falsche Wahl getroffen worden ist, zeigte sich im spätestens Mai 1943, wenn man nicht schon das Ausweichen der U-Boote aus der Atlantikschlacht an die amerikanische Ostküste im Frühjahr 1942 als ein Menetekel in Bezug auf des Scheitern der bisherigen Tauchboote verstehen möchte. Aber auch zu diesem Zeitpunkt ist nicht erkennbar, dass die deutsche U-Bootführung einen Plan B in der Hinterhand hat, für den Fall, dass sich die Verhältnisse grundlegend ändern. Hier sieht Herzog, und dabei schließe ich mich seiner Meinung an, das Versagen der U-Bootführung.

Das ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen, jedoch stört mich, wie gesagt, bei Herzog der Tonfall:

ZitatDes weiteren ist in den Augen des Autors die deutsche U-Bootführung, insbesondere in der Gestalt des BdU, ihren Gegnern zu keiner Zeit gewachsen gewesen. »Er begriff in seiner Beschränktheit weder ,,Technik" noch ,,Wissenschaft". Für ihn blieben Planspiele bzw. Operations Research (OR) verschlossene Begriffe.«

Wenn man der Marineführung vorwirft, den aussichtslos und für die Besatzungen zu einem furchtbaren Opfergang gewordenen U-Bootkrieg nach dem Mai 1943 nicht abgebrochen zu haben, so wird man an deren Argumenten, die sicherlich ebenfalls gewichtig waren, nicht vorbeigehen dürfen, ebensowenig an der Tatsache, daß diese Entscheidung m.W. nach einer Besprechung mit den Flotillenkommandeuren einvernehmlich gefaßt worden war. Auch muß man die entscheidene Tatsache berücksichtigen, daß der U-Boot-Führung der entscheidende Grund für die verheerenden Verluste (der Bruch des Funkschlüssels) nicht bekannt war, und man die Katastrophe vom Mai 1943 nach den großen Erfolgen noch des März nicht in ihrer ganzen Tragweite verstand, d.h., daß der Wendepunkt des U-Boot-Krieges unwiderruflich gekommen war und Erfolge, wie sie noch zwei Monate zuvor möglich gewesen waren, fortan vollkommen unerreichbar sein würden - bei weiterhin untragbar hohen und für die Besatzungen entsetzlichen Verlusten.

ZitatMit dem folgenden Abschnitt begeben wir uns Off Topic, da die Geschehnisse um L.-G. Buchheim nicht wesentlich für die Beurteilung des vorgestellten Werkes sind. Welche Folgerungen hätte LGB aus den von Dir erwähnten ,,Belastungen" ziehen sollen? In Schweigen verfallen? Dann hätten aber auch alle anderen, die jemals auf einem U-Boot der Kriegsmarine gedient haben, einen Maulkorb verpasst bekommen müssen. Auf seiner damaligen Meinung verharren, mit der Folge, dass man ihn zeihen müsste, ein Betonkopf zu sein? Oder muss man ihm nicht zugestehen, aus den Ereignissen seiner Vergangenheit eigene Schlüsse gezogen zu haben und auch die Möglichkeit, diese zu benennen und zu verteidigen.

Buchheim hat ja nicht auf einem U-Boot gedient, er hat sich für eine Fahrt als PK-Mann eingeschifft (heute heißt das wohl "embedded journalism") und das von ihm erwartete - ganz gewiß nicht regimefeindliche und defaitistische - Geschreibsel abgeliefert. Nach dem Kriege war man dann plötzlich verhinderter Widerstandskämpfer, der schon während des Krieges nur mit Verachtung vom Gröfaz und dem BdU (der ihm das Vorwort zu seinem Buch geschrieben hat, auch wenn Buchheim nach dem Krieg behauptete, er selbst habe es geschrieben und Dönitz nur zur Unterschrift vorgelegt - sei dem wie es wolle) gesprochen haben will - während andere, die ebenso wie er während des Krieges jedenfalls nicht erkennbar Widerstand oder auch nur Widerspruch geleistet hatten, aber nach dem Kriege seine opportunistischen Wendemanöver nicht mitgemacht hatten, gerne als "NS-Belastete" an den Pranger gestellt werden - aber das ist eine allgemeine Erscheinung, man denke nur mal an das deutsche Presse- und Verlagswesen, wo nicht wenige stramme Durchhaltekrieger nach 1945 wieselflink die Seiten wechselten und sich mit Schuldanklagen gegen die Deutschen geradezu überschlugen.

Wobei Buchheim wenigstens im höheren Alter, etwa aus Anlaß des 50. Jahrestags des Kriegsendes, einige heute unpopuläre Wahrheiten in einem Interview äußerte, wodurch sich prompt diejenigen, die ihn aufgrund seiner "kritischen" Ansichten in den 70er und 80er Jahren gefeiert hatten, zu einem der sattsam bekannten PC-Kesseltreiben à la Sarrazin veranlaßt sahen.

Grüße
Thomas

mhorgran

Ich denke man muß sich zur Beurteilung der Ent- / Weiterentwicklung der deutschen U-Bootflotte ansehen welche Flottenteile im 1.Weltkrieg tatsächlich operativ / strategisch wirksam waren. Dazu ob sich die geostrategische Lage Deutschland 1914/18 bis 1939 geändert hat, wie hoch und realistisch die Aussichten waren das sich diese Lage grundlegend zu ändern würde. Dabei zeigt sich nmA das die Hochseeflotte, das "Kernstück" und "Herz" der kaiserlichen Marine nur als Türstopper zur Ostsee funktionierte. Wirksam war dagegen die U-Bootflotte, aber auch nicht in dem Maße wie es die damaligen Verantwortlichen hineininterpretierten bzw. sich wünschten (was sich ja im 2.Weltkrieg wiederholt).

Der Vergleich der deutschen U-Boottypen zu den Typen der anderen Länder hakt, nmA, bei folgendem. Die anderen Länder haben meines Wissens nicht versucht die Zufuhr eines anderen Landes mittels U-Booten abzudrosseln. Die anderen Länder hatten also diese Erfahrungen gar nicht. Auch aus diesem Grund kann man die Flottenentwicklung der RN, USN, franz.Flotte ... nicht mit der deutschen Flotte vergleichen.

@Götz von Berlichingen
Das es der Kriegsmarine nicht möglich gewesen wäre Alternativen zu den Tauchbooten zu entwickeln bestreite ich sehr deutlich. Aus welchem Grund wurde an Hellmuth Walter 1933 der Entwicklungsauftrag für der H2O2-Technologie vergeben, ebenso erhielt Engelmann 1937 den Auftrag das "Halb-Unterseeboot" zu bauen.

1940
Erst mit der Einschaltung von Dönitz (und dem immer mehr abfallenden Wirkungsgrad der U-Boote und der sich steigernden allierten Abwehr) erhielt die Entwicklung der Waltherboote und später der Elektroboote wirklich eine andere Priorität.
zur Entwicklungsverzögerung schreibt Rössler auf Seite 14 das diese, bezogen auf den 28.9.42 zwei Jahre gewesen sei.
http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,10413.msg117218.html#msg117218

ZitatAuch muß man die entscheidene Tatsache berücksichtigen, daß der U-Boot-Führung der entscheidende Grund für die verheerenden Verluste (der Bruch des Funkschlüssels) nicht bekannt war,
Gerade der nicht aufgeklärte Bruch des Funkschlüssels zeigt sehr deutlich das mangelnde Verständnis für Technik auch in der Kriegsmarine denn es gab schon vorher genügend Anzeichen das die verwendeten Schlüssel nicht sicher waren. Die Einführung der Enigmamaschine beschlossen ja auch Offiziere ohne hinzuziehen von Kryptologen.

Dein Vergleich mit der Me262 hinkt schon sehr. Die Strahltechnologie wurde vom RLM ab 35/36 auf sehr sehr breiter Grundlage betrieben. Im Gegensatz dazu hat sich die KM nur die Entwicklung der H2O2-Technologie und das krude Konzept des Engelmann-bootes "geliefert" bis es tatsächlich zu spät war (was ja nun wieder sehr gut ist).

Götz von Berlichingen

#11
Zitat von: mhorgran am 17 Oktober 2009, 13:31:07
Das es der Kriegsmarine nicht möglich gewesen wäre Alternativen zu den Tauchbooten zu entwickeln bestreite ich sehr deutlich. Aus welchem Grund wurde an Hellmuth Walter 1933 der Entwicklungsauftrag für der H2O2-Technologie vergeben, ebenso erhielt Engelmann 1937 den Auftrag das "Halb-Unterseeboot" zu bauen.

1940
Erst mit der Einschaltung von Dönitz (und dem immer mehr abfallenden Wirkungsgrad der U-Boote und der sich steigernden allierten Abwehr) erhielt die Entwicklung der Waltherboote und später der Elektroboote wirklich eine andere Priorität.

Ja, die Erfahrung zeigt eben, daß, solange man mit herkömmlichen Technologien noch einigermaßen erfolgreich weiterwursteln kann, völlig neuartige, hochkomplizierte Techniken nicht mit dem nötigen Nachdruck vorangetrieben werden, siehe auch A4. Erst als klar wurde, daß mit den althergebrachten Waffen (Tauchboot/Bomber) keinerlei Erfolgsaussichten mehr bestanden, wurden diese Programme (Typ XXI/A4) mit der nötigen Priorität durchgepeitscht. Die verlorene Zeit konnte nicht mehr gutgemacht werden.


Zitat von: mhorgran am 17 Oktober 2009, 13:31:07
ZitatAuch muß man die entscheidene Tatsache berücksichtigen, daß der U-Boot-Führung der entscheidende Grund für die verheerenden Verluste (der Bruch des Funkschlüssels) nicht bekannt war
Gerade der nicht aufgeklärte Bruch des Funkschlüssels zeigt sehr deutlich das mangelnde Verständnis für Technik auch in der Kriegsmarine denn es gab schon vorher genügend Anzeichen das die verwendeten Schlüssel nicht sicher waren. Die Einführung der Enigmamaschine beschlossen ja auch Offiziere ohne hinzuziehen von Kryptologen.

Dies kann man so nicht stehen lassen, jedenfalls ist das Versagen nicht ausschließlich Dönitz anzulasten:

ZitatAnfang September 1941 fing der xB-Dienst der deutschen Seekriegsleitung einen Funkspruch der britischen Admiralität auf. Mit ihm wurde den Geleitzügen und ihren Sicherungsfahrzeugen auf dem Atlantik die sogenannte U-Boot-Lage mitgeteilt - genauso wie der Submarine Tracking Room sie aus entzifferten Funksprüchen und natürlich auch aus den Ergebnissen der Funkpeilung ermittelt hatte.
Dem xB-Dienst gelang es, diesen britischen Funkspruch zu entschlüsseln. Und er enthüllte den Deutschen, daß die Briten die Positionen der U-Boote im Atlantik fast genauso gut kannten wie der Befehlshaber der U-Boote selbst.

Dieser entschlüsselte Funkspruch hätte bei der deutschen Seekriegsleitung und ihren Nachrichtenexperten Alarm auslösen müssen. Denn die Genauigkeit, das umfassende Wissen der Briten über die deutschen U-Boote in den Weiten des Atlantiks konnten mit den Ergebnissen von Funkpeilung allein nicht erklärt werden.

Aber genau dies taten die deutschen Experten. Am 19. September 1941 schrieben sie:
»Der entzifferte Funkspruch der britischen Admiralität vom 6. September, ein Überblick über die wahrscheinlichen Positionen deutscher U-Boote, ist vollständig richtig. Er kann nur durch Sichtmeldungen und Funkpeilungen gewonnen worden sein. Ein Einbruch in unsere Schlüsselverfahren kommt nicht in Betracht.«

[Günter Böddecker, Die Boote im Netz. Karl Dönitz und das Schicksal der deutschen U-Boot-Waffe, Weltbild, Augsburg 1999, S. 177]

In Karl Dönitz wandelte sich in diesen Tagen [Februar 1943] ein Verdacht, den er lange gehegt hatte, in Gewißheit: Der Feind kannte die Aufstellung der deutschen U-Boote im weiten Ozean.
Aber woher? Ein neues Ortungsgerät, dessen Natur den Deutschen unbekannt war, konnte im Spiel sein - oder aber Verrat [das ist keineswegs so ausgeschlossen wie es auf den ersten Blick scheinen mag - auch dieser Spur müßte man einmal genauer nachgehen, Anm. GvB].

In seinen Memoiren schrieb der Großadmiral:
»Wir mußten feststellen, daß es wiederholt nicht geglückt war, mit unseren U-Boot-Streifen die erwarteten Geleitzüge zu finden. Selbstverständlich gingen wir nach diesen Fehlschlägen wieder einmal von Grund auf der Frage nach, was der Gegner von unserer U-Boot-Aufstellung wissen könnte; denn die besten taktischen Überlegungen und Maßnahmen mußten nutzlos bleiben, wenn uns der Feind dabei ohne unser Wissen in die Karten sah, die Aufstellung der Boote kannte und sie durch Umfahren wirkungslos machte. Immer wieder kontrollierten wir unsere Geheimhaltungsbestimmungen, um Verrat soweit irgend möglich auszuschließen.«

Anfang Februar 1943, unmittelbar nach seiner Ernennung zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, beauftragte Karl Dönitz den Vizeadmiral Erhard Maertens, Chef des Marine-Nachrichtendienstes, mit allem Nachdruck zu überprüfen, ob ein Spion den Briten die U-Boot-Aufstellungen verriet oder aber ob dem Feind ein Einbruch in die Funkschlüssel der U-Boote gelungen war.
Maertens machte sich an die Arbeit. Die Überprüfung des Verdachts nahm einen schicksalhaften Verlauf. Denn nie wieder kam die deutsche Marineführung der Wahrheit über die Informationsquelle des Feindes so nahe.
Die vielfältigen Nachrichten im englischen Rundfunk über die deutschen U-Boote zogen die Aufmerksamkeit des Vizeadmirals Maertens auf sich. Am 8. Februar 1943 schrieb er:

»Es taucht deshalb die Frage auf, ob sich hinter diesem Feldzug eine damit zu tarnende, wesentliche Entwicklung beim Gegner verbirgt. Dieser fast zum Rummel entwickelte Propagandafeldzug, sich beklagend über die Gefährlichkeit des U-Boot-Krieges, wäre unter Umständen schon ein höchst wirksames Täuschungsmittel dem Feind gegenüber, wenn man zum Beispiel auf der feindlichen Seite damit vertuschen will, daß man nunmehr in den Genuß vollständigen Mitlesens des feindlichen Funkverkehrs getreten ist.«

Genauso war es. Doch der Vizeadmiral beließ es bei diesem Gedankenspiel. In sein Gutachten für den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Befehlshaber der U-Boote Karl Dönitz kam er zu dem entgegengesetzten Urteil: Die Briten seien nicht in der Lage, in den Funkverkehr der U-Boote einzudringen.

Karl Dönitz erinnerte sich:
»Immer wieder wurde überprüft, ob die U-Boot-Funksprüche schlüsselsicher waren, aber ebensooft blieb der Chef des Marine-Nachrichtendienstes beim Oberkommando der Ansicht, daß es für den Gegner unmöglich sei, sie zu entziffern.«

[Böddecker, a.a.O., S. 319 ff.]

ZitatSeit dem Juni 1941 gab es bei der deutschen U-Bootführung Befürchtungen wegen eines vermuteten Einbruchs in die Schlüsselsicherheit, denen man durch verschiedene Maßnahmen zu begegnen suchte. Ab 16. Juni begann man, die Positionsangaben, statt in dem aus zwei Buchstaben und vier Zahlen bestehenden Code der Quadratkarten, in Peilung und Abstand von nur den Kommandanten bekannten Bezugspunkten zu übermitteln, ein Verfahren, das sich aber als zu kompliziert und fehlerträchtig erwies, so daß es am 11. September durch eine Zufalls-Überschlüsselung der Quadrat-Buchstaben ersetzt wurde. Auch wurde am 12. September ein neues Kurzsignalheft eingeführt. Als am 28. September zwei U-Boote in der abgelegenen Tarafal-Bucht auf den Cap Verden von dem britischen U-Boot Clyde überrascht wurden, trennte man am 5. Oktober den U-Boot-Funkverkehr in einem eigenen Schlüsselbereich Triton von dem Bereich Heimisch ab. Die neue Schlüsselmaschine M4, bei der man die bisherige Umkehrwalze B durch eine neue dünne Umkehrwalze B und eine "Griechenwalze Beta" ersetzt hatte, konnte erst ab 1. Februar 1942, nach Ausrüstung aller in See stehende U-Boote, in Betrieb genommen werden.

Dies führte zu einem totalen Black-out für die Entzifferung des operativen Funkverkehrs der U-Boote für 11 Monate in Bletchley Park.

[...]

Erneut um die Schlüsselsicherheit besorgt, führte der BdU am 10. März 1943 ein neues Wetterkurzsignalbuch mit einem vorgegebenen Schlüsselwort ein. Dieser Wetter-Code war für die Lösung des Tagesschlüssels von größter Bedeutung, und als das Stichwort in Bletchley Park entziffert wurde, gab es eine große Befürchtung um einen neuen längeren Black-out von Triton oder "Shark", wie der Schlüsselbereich in Bletchley Park genannt wurde. [...]

Nochmals gab es im Frühjahr 1943 Befürchtungen wegen einer Kompromittierung der Schlüsselsicherheit, da die deutsche Entzifferung der täglichen U-Bootlageberichte der [britischen] Admiralität diese als so genau erwies, daß irgendwo ein Loch bestehen mußte. Die vom BdU angeordnete Untersuchung brachte jedoch vermeintliche Beweise, daß praktisch alle alliierten U-Bootpositionen auch aus anderen Erkenntnisquellen gewonnen worden sein konnten, und die Experten kamen trotz der Zweifel des BdU zu dem Ergebnis, daß die Sicherheit des Schlüssels M4 nicht gefährdet sei.

Der BdU befahl zur Sicherheit Verbesserungen an der Maschine und an den Schlüsselmethoden.
Zunächst wurde eine Umkehrwalze C und eine zweite Griechenwalze "Gamma" für die vierte Position im Juli eingeführt. Im August erhielten die auslaufenden U-Boote versiegelte Umschläge mit einer Liste von geheimen Bezugspunkten, um die geographischen Positionen mit Richtung und Entfernung von solchen Bezugspunkten angeben zu können, anstatt die offenbar kompromittierten Quadratangaben zu benutzen.

Dadurch gab es in Bletchley Park erneut zwischen Juni und September 1943 einige Schwierigkeiten. Vom 13. bis 21. Juni und während der ersten drei Wochen des Juli und der ersten zehn Tage des August waren die Entzifferungen erheblich verzögert oder fielen ganz aus. Im September betrug die normale Verzögerung der Entzifferung etwa sieben Tage bei normalen Signalen und bis zu 14 Tagen bei der Einstellung »Offizier«.

[...]

Auf deutscher Seite wurde die Entwicklung einer komplizierteren und verbesserten Schlüsselmaschine M10 nicht zeitgerecht zum Abschluß gebracht, und der Versuchs-Maschinensender Kurier, der Kurzsignale in Bruchteilen von Sekunden senden konnte, kam nur versuchsweise, aber nicht generell in Gebrauch.

[Wladyslaw Kozaczuk/Jürgen Rohwer, Geheimoperation Wicher. Polnische Mathematiker knacken den deutschen Funkschlüssel »Enigma«, Karl Müller Verlag, Erlangen o.J., S. 190 ff.]

ZitatAnfang Februar 1945 gerieten die britischen Entschlüsselungsexperten für die deutschen Funksprüche, die in Bletchley Park arbeiteten, in Unruhe. Seit 1941 konnten sie aufgrund von erbeuteten deutschen Enigma-Verschlüsselungsmaschinen die meisten der Funksprüche ihres Gegners fast mühelos entziffern. Ihr Inhalt bedeutete für die alliierte Kriegführung häufig eine nicht unwichtige Entscheidungshilfe. Ab Anfang Februar 1945 sendeten einige deutschen Funkstellen verschlüsselte Funksprüche, die von den Briten auf die gewohnte Weise nicht mehr entschlüsselt werden konnten. Die deutsche Seite hatte für die Übermittlung wichtiger Meldungen ganz offenbar neue Geräte eingesetzt.

[Anm: Dem Verfasser [Günther W. Gellermann] gelang es nicht, die hier eingesetzten Geräte zu identifizieren. Es kann nur vermutet werden, daß es sich hierbei um SFM 43 Geräte gehandelt hat. Die Amerikaner brachten hiervon 1945 sechs erbeutete Exemplare in die USA. Bis heute tauchte hiervon kein Gerät wieder auf. Vgl. hierzu auch Schreiben der Marinefernmeldeschule Flensburg vom 14.8.1998 an den Verfasser;
»Es besteht auch kein Zweifel an der Echtheit des Funkspruchs, er kommt über die einzige noch verläßliche Nachrichtenverbindung, der mit besonderen Schlüsselmitteln versehenen Marinefunktrupps.« [Frank, Wolfgang, Die Wölfe und der Admiral, Oldenburg 1953, S. 527]
Vgl. zur Sicherheit der neuen Schlüsselmittel auch die Aussage von Vizeadmiral Erich Voss vom 29. Mai 1955:
»Am 30. April und 1. Mai 1945 habe ich die letzten drei Funksprüche aus der Reichskanzlei an den Großadmiral Dönitz durch unseren Marinefunktrupp aufgegeben. Sie war die einzige Funkstelle, die bis zuletzt sicher arbeitete, und zwar mit neuen, sonst nicht bekannten Schlüsselmitteln, so daß die Nachrichten zuverlässig übermittelt werden konnten.«
Zitiert in: Anton Joachimsthaler, Hitlers Ende - Legenden und Dokumente, Berlin 1999, S. 277]

Es kann sicher vermutet werden, daß diese Apparate von der Kriegsmarine für den Einsatz insbesondere auf U-Booten des Typs XXI entwickelt worden waren [vgl. OKM 2. Abt, Skl, BdU Op. B.Nr. gKdos 4858 A I vom 17.7.1944 »Nachrichtenmittelausrüstung und Einsatzmöglichkeit für Boote Typ XXI« National Archives Washington o. Sign.].

Einige dieser Geräte wurden in drei von Marinefunkern bedienten Funkwagen eingebaut (F I - F III) [vgl. Marinenachrichtendienst an OKW/Führerhauptquartier, Adm. Voss vorlegen, F II v. 6.2.1945, National Archives Washington o. Sign.], andere offensichtlich stationär verwendet [vgl. Marinenachrichtendienst/Chefs., nur durch Offizier/ Eingegangen am 24.4.1945 ... Zusatz Funkraum Krokodil [im FHQ] ... Wenn möglich bittet der WFSt um Aufstellung weiterer Marine-Funktrupps für WFSt in Krampnitz, da bisher zur Verfügung gestellter Trupp in Reichskanzlei eingesetzt...«;
»[Wing Commander] Oeser entdeckte auch einen ganzen Eisenbahnzug, der zur Verwendung als Gefechtsstand fertig war. Möglicherweise war es derjenige, den Kesselring benutzte ... Die [...] Abteile, die als Fernmeldezentren eingerichtet waren, enthielten mehrere Enigma-Maschinen und andere Schlüsselmaschinen jüngster Bauart.« Lewin, Ronald, Entschied Ultra den Krieg? Alliierte Funkaufklärung im Zweiten Weltkrieg, Koblenz/Bonn 1981, S. 438].

Der Funkverkehr zwischen der Seekriegsleitung und dem Führerhauptquartier und umgekehrt, den die Engländer nicht mehr mitlesen konnten, wurde seit dem 6. Februar 1945 unter der Tarnbezeichnung Krokodil abgewickelt, die auch seit dem 27. März 1945 der Deckname des Ausweichquartiers der Seekriegsleitung war. Der F I  befand sich bei der Seekriegsleitung in Plön und F II bis zum 22. April 1945 im Führerhauptquartier in Berlin [nach diesem Datum taucht der F II in keinem weiteren zugänglichen Dokument auf]. Danach wurde der Wagen offensichtlich zusammen mit dem Führungsstab Süd (B) nach Berchtesgaden verlegt, um von dort aus einen abhörsicheren Funkverkehr mit Plön und Berlin zu gewährleisten.

[Günther W. Gellermann, Tief im Hinterland des Gegners. Ausgewählte Unternehmen deutscher Nachrichtendienste im Zweiten Weltkrieg, Bernard & Graefe, Bonn 1999, S. 104]

ZitatIm Gegensatz dazu hat sich die KM nur die Entwicklung der H2O2-Technologie und das krude Konzept des Engelmann-bootes "geliefert" bis es tatsächlich zu spät war (was ja nun wieder sehr gut ist).

»Karthago feiert seinen Untergang«?

Q

Zitat von: Götz von Berlichingen am 17 Oktober 2009, 17:55:11
...
Erst als klar wurde, daß mit den althergebrachten Waffen (Tauchboot/Bomber) keinerlei Erfolgsaussichten mehr bestanden, wurden diese Programme (Typ XXI/A4) mit der nötigen Priorität durchgepeitscht. Die verlorene Zeit konnte nicht mehr gutgemacht werden.
....

Selbst diese angeblichen Erfolgsaussichten der Typ XXI sehe ich in keinster Weise. Schau dir dazu den Typ XXI besser als ihr ruf Threat an. Die schnellen Elektro wie auch Walther Boote also alle reinen U-Boote bringen rein garnichts, wenn! Ja wenn es keine Geleitzugaufklaerung gibt! Sei es durch Einpeilen, B-Dienst oder Seefernaufklaerung. Gerade dem letzeren siehe Entwicklunggeschichte der He 177, Ju 290, Ju 390 und Me 264, ist ein wahres Armutszeugniss fuer die Kombinierte Kriegfuehrung der neuen U-Boote mit der Seeaufklaerung. Dabei haette Doenitz schon mit der Besetzung der franzoesischen Atlantikkueste 1940 ein Flugboot mit ausreichender Reichweite gehabt, die Do 26 siehe Chile-Flug. Das ist in meinen Augen das groesste Versaeumniss der U-Bootleitung, mit den neuen geographischen Begebenheiten durch die Besetzung von Frankreich kein abgestimmtes Konzept entwickelt zu haben. Die kombinierte Luft Land Kriegsfuehrung hat gut geklappt die Luft See Kriegfuehrung ueberhaupt nicht. Dies lag meienr Meinung nach an der SKL und nicht an der Luftwaffe. Der sehr verspaetete Ausbildungs und Manoeverplan 1943 sprechen da auch Baende.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
couper des planches et distribuer du travail,
mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex

Schorsch

Hallo Thomas,

ohne jetzt zu weit ins Detail gehen zu wollen, fast alle Verbesserungen, die Du anführst, sind darauf ausgerichtet, die deutschen U-Boote in ein Angriffsprofil zu pressen, das dem eines tauchfähigen Überwasser-Torpedoträgers entspricht. Damit setzte die deutsche Marine erneut auf ein Konzept, dass schon zum Ende des WK I durch die Einführung des britischen Geleitzugsystems als gescheitert angesehen werden musste.

Zu Deiner Anmerkung zum Zeitraum der Umstellung auf neue Bootstypen fällt mir ein Bonmot ein, das auf diesen Fall zu passen scheint, wie die vielgerühmte Faust auf das nicht minder bekannte Auge: ,,Wir konnten leider keinen neuen Zaun um unseren Hühnerstall bauen, da wir pausenlos damit beschäftigt waren, unsere Hühner wieder einzufangen, die durch den alten, löchrigen Zaun abgehauen sind." Man war einfach nicht in der Lage, zu erkennen, dass sich die Zeichen der Zeit entscheidend geändert hatten und energisches Handeln erforderten. Als man sich 1943 angesichts von 40 Bootsverlusten im Mai zum Abbruch der Atlantikschlacht entschloss und eine Sistierungs- und Annullierungswelle für Aufträge über die alten U-Boottypen durch die deutschen Werften rollte, zeigte sich, dass es doch möglich war, den U-Bootkrieg weitestgehend auszusetzen und Ressourcen für Neuentwicklungen freizumachen.

Deiner Bemerkung über die kurzfristige Kriegsplanung möchte ich ein Zitat aus Dönitz' ,,Zehn Jahre..." entgegenhalten, das Dönitz angesichts des mehr oder minder erfolglosen britischen Luftangriffs am 04.09.1939 auf Wilhelmshaven gegenüber einigen euphorischen Offizieren getätigt hat: ,,Nehmen Sie diesen Krieg sehr ernst! Seien Sie sich darüber klar, er wird sehr lange, vielleicht sieben Jahre dauern, und wir werden froh sein, wenn er dann mit einem Vergleich endet." Wenn Dönitz (hier noch als relativ kleines Licht in der Hierarchie) in solcher Art formuliert, muss man auch erwarten können, dass entsprechende Folgerungen in der deutschen Kriegsführung ihren Niederschlag finden.

Kommen wir noch zu unserem Off-Topic-Abschnitt: Dass Du als entschiedener Gegner von polemischen Ergüssen Dein Unverständnis äußerst, wenn Herr Sarrazin ob seiner wenig einfühlsamen Äußerungen einen auf die Glocke bekommt, erstaunt mich nicht wenig! ;-)

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

@ Q:
ZitatIch ackere gerade die illegale U-Bootentwicklung nach dem WK I durch

Könntest Du mir bitte mitteilen, welche konkreten Schriftwerke hier unter Deinem Pflug liegen. Und ob dort eventuell auch Ausführungen über eine Kontroverse zwischen dem BdU Dönitz und dem Admiral z.V. Arno Spindler in Bezug auf Folgerungen aus dem Handelskrieg der Kaiserlichen U-Boote im WK I zu finden sind.

Vielen Dank
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Q

@Schorsch

Von Konteradmiral Spindler habe ich momentan nur seine Analysen der KTB´s der WK I Tauchboote vom Maerz 1926 durchgeackert. Dazu noch den A und Not A Plan, Vizeadmral Assmann´s Werke "Gedanken ueber die Probleme der deutschen Seekriegsfuehrung im Weltkriege" 1939 sowie seine "Deutschen Schicksalsjahre" 1950, dann noch das Geschenk an UFO "Der Einsatz der deutschen Luftwaffe über dem Atlantik und der Nordsee 1939-1945". Bin gerade auf der suche nach den 7 Winterarbeiten zum U-Boot und U-Bootkrieg und der 22 Baende vom Marine Archiv zum WK I.
Als zusatz arbeite ich grad alles zum Kreislaufbetrieb durch, was sich so finden laesst.

Don´t Panic

Edit: Wenn mir noch jemand Literaturhinweise zur Entwicklergruppe Japan geben kann, die die U-Kreuzer dort mitentwickelt haben waer ich sehr dankbar.

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