Bestes Schiffsgeschütz in WW2

Begonnen von Reiner, 08 Februar 2006, 11:31:41

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Reiner

@ Huszar
So wie ich am Anfang geschrieben habe :

"das im WW2 auf den Großkampfschiffen zum Einsatz kam"

Also alle die auf den im WW2 eingesetzten Schiffen vorhanden waren.

Und nach anfänglicher Skepsis hat sich jetzt doch eine interessante Diskussion entwickelt.
Mir gings ja auch nicht drum, Einzelkomponenten wie Kaliber, Reichweite oder ähnliches direkt miteinander zu vergleichen, sondern die Geschütztürme mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen als Ganzes.
Und da hilft mir der Beitrag von Mario schon sehr viel weiter.
Hier gibt es zu diesem Thema soviel Fachwissen, daß man sich daraus insgesamt schon ein gutes Bild über die einzelnen Geschütze machen kann.

Gruß
Reiner

Lutscha

R&R scheinen mir da ein wenig durch die britische Brille zu sehen. Das 38,1er mag wartungsarm gewesen sein, hat aber nicht mal annähernd die Leistung der 40,6er Mk 7. Es gab keinerlei Probleme mit den Drillingen, zumindest nicht laut Brad Fisher und Bill Jurens. Ausgenommen des Ladewinkels sehe ich keinen Nachteil bei den Drillingen.
Und bei der Yamato wurde schnell mal was gesucht und die Schwenkrate bemängelt. Naja.
BS brauchte nicht unbedingt derlei Schutztüren, da das Pulber in Metallbehältern gelagert war und ohnehin nicht so leicht explodierte.

Ist imo nicht objektiv bewertet.
Das ist ja barer Unsinn, wenn das stimmen würde, hätten SIE ja recht!

Typisch deutsche Argumentationsweise.

t-geronimo

Auch das britische 35,6-cm-Geschütz wurde wohl leicht "britisch angehaucht" gesehen.

"Nach anfänglichen Schwierigkeiten" - wann hörten die denn auf?
Beim Gefecht DoY gegen SH fielen lt. Campbell "Naval Weapons of WW2" nur 68% der möglichen Schüsse. Selbst wenn man bei Turm A mal Schwierigkeiten durch Wassereinbrüche wegen des schlechten Vorschiffs abzieht, wofür die Geschützkonstruktion direkt keine Schuld trifft, ist das "Outcome" immer noch schlecht.
Mal ein paar Zahlen aus A.J Watts "Der Untergang der Scharnhorst" für die abgefeuerten Salven der DoY. Die Zahlen sind (evtl. durch Druckfehler?) in der Summe nicht immer ganz schlüssig, aber die Tendenz ist klar erkannbar, denke ich.

Rohr---gefeuert---ausgefallen

A-1---71---09
A-2---47---33
A-3---06---71
A-4---64---16

B-1---77---03
B-2---50---30

Y-1---33---17
Y-2---47---??
Y-3---19---43
Y-4---32---19


Inwiefern das schlechte Wetter allgemein zu den Ausfällen beigetragen hat, weiß ich nicht (starke Schiffsbewegungen, dadurch schwirrigeres Nachladen?).
Aber allgemein wurde das Geschütz als zu kompliziert und dadurch so anfällig beschrieben (G&D).

Die Werte an sich für dieses Geschütz waren nicht schlecht, aber was nutzt ein Geschütz, bei dem bis zu einem drittel aller Schüsse ausfallen?
Insofern würde ich es auch schlechter bewerten.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Scharnhorst66

@T-G ,
sind bei A3 & Y3 evt. dreher drin .
bei 6 Schüssen können ja nicht 71 ausgefallen sein .. bzw. 19 zu 43 .

Wie kommt es eigentlich , das  ( nehme jetzt bewusst mal Turm B & Y ) bei den Beiden so eine unterschiedliche Schussfolge rauskommt ??

Wenn ich sehen muss , dass bei Turm B zwischen den einzelnen Rohren  ein Unterschied von 27 Schüssen aufkommt - da muss doch was nicht stimmen ??

Waren die Bedienungen so unterschiedlich schnell bzw. langsam .. , kamen die nicht nach mit der Muniversorgung , oder warum ..
hatte das was mit dem "Eingabeln" zu tun ..
" Fehler sind normal , Irrtümer üblich , Informationen selten vollständig , oft unzutreffend und häufig irreführend "
Sound Military Decision 1936
Gruss Micha

t-geronimo

Warum können da nicht 71 ausgefallen sein? Wenn ein Defekt auftrat, der nicht so schnell behoben werden konnte?
Bei PoW in der DK-Str. hat z.B. ein Rohr auch nur einen einzigen Schuß abgefeuert und ist dann ausgefallen.

Die Türme A und B haben lt. Watts 80 Salven geschossen. Turm Y weniger, da er wegen Hartlage nicht immer zum Tragen kam, als DOY Scharnhorst verfolgte.

Und Campbell gibt die Ausfallrate insgesamt für das Gefecht ja auch mit 32% an.

Ergo --> viele kleine Defekte oder wenige große - aber halt Ausfälle.
Gruß, Thorsten

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(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Ralf

Gibt es darüber eigentlich Zahlen bei Lutschas Lieblingspott, der BS, in der DK-Straße?
Ich meine mich daran zu erinnern, dass der Prinz alles haarklein im Logbuch hatte, und dieses gar irgend wo im WWW einzusehen ist... Ist dem so? Wer weiß mehr?
Gruß
Ralf
___________________________________________
,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

t-geronimo

BS: 93 von 104 Schuß
PG: 157 von 184 Schuß
Gruß, Thorsten

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(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Ralf

Das sind doch mal Werte: 89% und 85%, hut ab... Einwände?
Gruß
Ralf
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Gorch Fock

Scharnhorst66

Zitat von: t-geronimoWarum können da nicht 71 ausgefallen sein? Wenn ein Defekt auftrat, der nicht so schnell behoben werden konnte?
Bei PoW in der DK-Str. hat z.B. ein Rohr auch nur einen einzigen Schuß abgefeuert und ist dann ausgefallen.

Die Türme A und B haben lt. Watts 80 Salven geschossen. Turm Y weniger, da er wegen Hartlage nicht immer zum Tragen kam, als DOY Scharnhorst verfolgte.

Und Campbell gibt die Ausfallrate insgesamt für das Gefecht ja auch mit 32% an.

Ergo --> viele kleine Defekte oder wenige große - aber halt Ausfälle.

Alles klar .. dann versteh ich die Aufstellung jetzt auch ..
der Hinweiss über 80 Salven fehlte noch ..

Nun ja .. dann ist das aber schon ne hohe "Ausfallrate" ..
und wenn man bedenkt - das die KGV_klasse zu diesem Zeitpunkt schon
ein paar Jahre im Dienst stand .. da sind die Kinderkrankheiten nicht gerade weniger geworden !
" Fehler sind normal , Irrtümer üblich , Informationen selten vollständig , oft unzutreffend und häufig irreführend "
Sound Military Decision 1936
Gruss Micha

Mario

Zitat von: rosenow@Mario, kannst du mir das mit den Explosionsklappen in den Türmen mal genauer erklären.
Sind damit die Rauchentwicklung an den Verschlüssen  gemeint und deren Ableitung?
Nein, leider nicht.
Raven/Roberts bemängelten dies und führten das Wegfliegen der Rückwand von Turm Bruno darauf zurück. Allerdings dürfte der Turm auch mit diesen Explosionsklappen ausgefallen sein. Maximal wären die Schäden bei einem anschließendem Wefrtaufenthalt schneller zu reparieren gewesen, aber ich mag gar nicht daran denken, was aus den Leuten in diesem Turm geworden ist. Wenigstens haben sie von diesem Volltreffer in ihren Turm nicht mehr viel mitbekommen, sie müssen augenblicklich tot gewesen sein.

t-geronimo

So wie R/R das beschreiben sollen damit wohl Klappen gemeint sein, die im Falle einer Explosion im Turm den entstehenden Druck nach außen ableiten.
Aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie groß diese Klappen sein müßten, um wirklich solche enormen Drücke abzuleiten.
Ich habe von solchen Klappen auch bei keinen alliierten Schiffen gelesen.
Auch bei G&D steht bei der Beschreibung der Explosion in Turm B der Iowa am 19.04.1989 nichts von solchen Klappen, es sei denn, ich habe einen englischen Fachausdruck dafür falsch übersetzt oder interpretiert. Dort ist auch nur von den normalen Turmentlüftungsöffnungen zu lesen, die alle schweren Türme aller Marinen hatten, soweit ich weiß.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Josef

@ rosenow

Unter Explosionsklappen sind die automatisch verblockenden Klappen an den Durchreicheöffnungen aus den Granat- bzw. Kartuschkammern zum Ringwagen zu verstehen. Das sieht im einzelnen so aus: In der Granat- bzw. Kartuschkammer werden die Granaten bzw. die Kartuschen auf rollenbewehrten Bahnen bis zur einer Durchreicheöffnung, die sich in der Trennwand zwischen den schiffsfesten Kammern und dem drehenden Teil des Turmes befinden, geschoben. Hat der Ringwagen nun "Hunger" nach Granaten oder Kartuschen fährt er zu einer der gerade am günstigsten zur jeweiligen Turmstellung liegenden Durchreicheöffnung, die immer paarweise angeodnet sind. An der Durchreicheöffung löst der Ringwagen einen mechanischen Kontakt zur Öffnung der Klappe und gleichzeitig ertönt in der Granat - bzw. Pulverkammer ein akustisches Signal, was wiederum mit einem optischen Signal gekoppelt ist. Blitzschnell schieben nun die Kammermannschaften die Granate bzw. die Kartusche auf den Ringwagen. Die Klappen werden automatisch wieder geschlossen. Dieser Zeitraum - offene Klappe zwischen dem drehbaren Teil des Turms und den Granat- bzw. Kartuschkammern - ist der gefährlichste Augenblick für das Schiff. Deswegen ist dieser Zeitraum wegen eines eventuellen Explosionsüberschlags - ist so kurz wie nur irgend möglich.  
Nach Schließen der Klappe ist die Turm- und Kammersicherheit wieder gegeben.

Freundschaftlich
Josef

Mario

Danke, Josef, sehr gut erklärt. Also hängt das mit der berühmten Stichflammsicherheit zusammen.
Aber ich verstehe nicht, wieso die Bismarck/Tirpitz sowas nicht gehabt haben soll. Und wieso ist wegen dieser angeblich fehlenden Klappe die gesamte Rückwand von Turm Bruno nach dem Volltreffer weggeflogen ???
In diesem Zusammenhang fällt mir auch der Turm der Tirpitz ein, der am Tag des endgültig letzten Angriffs weggeflogen sein soll.

Huszar

@Lutscha:

Kleines Kaliber besser als grosses Kaliber hast du immer behauptet (siehe CL vs CA-Thread)  :D




mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Lutscha

Nicht nur ich und das amerikanische 15,2er Geschütz hatte nunmal einige gegenüber den 20,3ern anderer Länder.
Das ist ja barer Unsinn, wenn das stimmen würde, hätten SIE ja recht!

Typisch deutsche Argumentationsweise.

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