Kriegshafen auf Rügen

Begonnen von Zerstörerfahrer, 11 März 2006, 15:57:15

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Zerstörerfahrer

Durch die aktuelle Tageszeitung bin ich wieder auf dieses Thema gestossen.



Bekannt ist momentan nur dies : 1937 kam der Große Jasmunder Bodden  ins Visier der Kriegsmarine . Im Zuge der Kriegsvorbereitungen Hitlers begannen 1938 die Arbeiten für den Großhafen. Der Durchstich sollte östlich Glowe beim Schloß Spyker verlaufen. Auch im Bodden begannen Baggerungen. Der Aushub wurde bei Martinshafen und Neuhof aufgespült. Bei Lietzow sollte ein Bahngleis abzweigen.

Glowe erhielt einen stählernen Anleger für U-Boote. Steinmolen wuchsen bereits in die See. Kais, Werften und Kasernen waren an den Banzelvitzer Bergen vorgesehen. Diese Anlagen hätten 11 000 Beschäftigte benötigt. 1940/41wurden alle Arbeiten wegen der Kriegslage eingestellt. Da waren bereits 7598 000 Reichsmark für das ,,Scapa Flow"  der Kriegsmarine verausgabt worden.



Bekannt ist natürlich auch , das die Preussen schon 1855 dort einen Hafen planten und auch in der DDR wurde dort mit den Arbeiten für einen hafen begonnen.



Wer hat mehr darüber. Speziel würde mich alles in Zusammenhang mit der Kriegsmarine interessieren. Wer Bilder dazu hat, kann sie mir ja per mail schicken.



Danke

Mario

Bilder habe ich nicht, aber mir ist bekannt, das dort oben im großem Jasmunder Bodden ein U-Boot-Stützpunkt entstehen sollte. Vom Prorer Wiek aus sollten die U-Boote durch einen Tunnel oder einer geschützten fahrrinne zu ihrem Stützpunkt gelangen. Im Prorer Wiek wurde südlich von Sassnitz eine Fahrrinne ausgebaggert. Diese Fahrrinne war derart geschickt zu den dort herrschenden Strömungsverhältnissen ausgerichtet worden, daß sie knapp 50 Jahre später für den neuen Fährhafen Mukran ausgenutzt werden konnte.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, daß man die großen Ferienanlagen, die nördlich von Prora im Bau waren, auch für die Erholung der U-boot-Fahrer nutzen wollte.

Zerstörerfahrer

Das Gerücht mit dem U-Boot Tunnel ist mir bekannt. Ich halte es aber für unwahrscheinlich, da der Weg von der Prorer Wiek bis zum gr. Jasmunder Bodden einfach zu weit ist. Am wahrscheinlichsten ist immer noch ein Durchstich bei Glowe zwischen gr. Jasmunder Bodden und der Ostsee.
Soweit ich mich erinnere, sollten dann im Bodden auch eine Werft und ein Hafen für Grosskampfschiffe entstehen.

Hat da jemand vielleicht einen Hinweis auf entsprechende Literatur ?

Mario

aber welchen Sinn hätte es dann gemacht, die Wasserstraße auszubaggern, die heute für den Fährhafen Mukran genutzt wird ???
Großkampfschiffe halte ich im Jasmunder Bodden für unwahrscheinlich, da dieses Gewässer dafür sicherlich hatte extrem vertieft werden müssen.

Zerstörerfahrer

Kannst du denn belegen, das die Wasserstrasse bei Mukran damals schon ausgebaggert wurde ?
Das mit den Grosskampfschiffen im Bodden hab ich irgendwo mal gelesen. Wenn ich nur noch wüsste wo ? Technisch halte ich das Ausbaggern des Boddens schon für möglich. Er dürfte Aufgrung der sehr kleinen Verbindung zur Ostsee auch nicht wieder so schnell versanden.

Mario

Belegen kann ich es nicht, aber als ich 1988/89 einige Monate in Sassnitz gewohnt habe, wurde immer wieder davon gesprochen. Ich hab' schonmal ein wenig gegoogelt, aber leider nichts davon gefunden.

Zerstörerfahrer

Also ich wohne nun schon 32 Jahre in Sassnitz, aber das U-Boot Tunnel Gerücht, bezog sich meines Wissens immer auf die KDF-Blöcke in Prora.
Dort sollten U-Boote irgendwie anlegen. Aber wie gesagt, es ist eigentlich nur ein Gerücht. Ich hatte gehofft, hier könnte mal jemand was konkretes zum Grosshafen im Jasmunder Bodden sagen.

Zerstörerfahrer

In einem anderen Forum fand ich noch dieses :
ZitatRügenhafen hätte später Platz gehabt für zwei Flugzeugträger,einem Panzerschiff,einem Kreuzer ,sechs neueren Kreuzern,zehn Spähkreuzern,zehn Zerstörern,fünf U-Boot Flottillen,eine Torpedobootflottille,eine Schnellbootflottille und eine Minensuchflottille.Dazu noch eine Räumbootflottille,zwei Tendern,drei Kanonenbooten,einem Troßschiff und einem Spezialschiff.
Woher derjenige seine Informationen bezieht, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis.

kalli

@Zerstörerfahrer,

lies mal hier :
http://www.hafenmuseum.de/view/show_news.php?id=68

Da Du ja in der Nähe wohnst, kannst Du ja mal im Museum Dänholm nachfragen ? :D

Vielleicht gibt es ja auch in der Literatur zum Z-Plan weitere Hinweise.

t-geronimo

Also, wenn damals einige Gigantomanen 4000-8000 Handlesstörer bauen wollten, wären 5-10 qkm Ostsee ausbaggern bestimmt nicht das Problem gewesen...
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Zerstörerfahrer

#10
Alos folgende Zeichnung zeigt zwar das Vorhaben zu DDR-Zeiten. Aber um mal einen Überblick über dasGebiet zu bekommen reicht sie. Es unterscheidet sich zur Kriegsmarine eigentlich nur in der Anordnung der Werften und Häfen.

Von Spee bekam ich noch den Tip zu dieser Broschüre :
oachim H. Rudeck
Der Rügenhafen - Die endlose Geschichte von der deutschen Kleinstaaterei bis zur DDR.

erhältlich zwar hier : http://www.sgo-news.de/html/schriftenreihe.html

Aber auf Online-Bestellungen reagieren die wohl gar nicht.

Also wer hätte noch einen Tip, wo man das ding sonst noch herbekommen könnte.

Wilfried

Moin Zerstörerfahrer,

auf der Kontaktseite der SGO findest Du eine Telefon-Nummer ... direkter Weg, einfach einmal anklingeln ...  :D

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
... Tradition pflegen, bedeutet nicht, Asche aufzubewahren sondern Glut am Glühen zu halten ...
http://www.passat-verlag.de
http://www.kartonskipper.com
http://www.forum-marinearchiv.de - wenn Marine Dein Ding ist!

Zerstörerfahrer

Danke Wilfried,

sollte sich bei der Online-Bestellung nichts tun, werd ich die sowieso mal anbimmeln und fragen wat da los is.

Mario

offensichtlich liege ich also mit meiner Annahme des Durchstichs vom Prorer Wiek lage Zeit falsch. Aber was hätte es dann mit einem Tunnel für U-Boote bei Prora auf sich ??? Ich hoffe, Du informierst uns, wenn Du die Broschüre gelesen hast.

Um mal ein wenig über Sinn und Unsinn dieses Marinehafens zu spekulieren...
Als Logistikzentrum wäre dieser Stützpunkt enorm durch das Nadelöhr RÜGENDAMM gefärdet. Eine wohlgezielte Bombe, oder der Angriff eines Sabotagetrupps könnte diese einzige Verbindung zum Festland für lange Zeit ausschalten. Damit könnte man den Rügenhafen ziemlich einfach ausschalten. Vieleicht kam man um 1940 von selber auf dieses Problem, als man erkannte, wie wirksam Bombenangriffe werden könnten ???

Zerstörerfahrer

Hallo mario,

wenn ich die Broschüre dann irgendwann mal bekommen werde, erstatte ich natürlich sofort Meldung über den Inhalt.

Ich denke mal, als die Planungen für Rügenhafen begannen, war man bestrebt aus der Reichweite gegnerischer Flugzeuge zu kommen. Kiel und Wilhelmshaven waren da doch sehr leicht erreichbar für die Alliierten.
In exponierter Lage wäre der Hafen nur beim Polenfeldzug gewesen, aber die poln. Luftwaffe wurde ja sehr schnell zerschlagen.

Eine Abschneidung der Insel vom Nachschub halte ich für unwahrscheinlich, da sogar schon vor dem Bau des Rügendamms  der ganze Schwedenverkehr und die Versorgung  Rügens mit Fähren ausgeführt wurde .
Also wäre eine Zerstörung des Rügendammes nicht das Problem gewesen.
Die Werften wären doch sowieso über See versorgt worden.

Wenn man auch bedenkt, wie viele Schiffe nach dem Z-Plan noch gebaut worden wären, musste man auch neue Häfen bauen. Man kann doch nicht die ganze Flotte in der Kieler Förde versammeln.
Abgebrochen wurde der Bau sicherlich wegen Arbeitskräftemangel, Materialmangel usw. genauso wie beim Bau der KDF-Blöcke in Prora.

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